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  • Selfies verändern den Blick auf die Welt

    Selfies verändern den Blick auf die Welt

    Ein perfektes Foto, nein, sogar vier perfekte Fotos. Die Haare und das Make-Up sitzen, das Bein wird gestreckt und die Haare werden geschwungen. Und nicht zu vergessen: das wunderschöne Lächeln der jungen Frau, die sich auf der „Kebema-Panoramabrücke“ in Österreich ins rechte Licht für das perfekte Licht rückt. Gefunden habe ich das Foto auf Instagram, wo auch sonst, wenn man nach den schönsten Selfies im Internet sucht. Doch die atemberaubenden, schneebedeckten Berge, der himmelblaue Fluss und die Wolken im Hintergrund rücken im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund. Der Fokus liegt nicht nur bei diesen Fotos, sondern bei unzähligen anderen auf der Person im Vordergrund. Selfies verändern den Blick auf unsere Welt. Und die „Generation Selfie“ wächst beständig.

    Selfies entwerten den Ort und das eigentliche Geschehen. Man selbst präsentiert sich im Vordergrund und postet diese Fotos dann auf Instagram und Co. Der Look von Instagram prägt unseren eigenen Blick auf die Welt: Alles muss perfekt sein. Der Fotospot muss passend zum Outfit sein, die Haare müssen sitzen und selbst das Restaurant und das Essen müssen virtuos sein. Dafür schalten unsere Sinne ab. Geräusche und Gerüche, aber auch andere Menschen sind Nebensache. Wir selbst und das Makellossein überschattet das echte und reale Leben. Aber warum sind Selfies so beliebt?

    Ein Klick und das Selfie ist im Kasten und mindestens genauso schnell wird es auch auf Instagram und anderen sozialen Medien hochgeladen. Außerdem kann man sich so darstellen, wie man es gerne hätte. Das Zauberwort lautet hier: Kontrolle! Die Kontrolle über die Selbstdarstellung. Das Argument, dass tolle Momente festgehalten und geteilt werden sollen, ist ja durchaus überzeugend. Tolle Reisen und Erlebnisse oder sogar das Erklimmen des Mount Everests müssen festgehalten werden. Denn wenn es kein Foto davon gibt, ist es dann vielleicht gar nicht passiert? Für wen macht man denn überhaupt ein Foto, für sich selbst oder für die Aufmerksamkeit und Anerkennung anderer, die man durch so ein spektakuläres Foto erhält?

    In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung stand erst kürzlich, dass zwei Bergsteiger aus Indien auf der Liste der erfolgreichsten Bergsteiger stünden, aber nicht wegen des Erklimmens, sondern wegen des Verfälschens. Sie waren nie auf dem Mount Everest. Da muss man sich doch fragen, warum?

    Klar, so ein tolles Foto erzeugt sicher viel Interesse und soziale Bestätigung noch dazu. Viele Likes und nette Kommentare geben einem Selbstvergewisserung und sind Balsam für das Ego. Das, was ich tue, ist toll und andere finden das auch! Man will ein authentisches Bild von sich schaffen und die anderen User sollen einen mögen und gut finden. Das große ABER ist jedoch: Kein Mensch will schlechte Seiten von sich zeigen, das ist ganz normal, meint auch die Soziologin Bernadette Kneidinger in einer Zeitung. Es wird also nur die Schokoladenseite gezeigt und es wird getrickst und das ganz schön häufig! Die Augenringe und die Pickel kommen weg, das Gesicht wird schmaler gemacht, die Augen sollen glänzen, noch etwas Retusche und zum Schluss noch ein paar schöne Filter. Da muss man sich doch fragen: Was ist da überhaupt noch echt?

    Die sozialen Medien und Plattformen, wie Instagram oder YouTube vermitteln so eine mustergültige Welt und die „Generation Selfie“ eifert dieser Scheinwelt nach. Influencer*innen werden so zu Vorbildern. Vermutlich sind auch Namen wie Pamela Reif, BibisBeautyPalace, aber auch Fußballer wie Toni Kroos oder Marco Reus vielen ein Begriff. Viele von uns bestätigen, dass Influencer*innen Inspiration und Anregung schaffen. Doch durch ihre starke, einflussreiche Präsenz in den sozialen Medien werden sie zu Meinungsführern. Diese große Reichweite von Influencern*innen kann viele Fans also auch für ein Produkt begeistern. Influencer*innen werden längst als Marketinginstrument eingesetzt. Wer also heutzutage Instagram hat, kennt bestimmt auch Produkte von Marken wie ocensapart, hellobody oder purelei. Hier wird mit tollen Rabattaktionen und Cods zum Kaufen angereizt und wenn der oder die Influencer*in das hat, dann ist es bestimmt auch ein super Produkt!

    Doch die Scheinwelt bringt auch Gefahren mit sich. So strebt schon die junge Generation nach Perfektion, wie sie im Internet dargestellt wird. Es entsteht eine unrealistische Selbstwahrnehmung und es wird Jugendlichen in jungen Jahren ein Ideal vorgesetzt, welches völlig unrealistisch ist. Die Erwartungen an sich selbst steigen und wenn mal nicht alles perfekt läuft, weil das Leben nun mal nicht so perfekt ist, entsteht ein vermindertes Selbstwertgefühl. Warum ist das bei denen so, aber bei mir nicht? Und warum haben alle auf Instagram und Co. so eine reine Haut, nur ich nicht?

    Außerdem muss alles dokumentiert werden. Das Essen wird erst gegessen, wenn auch das Foto gemacht wurde. Doch, was einmal gepostet wurde, ist nicht mehr entfernbar. Zwar kann man Fotos und Videos schnell wieder löschen, doch richtig weg sind sie wohl nie!

    Ein bisschen im Internet rumsurfen, was ist da schon dabei, denken vielleicht manche. Das stimmt zwar, aber das Blatt kann sich schnell wenden. Spätestens, wenn die Schule oder selbst Familie, Freunde und geliebte Hobbys vernachlässigt werden, kann man von einer Sucht sprechen. Ein für mich erschreckendes Beispiel ist aus einer Dokumentation namens „Generation Instagram – Alles tun für Likes und Follower“. Der 19-jährige Alex geht sechs Mal in der Woche ins Fitnessstudio und trainiert für einen perfekten Körper, den er dann im Internet präsentiert. Likes machen ihn, wie er sagt, glücklich und „pushen“ ihn. Außerdem stärken Follower sein Selbstbewusstsein. Doch viel Zeit für Treffen mit Freunden oder eine Beziehung bleibt ihm da nicht. Doch egal, wie spektakulär oder perfekt das Foto oder Selfie ist, der Fokus ist immer der gleiche – die Umgebung wird zur Nebensache, diese schreit: ICH! Und die Welt rückt in den Hintergrund. Doch wo soll das hinführen?

    Wir verlieren den Blick auf unsere wunderschöne Erde und unsere Natur! Mein Apell an die „Generation Selfie“ ist daher: Lasst das Handy zu Hause, löscht Apps, wie Instagram und Co., wenn auch nur für ein paar Tage, dreht der Welt nicht den Rücken zu und schreit ICH, sondern umarmt die Welt und nehmt sie wahr mit allen Sinnen. Seht das Leben als Geschenk und entdeckt dieses wunderbare Universum mit all seinen Facetten und all den unterschiedlichen Menschen. Jede*r von uns ist anders und nicht immer gut drauf, denn das Leben ist nicht perfekt. Und das ist die eigentliche Challenge.

    von Johanna Rasch, 10. Jahrgang

     

    Quellen:

    • Titelbild von Lars Nissen auf Pixabay [13.06.2021].
    • https://www.youtube.com/watch?v=T9j9sPqLjto [13.06.2021].
    • https://www.spiegel.de/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fstil%2Fselfies-veraendern-den-blick-auf-die-welt-a-1036688.html [15.04.21].
    • https://de.wikipedia.org/wiki/Selfie [15.04.21].
    • https://www.jugendkultur.at/wp-content/uploads/Generation_Selfie_2014.pdf [15.04.21].

     

  • Konsum: Von Produktplatzierungen und anderen „Freundschaftsdiensten“

    Konsum: Von Produktplatzierungen und anderen „Freundschaftsdiensten“

    Egal, ob online oder nicht! Das Einkaufen und Verbrauchen von Konsumgütern spielt besonders heutzutage eine große Rolle. Man spricht daher auch von einer „Konsumgesellschaft“, die zwar für die Wirtschaft hervorragend zu sein scheint, uns gegenüber aber einige Nachteile und Probleme mit sich bringt. Aber was das alles genau bedeutet und wie wir beim Einkaufen manipuliert werden, ist hier für Euch zusammengefasst!

    Mit „Konsum“ bezeichnet man zunächst einmal alles, was wir Menschen alltäglich verbrauchen, nutzen und auch verzehren. Dazu gehören Kleidung und Lebensmittel, aber auch Handys, Kinobesuche und noch vieles mehr. Wenn man also etwas konsumiert, gibt man automatisch Geld aus, was der Wirtschaft natürlich zugute kommt. Schließlich macht sie so mehr Gewinn! Das Konsumieren gibt es übrigens schon seit es die Menschheit gibt, da der Mensch schon immer versuchte, Dinge zu erwerben, die man im Grunde gar nicht zum Überleben braucht, sondern die vielmehr den Zweck erfüllen, das Leben glücklicher zu machen. So wollten, im 18. und 19. Jahrhundert, viele Menschen beispielsweise hochwertige Stoffe und Gewürze haben, die meistens von weit her transportiert wurden. Mal davon abgesehen, dass der Transport mühsam und umweltbelastend ist, entwickelte sich ein Bedarf zu einem Wunsch. Die Menschen fingen also an, sich allmählich Luxusgüter anzuschaffen. Im Laufe der Zeit wurde so das Kaufen zum wichtigen Bestandteil unseres Lebens. Es brachte aber auch Neid zum Vorschein.

    Materielle Sachen bekamen immer mehr Wichtigkeit und führten daher auch zu Ungerechtigkeiten. So bleiben ärmere Menschen immer im Nachteil, denn das, was reichere haben, können sie sich gar nicht leisten. Dies führt zwangsläufig zur Ausgrenzung. Auch in Schulen kann dieses Phänomen beobachtet werden. Kinder, die zum Beispiel kein Handy haben, fühlen sich so schnell ausgeschlossen, da andere in der Pause über Themen reden, wie beispielsweise über neue YouTube-Videos,  über die sie gar nicht sprechen können.

    Gerade heute schauen viele Menschen darauf, was angesagt ist und was nicht. So gelten Luxusgüter für viele Leute als erstrebenswert, um ihren Status auszudrücken, sich abzugrenzen und an Prestige (= Ansehen) zu gewinnen, was natürlich Firmen ausnutzen. Unternehmen machen sich dieses Konsumverhalten zunehmend zu nutze, indem sie psychologische Tricks und manipulative Methoden anwenden, die uns zum Kaufen ermutigen. So kommt es zu vielen Schulden, da viele den Umgang mit Geld gar nicht beherrschen. Übermäßiger Konsum kann zudem auch süchtig machen. Die Sucht, immer mehr zu kaufen und zu konsumieren, endet meistens in einem riesigen Schuldenberg. Und: Der Besitz steht meist nicht mehr im Vordergrund. Vielmehr erfreut sich die Person einzig und allein am Kauf eines ganz beliebigen Gegenstandes. Diese Freude ist jedoch, nach dem Kauf, schnell verblasst.

    Auch Werbung beeinflusst, was wir kaufen. Produktplatzierungen, oder auch „Werbeintegration“ genannt, ist eine gezielte Darstellung und Erscheinung von Markenprodukten auf bestimmten Plattformen: Das ist in Film- und Fernsehproduktionen, Videospielen, Videoclips, Zeitschriften und anderen Medien möglich. Die Platzierung soll uns insofern beeinflussen, dass wir das Produkt bestenfalls kaufen. Ohne unseren Konsum würden nämlich viele Unternehmen pleite gehen. Damit genau das nicht passiert, sorgen sie mithilfe von Werbung dafür, dass wir die Produkte kaufen.

    Auch sogenannte „Influencer“ spielen dabei eine große Rolle. Als „Influencer“ werden Menschen bezeichnet, die aufgrund ihrer starken Präsenz in den sozialen Netzwerken als Träger für Werbung dienen (= Influencer-Marketing). „Bibi“, alias Bianca Claßen, gehört beispielweise zu den sogenannten „Influencern“. Sie betreibt den YouTube-Kanal „BibisBeautyPalace“, auf dem sie Videos zu  Themen wie Kosmetik und Kleidung veröffentlicht. Auch Bibi sorgt dafür, dass wir die Lust am Kaufen nicht verlieren. Wenn Bibi sich in ihrem Video schminkt, dann lobt sie die Marke des Lippenstifts. Dabei wird ein Satz eingeblendet: „Unterstützt durch Produktplatzierungen.“ Das bedeutet, dass sie von der Lippenstift-Firma Geld dafür bekommt. Wie viel sie für diese Art von Werbung bekommt, weiß man nicht. Über Geld spricht Bibi nämlich nicht. Vielmehr erscheint sie als gute Freundin im Internet. Eine Freundin, die dir ein nettes Produkt empfiehlt.

    Unser Umfeld und unsere Wahrnehmung spielen beim Kaufen also eine wichtige Rolle und beeinflussen uns sehr. Unsere Geldquellen und die unserer Erziehungsberechtigten, sprich unserer Eltern, sind dabei aber ebenso wichtig  und entscheiden grundlegend darüber, was wir uns leisten können und was nicht. Denkt beim nächsten Einkauf als nicht nur an „Bibis Freundschaftsdienste“, sondern auch an euren Geldbeutel.

    von Marie Mielke, Jahrgang 8