Schlagwort: Umwelt

  • Was wir von der Corona-Krise lernen können

    Was wir von der Corona-Krise lernen können

    Die Welt steht still: Flugzeuge bleiben am Boden, Schiffe befinden sich im Hafen, Werke werden geschlossen und die Industrieproduktion wird insgesamt gedrosselt – eine Entwicklung, die sich Greta Thunberg und ihre Anhänger sicher gewünscht hätten. Sichtbar werden nun glasklare Hafenbecken, Himmel ohne Kondensstreifen, Städte ohne Dunstglocken – durch „Homeoffice“ und Ladenschließungen sind schließlich viele Menschen zu Hause geblieben und haben ihr Auto stehen gelassen. Das Klimaziel der Bundesregierung für 2020 könnte vielleicht erreicht werden. Vielleicht.

    Durch den „Corona-Stillstand“ der vergangenen Monate erhält unsere Atmosphäre eine Erholungspause. Der CO2-Ausstoß könnte sogar ca. 11 Prozent niedriger ausfallen. Doch im Gegenzug bedeutet dieser „Lockdown“ einen Absturz der deutschen Wirtschaft, tausende Firmen kämpfen um das Überleben, Millionen Menschen haben Angst um ihre Arbeit. Erinnerungen an Crashs, wie die weltweite Finanzkrise ab 2008, die eine schwere Eurokrise zur Folge hatte, oder an das Jahr 1929, als die „Große Depression“ Millionen Menschen ins Elend gestürzt hat, tauchen plötzlich wieder auf. Schnell vergessen sind da die zu warmen Winter, die neuen Temperaturrekorde, die Insektenplagen oder das Insektensterben oder gar die Pole, die ebenso zu schwitzen haben wie so mancher Unternehmensboss.

    Doch der Wachstumsmotor unserer Wirtschaft soll nach Corona so schnell wie möglich wieder zum Laufen gebracht werden. Die Messlatte dafür ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die einfache Summe aller produzierten Dienstleistungen und Waren, egal wie und unter welchen Bedingungen diese hergestellt werden. Das BIP ist neutral – auch gegenüber dem Klimaschutz! Es gibt keine Folgekosten für Fabrikschlote, Plastiktüten oder durch Überdüngung kontaminiertes Grundwasser! Wir dürfen nicht einfach wieder in die „alte“ Normalität zurück, da Corona ein Beweis dafür ist, wie anfällig Volkswirtschaften sind. Wir sollten weg vom Wachstum, das die Folgekosten von Klimawandel einfach ausblendet!

    Bestes Beispiel ist China, nachdem der „Motor“ hier wieder angesprungen ist, steigt die CO2-Kurve erneut an. Kommt es bei uns, aufgrund des Nachholbedarfes, eventuell auch zu erhöhten Emissionen, wenn wir wieder zu Normalität zurückkehren? Unsere Bundesregierung entscheidet darüber, welche Kriterien angelegt werden, wenn sie Milliardenhilfen und Kredite verteilt. Sie entscheidet darüber, ob die Wirtschaft nach Corona etwas grüner oder noch CO2-intensiver sein wird.

    Klar ist, dass der von Menschen Hand gemachte Klimawandel nicht zu leugnen ist. Auch wenn das andere gern behaupten. Die Folgen des Klimawandels sind allgegenwärtig: Im Jahr 2019 konnte kein einziger Winzer den sogenannten Eiswein in Deutschland herstellen, die Mindesttemperatur von -7 Grad Celsius wurde nicht erreicht. Gemüse hingegen, wie beispielsweise Spargel, kann aufgrund des milden Winterwetters früher als sonst gestochen werden. Der gefährlichste Schädling des Waldes, der Borkenkäfer, kann sich aufgrund des milden Wetters ungehindert vermehren und richtet an den durch Dürre und Hitze geschwächten Wald erhebliche Schäden an. Blutroter Schnee in der Antarktis, ausgelöst durch eine auf Schnee wachsende Alge, ist ein durch den Klimawandel ausgelöstes Phänomen. Hitzewellen in der Antarktis bringen zudem große Schneemassen zum Schmelzen. Die schützende Ozonschicht über dem Nordpol schrumpft aufgrund des Klimawandels. Regenwälder speichern weniger CO2, da die Regenwälder seit dem Klimawandel häufiger Dürren ausgesetzt sind. Aufgrund von Starkregen und Überschwemmungen profitieren bestimmte Insekten von günstigen Brutbedingungen. Die Folge: Ein Heuschreckenschwarm von mittlerer Größe vertilgte erst kürzlich die gleiche Menge an Lebensmitteln wie die ganze Bevölkerung Kenias.

    Aber: Die Hoffnung besteht, dass wir nach dieser Krise eine Veränderung für uns mitnehmen, denn wir konnten sehen, was passiert, wenn nichts passiert. Die Welt wurde sauberer. Doch werden wir nach der Krise auf ungebremsten Konsum verzichten und plötzlich alle zum Klimaschützer werden? Ein Vorstoß in die richtige Richtung ist zumindest der „Green Deal“. Der European Green Deal ist ein von der Europäischen Kommission erarbeitetes Konzept mit dem Ziel, bis 2050 in der Europäischen Union die Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren. Wichtig ist aber auch eine Hilfe für ärmere Länder, schließlich machen die Folgen des Klimawandels nicht vor Ländergrenzen halt. Es ist wichtig, dass jeder und jedes Land seinen Beitrag leistet, damit wir weiterhin auf unserer Welt glücklich und zufrieden leben können. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir, dass die Energie der Zukunft CO2-frei, sicher und bezahlbar wird, dass Fliegen mittels alternativer Antriebsstoffe möglich sein wird, dass ein Verzicht auf Plastik endlich realisierbar ist, dass es keine Verschwendung von wertvollen Lebensmitteln gibt und dass die Massentierhaltung ein Ende hat – dass wir nun noch das produzieren, was wir wirklich benötigen. All das muss natürlich im Einklang mit den Menschen, der Politik und der Wirtschaft erfolgen. Schließlich verursachen diese Visionen neue Entwicklungen und Kosten, welche von allen getragen werden müssen, um ein gesundes Klima und eine funktionierende Wirtschaft zu erzielen.

    Ich hoffe, dass diese Krise vielen Menschen endlich deutlich gemacht hat, dass nur ein bewusster Umgang mit unserer Welt den Klimawandel und seine Folgen abmildern kann. Die Zeit ist reif, denn ansonsten ist die Gefahr groß, dass eine Krise durch eine weitere massive Krise, die Klimakrise, abgelöst wird!

    von Alissa Josupeit, Jahrgang 8

     

  • Herr Braunkohle im Interview: „Heute gelte ich als problematischer Energieträger“

    Herr Braunkohle im Interview: „Heute gelte ich als problematischer Energieträger“

    Die Braunkohle steht bei vielen Menschen in Deutschland in der Kritik. Aber warum ist das eigentlich so? Dieser Frage sind nicht nur Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse im Erdkundeunterricht nachgegangen, sie haben sie auch in ansprechender Form für die Schülerzeitung unserer Schule aufbereitet. Auch Mia G. (6G3) ging der Frage nach, warum die Braunkohle bei so vielen Menschen einen unfassbar schlechten Ruf hat.

    Interview von Mia G. (6G3)

    Sehr geehrter Herr Braunkohle, ist es wahr, dass es Sie bereits seit vielen Millionen Jahren gibt?

    Braunkohle: Ja, das stimmt tatsächlich. Meine ersten Vorfahren stammen aus dem sogenannten „Tertiär“, ein Erdzeitalter, das am Ende der Kreidezeit, vor ca. 65 Millionen Jahren, begann. Meine liebe Verwandte, die Steinkohle, ist noch viel älter. Sie stammt aus dem Erdzeitalter „Karbon“ und ist beinahe 350 Millionen Jahre alt.

    Wie genau sind Sie entstanden?

    Braunkohle: Ich bin aus alten abgestorbenen Pflanzen entstanden. Ganze Wälder mit riesigen Farnen und Bäumen, die es damals gab, wurden überschwemmt. Schließlich hat sich Moor gebildet. Die Pflanzen darin sind abgestorben und zu Torf geworden. Dann hat sich Sand darüber abgelagert und es konnte wieder ein neuer Wald entstehen. Der wurde wieder überschwemmt, die Pflanzen sind erneut abgestorben und Sand hat sich wiederum abgelagert. Das hat sich über Millionen von Jahren wiederholt. So sind immer mehr Schichten von Torf entstanden.

    Und dann, Herr Braunkohle?

    Braunkohle: Durch das Gewicht der oberen Schichten wurde der Torf zu Braunkohle gepresst.

    War das bei Ihrer Verwandte, der Steinkohle, denn auch so?

    Braunkohle: Die Steinkohle ist aus den ersten Schichten entstanden. Sie liegt tief unten im Gestein, wo der Druck noch größer war.

    Verraten Sie uns, wie Sie eigentlich an die Oberfläche gekommen sind?

    Braunkohle: Ich befinde mich auf großen Flächen relativ dicht unter der heutigen Oberfläche. Wenn man die Erde darüber abträgt, dann kann man mich mit riesigen Baggern, sogenannten Schaufelradbaggern, fördern.

    Ist die Förderung auch mit Problemen verbunden?

    Braunkohle: Ja, die Flächen sind häufig mehrere Quadratkilometer groß. Darüber befinden sich häufig Wälder oder Flüsse oder gar Siedlungen von Menschen.

    Oh, dann sind Sie bei den Anwohnern wohl nicht sehr beliebt?

    Braunkohle: Manche Menschen haben durch mich Arbeit, weil sie mich abbauen. Andere sehen nur die Landschaft, die sich durch den Abbau stark verändert. Wiederum andere müssen leider ihre Heimat verlassen.

    Sie berichten von einer starken Veränderung. Was passiert konkret mit den Ortschaften und Flüssen, die beim Abbau im Weg sind?

    Braunkohle: Die müssen leider verlegt oder umgesiedelt werden. Aber: Wenn ich nicht mehr in der Erde bin, dann wird die Fläche wieder aufgefüllt und bepflanzt. Dadurch entstehen tolle Naturerholungsgebiete. Die Experten nennen dies „Rekultivierung“.

    Kein Wunder, dass die Menschen Sie nicht nur mögen. Ist das bei Ihrer Verwandten, der Steinkohle, denn auch so?

    Braunkohle: Die Steinkohle liegt tief in der Erde – meist mehrere 100 bis 1000 Meter tief. Sie zu fördern ist noch viel aufwändiger und gefährlicher.

    Bild 1: Die Schaufel eines Schaufelradbaggers ist im Schnitt 24 m hoch und 4 m tief.

    Das müssen Sie den Schülerinnen und Schülern aber genauer erklären, Herr Braunkohle!

    Braunkohle: Menschen und Maschinen müssen tief in die Erde. Man kann nicht mit riesigen Baggern arbeiten, sondern mit kleineren Fräsen, denn Steinkohle ist sehr hart. Außerdem ist es dort sehr heiß und die Stollen können einstürzen. Die Hälfte der Fördermenge ist normales Gestein und muss entsorgt werden. Daher gib es auch dort große Abraumhalden, welche später mit Erde bedeckt und bepflanzt werden.

    Trotzdem gelten Sie als „braunes Gold“. Schließlich kann der Mensch mit Ihnen heizen oder Strom erzeugen. Mögen viele Menschen Sie?

    Braunkohle: Früher ja. Heute gelte ich als problematischer Energieträger.

    Warum? Von Ihnen werden doch immer noch Millionen von Tonnen pro Jahr gefördert.

    Braunkohle: Schon, aber in den Pflanzen sind – damals wie heute – viele Tausend Tonnen Kohlenstoff (C) gespeichert und dieser Kohlenstoff trägt fast ausschließlich zur Verbrennungsenergie bei. Daraus wird dann Kohlenstoffdioxid (CO2) – das klimawirksame Gas.

    Bild 2: Bei der Verbrennung von Braunkohle ensteht das klimawirksame Gas Kohlendioxid.

    Dann sind Sie mitverantwortlich für die Erderwärmung und den Klimawandel?

    Braunkohle: Manche Menschen sagen, dass sich das Klima schon immer verändert hat. Aber es gibt Studien, die zeigen, dass die Verfeuerung von Kohle mit bleibenden Schäden für die Umwelt und den Menschen verbunden ist. Der bräunliche Stoff setzt nämlich beim Verbrennen besonders große Mengen Klimagase frei. Und, wie ich eben bereits betont habe, liegt der Grund für meine enorme Klimaschädlichkeit in meiner Entstehung.

    Der Klimawandel macht vielen Menschen Angst. Sie wollen daher lieber Strom aus erneuerbaren Energiequellen, wie der Wind- und Sonnenenergie, gewinnen. Was halten Sie von diesem Vorhaben?

    Braunkohle: Kein Kommentar.