Herr Braunkohle im Interview: „Heute gelte ich als problematischer Energieträger“

Die Braunkohle steht bei vielen Menschen in Deutschland in der Kritik. Aber warum ist das eigentlich so? Dieser Frage sind nicht nur Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse im Erdkundeunterricht nachgegangen, sie haben sie auch in ansprechender Form für die Schülerzeitung unserer Schule aufbereitet. Auch Mia G. (6G3) ging der Frage nach, warum die Braunkohle bei so vielen Menschen einen unfassbar schlechten Ruf hat.

Interview von Mia G. (6G3)

Sehr geehrter Herr Braunkohle, ist es wahr, dass es Sie bereits seit vielen Millionen Jahren gibt?

Braunkohle: Ja, das stimmt tatsächlich. Meine ersten Vorfahren stammen aus dem sogenannten „Tertiär“, ein Erdzeitalter, das am Ende der Kreidezeit, vor ca. 65 Millionen Jahren, begann. Meine liebe Verwandte, die Steinkohle, ist noch viel älter. Sie stammt aus dem Erdzeitalter „Karbon“ und ist beinahe 350 Millionen Jahre alt.

Wie genau sind Sie entstanden?

Braunkohle: Ich bin aus alten abgestorbenen Pflanzen entstanden. Ganze Wälder mit riesigen Farnen und Bäumen, die es damals gab, wurden überschwemmt. Schließlich hat sich Moor gebildet. Die Pflanzen darin sind abgestorben und zu Torf geworden. Dann hat sich Sand darüber abgelagert und es konnte wieder ein neuer Wald entstehen. Der wurde wieder überschwemmt, die Pflanzen sind erneut abgestorben und Sand hat sich wiederum abgelagert. Das hat sich über Millionen von Jahren wiederholt. So sind immer mehr Schichten von Torf entstanden.

Und dann, Herr Braunkohle?

Braunkohle: Durch das Gewicht der oberen Schichten wurde der Torf zu Braunkohle gepresst.

War das bei Ihrer Verwandte, der Steinkohle, denn auch so?

Braunkohle: Die Steinkohle ist aus den ersten Schichten entstanden. Sie liegt tief unten im Gestein, wo der Druck noch größer war.

Verraten Sie uns, wie Sie eigentlich an die Oberfläche gekommen sind?

Braunkohle: Ich befinde mich auf großen Flächen relativ dicht unter der heutigen Oberfläche. Wenn man die Erde darüber abträgt, dann kann man mich mit riesigen Baggern, sogenannten Schaufelradbaggern, fördern.

Ist die Förderung auch mit Problemen verbunden?

Braunkohle: Ja, die Flächen sind häufig mehrere Quadratkilometer groß. Darüber befinden sich häufig Wälder oder Flüsse oder gar Siedlungen von Menschen.

Oh, dann sind Sie bei den Anwohnern wohl nicht sehr beliebt?

Braunkohle: Manche Menschen haben durch mich Arbeit, weil sie mich abbauen. Andere sehen nur die Landschaft, die sich durch den Abbau stark verändert. Wiederum andere müssen leider ihre Heimat verlassen.

Sie berichten von einer starken Veränderung. Was passiert konkret mit den Ortschaften und Flüssen, die beim Abbau im Weg sind?

Braunkohle: Die müssen leider verlegt oder umgesiedelt werden. Aber: Wenn ich nicht mehr in der Erde bin, dann wird die Fläche wieder aufgefüllt und bepflanzt. Dadurch entstehen tolle Naturerholungsgebiete. Die Experten nennen dies „Rekultivierung“.

Kein Wunder, dass die Menschen Sie nicht nur mögen. Ist das bei Ihrer Verwandten, der Steinkohle, denn auch so?

Braunkohle: Die Steinkohle liegt tief in der Erde – meist mehrere 100 bis 1000 Meter tief. Sie zu fördern ist noch viel aufwändiger und gefährlicher.

Bild 1: Die Schaufel eines Schaufelradbaggers ist im Schnitt 24 m hoch und 4 m tief.

Das müssen Sie den Schülerinnen und Schülern aber genauer erklären, Herr Braunkohle!

Braunkohle: Menschen und Maschinen müssen tief in die Erde. Man kann nicht mit riesigen Baggern arbeiten, sondern mit kleineren Fräsen, denn Steinkohle ist sehr hart. Außerdem ist es dort sehr heiß und die Stollen können einstürzen. Die Hälfte der Fördermenge ist normales Gestein und muss entsorgt werden. Daher gib es auch dort große Abraumhalden, welche später mit Erde bedeckt und bepflanzt werden.

Trotzdem gelten Sie als „braunes Gold“. Schließlich kann der Mensch mit Ihnen heizen oder Strom erzeugen. Mögen viele Menschen Sie?

Braunkohle: Früher ja. Heute gelte ich als problematischer Energieträger.

Warum? Von Ihnen werden doch immer noch Millionen von Tonnen pro Jahr gefördert.

Braunkohle: Schon, aber in den Pflanzen sind – damals wie heute – viele Tausend Tonnen Kohlenstoff (C) gespeichert und dieser Kohlenstoff trägt fast ausschließlich zur Verbrennungsenergie bei. Daraus wird dann Kohlenstoffdioxid (CO2) – das klimawirksame Gas.

Bild 2: Bei der Verbrennung von Braunkohle ensteht das klimawirksame Gas Kohlendioxid.

Dann sind Sie mitverantwortlich für die Erderwärmung und den Klimawandel?

Braunkohle: Manche Menschen sagen, dass sich das Klima schon immer verändert hat. Aber es gibt Studien, die zeigen, dass die Verfeuerung von Kohle mit bleibenden Schäden für die Umwelt und den Menschen verbunden ist. Der bräunliche Stoff setzt nämlich beim Verbrennen besonders große Mengen Klimagase frei. Und, wie ich eben bereits betont habe, liegt der Grund für meine enorme Klimaschädlichkeit in meiner Entstehung.

Der Klimawandel macht vielen Menschen Angst. Sie wollen daher lieber Strom aus erneuerbaren Energiequellen, wie der Wind- und Sonnenenergie, gewinnen. Was halten Sie von diesem Vorhaben?

Braunkohle: Kein Kommentar.

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