Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt – Der FreiDay an der Otfried-Preußler-Schule

Jeden Donnerstag geht es in der Otfried-Preußler-Schule in Hannover darum, die Welt zu verändern. Im Rahmen des Lernformats FreiDay sind die Schüler*innen selbstgewählten Zukunftsfragen auf der Spur – „Wie gestalten wir unsere Zukunft?“, „Was können wir für unser Klima tun?“, „Warum gibt es Rassismus?“ oder „Was können wir gegen Armut tun?“. In ihrer FreiDay-Zeit begegnen die Kinder den Herausforderungen unserer Zeit mit Mut, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein und erleben sich als handlungsfähig und selbstwirksam. Sie spüren: „Ich kann etwas bewegen“. Die Schüler*innen entwickeln gemeinsam mit anderen Kindern eigene Projekte, suchen konkrete Lösungen für unterschiedliche Probleme, recherchieren, planen, tüfteln und setzen ihre Projekte direkt in der Nachbarschaft um. Eine Schülerin der vierten Klasse beschreibt den FreiDay so: „Ich habe gelernt, dass es mir wichtig ist, was mit der Welt geschieht und ich habe gelernt, dass ich etwas dagegen tun kann!“ 

Die Global Goals

Zu Beginn des FreiDays haben sich alle Klassen mit den 17 Globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung, die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden, beschäftigt. Je nach Jahrgangsstufe wurden zu den Zielen kleine Filme geschaut, Bücher gelesen, im Internet recherchiert, Botschaften mit der Kamera aufgenommen, gebastelt oder gemalt. Bei einer Global-Goals-Rallye konnten sich die Schüler*innen auf unterschiedlichste Weise mit den 17 Zielen auseinandersetzen. In den FreiDay Bücherwägen, die wir zu Beginn mit allerlei Literatur gefüllt haben, wurde gelesen und recherchiert. Schnell wurde klar, dass alle Menschen mithelfen müssen, um die Ziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Die Motivation etwas zu bewegen war also geweckt und die ersten kleineren und größeren Projekte entstanden. In der näheren Umgebung der Schule fielen den Kindern gleich mehrere Dinge auf, die sie anpacken wollten. So sammeln sie nun regelmäßig Müll im Stadtteil, beschäftigen sich mit Solarenergie für das Schulgebäude, verteilen Flyer mit Umwelttipps in der Nachbarschaft oder überlegen sich Möglichkeiten, wie der Straßenverkehr im Bereich der Schule umgestaltet werden kann. Die Themen der Kinder sind vielfältig und reichen vom Upcycling bis hin zum Sammeln von Sachspenden für Wohnungslose. Die Erwachsenen begleiten die Kinder bei ihren Projekten, treten aber in den Hintergrund, unterstützen bei Bedarf oder geben Tipps.

Kick-Off

Wie kann ein gemeinsamer Start mit der ganzen Schulgemeinschaft in den FreiDay gelingen? Wir ließen uns vom Netzwerk der Schulen im Aufbruch dazu inspirieren, einen Kick-Off-Tag an unserer Schule zu veranstalten. Zwar musste dieser Tag aufgrund der Coronapandemie des Öfteren verschoben werden, dies tat der Begeisterung aber keinen Abbruch. 

Am Kick-Off Tag hatten alle Schüler*innen und auch Kooperationspartner*innen (Studierende der Universität Hannover oder die Garten AG) die Möglichkeit, ihre bisherigen FreiDay-Projekte auf einem bunten „Marktplatz der Ideen“ in der Turnhalle vor und mit der gesamten Schulgemeinschaft zu präsentieren. Die Stimmung war von der ersten Minute an ausgelassen und fröhlich. 

An vielfältigen Ständen wurde sich über Ideen, Aktionen und Pläne ausgetauscht und informiert. In einem Klimacamp wurden Umwelttipps geteilt und kleine Bäume verkauft. In einer Filmbox nahmen die Schüler*innen ihre Botschaft für eine besser Welt auf. Auch der Schülerkiosk „Ottis Eck“ stand an diesem Tag mehr denn je unter dem Motto Nachhaltigkeit und bot selbstgemachte, gesunde Bio-Leckereien an. 

An den Marktplatz schloss sich ein gemeinsames „Forum“ an. Hier erzählten die Kinder auf der Bühne selbstbewusst und voller Tatendrang von ihren Projekten, zeigten kleine Filme und sangen gemeinsam. Als Abschluss hielt die Entwicklerin und Initiatorin des FreiDays, Margret Rasfeld, einen Gastvortrag und gab der Schulgemeinschaft zusätzlichen Mut und Motivation für den FreiDay mit auf den Weg. Der Tag endete mit vielen neuen Ideen und Eindrücken im Gepäck. In den nächsten Wochen wurden die Impulse des Kick-Off-Tages in den Klassen aufgegriffen, woraus neue Projekte entstanden. Einige Kinder schlossen sich auch mit anderen zusammen, die sie für ihre Idee begeistern konnten. Der Marktplatz und das FreiDay-Forum werden in Zukunft in kleinerer Form zum festen Bestandteil des Schullebens werden und Inspiration und Ideenaustausch untereinander und mit verschiedenen Kooperationspartner*innen ermöglichen. 

Nachhaltige Weihnachten

In der Weihnachtszeit gab der Adventskalender einer dritten Klasse den Impuls zu einem gemeinsamen FreiDay-Projekt. Jeweils ein Kind hatte für ein anderes Kind ein kleines Päckchen gepackt, welches in der Adventszeit jeden Morgen ausgepackt wurde. Mit der Zeit stellten die Kinder fest, dass so jeden Tag Verpackungsmüll entstand. In einem gemeinsamen Gespräch kam die Klasse darauf, dass sie dieses Problem näher behandeln wollten. Es blieb jedoch nicht dabei, dass sie der Müll störte. Im Laufe der nächsten Tage kamen immer mehr Ideen zusammen, wie das Weihnachtsfest nachhaltiger gestaltet werden könnte. Am FreiDay wurden die Ideen der Klasse gemeinsam aufgeschrieben und die Kinder fanden sich in kleineren Projektgruppen zusammen. Innerhalb der Gruppen fingen die Kinder damit an, ihr Projekt zu planen. Sie überlegten sich, was sie erreichen wollten, wer was besonders gut konnte oder wer welches Material besorgen konnte. Anschließend begann die Arbeit. Die Kinder trugen Material zusammen oder informierten sich im Internet sowie in Büchern über ihr Thema. Eine Gruppe recherchierte, wie Geschenke nachhaltig eingepackt werden können und bastelte Verpackungen aus alter Zeitung, Marmeladengläsern und Stoffresten. Eine andere Gruppe fragte sich, welche Alternativen es zu herkömmlichen Adventskalendern gibt. Aus Toilettenpapierrollen und alten Socken entstand ein wiederverwendbarer Adventskalender mit einem Umwelttipp für jeden Tag. Außerdem wurde ein Monatskalender für das gesamte Jahr gebastelt, der jeden Monat daran erinnert, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Andere Kinder stellten fest, dass Weihnachtsdekoration nicht immer nachhaltig ist und bastelten aus alten Büchern Engel, Weihnachtskarten sowie Baumschmuck. In den Pausen boten sie ihre Basteleien zum Verkauf an und spendeten das eingenommene Geld für das Anlegen einer Bienenwiese. Was ist eigentlich fairtrade? fragte sich eine andere Gruppe. Mit einem Infoplakat informierten sie andere Kinder darüber, welche Schokoladenweihnachtsmänner fair produziert wurden und wie man diese beim Einkaufen erkennen kann. Eine weitere Gruppe informierte mit einem Flyer über Alternativen zum herkömmlichen Weihnachtsbaum. In der Schulküche wurden währenddessen umweltfreundliche Vogelfutterkugeln ohne Plastiknetz hergestellt und anschließend auf dem Schulhof aufgehängt. 

Blühwiesen und Insektenhotel

Letztes Jahr nach den Sommerferien unterhielten wir uns mit den Kindern bei einem Rundgang rund um die Schule darüber, was sie sehen, wenn sie durch ihren Kiez laufen und ob sie sich so ihre Zukunft vorstellen. Die Antworten waren so klar wie vielfältig. Die Kinder stellten fest: Nein, so soll die Zukunft nicht aussehen! Es sollte mehr Raum geben zum Toben, Spazieren und Draußensein. Sie fragten sich: Warum gehören die Straßen eigentlich den Autos und wieso gibt es so wenig Grünflächen mit Blumen und Gemüse? Grünstreifen wären eher etwas, wo Hunde Gassi gehen- Warum ist das eigentlich so? Wieso gibt es so wenig Insekten zu sehen und wieso liegt ständig Müll auf den Grünflächen?

Im FreiDay wurden anschließend Ideen entwickelt und Pläne gezeichnet, wie wir die Veränderung sein können, die wir uns wünschen. 

Müll wurde gesammelt und entsorgt. Blumenzwiebeln und Gartengeräte zusammengestellt und recherchiert, ob die Baumscheiben um die Schule herum auch von uns bepflanzt werden dürfen. Ja, das dürfen sie. Und so begann die Umgestaltung von erst einer Baumscheibe und jetzt allen Baumscheiben an unserer Schule zu blühenden, insektenfreundlichen Bienenwiesen und Frühlingsgärtchen. Insektenhotels wurden geplant, gebaut und neugierig bestaunt. Krabbelt da schon was? Wohnt hier schon jemand und wenn ja, wer kann es sein?

Jedes Jahr im Frühling, Sommer und Herbst buddeln und krauten nun Schüler*innen in den Minibeeten um die Schule. Hundekot und Müll finden sich in auf den blühenden Flächen deutlich seltener. Insekten dafür langsam wieder mehr. Passanten bleiben stehen und freuen sich über die Pflanzen, kommen mit uns ins Gespräch. Der Vorhof zur Schule ist nun Teil der Schule. Lebensraum und Handlungsfläche für unsere Kinder. 

Dies soll erst der Anfang sein. Es gibt noch so viel zu erdenken und zu gestalten. 

Die Zukunft gehört den Kindern der Welt. Der FreiDay ist ihr Forum.

Infobox:

Der FreiDay an der Otfried-Preußler-Schule

Organisation und Allgemeines

  • Der FreiDay ist seit 2020 festes Lernformat in allen Klassen.
  • Er findet jeden Donnerstag von 12:00-15:00Uhr statt.
  • Feste Rituale geben Struktur. Wir beginnen mit einem Anfangskreis und tauschen uns über Aktuelles und anstehende Projektschritte aus. Danach arbeiten die Kinder frei in ihren Projektgruppen (auch jahrgangsübergreifend). Mit einem Reflexionskreis beenden wir den Tag.
  • Das „FreiDay-Forum“ oder der „Marktplatz der Ideen“ findet alle zwei bis drei Monate statt.
  • Wir haben eine feste FreiDay-Arbeitsgruppe im Kollegium mit regelmäßigen Treffen. 
  • Als Ideensammlung und Austauschmöglichkeit hat sich bei uns unter anderem das Padlet etabliert. 

Zu den Autorinnen:

Wir sind Deborah Hamann und Hanneke Tute. Beide Grundschullehrerinnen an der Otfried-Preußler-Schule. Wir arbeiten seit 2020 im Team zum FreiDay. Regelmäßig teilen wir unsere Erfahrungen in den Monatstreffen vom FreiDay/Schulen im Aufbruch.

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