EM 2024: Fußballfest und seine Grenzen in der deutschen Gesellschaft
Quasi direkt vor unserer Haustür fand in diesem Jahr eines der größten Fußballturniere überhaupt statt: die Männer-Europameisterschaft 2024. Wie üblich war die EM aber nicht nur ein sportliches Spektakel, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Das Turnier war eine Gelegenheit für Menschen, zusammenzukommen und gemeinsame Erlebnisse zu teilen – sei es in Stadien, bei Public Viewing-Events, Zuhause oder in den sozialen Medien.
Gemeinschaft und positive Stimmung
Von Flensburg bis München waren Straßen und Plätze in den Nationalfarben geschmückt. Public Viewing-Events und Fanmeilen zogen unzählige Menschen an, die gemeinsam mitfieberten und feierten. Ein weiteres Mal war es beeindruckend zu sehen, wie Menschen aus verschiedenen Kulturen und Altersgruppen zusammen eine schöne Zeit verbrachten. Sicher haben viele von euch von „dem Typ mit dem Saxophon“, eigentlich Andre Schnura, gehört oder seine Auftritte auf Instagram oder Tiktok verfolgt. Als Symbol der Einheit und des Miteinander machten ihn seine Auftritte klar zu einem der Helden dieser EM.
Auch die DFB-Elf hat nicht nur fußballerisch fast zu ihrer alten Stärke zurückgefunden, sondern auch ihre Strahlkraft wieder erlangt. Kurze Videos aus dem Quartier der Nationalmannschaft wirkten menschlich und nahbar und sorgten so für gute Laune. Es kehrte wieder ein Gefühl der Identifikation mit „unserem“ Team ein. Allein das Video, in dem Mittelfeldspieler Florian Wirtz in einem Ranking „normale Kartoffeln auf die 1“ setzte, ging schnell durch die Medien und sorgte für unzählige Lacher. Typisch deutsch eben, der Wirtz!
Für ein schweres Herz sorgte der Abschied des deutschen Fußballstars schlechthin, Toni Kroos, der mit der EM das letzte Turnier seiner Karriere spielte. Weltmeister 2014, Fußballer des Jahres 2018, dreifacher Deutscher Meister mit dem FC Bayern und sechsfacher Champions-League-Sieger mit Real Madrid – an Titeln mangelt es ihm sicher nicht. Klar, der EM-Sieg wäre der perfekte Abschluss seiner Karriere gewesen, aber auch so wird er für immer wie kaum ein anderer für den Deutschen Fußball stehen.
Vorbildfunktion junger Spieler
Ein besonderes Highlight während des Turniers war die Leistung von Youngsters wie Jamal Musiala oder Florian Wirtz. Sämtliche Rekorde brach jedoch der zu Beginn der EM gerade einmal 16-jährige Lamine Yamal. Der junge Spieler schoss nicht nur mit seinem Treffer im Halbfinale gegen Frankreich das offizielle Tor des Turniers, sondern feierte in Deutschland auch seinen 17. Geburtstag und machte -ganz nebenbei- seinen Realschulabschluss. Damit setzt er nicht nur die Messlatte für alle Nachwuchsspieler unendlich hoch, sondern inspirierte auch über den Fußball hinaus mit seinen Erfolgen auf dem Platz und Privat viele junge Menschen, ihren eigenen Weg mit Disziplin und Leidenschaft zu gehen.
Die andere Seite der Medaille
Wie üblich gab es allerdings auch kritische Stimmen und Herausforderungen. Als kontrovers galten besonders die horrenden Geldsummen für Sicherheitsmaßnahmen und Infrastruktur, die in erster Linie die Städte und damit die Steuerzahler selbst tragen mussten. Die UEFA beteiligte sich in keiner Weise an den Kosten, verteilt jedoch die Gewinne an die europäischen Fußballverbände. Was den Städten bleibt sind nur die Ausgaben der Fans während ihres Aufenthalts vor Ort.
In den Fokus der öffentlichen Debatte geriet auch eine unpopuläre Entscheidung des Schiedsrichters im Spiel Deutschlands gegen Spanien zu einem vermeintlichen Handspiel des Spaniers Marc Cucurella und der damit in Verbindung gebrachten Niederlage Deutschands, die das Turnier-Aus für die DFB-Elf bedeutete. Festzuhalten ist aber, allein der Einzug Deutschlands ins Viertelfinale war schon ein großer Erfolg!
Eine Bilanz
Im Rückblick lässt sich sagen, dass die EM 2024 uns als deutsche Gesellschaft wieder ein Stück zusammengebracht hat. Die einzigartigen Momente, ob sportlicher oder gesellschaftlicher Natur, die aus diesem Turnier hervorgegangen sind, werden noch lange in unseren Herzen nachklingen. Natürlich kann uns eine Europameisterschaft in einer Zeit, in der man überall nur das Wort „Krise“ hört, nicht alle Sorgen nehmen, aber sie hat für eine kurze unbeschwerte Auszeit, ein Durchatmen gesorgt. Und ist es nicht genau das, worum es beim Sport geht?