IQB-Bildungstrend 2022: Ergebnisse für Niedersachsen zur Bildungsgerechtigkeit
Im Jahr 2022 wurden zum dritten Mal die Kompetenzen von Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe in den sprachlichen Fächern (in Niedersachsen: Deutsch und Englisch) getestet.
Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, welche systematischen Unterschiede zwischen den Kompetenzen von verschiedenen Schülergruppen festgestellt wurden. Diese werden im IQB-Bildungstrend unter dem Fachbegriff „Disparitäten“ behandelt. Dahinter steht die Frage nach Bildungsgerechtigkeit und ob verschiedene Gruppen von Schülerinnen und Schülern die gleichen Bildungschancen haben und in der Schule mit vergleichbarem Erfolg gefördert werden.
Folgende Kriterien werden im IQB-Bildungstrend zur Analyse von Unterschieden zugrunde gelegt:
Geschlechtsbezogene Disparitäten
Mädchen erzielen in beiden Fächern und in allen Kompetenzbereichen signifikant bessere Ergebnisse als Jungen. Am stärksten ausgeprägt sind die Unterschiede im Kompetenzbereich Orthografie im Fach Deutsch.
Niedersachsen unterscheidet sich hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Disparitäten nicht signifikant von Gesamtdeutschland. Es ist keine signifikante Zunahme von Kompetenzunterschieden zwischen Mädchen und Jungen im Trend zwischen 2015 und 2022 in Niedersachsen zu verzeichnen.
Soziale Disparitäten
Die sozioökonomische Lage der Familien in Deutschland insgesamt hat sich – gemessen am HISEI – im Durchschnitt verbessert. Im Zeitraum zwischen den Jahren 2015 und 2022 hat jedoch auch die Streuung des HISEI, und damit die soziale Ungleichheit, zugenommen.

Der Index HISEI gibt die höchste Ausprägung des berufsbezogenen sozioökonomischen Status im Elternhaus an. Der Index setzt sich aus Informationen zu typischerweise erforderlichem Bildungsniveau und erzieltem Einkommen bei unterschiedlichen Berufen zusammen.
Zwischen den von Schülerinnen und Schülern in Niedersachsen erreichten sprachlichen Kompetenzen und dem sozioökonomischen Hintergrund ihrer Familien besteht eine bedeutsame Kopplung. Jugendliche aus Familien mit einem höheren sozioökonomischen Status erreichen im Durchschnitt höhere Kompetenzwerte als Jugendliche aus Familien mit einem geringeren sozioökonomischen Status. In 2022 sind keine signifikanten Unterschiede des sozialen Gradienten in Niedersachsen im Vergleich zu Gesamtdeutschland festzustellen.
Es ist eine Zunahme der sozialen Disparitäten in Niedersachsen wie bundesweit zwischen den Jahren 2015 und 2022 in allen untersuchten Fächern und Kompetenzbereichen zu verzeichnen. In Englisch ist die Zunahme des sozialen Gradienten in Niedersachsen nicht signifikant.

Am sozialen Gradienten ist abzulesen, wie viele Punkte Jugendliche im Durchschnitt mehr erzielen, deren HISEI um eine Standardabweichung höher ist als der durchschnittliche HISEI.
Zuwanderungsbezogene Disparitäten
Der Anteil von Jugendlichen, deren Familien nach Niedersachsen zugewandert sind, hat sich zwischen den Jahren 2015 und 2022 um 11 Prozent auf insgesamt 35 Prozent erhöht.
Es bestehen signifikante Kompetenznachteile für Schülerinnen und Schüler aus zugewanderten Familien in allen untersuchten Kompetenzbereichen in den Fächern Deutsch und Englisch. Am größten sind die Kompetenzunterschiede im Fach Deutsch im Zuhören und im Lesen. Sie sind deutlich geringer im Fach Englisch.
Die zuwanderungsbezogenen Disparitäten haben zwischen 2015 und 2022 in Niedersachsen wie in Gesamtdeutschland vor allem im Fach Deutsch zugenommen.
Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022 im Kurzfilm
Ergänzend zu diesen ausgewählten Ergbnissen möchten wir Sie gerne auf das folgende Video hinweisen. Der wissenschaftliche Leiter des IQB-Bildungstrends, Dr. Stefan Schipolowski, präsentiert darin die Funktion, die Durchführung sowie die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022:

Quelle
Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Weirich, S., Henschel, S. & Sachse K. A. (Hrsg.) (2023). IQB-Bildungstrend 2022. Sprachliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Münster: Waxmann.
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Weitere Informationen zum IQB-Bildungstrend 2022 finden Sie hier.
IQB-Bildungstrend 2022: Unterrichtsqualität im Fach Deutsch
Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022 lassen Aussagen über die Unterrichtsqualität im Fach Deutsch zu, welche im Folgenden zusammengefasst dargestellt werden.
Oberflächenmerkmale der Unterrichtsgestaltung
Mit Blick auf die von den Lehrkräften eingeschätzten Oberflächenmerkmale der Unterrichtsgestaltung lässt sich zusammenfassen, dass der Unterricht im Fach Deutsch wenig Variationen bietet. Es wird neben Einzelarbeit/ Stillarbeit und Gruppenarbeit überwiegend frontal unterrichtet. Individualisierende und kooperative Lernformen werden seltener eingesetzt. Dieses Ergebnis spiegelt auch die Erkenntnisse des IQB-Bildungstrends 2015 wider. Methoden der Binnendifferenzierung werden von den meisten Lehrkräften recht regelmäßig eingesetzt, allerdings in geringerem Ausmaß als im Jahr 2015. Demgegenüber hat der Einsatz digitaler Medien und Anwendungen im Vergleich zu früheren Studien zugenommen, wobei sich dieser auf wenige Schwerpunkte beschränkt.
Es lassen sich schulformspezifische Unterschiede feststellen: Lehrkräfte an nichtgymnasialen Schularten gestalten ihren Unterricht etwas häufiger individualisierend, kooperativ und differenziert als Gymnasiallehrkräfte.
Insgesamt ergibt sich – unter Kontrolle der Schulart – kein Zusammenhang zwischen den Oberflächenmerkmalen des Deutschunterrichts und den erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Ein Zusammenhang mit fachbezogenen motivationalen Merkmalen im Fach Deutsch kann nur vereinzelt festgestellt werden.
Unterrichtsqualität im Fach Deutsch
Die Schülerinnen und Schüler bewerten – wie auch schon im Jahr 2015 – die auf Tiefenmerkmale bezogene Qualität des Deutschunterrichts (mit den Merkmalen konstruktive Unterstützung, Anspruchsniveau und kognitives Aktivierungspotenzial) positiv.
Die wahrgenommene konstruktive Unterstützung liegt in Deutschland im Mittel bei 2.85 Punkten und damit über dem theoretischen Skalenmittelwert von 2.50 Punkten. Die Jugendlichen schätzen den Deutschunterricht somit im Durchschnitt als recht schülerorientiert und individuell unterstützend ein. Dabei sind keine bedeutsamen schulartspezifischen Unterschiede zu verzeichnen. Im Vergleich zum Jahr 2015 wird der Deutschunterricht im Jahr 2022 in Deutschland insgesamt als signifikant unterstützender wahrgenommen.
Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fühlen sich die Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen signifikant weniger gut beim Lernen im Deutschunterricht unterstützt und begleitet.
Ebenso wie für die Oberflächenmerkmale, lassen sich auch für die Tiefenmerkmale der Unterrichtsqualität nur vereinzelt Zusammenhänge mit den erreichten Kompetenzen und den untersuchten motivationalen Merkmalen der Schülerinnen und Schüler feststellen. Herauszuheben ist dabei der Zusammenhang zwischen der konstruktiven Unterstützung mit den erreichten Kompetenzen in allen untersuchten Bereichen sowie mit den motivationalen Merkmalen: die Befragungsergebnisse zeigen in diesem Bereich einen signifikant positiven Zusammenhang. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass dies die Wichtigkeit einer ausdauernden Auseinandersetzung mit fachspezifischen Inhalten sowie die Entwicklung positiver fachbezogener Kompetenzüberzeugungen unterstreicht, welches für eine konstruktive und wertschätzende Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern von hoher Wichtigkeit ist.
Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022 im Kurzfilm
Ergänzend zu diesen ausgewählten Ergbnissen möchten wir Sie gerne auf das folgende Video hinweisen. Der wissenschaftliche Leiter des IQB-Bildungstrends, Dr. Stefan Schipolowski, präsentiert darin die Funktion, die Durchführung sowie die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022:

Quelle
Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Weirich, S., Henschel, S. & Sachse K. A. (Hrsg.) (2023). IQB-Bildungstrend 2022. Sprachliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Münster: Waxmann.
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IQB-Bildungstrend 2022: Merkmale und Qualifikation der befragten Lehrkräfte
Im Rahmen des IQB-Bildungstrends 2022 wurden insbesondere vor dem Hintergrund des aktuellen Lehrkräftemangels Aspekte der Ausbildung von Deutsch- und Englischlehrkräften erhoben. Im Folgenden werden zunächst die wichtigsten Ergebnisse zu demografischen Merkmalen und anschließend zur Qualifikation von Lehrkräften in den Fächern Deutsch und Englisch zusammengefasst dargestellt. Die Befragungsergebnisse sind nicht repräsentativ.
Demografische Merkmale
Für Niedersachsen liegen Daten von 119 Lehrkräften der am IQB-Bildungstrend 2022 teilnehmenden Klassen für das Fach Deutsch und von 122 Lehrkräften für das Fach Englisch vor. Der Anteil an weiblichen Lehrkräften liegt mit 68 % (Deutsch) bzw. 71 % (Englisch) in Niedersachen knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 72 % (Deutsch) bzw. 75 % (Englisch). Das Durchschnittsalter der befragten Lehrkräfte in Niedersachsen liegt knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Im Fach Englisch fällt der Anteil der jüngsten Altersgruppe jedoch mit rund 3 % – neben Berlin – in Niedersachsen am geringsten aus. Ein Vergleich der IQB-Bildungstrends 2015 und 2022 zeigt, dass das Durchschnittsalter der befragten Lehrkräfte in Deutschland insgesamt gesunken ist.
Qualifikation von Deutsch- und Englischlehrkräften
Laut den Angaben der befragten Lehrkräfte, welche die am IQB-Bildungstrend 2022 teilnehmenden Schulklassen im Fach Deutsch und/ oder Englisch unterrichten, verfügt ein entscheidender Anteil der Lehrkräfte nicht über eine Lehrbefähigung im jeweiligen Fach. Im Rahmen der Befragung wurde eine Unterscheidung vorgenommen zwischen fachfremd unterrichtenden Lehrkräften und nicht traditionell ausgebildeten Lehrkräften. Im Fach Deutsch liegt der Anteil fachfremd unterrichtender Lehrkräfte bundesweit bei rund 14 %, im Fach Englisch bei knapp 12 %. Die Anteile sind damit deutlich höher als im IQB-Bildungstrend 2015 (jeweils rund 6 %). Der Anteil der nicht traditionell ausgebildeten Lehrkräfte im IQB-Bildungstrend 2022 ist sehr gering: im Fach Deutsch liegt der Anteil bei rund 2 % der Lehrkräfte (Quereinsteigende) sowie bei rund 1 % (Seiteneinsteigende). Im Fach Englisch liegt der Anteil bei rund 3 % der Lehrkräfte (Quereinsteigende) sowie bei rund 2 % (Seiteneinsteigende).
Es ergeben sich aus den Befragungsergebnissen für Deutschland insgesamt keine Hinweise darauf, dass fachfremder Unterricht häufiger an Schulen in schwierigen Lagen stattfindet, jedoch zeigt sich eine ungleiche Verteilung über die Schularten. Sowohl beim IQB-Bildungstrend 2015 als auch 2022 sind die Anteile der fachfremd unterrichtenden sowie der nicht traditionell ausgebildeten Lehrkräfte an nichtgymnasialen Schulen deutlich höher als an Gymnasien.
Zusammenhänge zwischen der beruflichen Qualifikation von Lehrkräften und den erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler
Im Fach Deutsch zeigen sich keine signifikanten Leistungsunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern, die von einer fachadäquat eingesetzten Lehrkraft unterrichtet wurden und Schülerinnen und Schülern aus Klassen, in denen eine fachfremd unterrichtende Lehrkraft eingesetzt wurde. Im Fach Englisch zeigen sich demgegenüber signifikant negative Zusammenhänge zwischen fachfremd erteiltem Unterricht und den von den Jugendlichen erreichten Kompetenzen an nichtgymnasialen Schulen.
Zufriedenheit der Lehrkräfte
Die im IQB-Bildungstrend 2022 befragten Lehrkräfte haben – unabhängig von ihrer Qualifikation – eine überaus positive Einstellung zu ihrer Tätigkeit als Lehrkraft. Sie äußern insgesamt eine hohe Zufriedenheit mit ihrer Berufswahl und einen großen Enthusiasmus für das Unterrichten.
Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022 im Kurzfilm
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Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Weirich, S., Henschel, S. & Sachse K. A. (Hrsg.) (2023). IQB-Bildungstrend 2022. Sprachliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Münster: Waxmann.
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IQB-Bildungstrend 2022: Lernbedingungen während der Coronavirus-Pandemie
Im Rahmen des IQB-Bildungstrends wurden Aspekte zur schulischen und häuslichen Lernsituation während der Coronavirus-Pandemie, zu psychosozialen Auffälligkeiten, zu Lernrückständen sowie zu ergriffenen schulischen Maßnahmen zur Reduktion von Lernrückständen erfasst. Die Ergebnisse werden im Folgenden dargestellt.
Merkmale der Lernsituation
In den Schuljahren 2019/2020 und 2020/2021 wurde bundesweit ein erheblicher Teil des Unterrichts als Fern- und Wechselunterricht durchgeführt, dementsprechend fand ein entscheidender Anteil des Lernens von zu Hause aus statt. Zum Präsenzunterricht kehrten die Schulen überwiegend erst im Schuljahr 2021/2022 zurück. Die Schülerinnen und Schüler, die am Bildungstrend 2022 teilgenommen haben, waren somit in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen.
Erfasste Merkmale der Lernsituation im Rahmen des IQB-Bildungstrends 2022 sind: Probleme beim Lernen zu Hause, der Besuch einer Sommerschule, das Ausmaß von Fern- und Wechselunterricht sowie regelmäßiger Kontakt der Lehrkraft mit ihren Schülerinnen und Schülern. Die Befragungsergebnisse sagen aus, dass über 90 % der befragten Deutsch- und Englisch-Lehrkräfte mit allen oder den meisten Schülerinnen und Schülern während des Fernunterrichts regelmäßig in Kontakt standen. Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler berichten zudem, dass sie nie oder selten Probleme mit dem Zugang zu einem digitalen Endgerät bzw. zum Internet hatten. Des Weiteren hatten 80 % der Jugendlichen nie oder selten Probleme, einen ruhigen Platz zum Lernen zu finden. Demgegenüber geben etwa 70 % an, dass sie häufig oder manchmal Probleme hatten, sich zum Lernen zu motivieren. 47 % hatten häufig oder manchmal Probleme die Schulaufgaben zu verstehen.
Lernrückstände und psychosoziale Auffälligkeiten
In Niedersachsen geben 13 % der Deutsch- bzw. 10 % der Englisch-Lehrkräfte an Gymnasien an, dass die meisten oder fast alle der Schülerinnen und Schüler ihrer Klasse zum Testzeitpunkt im Jahr 2022 pandemiebedingte Lernrückstände aufweisen. Lehrkräfte anderer Schulformen geben dies zu 50 % (Deutsch) bzw. 34 % (Englisch) an. Jeweils gut ein Viertel der Lehrkräfte gibt an, dass dies auf die Hälfte ihrer Schülerinnen und Schüler zutrifft.
16 % der Deutsch- und 10 % der Englisch-Lehrkräfte in Niedersachsen geben an, dass etwa die Hälfte oder mehr ihrer Schülerinnen und Schüler zum Testzeitpunkt psychosoziale Auffälligkeiten zeigten. Ein Viertel der Deutsch-Lehrkräfte, sowie knapp ein Drittel der Englisch-Lehrkräfte anderer Schulformen kommen ebenfalls zu dieser Einschätzung.
Die Schülerinnen und Schüler berichten selbst signifikant häufiger, emotionale Probleme zu erleben als die im IQB-Bildungstrend 2018 befragten Neuntklässlerinnen und Neuntklässler. Im Hinblick auf Hyperaktivität zeigt sich für die Merkmale körperliche Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten eine nicht zu vernachlässigende Zunahme von 2018 zu 2022.
Zusammenhänge zwischen Merkmalen der Lernsituation und den erreichten Kompetenzen sowie psychosozialen Auffälligkeiten
Für das Fach Englisch zeigt sich, dass ein regelmäßiger Kontakt der Lehrkraft mit vielen Schülerinnen und Schülern mit einem höheren Kompetenzniveau einhergeht. In Hinblick auf das Ausmaß von Fern- und Wechselunterricht zeigen sich keine signifikanten Zusammenhänge zu den Kompetenzwerten in beiden Fächern. Bei der Interpretation muss jedoch beachtet werden, dass alle Schülerinnen und Schüler ähnlich stark vom Fern- und Wechselunterricht betroffen waren und es keine Referenzgruppe (Schülerinnen und Schüler durchgehend im Präsenzunterricht) gibt. Demnach kann der Einfluss von Fern- und Wechselunterricht nicht abschließend untersucht werden. Eine Unterschätzung des Einflusses von Fern- und Wechselunterricht ist wahrscheinlich.
Für die psychosozialen Auffälligkeiten (emotionale Probleme und Hyperaktivität) zeigen sich wenige signifikante und gering ausgeprägte Zusammenhänge mit den Merkmalen der Lernsituation. Probleme beim Lernen zu Hause gehen einher mit häufigeren emotionalen Problemen und Merkmalen von Hyperaktivität. Des Weiteren gibt es Geschlechterunterschiede: Mädchen berichten häufiger von emotionalen Problemen und Jungen häufiger von Anzeichen der Hyperaktivität.
Schulische Maßnahmen
In Reaktion auf die zu erwartenden Lernrückstände der Schülerinnen und Schülern in Folge der Coronavirus-Pandemie wurde im IQB-Bildungstrend 2022 erfasst, inwieweit verschiedene Maßnahmen von den Schulen ergriffen wurden. Während vor den Sommerferien 2021 deutschlandweit mehr als zwei Drittel der Schulen keine diagnostischen Verfahren zur Ermittlung von Lernrückständen in Deutsch, Englisch oder Mathematik anwendeten, setzten zu Beginn des Schuljahres 2021/2022 über 80 % der Schulen ein standardisiertes oder schulintern entwickeltes Verfahren zur Diagnostik ein. Zudem konnte im Schuljahr 2021/2022 deutschlandweit in zwei Drittel der befragten Schulen zusätzliches Personal eingestellt werden. In 35 % der Schulen wurden Lehramtsstudierende eingesetzt, in 20 % der Schulen wurde auf zusätzliche Lehrkräfte zurückgegriffen. In wenigen Schulen wurden Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Erzieherinnen und Erzieher oder Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter eingesetzt.
Des Weiteren wurde erfragt, inwieweit an den Schulen außerunterrichtliche Angebote (z. B. Hausaufgabenbetreuung und Förderung, fachbezogene oder fächerübergreifende Angebote) neu eingerichtet oder erweitert wurden. Etwa 91 % der Schulleitungen geben an, dass mindestens ein außerunterrichtliches Angebot ausgebaut wurde. Unter Anderem wurden in mehr als der Hälfte der Schulen Förderunterricht in den Fächern Deutsch (61 %) und Englisch (52 %) sowie Förderangebote in Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache (56 %) ausgebaut.
Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022 im Kurzfilm
Ergänzend zu diesen ausgewählten Ergbnissen möchten wir Sie gerne auf das folgende Video hinweisen. Der wissenschaftliche Leiter des IQB-Bildungstrends, Dr. Stefan Schipolowski, präsentiert darin die Funktion, die Durchführung sowie die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022:

Quelle
Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Weirich, S., Henschel, S. & Sachse K. A. (Hrsg.) (2023). IQB-Bildungstrend 2022. Sprachliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Münster: Waxmann.
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