Vorträge

  • Roger Spindler: Was Bildung sichtbar macht …jenseits von Lehrplan, Leistung und Beziehung

    Vortrag am Mittwoch, 9. September 2026

    Roger Spindler
    Roger Spindler

    Gesellschaftlicher Wandel, Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern Bildung grundlegend. Wissen ist jederzeit verfügbar, Lernen wird datenbasiert begleitet und bewertet. Gleichzeitig wächst die Erwartung, dass Schule Orientierung, Urteilskraft und Zusammenhalt stärkt. Zwischen dystopischen Ängsten vor Entfremdung und Kontrollverlust einerseits und utopischen Hoffnungen auf personalisierte Bildung andererseits stellt sich die Frage neu, was Lernen menschlich macht.

    «Was Bildung sichtbar macht» richtet den Blick auf das, was jenseits von Lehrplan und Leistung wirkt: Zeit, Beziehung, Aufmerksamkeit, Selbstwirksamkeit und Bedeutung. Die Keynote verbindet zentrale Megatrends mit der Frage, welche Qualitäten Bildung in einer beschleunigten Gesellschaft braucht – und wie Räume in Schule und Unterricht entstehen können, die Resonanz, Lebendigkeit und ein gutes In-der-Welt-Sein ermöglichen. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass gerade im Zeitalter von KI das Menschliche zum entscheidenden Zukunftsfaktor wird.

    + + +

    Roger Spindler

    Direktor Schule für Gestaltung Bern und Biel
    Referent für das Zukunftsinstitut, Frankfurt a. M. (zukunftsinstitut.de)

    Roger Spindler befasst sich mit den Fragestellungen rund um den Megatrend Bildung und die aktuellen Veränderungen in der Medienwelt.

    Roger Spindler ist als Referent für das Zukunftsinstitut in Frankfurt zu den Veränderungen und Entwicklungen in den Bereichen Bildung, Gesellschaft, Arbeitswelt und Medienwandel tätig.

  • Wolfang Endres: Soziale Energie – auch mit KI?

    Vortrag am Donnerstag, 10. September 2026

    Wenn wir in unserem Handeln Resonanz erfahren, fühlen wir uns lebendig und gewinnen Soziale Energie. Nach dieser These von Hartmut Rosa entsteht in Begegnungen, Interaktionen und kollektiven Prozessen Soziale Energie im Resonanzmodus: Wenn uns etwas berührt oder bewegt, und wir in einer Wechselwirkung auch selbst wirksam etwas bewegen, erleben wir Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeitserfahrungen und soziale Energie gelten als zentrale Ressource für Motivation und Partizipation – spürbar in einer Schule als Resonanzraum.

    Wolfgang Endres
    Wolfgang Endres

    Hier können sich (neue) Handlungsspielräume eröffnen, indem Lernende sich in KI-gestützten Aktionen noch face to face darüber austauschen, was sie bei ChatGPT, perplexity oder KI herausgefunden haben. So soll auch im Umgang mit Digitalität Soziale Energie spürbar werden.

  • Prof. Dr. Rainer Mühlhoff: Zwischen Resonanz-Suche und Resignation – Pessimistische Zukunftsgefühle bei Jugendlichen und wie Bildung ihnen begegnen kann.

    Vortrag am Donnerstag, 10. September 2026

    Die öffentliche Debatte über Künstliche Intelligenz wird häufig von großen Versprechungen geprägt: neue Möglichkeiten des Lernens, erweiterte Handlungsspielräume und eine produktive Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. In unserer Arbeit mit Jugendlichen begegnen wir jedoch einer ganz anderen Haltung, die wir als „KI-Resignation“ bezeichnen: dem Gefühl, technologischen Entwicklungen und der Macht der dahinterstehenden Konzerne ausgeliefert zu sein, sie weder politisch noch individuell beeinflussen zu können und daher die eigene Zukunft nicht mehr als gestaltbar zu erleben.

    (c) 2020 Felix Noak

    Der Vortrag diskutiert, wie sich diese Erfahrung auf das Verhältnis von Jugendlichen zu Schule und Bildung auswirkt. Wenn Wissen jederzeit verfügbar erscheint und KI-Systeme immer mehr kognitive Leistungen übernehmen können, gerät für viele Schüler die Frage nach Sinn und Wert von Bildung selbst in Bewegung. Wozu noch lernen, wenn Antworten jederzeit abrufbar sind? Wozu Anstrengung investieren, wenn Maschinen scheinbar immer leistungsfähiger werden?

    Vor diesem Hintergrund entwickelt der Vortrag Leitlinien für einen pädagogischen Umgang mit KI, der nicht primär auf effiziente Nutzung, sondern auf die Förderung von Urteilskraft, Mündigkeit und demokratischer Handlungsfähigkeit zielt. Im Zentrum steht die Frage, wie Bildung dazu beitragen kann, Zukunft wieder als gestaltbar erfahrbar zu machen.

    +++

    Prof. Dr. Rainer Mühlhoff

    Rainer Mühlhoff, Philosoph und Mathematiker, ist Professor für Ethik der Künstlichen Intelligenz an der Universität Osnabrück. Er forscht zu Ethik, Regulierung und kritischer Sozialtheorie in der digitalen Gesellschaft. In seiner interdisziplinären Arbeit untersucht er das Wechselspiel von Technologie, Macht und gesellschaftlicher Veränderung. Zuletzt erschienen sind von ihm: „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ (Reclam, 2025) und „Die Macht der Daten: warum künstliche Intelligenz eine Frage der Ethik ist“ (Brill, 2023).