Prof. Dr. Rainer Mühlhoff: Zwischen Resonanz-Suche und Resignation – Pessimistische Zukunftsgefühle bei Jugendlichen und wie Bildung ihnen begegnen kann.

Vortrag am Donnerstag, 10. September 2026

Die öffentliche Debatte über Künstliche Intelligenz wird häufig von großen Versprechungen geprägt: neue Möglichkeiten des Lernens, erweiterte Handlungsspielräume und eine produktive Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. In unserer Arbeit mit Jugendlichen begegnen wir jedoch einer ganz anderen Haltung, die wir als „KI-Resignation“ bezeichnen: dem Gefühl, technologischen Entwicklungen und der Macht der dahinterstehenden Konzerne ausgeliefert zu sein, sie weder politisch noch individuell beeinflussen zu können und daher die eigene Zukunft nicht mehr als gestaltbar zu erleben.

(c) 2020 Felix Noak

Der Vortrag diskutiert, wie sich diese Erfahrung auf das Verhältnis von Jugendlichen zu Schule und Bildung auswirkt. Wenn Wissen jederzeit verfügbar erscheint und KI-Systeme immer mehr kognitive Leistungen übernehmen können, gerät für viele Schüler die Frage nach Sinn und Wert von Bildung selbst in Bewegung. Wozu noch lernen, wenn Antworten jederzeit abrufbar sind? Wozu Anstrengung investieren, wenn Maschinen scheinbar immer leistungsfähiger werden?

Vor diesem Hintergrund entwickelt der Vortrag Leitlinien für einen pädagogischen Umgang mit KI, der nicht primär auf effiziente Nutzung, sondern auf die Förderung von Urteilskraft, Mündigkeit und demokratischer Handlungsfähigkeit zielt. Im Zentrum steht die Frage, wie Bildung dazu beitragen kann, Zukunft wieder als gestaltbar erfahrbar zu machen.

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Prof. Dr. Rainer Mühlhoff

Rainer Mühlhoff, Philosoph und Mathematiker, ist Professor für Ethik der Künstlichen Intelligenz an der Universität Osnabrück. Er forscht zu Ethik, Regulierung und kritischer Sozialtheorie in der digitalen Gesellschaft. In seiner interdisziplinären Arbeit untersucht er das Wechselspiel von Technologie, Macht und gesellschaftlicher Veränderung. Zuletzt erschienen sind von ihm: „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ (Reclam, 2025) und „Die Macht der Daten: warum künstliche Intelligenz eine Frage der Ethik ist“ (Brill, 2023).