Der verschollene Familienschatz – Ein großes Abenteuer

Preisträgergeschichte aus dem lila Jahrgang des IGS-Literaturwettbewerbs 2026 von Milou Nowak und Livia Hofmann

An einem windigen Herbstnachmittag spielten die Cousinen Lena und Mara im alten Haus ihrer Großmutter. Das Haus stand schon seit vielen Generationen am Rand eines kleinen Dorfes und war voller Geschichten. Besonders spannend fanden die beiden Mädchen den Dachboden. Dort roch es nach Holz, Staub und alten Büchern.

„Wetten, hier oben gibt es Geheimnisse?“ sagte Mara und schob eine schwere Kiste zur Seite.

Lena lachte. „Vielleicht sogar einen Schatz.“

Sie öffneten Kisten, fanden alte Puppen, vergilbte Fotos und ein Fernrohr. Doch plötzlich entdeckte Lena unter einem alten Teppich eine flache Holzkiste. Sie war mit einem kleinen Messingschloss verschlossen und hatte seltsame Zeichen darauf.

„Das habe ich hier noch nie gesehen“, sagte Lena überrascht.

Mit etwas Mühe schafften sie es, das Schloss zu öffnen. In der Kiste lag eine alte Karte. Das Papier war brüchig und gelb. Darauf war der Wald hinter dem Dorf gezeichnet, der Fluss und eine kleine Insel. Auf der Insel war ein großes rotes X.

Darunter stand in krakeliger Handschrift:

„Der Schatz unserer Familie. Wer ihn sucht, braucht Mut, Geduld und ein gutes Herz.“

Die Mädchen sahen sich mit leuchtenden Augen an.

„Das ist bestimmt von unserem Urgroßvater“, flüsterte Mara. „Er war doch ein großer Abenteurer.“

„Dann müssen wir den Schatz finden!“ rief Lena.

Die Reise beginnt

Am nächsten Morgen standen sie früh auf. Sie packten ihre Rucksäcke mit Brot, Äpfeln, Wasser, einer Taschenlampe und einem kleinen Kompass.

„Nur für den Fall“, sagte Lena ernst.

Der Wald hinter dem Dorf war dicht und geheimnisvoll. Sonnenstrahlen fielen durch die Blätter und malten goldene Flecken auf den Boden. Die Karte führte sie über schmale Wege, an moosigen Steinen vorbei und tiefer in den Wald hinein.

Plötzlich hörten sie ein Rascheln im Gebüsch.

Mara blieb stehen. „Was war das?“

Ein kleines Reh sprang hervor und verschwand wieder zwischen den Bäumen.

Die Mädchen atmeten erleichtert auf und mussten lachen.

„Ich dachte schon, es wäre ein Waldmonster“, sagte Mara.

Das erste Rätsel

Nach einer Weile erreichten sie eine alte, halb zerfallene Steinbrücke. Daneben stand ein verwitterter Pfosten mit einer Metallplatte.

Darauf war eine kurze Nachricht eingeritzt:

„Wer den Schatz finden will, muss den richtigen Weg wählen:

Wo die Sonne mittags steht, führt der Pfad weiter.“

Lena dachte nach. „Mittags steht die Sonne im Süden.“

Sie nahmen den Weg nach Süden – und tatsächlich führte er tiefer in den Wald.

„Unser Urgroßvater hat wohl Rätsel geliebt“, sagte Mara.

Der Schatz

Die Truhe war schwer und mit Eisen beschlagen. Mit einem lauten knack öffneten sie den Deckel.

Drinnen glitzerte kein Gold. Stattdessen fanden sie:

  • ein altes Tagebuch
  • viele Briefe
  • Schwarz-Weiß-Fotos
  • einen kleinen Kompass
  • und eine silberne Münze

Mara blätterte vorsichtig im Tagebuch. Darin standen Geschichten von Reisen, Abenteuern und von der Familie.

Auf der letzten Seite hatte ihr Urgroßvater geschrieben:

„Wenn ihr diesen Schatz gefunden habt, dann wisst ihr: Der größte Reichtum sind unsere Erinnerungen, unsere Familie und die Abenteuer, die wir gemeinsam erleben.“

Die Mädchen wurden still.

„Das ist ein viel besserer Schatz als Gold“, sagte Lena schließlich.

Mara nickte. „Und wir haben unser eigenes Abenteuer erlebt.“

Der Weg nach Hause

Mit der Truhe voller Erinnerungen machten sie sich auf den Rückweg. Die Sonne ging langsam unter und färbte den Himmel orange.

Als sie zu Hause ankamen, wartete ihre Großmutter schon.

„Wo wart ihr denn so lange?“

Die Mädchen stellten die Truhe auf den Tisch.

„Wir haben den Familienschatz gefunden!“

Die Großmutter lächelte und hatte Tränen in den Augen.

„Dann hat euer Urgroßvater genau das erreicht, was er wollte“, sagte sie.

„Was denn?“ fragte Mara.

„Dass jemand aus der Familie wieder ein großes Abenteuer erlebt.“

Und die beiden Mädchen wussten:

Dies war nur das erste von vielen Abenteuern. 🌲🗺️✨