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Zusatzqualifikation „Naturwissenschaften“

Die Zusatzqualifikation wird einmal jährlich angeboten, in der Regel im erstem Halbjahr jeden Schuljahres. Adressaten sind Referendar:innen, die mindestens in einem der Fächer Biologie, Chemie oder Physik ausgebildet werden.

Empfohlen wird die Teilnahme Referendar:innen, die das Fach Naturwissenschaften an ihrer Ausbildungsschule (IGS) bereits unterrichten.

Konzipiert wurde die ZQ von den Ausbildenden der Fächer Biologie, Chemie und Physik an den beiden gymnasialen Studienseminaren Hannover I und Hannover II; das Konzept im Umfang von mindestens 20 Stunden umfasst drei fachbezogene Blockveranstaltungen sowie eine Einführungs- und eine Abschluss-Sitzung bzw. ein abschließendes Kolloquium. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Teilnahmebescheinigung gemäß Durchführungsbestimmungen zu §6 APVO-Lehr (Abschnitt 4).

Block I: Einführung; an alle Teilnehmer gerichtet, Umfang ca. 4 Stunden

  • Bedingungen und Besonderheiten eines Unterrichts an den Integrierten Gesamtschulen; pädagogische Anliegen, inhaltliche Ansätze und deren pädagogische Umsetzung an den Schulen
  • Vorstellung des komplexen Faches Naturwissenschaften (Vorgaben des Kerncurriculums und deren Implementation bzw. Umsetzung)
  • kritische Schwellen bei der Realisierung der Integration dreier Fachwissenschaften in ein didaktisches Konzept eines Faches (Einführung)

Block II: Die didaktische Grundlegung der Fächer Chemie, Biologie, Physik; Teilnahme an mindestens zwei Fachmodulen erforderlich, Umfang je ca. 6 Stunden

Fachmodul Chemie:

  • Auseinandersetzung mit zentralen Inhalten des Faches Chemie der Sek I
  • Analyse des Kerncurriculums für die IGS (Naturwissenschaften) in Hinblick auf eine fachdidaktisch sinnvolle Einbettung der jeweiligen chemiebezogenen Themen
  • Vorstellung der vorherrschenden Lernendenvorstellungen zu den betrachteten chemischen Themen
  • Formulierung von Konsequenzen für eine an Vorstellungen und Vorwissen der Lernenden anschlussfähige Erarbeitung der chemiebezogenen Inhalte im Fach Naturwissenschaften
  • didaktische Einordung und praktische Durchführung wesentlicher Experimente zu den jeweiligen Themenblöcken

Fachmodul Biologie:

  • Einstieg mit genereller Information zum Fach Biologie für die Sek I
  • hypothetisch deduktiver Biologieunterricht an einem Beispiel
  • Stationenarbeit zu ausgewählten biologischen Unterrichtsthemen, wobei jeweils eine Analyse des Kerncurriculums für das Fach Naturwissenschaften sowie typischer Lernendenvorstellungen und Verständnisschwierigkeiten vorgenommen wird:
    • Einführung in die Mikroskopie / Lebewesen bestehen aus Zellen
    • Die Verdauung beginnt im Mund
    • Die Lichtabhängigkeit der Fotosynthese
    • Struktur eines Gelenks als Beispiel für den Einsatz von Modellen
    • Funktion des Winterfells
  • Evolution im Biologieunterricht
  • Sexualerziehung im Biologieunterricht

Fachmodul Physik:

  • Physik im Kontext des naturwissenschaftlichen Unterrichts an der IGS; Besonderheiten des Faches Physik (thematisiert u.a. am Beispiel des Energie-Begriffs)
  • fachdidaktische Grundlagen und besondere fachdidaktische Aspekte
    • inhaltbezogene und prozessbezogene Kompetenzen
    • Kompetenzorientierung des Unterrichts
    • Schülervorstellungen und Lernschwierigkeiten
    • Unterrichtskonzepte und besondere fachliche Aspekte (v.a. Elektrizitätslehre im Anfangsunterricht und im Sekundarbereich I, Energie, Mechanik und Radioaktivität)
    • Problemorientierung des Unterrichts
    • Modelle im Physikunterricht
    • Experimente und Experimentieren im Physikunterricht
    • Kompetenzbereich „Mathematisieren“

Block III: Abschlussveranstaltung, an alle Teilnehmer gerichtet, Umfang ca. 4 Stunden

  • Sensibilisierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: didaktischer Diskurs zu den Potentialen des Unterrichtsfaches Naturwissenschaften
  • Fachfremder didaktischer Blick auf konkrete Unterrichtsmaterialien (bspw. aus Unterrichtswerken zu Naturwissenschaften an den Schulen)
  • Eigene Analyse von Unterrichtsmaterialien, Austausch zu fachdidaktischen Perspektiven, Erschließung von Integrationspotentialen
  • Austausch / Diskussion eigener Arbeitsergebnisse, didaktische Bewertung
  • Resümee, Kolloquium

Erläuterungen zum Konzept

 1. „Naturwissenschaften“ als Unterrichtsfach an Gesamtschulen

Weder in der ersten Phase der Lehrerausbildung an den Hochschulen und Universitäten noch in der zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung im Referendariat an den Studienseminaren wird das Fach „Naturwissenschaften“ grundständig ausgebildet.
In jüngerer Zeit gibt es an einzelnen Hochschulstandorten verstärkt Entwicklungen, den Studierenden bereits in der ersten Phase der Lehrkräfteausbildung Ausbildungs- und Zusatzangebote für die integrierten Fächer zu eröffnen. Auch für die zweite Phase sieht die APVO-Lehr solche Wahlangebote als mögliche Zusatzqualifikationen explizit vor.
In den Stundentafeln der Gesamtschulen hat das Unterrichtsfach Naturwissenschaften seinen festen Platz und wird, je nach Konzeption der jeweiligen Schule, in einzelnen Jahrgängen des Sekundarbereichs I als integratives Fach unterrichtet. Dabei ist die Integration der drei gymnasialen Bezugsfächer Biologie, Chemie und Physik in ein gemeinsames Unterrichtsfach in der Praxis an den unterschiedlichen Gesamtschulen mehr oder weniger stark ausgeprägt: Von einer engen, fächerverbindenden Ausprägung des Unterrichts (bspw. ganzheitlich-themenzentriert) bis hin zu einem eher fächerübergreifend angelegten Unterricht, bei dem die Bezugsfächer u. U. eher sequenziell (in Form sogenannter Blöcke) aneinandergereiht sind. Die letztgenannte Variation ist nach unseren Beobachtungen die häufigste Organisationsform an den Integrierten Gesamtschulen.

Referendarinnen und Referendare, die mindestens eines der Bezugsfächer studiert haben, machen u. U. erst Erfahrungen mit dem Fach Naturwissenschaften, wenn sie an Gesamtschulen eingesetzt sind. Ihre kompetenzorientierte Ausbildung am Studienseminar erfolgt durch die Ausbilderinnen und Ausbilder in den jeweiligen gymnasialen Bezugsfächern; im Kompetenzbereich Unterrichten ist in der APVO-Lehr dabei explizit auch der Anspruch an fächerübergreifendes sowie fächerverbindendes Unterrichten formuliert. In der strukturellen und kompetenzorientierten Anlage der Lehrkräfteausbildung werden spätere IGS-Lehrkräfte also auf den Unterricht in den integrierten Fächern hin ausgebildet, gleichzeitig ist ihnen eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den fachfremden Bezugswissenschaften sowohl in der ersten wie zweiten Phase nur sehr bedingt möglich.

2. Zusatzqualifikation „Naturwissenschaften“ am Standort der Studienseminare Hannover I und Hannover II

Eine Nachfrage nach Lehrkräften, die explizite Ausbildungsimpulse für die integrierten Fächer mitbringen, ist nicht nur von Seiten der Integrierten Gesamtschulen im Ausbildungsbereich der hannöverschen Studienseminare zu konstatieren. Auch von Seiten der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (LiVD) beider Seminare gibt es diese Nachfrage, weil die LiVD ggf. bereits an einer IGS unterrichten oder ggf. nach Abschluss des Referendariats an einer IGS unterrichten werden. Insofern ergibt sich die Notwendigkeit einer Zusatzqualifikation am Standort Hannover für beide gymnasialen Studienseminare.
Grundlage dieser Konzeption ist daher ein ursprünglich niederschwelliger angelegtes und schon erprobtes Zusatzmodul zu diesem Ausbildungsanliegen, das die zuständigen Ausbilderinnen und Ausbilder beider Studienseminare gemeinsam entworfen und untereinander abgestimmt haben.
Am Studienseminar Hannover II sind die beiden Bezugsfächer Biologie und Physik auch Ausbildungsfächer, am Studienseminar Hannover I sind die Fächer Biologie und Chemie Ausbildungsfächer. Beide gymnasialen Studienseminare in Hannover können sowohl hinsichtlich der Adressaten einer solchen Zusatzqualifikation unter den LiVD, als auch hinsichtlich einer fächerübergreifenden, didaktischen Kooperation ihre Rolle als Partner im Kooperationsnetzwerk der betroffenen Schulen und Seminare in besonderer Weise gerecht werden.

3. Kompetenzerwerb: Bezug zur APVO-Lehr und dem Seminarprogramm

Im Kompetenzbereich 4 „Weiterentwickeln der eigenen Berufskompetenz“ (Anlage zur APVO-Lehr) ist die komplexe Problematik der integrierten Fächer ein besonders eindrückliches Beispiel dafür, wie wichtig Kompetenzen zur eigenen und individuellen Professionalisierung hinsichtlich der beruflichen Anforderungen für Lehrkräfte sind. In beiden beteiligten Studienseminaren korrespondiert dies sehr eng mit dem gemeinsamen Anspruch an ein „Referendariat als Entwicklungsaufgabe“ und dem gemeinsamen Ideal von Lehrkräften als „reflektierende Didaktiker-/innen“.
Bei der Konzeption der Zusatzqualifikation war die Perspektive der Referendare/-innen (oder späteren IGS-Lehrkräfte) auf die konkreten, abzusehenden Problem- und Fragestellungen im schulischen Alltag leitend. Diese spiegeln sich -als notwendiger Ausgangspunkt für eine reflektierende, didaktische Annäherung- in den folgenden drei Leitfragen aus Perspektive der LiVD wider:

  • Welche Besonderheiten und Merkmale prägen das Fach Naturwissenschaften in der Unterrichts- und Schulpraxis und worin liegen dabei die besonderen Merkmale in den Konzepten Integrierter Gesamtschulen?
  • Welche fachlichen Grundideen prägen die für mich fachfremden Bezugsfächer und welche didaktischen Leitlinien den Unterricht in den Bezugsfächern?
  • Welche didaktischen Prinzipien und Konzepte sind für das Fach Naturwissenschaften aus den Einzeldisziplinen abzuleiten?

Entsprechend gliedert sich die Zusatzqualifikation in drei verschiedene Blöcke. Die Zusatzqualifikation findet komplementär zu den Fachseminaren der drei Fächer statt, sie ist fächerübergreifend und kompetenzorientiert angelegt und ist aus der Perspektive aller drei gymnasialen Bezugsfächer konzipiert.

 


zuletzt aktualisiert: Juli 2026