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Bildung auf einen Blick – 2025

Die OECD veröffentlicht jährlich eine Studie, in der die Bildungssysteme der Mitgliedsstaaten in den Blick genommen werden. Darin werden Kennzahlen zum Bildungssystem in vier Bereichen berichtet: (1.) Bildungsergebnisse und -erträge, (2.) Bildungszugang, Bildungsbeteiligung und Bildungsverlauf, (3.) Investitionen in Bildung und (4.) Lehrkräfte, das Lernumfeld und die Organisation von Schulen. Außerdem wird zu zusätzlichen Schwerpunkten berichtet, im Jahr 2025 lag der Fokus insbesondere auf tertiären Abschlüssen und der Lesekompetenz bei Erwachsenen. Im Folgenden werden Ergebnisse für Deutschland in diesen beiden Schwerpunkten berichtet. Grundsätzliche Informationen zum Aufbau und der Herangehensweise der Studie finden Sie im Beitrag zu Bildung auf einen Blick 2024.

Tertiäre Bildung

In einer digitalen und wissensintensiveren Zukunft steigt die Nachfrage der Wirtschaft nach höherer Qualifikation. Zudem verfügen Personen mit Hochschulabschluss in der Regel über ein höheres Einkommen, stabilere Beschäftigungsverhältnisse, bessere Gesundheit und ein größeres bürgerschaftliches Engagement. Vor diesem Hintergrund ist ein steigender Anteil von Erwachsenen mit Abschluss im tertiären Bereich ein explizites Ziel der Bildungspolitik. Dies entspricht auch einem der von der UN definierten Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG 4): inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung zu gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle zu fördern, dem sich die OECD-Staaten verpflichtet haben. So ist die Entwicklung des Anteils von Erwachsenen mit Abschluss im tertiären Bereich seit dem Jahr 2000 durchaus als günstig zu bewerten. Der Anteil stieg im OECD-Durchschnitt von 27 % auf 48 %. In Deutschland stieg der Anteil von 33 % im Jahr 2019 auf 40 % im Jahr 2024.

Dabei haben Lernende in allen Ländern weiterhin sehr ungleiche Chancen für einen Abschluss im tertiären Bereich. Die Erreichbarkeit eines höheren Abschlusses steht in enger Beziehung zum Bildungsstand der Eltern. Im OECD-Durchschnitt erreichen nur 26 % der jungen Erwachsenen mit Eltern ohne Abschluss im Sekundarbereich II einen Abschluss im Tertiärbereich. In Deutschland sind es sogar nur 20 %. In einigen Ländern liegt der Anteil aber deutlich höher. So erreichen in Dänemark mittlerweile 49 % dieser benachteiligten jungen Erwachsenen einen Abschluss im Tertiärbereich, ein Anstieg um 20 Prozentpunkte seit 2012. Deutschland ist insbesondere im Bereich der MINT-Fächer durchaus gut aufgestellt. Bezogen auf die Erwachsenen mit Abschluss im Tertiärbereich hat Deutschland den höchsten Anteil an Erwachsenen mit Abschluss in einem MINT-Fach. In Deutschland entfallen 34 % der tertiären Abschlüsse auf ein MINT-Fach, im OECD-Durchschnitt sind es nur 26 %.

Abbildung 1: Anteil an Erwachsenen mit einem Abschluss im Tertiärbereich nach Fächergruppen (2024), Quelle: OECD 2025, S. 64, Abbildung A1.3 (eigenen Darstellung)

Lesekompetenzen

In einer weiteren Erhebung, auf welche der OECD-Bericht zurückgreift, der PIAAC wurde das Kompetenzniveau Erwachsener bei grundlegenden Fähigkeiten der Informationsverarbeitung untersucht. Damit sind die Lese- und alltagsmathematischen Kompetenzen sowie die Fähigkeit zur Problemlösung in technologiereichen Umgebungen gemeint. Die Kompetenzniveaus werden auf einer kontinuierlichen Punkteskala dargestellt, die von 0- 500 reicht und die in sechs (fünf) Kompetenzstufen unterteilt ist (Stufe 1-5 bzw. 1-4 und jeweils unterhalb Stufe 1). In dem OECD-Bericht werden vor allem Ergebnisse zur Lesekompetenz dargestellt, die Ergebnisse zur alltagsmathematischen Kompetenz und zu den Problemlösefähigkeiten finden sich in spezialisierten Veröffentlichungen.

Die Messung der Lese- und alltagsmathematischen Kompetenzen bei Erwachsenen gibt Aufschluss über die Effektivität des Bildungssystems und ist eine notwendige Ergänzung zur Erfassung von formalen Abschlüssen. Diese stellen zwar auch einen Indikator für das Kompetenzniveau dar, es gibt aber durchaus überraschende Diskrepanzen. So erreichen Erwachsene mit formal gleichem Bildungstand tatsächlich ganz unterschiedliche Kompetenzniveaus. Es erreichen beispielsweise im OECD-Durchschnitt nur ca. 60 % der Erwachsenen mit einem tertiären Abschluss bei der Lesekompetenz mindestens Stufe 3, d. h. sie können anspruchsvolle oder lange Texte verstehen und angemessen darauf reagieren. In Deutschland erreichen 70 % der Erwachsenen mit einem tertiären Abschluss mindestens die Stufe 3 oder höher, aber auch 9 % nur höchstens die Stufe 1 und damit kann davon ausgegangen werden, dass diese Personen Schwierigkeiten mit grundlegenden schriftlichen Informationen haben, trotz eines Abschlusses im Tertiärbereich.

Bei Erwachsenen mit einem Abschluss unter Sekundarbereich II erreichen hingegen 68 % nur höchstens die Stufe 1 und nur 22 % die Stufe 3 und höher. Diese Differenz zwischen Personen mit einem tertiären Abschluss und Personen mit einem Bildungsstand unter Sekundarbereich II zeigt sich auch bei den durchschnittlich erzielten Kompetenzen. Im OECD-Durchschnitt erreichen Erwachsene bei der Lesekompetenz 283 Punkte, bei denjenigen mit Bildungsstand unterhalb Sekundarbereich II sind es im Vergleich dazu nur 207 Punkte. In Deutschland ist der Kompetenzunterschied noch etwas größer und auch im internationalen Durchschnitt besonders groß: hier erreichen Personen mit einem Abschluss im Tertiärbereich durchschnittlich 287 Punkte, mit einem Bildungsstand unter Sekundarbereich II nur 192 Punkte.

Betrachtet man die Lesekompetenz von Erwachsenen insgesamt und nicht nach Bildungsstand, dann erreichen im OECD-Durchschnitt 42 % mindestens Stufe 3. Die höchsten Durchschnittswerte erreichen Finnland, Japan, Norwegen und Schweden, wo jeweils mehr als 60 % der Erwachsenen mindestens Stufe 3 erreichen. In Deutschland sind es 48 %.

Quelle

OECD (2025): Bildung auf einen Blick 2025 – OECD Indikatoren. Bielefeld: wbv Media.

le, 07.01.2026

Links

https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2025/09/education-at-a-glance-2025_c58fc9ae/9783763979257.pdf

https://www.oecd.org/en/about/programmes/piaac.html#publications

https://sdgs.un.org/goals