Kategorie: Lehrerinterviews

  • ,,Und wie feiern Sie Weihnachten?‘‘

    ,,Und wie feiern Sie Weihnachten?‘‘

    von Stefanie Kin
    Wenn man seinen Lehrkräften auf dem Schulflur begegnet und sich im Unterricht mit
    ihnen austauscht, scheint dies erstmal nichts Besonderes zu sein. Läuft man ihnen
    jedoch in seiner Freizeit über den Weg, sei es in der Innenstadt oder im Supermarkt, so
    wirkt es auf manche so, als würden zwei entgegengesetzte Welten aufeinandertreffen.
    Die Vorstellung, dass Lehrer ebenso ein Privatleben führen wie jeder andere, wirkt fast
    bizarr. Doch unterscheidet ihr Beruf sie wirklich so sehr von anderen Menschen? Um
    dieser Frage nachzugehen, hat die Redaktion, passend zur Jahreszeit, einige Lehrer
    befragt, wie denn das perfekte Weihnachtsfest bei ihnen aussieht.

    Anders als bei den meisten Leuten wird bei Frau Noll schon im November gefeiert. Grund
    dafür ist ihre Schwester, die über die Weihnachtszeit verreist. So gibt es im Vorfeld ein großes
    Fest, bei dem gebacken und gebastelt wird. Wenn dann im Dezember Heiligabend tatsächlich
    an die Tür klopft, so verbringt sie die besinnliche Zeit mit ihrer Tochter und ihrem Mann.
    Frau Stenzel, die ebenfalls zuhause mit ihrer Familie feiert, tut es ihr gleich. Frau Czerwinka
    und Herrn Kolthoff hingegen müssen einen etwas weiteren Weg nach Bonn und Ostfriesland
    zurücklegen, um ein Beisammensein mit ihren Liebsten zu ermöglichen. Der Ort des
    Zusammentreffens wird bei Herrn Ewald auf die Weihnachtstage aufgeteilt. An Heiligabend
    wird die Schwiegeroma besucht und bei seiner Schwester, gemeinsam mit den Eltern, zu
    Abend gegessen. Am ersten Weihnachtstag findet, ebenfalls bei seiner Schwester, ein großes
    Familienfest statt. Schließlich wird am zweiten Weihnachtstag mit der Familie seiner Frau
    gefeiert.

    Während es bei Frau Czerwinka leckere Antipasti zu essen gibt, wird bei Frau Stenzels und
    Herrn Kolthoffs Familie Kartoffelsalat mit Würstchen serviert. Für Herrn Kolthoff gibt es jedoch
    schon seit zehn Jahren eine selbst zubereitete vegetarische beziehungsweise vegane
    Alternative, welche in der Regel für zahlreiche schlechte Witze sorgt.
    Ebenso gibt es für Frau Nolls Tochter eine vegetarische Variante, neben Rouladen und Fisch
    als Vorspeise. Auch bei Herrn Ewald wird aus traditionellen Gründen Forelle gegessen, sowie
    Ente oder Gans an den Weihnachtstagen.

    Um in die perfekte Weihnachtsstimmung zu kommen, haben Frau Noll und Frau Stenzel
    ähnliche Ansätze. Bei beiden wird morgens der Weihnachtsbaum geschmückt, wobei Frau
    Stenzel auf Weihnachtsmusik und Frau Noll auf zwanzig echte Kerzen setzt, welche den drei
    Meter hohen Baum zieren. Damit sich das Fest der Liebe nicht zu einem Inferno entwickelt,
    bereitet Frau Noll zur Sicherheit einen zehn Liter fassenden Wassereimer vor, der griffbereit
    platziert wird. Des Weiteren gehen beide Familien gerne spazieren und schauen sich typische
    Weihnachtsfilme an. Frau Stenzels Wahl fällt dabei auf den Film ,,Schöne Bescherung‘‘.
    Genauso wie bei Frau Noll legt Frau Czerwinkas Familie Wert darauf, Weihnachten wie zu
    Kinderzeiten zu feiern. Bei beiden wird ein großes Geheimnis aus dem Wohnzimmer
    gemacht, welches abgeschlossen wird, damit Frau Noll und Frau Czerwinkas
    Mutter ,,heimlich‘‘ die Geschenke unter dem Baum platzieren können. Erst wenn die Glocke
    läutet, darf das Zimmer von den anderen betreten werden.

    Besonders an Herrn Kolthoffs Weihnachtsfest ist das Zusammentreffen von drei
    Generationen, die als Patchworkfamilie dreisprachig auf Hochdeutsch, Plattdeutsch und
    Niederländisch feiern. Sein Rezept für ein perfektes Weihnachtsfest lautet: ,,schiefes Singen,
    gemeinsames Essen, eine Prise Chaos und ganz viel Familie‘‘.
    Für Herrn Ewald sind gute Laune und Geselligkeit für ein perfektes Fest unverzichtbar.
    Außerdem gewinnt Weihnachten für ihn, je älter man wird, immer mehr an Stellenwert, da
    man sich sonst so selten sieht.
    Für Frau Czerwinka darf neben ihrem Bruder und ihren Eltern nicht der Anruf ihres Mannes
    nach der Bescherung fehlen, welcher Weihnachten bei seiner Mutter feiert.
    Jedoch erinnert sich Frau Czerwinka besonders an ein Weihnachtsfest: An jenem Heiligabend
    trafen Frau Czerwinka und ihre Familie ihre ehemalige Klavierlehrerin, welche einen
    Schicksalsschlag erlitten hatte und obdachlos geworden war. Ihre Mutter lud sie zu sich nach
    Hause ein, um mit ihnen zu essen und zu feiern. Das machte Frau Czerwinka sehr stolz, da
    ihre Mutter die Weihnachtsbotschaft wirklich verstanden hatte.

    Und das ist doch das, was Weihnachten ausmacht: Güte und Sanftmütigkeit. Egal ob jung
    oder alt, weiblich oder männlich, Lehrer oder Schüler: Weihnachten verbindet Menschen und
    macht sie mindestens einmal im Jahr zu einer gutherzigen Gemeinschaft.

  • Interview mit Frau Sonnenschein

    Interview mit Frau Sonnenschein

    Frau Sonnenschein, welche Fächer unterrichten Sie an unserer Schule?

    Ich unterrichte Mathematik und Physik.

    Waren Mathematik und Physik auch damals Ihre Lieblingsfächer in der Schule?

    Mein Lieblingsfach war früher tatsächlich Sport.

    Warum sind Sie eigentlich Lehrerin geworden?

    Ich wollte zunächst nicht Lehrerin werden, ich wollte Wirtschaftsinformatik studieren, aber damals in der DDR durfte ich das nicht. Stattdessen wurde ich den Fächern Mathematik und Physik zugeordnet.

    Wie ist Ihr Schulalltag aufgebaut?

    Am Vor- und Nachmittag bin ich selbstverständlich in der Schule. Wenn ich Feierabend habe, fahre ich nach Hause. Zuhause mache ich erstmal ein Stunde Pause. Dann gehe ich einkaufen, ich kümmere mich um den Haushalt und um mein Kind und um meine Katzen. Abends setze ich mich gegen 19 Uhr wieder an den Schreibtisch und arbeite verschiedene Aufgaben ab.

    Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis als Lehrerin?

    Ich habe zwar jeden Tag schöne Erlebnisse, aber ich freue mich am meisten, wenn ich eine Abschlussklasse habe, alle ihren Abschluss schaffen und dann ihren Traumberuf finden.

  • Interview Frau Schön

    Interview Frau Schön

    Frage 1: Was waren Ihre Lieblingsfächer in Ihrer früheren Schulzeit?

    Frau Schön: Ich mochte schon immer Sprachen sehr gerne. Englisch und Französich waren schon immer meine Lieblingsfächer.

    Frage 2: Warum sind Sie Lehrerin geworden?

    Frau Schön: Ich wollte schon immer Lehrerin werden bzw. seit der Grundschule. Da meine Klassenlehrerin mich sehr geprägt hat.

    Frage 3: Wie gestallten Sie Ihren Schultag?

    Frau Schön: Zur Zeit habe ich einen sehr entspannten Stundenplan. Drei mal die Woche komme ich zur 3./4. Stunde. Wenn ich schon kurz vor der Pause da bin drucke ich erstmal Arbeitsblätter aus, und in der Pause trinke ich einen Kaffee und unterhalte mich mit meinen Kollegen. Die große Mittagspause benutze ich zum entspannen, und gehe mit meinen Kollegen essen.

    Frage 4: Sind Sie eher ein chaotischer oder ein ordentlicher Mensch?

    Frau Schön: Ich bin ein sehr ordentlicher Mensch. Bei mir Zuhause liegt auch nichts rum. Wenn ich sehr dringend los muss bleibt auch mal ein bisschen was rum liegen.

    Frage 5: Was wollen Sie den Schüler*innen mit auf den Weg geben?

    Frau Schön: Dass sie alle individuell tolle Menschen sind. Dass sie die Schule nicht als zu ernst nehmen sollen. Und immer ganz dolle an sich glauben sollen.

  • Interview mit Maria Ciano

    Interview mit Maria Ciano


    Was wären die geworden, wenn Sie nicht Lehrerin geworden wären?
    Das ist eine gute Frage. Entweder wäre ich Fremdsprachenkorrespondentin geblieben, da das auch mein Ausbildungsberuf ist oder ich wäre Salsa-Tanzlehrerin geworden.

    Warum unterrichten Sie so gerne Englisch und Französisch?
    Ich liebe es zu kommunizieren udn das am besten in allen möglichen Sprachen. Es ist mir wichtig, das an alle weiterzugeben und zu teilen.

    Was war früher Ihr Liebslings- bzw. Hassfach?
    Meine Lieblingsfächer waren Sprachen und Darstellendes Spiel und mein Hassfach Mathe. Es gehört einfach verboten!

    Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung außerhalb der Schule?
    Ich liebe es Salsa zu tanzen und Dolce Vita zu genießen. Bei Sonne und Süßigkeiten bin ich auch glücklich. Ich bin ein Foodie 🙂

    Welche schlechte Angewohnheit würden Sie gerne ablegen?
    Ich bekomme schlechte Laune, wenn ich hungrig bin. Aber zu meiner Verteidigung: Ich kündige es immer vorher an!

    Was stört/mögen Sie an den Schüler*innen am meisten?
    Ich mag besonders ihren unbändigen Mut und die Offen- und Ehrlichkeit vieler Schüler. Das Einzige, was mich stört, dass sie immer so leckeres Essen dabei haben. Da kommt der Futterneid in mir auf.

    Welchen Jahrgang unterrichten sie am liebsten?
    An sich alle. Ich mag es auch, die verschiedenen Schulzweige zu unterrichten. Je unterschiedlicher, desto besser und vor allem witziger ist es.

    Was würden Sie Ihren Schüler*innen auf den Weg geben?
    Nehmt auch gerne mal einen Umweg bis zu eurem Ziel. Der Weg abseits der Route hält viele schöne Überraschungen und Begegnungen für euch bereit. Und immer für den Notfall Schockolade dabei haben, es rettet Laune und Leben!

  • Interview mit Sönke Schneemann

    Was bedeutet Glück für Sie?
    Mit zunehmendem Alter bedeutet Glück natürlich vor allem Gesundheit. Nicht nur die eigene, sondern auch die der gesamten Familie. Wenn ich mitbekomme, wie es teilweise den Eltern meiner Freunde geht – unabhängig von Corona – dann bin ich schon sehr froh darüber und auch sehr dankbar, dass es meinen Eltern ganz gut geht. Und wenn ich sie besuche, ist es manchmal so wie früher – oder eben wie immer. Das würde ich als Glück bezeichnen.

    Welches Ereignis in der Welt beschäftigt Sie?
    Es ist wohl nicht wirklich ein Ereignis, eher eine Eigenart. Ich kann es derzeit nur schwer ertragen, wenn ich so manche Kommentare in den sozialen Netzwerken lese. Da werden Behauptungen  aufgestellt, ohne Belege dafür zu haben und das wird dann als Tatsache oder Wahrheit verkauft. Und wenn man es dann hinterfragt, kommt natürlich nichts mehr. Ich bin an einer sachlichen Diskussion immer sehr interessiert, wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Wenn eine Meinung allerdings auf nachgewiesenen Falschinformationen beruht, wird es mit einer zielorientierten Diskussion natürlich schwierig…

    Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?
    Ich gehe mal davon aus, dass nicht ein derzeitiger Arbeitstag gemeint ist, denn der ist ja nicht typisch. Als es das Distanzlernen noch nicht gab (die Älteren
    erinnern sich vielleicht…), ist der Vormittag ja durch den Stundenplan festgelegt. Nach der Schule dann überlege ich mir natürlich, was man am nächsten Tag mit den Schülerinnen und Schülern so machen kann. Ich plane aber selten für mehrere Stunden oder  Wochen. Das dauert dann mal länger und auch mal weniger lang. Das hängt von der Klassenstufe und vom Thema ab. Ich arbeite allerdings auch gerne abends/nachts, da kann es dann schon mal spät werden.

    Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht den Lehrerberuf ergriffen hätten?
    Gute Frage. Ursprünglich wollte ich ja Elektrotechnik studieren und hatte auch schon ein entsprechendes Praktikum absolviert. Irgendwie hat sich das dann aber doch nicht ergeben. Ich weiß nicht mehr genau, wie es dann zum Umdenken gekommen ist. Vorbilder in der Familie gab es zumindest nicht. Da gibt es  keine weiteren Lehrer.

    Unter uns: Wer ist anstrengender, die Lehrer oder die Schüler?
    Sagen wir mal so: Es gibt sicherlich auch Lehrer und Lehrerinnen, die anstrengend sind…

    Woher kommt die Vorliebe für Karohemden? Was würden Sie tragen, wenn Sie keine mehr tragen dürften?
    Das kann ich wirklich nicht beantworten. Pullover mag ich nicht. Aber warum die Hemden kariert sein mussten, kann ich nicht erklären. Ab irgendeinem Punkt musste ich dann natürlich meinem Stil treu bleiben. Aber ich bin in der Schule auch schon mit einfarbigen Hemden gesehen worden. Und neulich sogar mit einem Pullover.
    Und wenn ich keine karierten Hemden mehr tragen darf, dann wenigstens gestreifte – längsgestreift selbstverständlich…

    War Ihre damalige Tanzpartnerin Ihre erste Flamme?
    Nein, das war sie nicht – glaube ich. Nein, das hätte ich mir gemerkt… 🙂

    Angenommen, Sie könnten spontan Ihren Namen ändern, wie würden Sie am liebsten
    heißen?
    Das habe ich Euch ja schon mal erzählt. Meinen Nachnamen würde ich nicht ändern.
    Als Vornamen würde ich „Drafi Philip“ wählen. Auf meine Visitenkarten könnte ich dann nämlich „Dr. Phil. Schneemann“ schreiben.

  • Interview mit Christian Schifkowski

    Interview mit Christian Schifkowski

    Herr Schifkowski, verraten Sie uns, wie Ihr ganzer Name lautet?
    Christian Gustav Wilhelm Schifkowski, meine Großväter hießen so.

    Sie haben in vielen Kategorien des diesjährigen Lehrervotings die vorderen Plätze belegt. Was halten Sie davon? Und: Haben Sie das Ergebnis des Votings überhaupt wahrgenommen?Ja, das habe ich mitbekommen, aber ich habe den Link dahin kaum im Internet finden können, weil ich mich wahrscheinlich ein bisschen dusselig angestellt habe! Also: Die komplette Umfrage habe ich nicht wahrgenommen, aber nur, weil ich mir wahrscheinlich auch nicht genug Mühe gegeben habe.
    Aber die Schüler haben mir das Ergebnis mitgeteilt.

    Hat Sie das Ergebnis denn gefreut?
    Ich weiß nicht, ob so ein Ranking eine Aussage über den Menschen, den Unterricht, das, was die Schüler im Unterricht lernen, oder wie man eigentlich wirklich ist, geben kann, da es etwas äußerst Subjektives, aus einer Laune heraus, ist. Also ich nehme das jetzt so hin, versuche mir aber möglichst wenig oder gar nichts dabei zu denken. Wichtig ist nämlich: Man darf sich durch solche Umfragen nicht korrumpieren lassen (korrumpieren: zu verachtenswerten Hand- lungen verleiten lassen).

    Sie schöpfen also Ihr Glück nicht aus diesen „Launen“ heraus. Verständlich. Was bedeutet denn überhaupt Glück für Sie?
    Da müsste man erstmal fragen, was unter Glück zu verstehen ist. Philosophisch gesehen ist Glück die Abwesenheit von Leid. Man kann, wenn man nichts vom Leben erwartet, relativ leicht glücklich sein.
    Es ist immer eine Sache der Erwartungs- haltung, ich versuche möglichst gar nichts zu erwarten und hoffe, dann schon relativ leicht glücklich zu sein, zum Beispiel durch den Wahlspruch „Sol Lucet Omnibus“, die Sonne scheint für alle, man muss sie nur wahrnehmen.

    Herr Schifkowski, welches Ereignis in der Welt beschäftigt Sie?
    Über wirklich viele Jahre versuchte Europa, sich gemeinsam zu entdecken und ein gemeinsames Gefühl zu erreichen und das zerfällt im Moment wirklich gnadenlos an irgendwelchen Egoismen. Da ist ja nicht nur der Brexit, sondern der Umgang mit dieser Flüchtlingsfrage, wem gehört die Welt? Wem gehört Europa? Wem gehört Deutschland? Wem gehört mein Vorgarten? Mir vielleicht nur für ein paar Jahre, aber ich habe nicht das Recht, jemanden auch nur einen Zentimeter weit aus dieser Welt zu vertreiben.

    Warum haben Sie sich dazu entschieden Lateinlehrer zu werden?
    Das wurde ja wohl aus den eben genannten Antworten völlig klar, weil es eine Grund- haltung ist.
    Genauso wie Religionslehrer zu sein eine Grundhaltung den Dingen gegenüber ist. Also die griechische Mythologie hat mich immer fasziniert und ich wollte auch vielleicht Archäologe oder so etwas werden. Tatsächlich sowas mit einem Strohhut auf dem Kopf und irgendwo in der Wüste rumsitzen und nach irgendetwas suchen.

    Begründen Sie bitte Herrn Schrader, wieso Caesar besser als Cicero war!
    Weil er den Mut aufbrachte, in einer völlig verfahrenen Situation das „Heft in die Hand zu nehmen“ und sein Leben dafür einzusetzen, dass sich an dieser Situation der römischen Bürgerkriege bzw. der ausgehenden Republik etwas ändert, denn der Senat als „Palaverclub“ (Palaver: langwieriges, häufig oberflächliches Gespräch) hatte da wirklich ausgedient.

    Ganz ehrlich: Wie oft wurden Sie schon aus dem Petersdom abgeführt?
    Mit körperlicher Gewalt zweimal.

    Und ohne körperliche Gewalt?
    Ohne körperliche Gewalt habe ich mich dann immer in den Touristenschwärmen verstecken können, wo sie gerade versuchten meiner habhaft zu werden. Nee, also wirklich, die stellen sich da sehr an, wenn man mit einer Schülergruppe dort durch geht. Wenn nur ein Schüler einen etwas fragt, verbieten die einem sofort den Mund und stellen sich neben einen. Wenn dann nochmal ein Schüler was fragt, dann wird man rausgeworfen.

  • „Die Begegnung mit den Menschen im Haus empfand ich zutiefst bewegend“

    „Die Begegnung mit den Menschen im Haus empfand ich zutiefst bewegend“

    Herr Hunfeld, Sie sind jetzt seit neun Jahren an dieser Schule und seit dem Jahr 2001 generell als leitende Kraft an Schulen tätig. Was empfanden Sie in diesem Zeitraum als besonders schön?

    Ich befinde mich seit dem Sommer 2010 an der KGS Neustadt. Als besonders schön finde ich gerade an unserer Schule, so trivial1 das klingen mag, die Begegnung mit Schülerinnen und Schülern. Ich bin emotional sehr berührt, wenn mir Schülerinnen und Schüler freundlich begegnen, wenn sie mich grüßen und wenn ich in ihren Gesichtern sehe, dass es schön ist, dass wir uns hier begegnen können, obwohl Schule ja nun auch Zwang ist!

    Die Begegnung mit den Menschen im Haus empfand ich zutiefst bewegend. Egal, ob es die Reinigungskraft war, ob es ein Schüler aus fünf oder zwölf war, ob es Lehrer waren, Schulleitungsmitglieder, Hausmeister, völlig egal, ob es die Cafeteria-Mitarbeiter waren – Ich habe mich immer gefreut, wenn ich tolle Kontakte mit Menschen hatte, die waren echt richtig schön und viele von ihnen werde ich vermissen.

    Können Sie diese positiven Eindrücke auch für Ihren Unterricht an der KGS Neustadt bestätigen?

    Natürlich gilt das auch für den Unterricht: Wenn ich mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet und gemerkt habe, dass das, was ich mit ihnen gemacht habe, gefruchtet hat. Sie waren mit Begeisterung dabei, nicht immer, aber sie waren mit Freude dabei. Und das gilt auch für die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften: Wir haben tolles Neues entwickelt und Ideen gehabt.

    Und was war besonders mühselig?

    Mühselig ist eigentlich genau das Gegenteil: Wenn ich das Gefühl habe, dass weggeguckt wurde, dass Schüler, Eltern und Lehrer ignorieren, wenn es gerade nicht so gut läuft. Dass sie einen selber ignorieren, kann passieren, aber wenn sie das System ignorieren, wenn sie sich nicht verantwortlich fühlen, wenn sie erwarten, dass alles für sie gemacht wird. Mit diesem zunehmenden Egoismus umzugehen, finde ich richtig schwierig. Das ist mühselig und das nervt mich auch! Wenn das Ganze dann auch noch in Meckern und Motzen und Beschweren und vielleicht sogar noch Lästern übergeht, dann finde ich das sehr sehr mühevoll und da habe ich auch echt mit zu knapsen2. Mit Kritik, oder wenn mir jemand sagt, was er nicht in Ordnung findet, kann ich sehr gut umgehen, aber wenn das so hintenrum läuft, das finde ich das aller Letzte und das finde ich mühselig.

    Sie sind nun seit längerer Zeit Schulleiter an der KGS Neustadt. Was war das Größte, das Sie in dieser Zeit bewegt haben?

    Ich möchte gar nicht die Zeit nehmen, seitdem ich hier Schulleiter bin, sondern auch diese gesamten fast neun Jahre: Worauf ich wirklich bis heute ein bisschen Stolz bin, dass ich von einer fremden Schule kam und tatsächlich den Stundenplan hinbekommen habe. In den Sommerferien im Jahr 2010 und auch in der Zeit danach bin ich an meine Grenzen gekommen. Aber: Ich bin wirklich, das sage ich auch so, ein bisschen Stolz darauf, dass ich das hingekriegt habe! Und: Frau Jürgens, unsere Hauptschulzweigleitung, hat mir damals vor allem geholfen. Toll fand ich auch, dass ich an bestimmten gestalterischen Elementen mitarbeiten konnte: Der hintere Sek-II-Bereich, die beiden neu gestalteten Klassenräume, die Homepage der KGS und der Schülerwald sind alles Meilensteine, auf die ich stolz bin – aber nicht, weil ich in deren Gestaltung so toll war, sondern weil ich mich nach wie vor freue, das mit anderen gemeinsam gemacht zu haben. Insofern: Das Größte gab es auch hier nicht, sondern vieles, was schön war, aber auch manches, was nicht so schön war.

    Viele Schülerinnen und Schüler möchten wissen, warum Sie jetzt die KGS verlassen. Daher kursieren3 auf dem Pausenhof Fragen wie: Streben Sie eine noch höhere Laufbahnebene an? Wollen Sie Ihre Ideen für einen größeren Kreis an Schulen nutzbar machen? Oder benötigen Sie einfach nur einen „Tapetenwechsel“ nach all den Jahren an der KGS?

    Nein, einen Tapetenwechsel brauche ich nicht. Ich will hier eigentlich auch gar nicht weg, sondern ich sagte ja gerade, dass es hier noch ganz viel zu tun gibt und ich auch wirklich noch vor Ideen sprudele – Ich könnte hier noch sehr viel machen. Allerdings gibt es gerade jetzt eine Möglichkeit, an übergeordneter Stelle noch eine andere Verantwortung zu übernehmen: Demnächst bin ich im Grunde nicht nur eine Art übergeordneter Chef für eine Schule, sondern für über 20 Schulen. Das heißt auch, dass ich „Schule“ nochmal anders kennenlernen und vielleicht auch an anderer Stelle mitgestalten kann und dass ich mit den Ideen, die ich so habe, vielleicht auch noch etwas bewegen kann. Das treibt mich! Also ich fliehe hier nicht, sondern es ergibt sich gerade für mich die Möglichkeit in der Landesschulbehörde an einer Stelle zu arbeiten, von der ich glaube, dass ich auch von dieser aus auf etwas breiterer Ebene „Schule“ gestalten kann.

    Sie haben eben erwähnt, dass Sie es vermissen werden, in die vielen Schülergesichter zu schauen. Unter uns: Ist da noch mehr, was Sie vermissen werden?

    Ein bisschen werde ich natürlich den direkten Kontakt vermissen, zwar ist das auch ein Kommunikationsjob, den ich in der Behörde ausüben werde, aber ich werde vermutlich mehr schreiben, mehr telefonieren und mehr mailen. Aber: Den „everyday-talk“ werde ich mir trotzdem nicht nehmen lassen: Ich werde weiterhin mit vielen Schulen reden, mit Schulleitern sprechen und in der Behörde viele Besprechungen haben. Auch dort werde ich mir diese Offenheit nicht nehmen lassen auf Menschen zuzugehen.

    „Es ist nicht so, dass ich mich in irgendeine Kammer setze und von morgens bis abends nur am Rechner sitze, sondern ich muss auch da ganz viel kommunizieren.“  T. Hunfeld (01/2019)

    Selbstverständlich werde ich die Kontakte auch vermissen, aber es ist jetzt entschieden und jetzt schaue ich auch nicht zurück, jetzt schaue ich nach vorne, aber natürlich bleibt immer auch ein Teil von mir hier und auch die Menschen, mit denen ich hier gearbeitet habe, die bleiben auch ein Stück weit in mir (ohne das jetzt zu sehr pathetisch4 klingen zu lassen).

    Stellen Sie sich vor, Sie hätten drei Wünsche frei.  Was würden Sie gerne am „System Schule“ ändern?

    Ich finde die KGS ist das großartigste System, das es gibt. Hauptschule, Realschule, Gymnasium werden miteinander vereint, so auch die Schülerinnen und Schüler. Schülerinnen und Schüler, die etwas langsamer lernen, dann die, die mit Realien, aber auch auf einem hohen theoretischen Niveau arbeiten und schließlich die, die in die Theorie verliebt sein sollten, lernen an einem Ort. Diese Spannweite in einer Schule zu haben, finde ich gut, übrigens auch für ganz Niedersachsen. Ich finde die Vielfalt unseres Schulwesens manchmal bedrohlich: Gymnasium, Hauptschule, Oberschule, Realschule, IGS – Warum nicht nur eine Schule? (erster Wunsch)

    „Warum nicht die KGS als guten Kompromiss zwischen denen, die irgendwie alles zusammenhaben wollen und denen, die alles getrennt haben wollen? Das ist ein utopischer5 Wunsch, das weiß ich, aber ich finde das toll, ich finde die KGS als System toll.“ T. Hunfeld (01/2019)

    Dann wünsche ich mir, nicht nur für diese Schule, sondern für alle, dass nicht jede Schule das Rad neu erfinden muss, sondern dass es einen Rahmen gibt, in dem ich mich gut bewegen kann und den ich gestalten kann, aber dass nicht jede Schule beispielsweise ihren eigenen Arbeitsplan selber schreiben muss und definieren muss, was sie wann in welchem Unterrichtsfach macht – Und dieser wird dann von außen kontrolliert. In diesem Rahmen haben die Schulen auch viele Freiheiten, schließlich bedeuten mehr Vorgaben nicht zwangsläufig Einschränkungen (zweiter Wunsch).

    Und drittens wünsche ich mir, dass die Schulen in einem guten Zustand sind. Diese Schule ist zwar in einem ganz guten Zustand, aber die Situation in den Klassenräumen ist ausbaufähig: Es ist zu laut, es ist auch teilweise zu voll, weil manche Klassenräume zu klein sind. Das Licht passt nicht immer und die digitale Technik funktioniert ebenfalls nicht immer. Ich wünsche mir einfach, dass wir auf einen zeitgemäßen Stand kommen, damit sich Kinder wirklich im Klassenraum wohlfühlen können (dritter Wunsch).

    Wir bedanken uns für das ausführliche Gespräch und wünschen Ihnen alles erdenklich Gute für die Zukunft.

    Das Gespräch führte Emma Boye (11G3).

     

    1 – simpel, einfach, schlicht

    2 – hier: Mit etwas zu kämpfen haben

    3 – verbreitet werden

    4 – zu gefühlvoll

    5 – unerreichbar

  • Interview mit Dorothea Otte

    Interview mit Dorothea Otte

    Was bedeutet Glück für Sie?
    Am Ende des Tages mit meinem Mann auf unserem roten Sofa zu sitzen und über das Leben zu sprechen.

    Welches Ereignis in der Welt beschäftigt Sie?
    Aktuell beschäftigt mich die Dürrekatastrophe im Sommer, weil ich mir sehr viele Gedanken über den Klimawandel mache und wir uns irgendwann fragen werden, warum wir nicht rechtzeitiger aufgewacht sind. Die nächste Generation wird uns zu Recht fragen: „Was habt ihr eigentlich dagegen getan?“

    Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?
    Ich glaube, das Geheimnis meines Berufes ist, deswegen mag ich ihn auch gern, dass kein Tag wie der andere ist. Was mir nicht gefällt ist mein Weg zur Arbeit, denn am liebsten fahre ich Fahrrad, aber die Anreise aus Hannover, wo ich wohne, ist oft sehr nervig: Die S-Bahn fährt nur stündlich und die Abfahrtszeiten passen nicht zum Stundenplan der KGS. Der Arbeitstag teilt sich dann immer auf zwischen meinen Unterrichtsstunden und meinen Schulleitungsgeschäften, denn im Prinzip habe ich zwei Jobs unter einen Hut zu bringen. Wenn ich aber nicht mit dem Unterrichten anfange, dann begrüße ich zuerst alle Schulverwaltungskräfte und Schulleitungsmitglieder, sodass man erst mal ankommt und sich gegenseitig wahrnimmt. Dann checke ich ganz schnell meine E-Mails auf irgendetwas Verborgenes, was ich dringend bearbeiten muss. Schließlich werfe ich einen Blick in den Terminkalender. Da steht dann eigentlich immer etwas an: Gespräche mit Eltern, Schülern, Kollegen, Besprechungen. Wenn ich keinen Termin habe, dann muss ich mich an die Büroarbeit setzen, mich um Themen kümmern wie Klasseneinteilung, Anmeldungen, Beurlaubungen, Zeugnisse – je nachdem was im Schuljahr gerade dran ist. Manchmal ist dann der Unterricht eine Entspannung, weil ich dort nur eine Sache gleichzeitig machen muss und nicht zehn Leute gleichzeitig etwas von mir wollen.

    Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht den Lehrerberuf ergriffen hätten?
    Journalistin, das habe ich auch eine Weile gemacht. Aber am liebsten Opernsängerin, nur da war ich leider nicht gut genug.

    Unter uns: Wer ist anstrengender, die Lehrer oder die Schüler?
    Ehrlich gesagt finde ich manche Eltern zurzeit anstrengender, wenn sie blind sind für die Probleme, die ihre Kinder haben oder sich gar nicht kümmern. Aber zur eigentlichen Frage: Jede Arbeit ist nun mal anstrengend, das gehört auch in der Schule dazu. Vielleicht könnten wir ab und zu alle mal gucken, wie wir uns gegenseitig die Arbeit etwas erleichtern können. „Sich anstrengen“ ist ja eigentlich etwas Gutes, gerade im Kontext Schule – vielleicht können wir das ja ernster nehmen.

  • Interview mit Michael Meyer

    Interview mit Michael Meyer

    Was bedeutet Glück für Sie?
    Zufriedenheit und Zeit mit meiner Frau, meinen Enkelkindern und meiner Familie zu verbringen. Außerdem ist es immer schön, aus der Schule raus zu sein und mindestens einen Schüler auf den richtigen Weg gebracht zu haben.

    Was ärgert Sie?
    Mich ärgert die Ellenbogenmentalität hier an unserer Schule. Immer muss man der Erste sein und nimmt keine Rücksicht auf seine Mitmenschen. An so einer großen Schule muss man nun mal auf andere achten.

    Welches Ereignis in der Welt beschäftigt Sie?
    Die vielen Kriege und die Undurchsichtigkeit von Menschen wie Trump. Man weiß nie was er als nächstes vorhat.

    Was ist an 96 so toll?
    96 ist eine Marke in Hannover und Umfeld und eine Identifikation für viele Menschen. Die 50+1-Reglung beinhaltet Sonderreglungen, die Kind nutzen will und das macht den Verein zuverlässiger für die Zukunft.

    Außerdem ist das altehrwürdige Niedersachsenstadion ein Anlaufpunkt für viele Fußballer und Fans – und nicht das Weser-Stadion.

    Ihre Lieblingssportart in der Antike?
    Leichtathletik (Laufen auf Langstrecke) und Ringen (also Zweikampf) hat mich schon immer fasziniert.

    Wer war wichtiger? Cäsar oder Cicero?
    Cicero.

    Erläutern Sie das Verhältnis von Jogginghosen und Jeans in Ihrem Kleiderschrank mit Hilfe von ausgewählten Beispielen.
    Jogginghosen trage ich immer, wenn ich Sportunterricht habe, jedoch sind meine Sporthosen immer gebügelt, frisch gewaschen und im Einklang mit meinem restlichen Outfit! Jeans trage ich immer in meiner Freizeit, aber eigentlich bin ich Fan von Chino-Hosen.
    (Operator nicht erfüllt – Anmerkung der Redaktion)

  • Interview mit Gabriela Mircea

    Interview mit Gabriela Mircea

     

    Was bedeutet Glück für Sie?

    Viele Dinge bedeuten Glück für mich, wie zum Beispiel ein gutes Buch, Sonne, mit meinen Kindern zu reden oder wenn ein Schüler zu mir sagt, dass Physik toll ist.

     

    Was ärgert Sie?

    Ich habe meinen Beruf bewusst gewählt. Es ist mehr eine Berufung als ein Beruf. Die Arbeit mit Jugendlichen macht mir Spaß. Besonders die Entwicklung eines Schülers mit anzusehen ist schön. Mittlerweile ist es aber so, dass in einer Klasse zu viele Schüler sind. Somit kann man sich nicht groß um einzelne Individuen kümmern. Generell stehen einer Lehrkraft zu wenige Unterrichtsstunden zur Verfügung, um den Schülern den gesamten Unterrichtsstoff zu vermitteln.

    Als Lehrer muss man einen gewissen Druck auf die Schüler ausüben, wobei man auch in einem Konflikt zu sich selbst steht, da es die Schüler zunehmend belastet.

    Ich habe das Gefühl, dass sich die Schule verändert hat und das nicht zum Besseren. Das ärgert mich wirklich .

     

    Welches Ereignis in der Welt beschäftigt Sie?

    In unserer Welt gibt es zu viel Krieg:

    Nichts ist schlimmer als Krieg! Es gibt zu viel Ungerechtigkeit und Gewalt und man kann nichts von dem Geschehenen rückgängig machen.

     

    Welche Erfindung wünschen Sie sich?

    Ich wünsche mir einen Gott, der den Hunger beendet und den Krieg abschafft.

     

    Haben Sie eine Weisheit für die Schüler?

    Nein. Ich habe es mir immer zur Aufgabe gemacht das Denken von Schülern nicht zu beeinflussen. Ich möchte keine Ratschläge und Erfahrungen weiter geben, welche jeder selbst machen muss.