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Wohlbefinden, Unterrichtsqualität, Partizipation und Mobbing an deutschen Schulen

Eine Zusammenfassung des Deutschen Schulbarometers – Befragung Schülerinnen und Schüler 2025/26

Das Deutsche Schulbarometer ist eine regelmäßig durchgeführte repräsentative Befragung der Robert Bosch Stiftung, die Entwicklungen im deutschen Schulsystem sichtbar machen soll. Ziel ist es, „frühzeitig Entwicklungen zu beschreiben“ und daraus bildungspolitische Empfehlungen abzuleiten. Die Erhebung 2025/26 basiert auf einer Onlinebefragung von 1.507 Schülerinnen und Schülern im Alter von 8 bis 17 Jahren sowie jeweils einem Elternteil. Der Bericht vom März 2026 unterteilt sich in vier wesentliche Themenbereiche: Psychische Belastung, Schulisches Wohlbefinden und Unterrichtsqualität, Partizipation und Mitbestimmungsmöglichkeiten und Mobbing bzw. Cybermobbing.


Im Bereich Psychische Belastung zeigt sich weiterhin ein hohes Belastungsniveau bei Schülerinnen und Schülern. Die Rückmeldungen zeigen, dass insgesamt 15 % der befragten Kinder und Jugendlichen als „psychisch auffällig“ einzustufen wären, während weitere 10 % im Grenzbereich liegen. Damit weist jeder vierte junge Mensch (25 %) Hinweise auf eine erhöhte psychische Belastung auf – ein leichter Anstieg gegenüber 2024 (21 %). Signifikant häufig betroffen sind Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf (36 %) sowie Kinder aus Familien mit sehr niedrigem Nettoäquivalenzeinkommen1 (31 %). In Bezug auf die Lebensqualität berichten 26 % der Schülerinnen und Schüler eine geringe, 68 % eine mittlere und 6 % eine hohe Lebensqualität. Vor der COVID-19-Pandemie gaben lediglich rund 15 % der Kinder und Jugendlichen eine geringe Lebensqualität an. Überdurchschnittlich oft berichten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf (41 %) oder Kinder aus Familien mit niedrigem Nettoäquivalenzeinkommen (36 %) von einer geringen Lebensqualität. Von den Befragten mit psychischen Auffälligkeiten geben 57 % eine geringe Lebensqualität an. Dabei lässt die Methodik der Studie keine Kausalinterpretation zu. Trotz des deskriptiven Charakters der Studie verweist der Bericht auf strukturelle Versorgungslücken, etwa lange Wartezeiten für psychotherapeutische Unterstützung und empfiehlt den Ausbau von diversen Unterstützungsangeboten in und außerhalb von Schule und Verhältnisprävention.

Abb.: Psychische Auffälligkeiten von 8- bis 17-Jährigen anhand des SDQ (Goodman, 1997). Werte für 8- bis 10-Jährige ≙ Fremdbericht durch Erziehungsberechtigte; für 11- bis 17-Jährige ≙ Selbstbericht.

  1. „Als „sehr niedrig“ eingestuft werden Nettoäquivalenzeinkommen, die maximal 60 % des Medians des Nettoäquivalenzeinkommens in Deutschland betragen. Befragte, deren Nettoäquivalenzeinkommen mehr als 60 %, aber maximal 70 % des Medians des Nettoäquivalenzeinkommens beträgt, gehören zur Gruppe der Befragten mit „niedrigem Einkommen“. Ein „mittleres Einkommen“ haben Befragte mit mehr als 70 %, aber weniger als 150 % des Medians des Nettoäquivalenzeinkommens. Dies ist die zahlenmäßig mit Abstand größte Gruppe. „Hohe Einkommen“ sind Nettoäquivalenzeinkommen von mindestens 150 % des Medianäquivalenzeinkommens in Deutschland. Der Median des Nettoäquivalenzeinkommens in Deutschland lag laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2024 bei knapp unter 2.300 Euro pro Monat.“ (Deutsches Schulbarometer 25/26; S. 8) ↩︎

In Bezug auf den Themenkomplex Schulisches Wohlbefinden kann von einer insgesamt mittleren Schulzufriedenheit ausgegangen werden (75 % der Jugendlichen). 8 % empfinden ein hohes schulisches Wohlbefinden; doppelt so viele jedoch ein geringes. Dabei sind keine signifikanten Abhängigkeiten zur Schulform zu erkennen. Kinder aus finanziell sehr belasteten Familien (29 %) und Kinder mit psychischen Auffälligkeiten (43 %) fühlen sich besonders häufig unwohl in Schule. Zur Erfassung der Unterrichtsqualität wurden die drei Basisdimensionen konstruktive Unterstützung, kognitive Aktivierung und Klassenführung sowie das Klassenklima herangezogen. Es zeigen sich insgesamt stabile Einschätzungen über beide Befragungswellen hinweg. Eine Regressionsanalyse zeigt, dass sechs Merkmale gemeinsam rund 60 % der Varianz im schulischen Wohlbefinden erklären (Vgl. Tabelle 1). Der Bericht betont ausdrücklich, dass nur einige Faktoren im Gesamtmodell eigenständig bedeutsam bleiben. Den stärksten positiven Effekt hat die konstruktive Unterstützung durch Lehrkräfte, gefolgt von Langeweile (negativer Zusammenhang), Prüfungsangst aus Elternsicht (negativer Zusammenhang), Überforderung (negativer Zusammenhang), positives Klassenklima und akademischem Selbstkonzept. Kognitive Aktivierung, Klassenführung und Leistungsdruck leisten im Gesamtmodell keinen eigenständigen Erklärungsbeitrag zum schulischen Wohlbefinden mehr. Hinsichtlich Überforderung und Langeweile zeigen die Daten, dass etwa zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler in mindestens einigen Unterrichtsstunden Überforderung erleben, während etwa ein Drittel keinerlei Überforderung angibt. Rund 35–37 % der Befragten stimmen Aussagen zur Langeweile im Unterricht oder bei Hausaufgaben ziemlich oder genau zu – ein Befund, der mit zunehmendem Alter und beim Übergang zur weiterführenden Schule ausgeprägter wird.


Tabelle 1 – Ergebnisse der Regression zu den Zusammenhängen zwischen unterrichtsbezogenen Einflussfaktoren und dem schulischen Wohlbefinden von 8- bis 17-Jährigen (Quelle: Das Deutsche Schulbarometer März 2026, Robert Bosch Stiftung)

Der Blick auf das Zugehörigkeitsempfinden zeigt, dass ein Großteil der Schülerinnen- und Schülerschaft Schule als Ort empfindet, an dem er sich zugehörig fühlt: 76 % geben an, (eher) beliebt zu sein, 89 % fühlen sich (eher) nicht einsam und 81 % fühlen sich (eher) nicht unwohl oder fehl am Platz. Deutliche Abweichungen zeigen sich hier jedoch bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten: Nur 50 % fühlen sich in der Schule beliebt, 30 % berichten von Einsamkeit und 40 % fühlen sich unwohl oder fehl am Platz.

Abb.: Gefühl der Zugehörigkeit (Ramm et al., 2012a) in der Schule von 8- bis 17-Jährigen

Die Mitbestimmungsmöglichkeiten werden insgesamt als gering eingeschätzt. Am häufigsten können Schülerinnen und Schüler bei Klassenregeln (sehr) viel mitbestimmen (34 %); bei schulischen Aktivitäten oder Schulgestaltung sind es 19 bzw. 15 %. Im Bereich der Unterrichtsgestaltung ist die wahrgenommene Partizipation deutlich niedriger: Nur 5 % können laut eigener Aussage bei der Auswahl der Unterrichtsmaterialien und 3 % bei der Auswahl der Unterrichtsinhalte und -themen (sehr) viel mitbestimmen. Im Bereich Prüfungen geben 70 % an, bei der Notengebung gar nicht mitbestimmen zu können, 64 % bei Prüfungsterminen und 54 % bei der Prüfungsform. Gleichzeitig wünscht sich eine deutliche Mehrheit von 64 bis 74 % der Befragten in nahezu allen abgefragten Bereichen mehr Mitbestimmung. Die Daten zeigen konsistente positive Zusammenhänge zwischen dem Ausmaß der wahrgenommenen Partizipation, dem schulischen Wohlbefinden und der Lebensqualität, wenngleich keine Kausalität auf Basis der vorliegenden Querschnittsdaten bestimmbar ist.

Hinsichtlich der strukturellen Verankerung von Partizipation berichten 91 % der Schülerinnen und Schüler von einer gewählten Schülervertretung an ihrer Schule; allerdings schätzen 43 % deren tatsächlichen Einfluss als (eher) gering ein. Etwa die Hälfte der Befragten hat alle zwei Wochen oder häufiger Klassenleitungsstunden. Rund 30 % geben an, sie seltener als einmal im Monat oder gar nicht zu haben. Kinder und Jugendliche mit geringem schulischem Wohlbefinden erhalten deutlich seltener solche Stunden (42 % selten oder nie).

Abb.: Einschätzung des Einflusses von der gewählten Schülervertretung der 8- bis 17-Jährigen (bei, lt. eigener Aussage, vorhandenen SV)

Bei den befragten 11- bis 17-Jährigen wurden fünf Formen negativer sozialer Verhaltensweisen erfasst; als Mobbing gilt das mindestens monatliche Auftreten mindestens einer Form. Insgesamt berichten 30 % der Jugendlichen im aktuellen Schuljahr von Mobbing. Von ihnen erleben pro Monat 32 % eine, 27 % zwei, 16 % drei und 25 % vier oder fünf Erscheinungsformen. Die höchste Prävalenz zeigt sich mit 14 Jahren (über 38 %) und nimmt danach mit steigendem Alter ab. Mobbing findet überwiegend offline statt (51–57 % ausschließlich), 33–34 % erleben eine Kombination aus Offline- und Online-Kanälen. Nur beim Verbreiten von Gerüchten ist Cybermobbing mit 25 % der häufigste reine Online-Kanal. Insgesamt erfahren 29 % mindestens eine Form Offline-Mobbings, 17 % mindestens eine Form von Cybermobbing. Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten sind deutlich häufiger mehrfach betroffen. Ähnlich zeigen sich Unterschiede beim schulischen Wohlbefinden und beim Zugehörigkeitsgefühl; Kausalitäten lassen sich aus der Studie nicht ableiten.

75 % der Jugendlichen ab 11 Jahren berichten, in der Schule zu lernen, wie man mit Mobbing umgeht; 86 % nennen zudem eine schulische Anlaufstelle. Im Primarbereich zeigt sich jedoch laut Elternaussagen weiterer Handlungsbedarf in Bezug auf mögliche Angebote.

Die Ergebnisse zeigen ein weiterhin hohes Belastungsniveau unter Kindern und Jugendlichen, deutliche Unterschiede nach sozioökonomischen Bedingungen sowie relevante Zusammenhänge zwischen Unterrichtsmerkmalen, Partizipation und schulischem Wohlbefinden. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei den Zusammenhangsanalysen um korrelative Befunde handelt; Kausalaussagen sind nicht ableitbar.

Abb.: Negative sozialen Erfahrungen, die Schüler:innen zwischen 11 und 17 Jahren durch
ihre Klassenkameraden innen im letzten Schuljahr im persönlichen und direkten Miteinander oder über das Handy bzw. über soziale
Medien gemacht haben.

Quelle:

Robert Bosch Stiftung (2026). Deutsches Schulbarometer: Befragung Schüler:innen 2025. Ergebnisse von 8- bis 17-Jährigen und ihren Erziehungsberechtigten zu Wohlbefinden, Unterrichtsqualität, Partizipationsmöglichkeiten und (Cyber-)Mobbing. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung. https://www.bosch-stiftung.de/de/presse/2026/03/deutsches-schulbarometer-psychische-belastung-bei-kindern-und-jugendlichen-steigt