Besuch im Profilkurs GuS 10R
Seit zwei Wochen ist es endlich so weit: Die Kooperation mit dem Krankenhaus Lindenbrunn hat begonnen. Jede Woche, dienstags, werden Mitarbeiter in unseren Kurs kommen, um ihren Beruf vorzustellen.
Bereits in den letzten Wochen besuchten uns Pflegekräfte und Stationsleitungen, um aus ihrem Alltag und den Anforderungen zu berichten. Anschaulich erfuhren wir, wie schwer es ist, zum Beispiel mit einem gelähmten Arm alltägliche Situationen zu meistern. So eingeschränkt Flaschen zu öffnen, etwas in eine Tasche zu tun oder etwas zu schreiben, ist dann plötzlich eine Herausforderung. Auch eine Hose anzuziehen und zuzuknöpfen ist da gar nicht so leicht. Wir erfuhren außerdem, dass Menschen mit einem Schlaganfall manchmal die Schluckfähigkeit verlieren und wie man diese wieder übt, um Folgekrankheiten (zum Beispiel Lungenentzündung) zu vermeiden. Die stärkehaltige, verdickte und breiige Masse zu schlucken ist nicht allen von uns gelungen.
Zu guter Letzt erhielten wir einen Einblick in den täglichen Arbeitsablauf als Pflegekraft und Stationsleitung. Ein Tagesablauf ist zwar von Routinen geprägt, aber es sind immer spontane Reaktionen auf plötzliche Ereignisse erforderlich.
Wir haben mitgenommen, dass der Bereich „Pflege“ sich nicht auf einen Beruf wie zum Beispiel Krankenschwester beschränkt. Das Feld bietet eine große Spannbreite an Berufen, wie Ärzte, Arbeit bei Versicherungen oder im Hospiz oder in Kinderheimen, Diätassistenten, Therapeuten und vielen mehr.
Sehr spannend waren die Einblicke in die Berufe Diätassistentin und Medizinische Fachangestellte (MFA) mit Röntgenschein. In Gruppenarbeit schauten wir uns gemeinsam an, wie viel wir zum Thema Zucker wussten beziehungsweise nicht wussten. Wir testeten uns mit kniffligen Fragen, ordneten Lebensmittelkarten nach Zuckergehalt zu und schätzten die Anzahl an Zuckerwürfeln in Getränken. Das Ergebnis war ernüchternd, aber immerhin hatten wir wenigstens die Hälfte richtig.
Die MFA zeigte uns Röntgenaufnahmen von verschiedenen Teilen des Skeletts. Wir durften mitraten, um welchen Ausschnitt es sich jeweils handelte und waren dabei richtig gut.
Am letzten Dienstag war ein Sprachtherapeut (Logopäde) bei uns. Er informierte uns über die Ausbildung, die nichts kostet und für die ein Realschulabschluss ausreicht. Bei diesem Beruf wird mit Menschen aller Altersklassen gearbeitet. Zur Therapie kommen Menschen mit Sprachentwicklungsstörungen, Sprech- und Sprachstörungen, Stimm- und Schluckstörungen sowie Lese- und Rechtschreibstörungen und ebenso Störungen des Sprach- und Hörvermögens. Es ist ein Beruf für viele Bereiche, wie Krankenhäuser, Rehakliniken, logopädische Praxen, Schulen usw. Gemeinsam mit einem Patienten wird an der Störung gearbeitet. Da der Sprachtherapeut in Lindenbrunn arbeitet, hat er vornehmlich mit älteren Menschen zu tun. Heute zeigte er uns interessante Videos aus der Praxis, die verschiedene Grade an Aphasie (Sprachverlust) zeigten. Überraschend für uns war, dass Menschen mit Aphasie auch nicht aufschreiben können, was sie möchten, da ihnen die Sprache – unterschiedlich ausgeprägt – fehlt. Natürlich durften wir das gleich in einem Tabu-Spiel ausprobieren. Besonders schwierig war es bei dem Fall, dass ein Arm gelähmt und die Sprache sich auf „Ja“, „Nein“ und „Urlaub“ reduzierte. Versucht da mal „Teppich“ zu erklären, wenn keiner da ist! Augenscheinlich wird das fehlende Verständnis von Sprache, wenn man einen Text lesen, aber nicht verstehen kann.
Hier ein Selbstversuch für euch: Wer kann das lösen?

Bisher haben wir sehr abwechslungsreiche Berufe aus erster Hand kennenlernen dürfen. Die Referenten waren immer sehr überzeugend und man merkte, dass sie mit dem Herzen ihren Beruf ausüben. Wir freuen uns schon auf die nächsten Male, wenn wieder nette Menschen kommen, um uns ihren Beruf vorzustellen!



