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Unterrichtsqualität im Fach Mathematik – Ergebnisse aus dem IQB-Bildungstrend 2024

Im IQB-Bildungstrend 2024 wurde die Qualität des Mathematikunterrichts genau in den Blick genommen, da die Qualität des Unterrichts ein zentraler Faktor für den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern darstellt. Dabei richtet sich das Augenmerk in der Studie auf Merkmale des Mathematikunterrichts, auf die sogenannten Oberflächen- und Tiefenmerkmale des Unterrichts. Für einen qualitativ hochwertigen Unterricht sind die Tiefenmerkmale von besonderer Bedeutung.

Tiefenmerkmale erfassen die Qualität der Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden und gelten als zentrale Prädiktoren für Lernerfolg. Das in der Unterrichtsforschung etablierte Modell von Unterrichtsqualität mit drei Basisdimensionen bildet hierfür den zentralen Bezugsrahmen, der auch für die Erhebung im IQB-Bildungstrend maßgeblich ist (Stanat et al. 2025, 360).

Mit Oberflächenmerkmalen hingegen werden die methodisch-organisatorischen Aspekte des Unterrichts bezeichnet, wie beispielsweise die Sozialformen (Partner-, Gruppen-, oder Freiarbeit) methodische Elemente (Binnendifferenzierung) und der Einsatz digitaler Medien. Diese Merkmale zeigen aber keine systematischen Zusammenhänge mit dem Kompetenzerwerb, obwohl sie durchaus zu einem lernförderlichen Rahmen beitragen können (ebd. 361).

Die folgende Abbildung gibt Ihnen einen Überblick über die Merkmale der Unterrichtsqualität und wie diese im IQB-Bildungstrend erhoben wurden

Ergebnisse Tiefenmerkmale

Die mittleren Ausprägungen der Tiefenmerkmale unterschieden sich zwischen den einzelnen Tiefenmerkmalen und im Ländervergleich nur wenig und liegen überall nahe dem theoretischen Mittelwert. Im Trend von 2028 zu 2024 zeigt sich im bundesweiten Durchschnitt allerdings eine signifikante, wenn auch geringe Verschlechterung der Einschätzungen der Unterrichtsqualität.

Zwischen den Schularten gibt es einige Unterschiede in der Bewertung des Unterrichts. An Gymnasien sind die Merkmale der Unterrichtsqualität grundsätzlich stärker ausgeprägt, außer hinsichtlich der konstruktiven Unterstützung. Diese erleben die Schülerinnen und Schüler an nicht-gymnasialen Schulen als stärker ausgeprägt.

Es zeigte sich zudem, dass ein kognitiv herausfordernder und aktivierender Mathematikunterricht, kombiniert mit einer guten Klassenführung, im Zusammenhang mit höheren fachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler steht. Gleichzeitig fördert er das Interesse am Fach und stärkt die Selbstwirksamkeitserwartungen der Lernenden.

Ergebnisse Tiefenmerkmale in Niedersachsen

In Niedersachsen wird der Unterricht in den Dimensionen kognitive Aktivierung und konstruktive Unterstützung signifikant schlechter bewertet als 2018, wobei auch hier die Veränderung – wie im Bundesdurchschnitt – nicht sehr groß ist. Die ausgeprägteste Verschlechterung zeigt sich in diesem Zeitraum in Niedersachen bei der Fehlerkultur (ein Indikator für konstruktive Unterstützung). Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler Fragen wie: „Unsere Mathematiklehrerin/unser Mathematiklehrer ist geduldig, wenn jemand im Mathematikunterricht einen Fehler macht“ negativer bewertet haben. Insgesamt wird die Fehlerkultur (von allen fünf Merkmalen der Unterrichtsqualität) aber immer noch am positivsten eingeschätzt. Den Umgang mit Störungen bewerten niedersächsische Schülerinnen und Schüler (wie Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland) am schlechtesten, hier gab es aber keine signifikante Veränderung im Vergleich zum Jahr 2018. 

Insgesamt bestätigen die Ergebnisse jene Befunde, die die Bedeutung eines unterstützenden und wertschätzenden Unterrichtsklimas hervorheben. Positive Beziehungen zwischen Lehrkraft und Lernenden sowie eine effiziente, störungsarme Klassenführung bilden eine wesentliche Grundlage für eine vertiefte kognitive Auseinandersetzung mit Lerninhalten, den Aufbau fachlicher Kompetenzen und die Entwicklung positiver motivational‑emotionaler Merkmale.

Quelle

Stanat, P., Schipolowski, S., Gentrup, S., Sachse, K. A., Weirich, S. & Henschel, S. (Hrsg.) (2025). IQB-Bildungstrend 2024. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Münster: Waxmann.Abzurufen unter: https://www.iqb.hu-berlin.de/media/documents/IQB_Bildungstrend2024_Berichtsband-6.pdf

Links Weitere Informationen zum IQB-Bildungstrend 2024 finden Sie hier