Im Jahr 2024 wurden zum dritten Mal die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der 9. Jahrgangsstufe in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern (Biologie, Chemie und Physik) getestet. Dieser Beitrag wirft einen Blick auf die Ergebnisse im Hinblick auf geschlechtsbezogene, soziale und zuwanderungsbezogene Disparitäten in Niedersachsen und zeigt Entwicklungen im Vergleich zu der Erhebung aus dem Jahr 2018 auf.
2024 zeigen sich bundesweit sowie in Niedersachsen geschlechtsbezogene Unterschiede in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Im Durchschnitt erzielen Jungen im Fach Mathematik höhere Werte als Mädchen. In den Naturwissenschaften hingegen haben überwiegend Mädchen einen Kompetenzvorsprung. Hier sind die Unterschiede bundesweit im Fach Biologie am größten. In Niedersachsen besteht allerdings nur im Bereich Fachwissen Biologie ein signifikanter Kompetenzunterschied zugunsten der Mädchen. Jungen erreichen hingegen in Niedersachsen im Fach Physik im Bereich Erkenntnisgewinnung signifikant höhere Kompetenzen als Mädchen. Die Kompetenzwerte der Jugendlichen aus der Gruppe divers (2 % der Gesamtpopulation im IQB-BT 2024) liegen in allen untersuchten Fächern unter denen der Mädchen und Jungen.
Im Trend zeigt sich, dass die Kompetenzwerte von Mädchen und Jungen in Niedersachsen in nahezu allen untersuchten Fächern und Kompetenzbereichen (außer der Kompetenzwert der Jungen im Fach Biologie im Bereich Erkenntnisgewinnung) zwischen 2018 und 2024 signifikant gesunken sind. Da die Kompetenzrückgänge der Mädchen größer ausfallen als die der Jungen, sind die Disparitäten rückläufig.

Um soziale Disparitäten aufzuzeigen, werden als Indikatoren für die soziale Herkunft der Schülerinnen und Schüler der sozioökonomische Status ihrer Familien (HISEI – international vergleichbarer Indexwert des Berufs) und das kulturelle Kapital, welches über die Anzahl der Bücher im Haushalt gemessen wird, herangezogen. Zur Bestimmung der Ausprägung sozialer Disparitäten im Kompetenzerwerb wird der soziale Gradient (d. h. die Kopplung zwischen den erreichten Kompetenzen der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler und dem sozioökonomischen Status ihrer Familien) verwendet.
Im Jahr 2024 lag der durchschnittliche sozioökonomische Status der Familien der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler bundesweit etwas höher als im Jahr 2018. Allerdings weist die signifikant größere Streuung als im Jahr 2018 auf zunehmende Unterschiede im sozioökonomischen Status hin.
Bundesweit zeigt der soziale Gradient für 2024 an, dass Schülerinnen und Schüler aus Familien mit einem höheren sozioökonomischen Status im Durchschnitt, in allen untersuchten Fächern und Kompetenzbereichen, höhere Kompetenzwerte erreichen. In Niedersachsen liegt der soziale Gradient für das Fach Mathematik, das Fachwissen Chemie und das Fachwissen Physik signifikant unter den jeweiligen Werten für Gesamtdeutschland. Das bedeutet, dass der Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status der Familien und erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in diesen Bereichen in Niedersachsen signifikant geringer ausgeprägt ist als im Bundesdurchschnitt.
Neuntklässlerinnen und Neuntklässler, die in Haushalten mit mehr als 100 Büchern aufwachsen, erreichen 2024 durchschnittlich in Deutschland insgesamt, sowie in Niedersachsen signifikant höhere Kompetenzwerte in allen getesteten Fächern und Kompetenzbereichen, als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus Familien mit geringerem Bücherbesitz.
Im Trend haben sich die sozialen Gradienten sowie die mit dem kulturellen Kapital verbundenen Disparitäten bundesweit sowie in Niedersachsen zwischen 2018 und 2024 nicht signifikant verändert.


Der Zuwanderungshintergrund wird über die Angaben der Schülerinnen und Schüler zu ihrem Geburtsland und zum Geburtsland ihrer Eltern erfasst. Folgende drei Gruppen werden unterschieden:
- Schülerinnen und Schüler ohne Zuwanderungshintergrund – beide Elternteile in Deutschland geboren
- Schülerinnen und Schüler der zweiten Zuwanderungsgeneration – beide Elternteile im Ausland geboren, ihr Kind in Deutschland geboren
- Schülerinnen und Schüler der ersten Zuwanderungsgeneration – sowohl beide Elternteile als auch das Kind im Ausland geboren
Im Jahr 2024 bestehen bundesweit, ebenso wie in Niedersachsen, signifikante zuwanderungsbezogene Kompetenzunterschiede. Schülerinnen und Schüler der zweiten und ersten Zuwanderungsgeneration erzielenim Fach Mathematik sowie im Bereich Fachwissen in Biologie, Chemie und Physik geringere Kompetenzen als Schülerinnen und Schüler ohne Zuwanderungshintergrund.Bei Schülerinnen und Schülern der ersten Zuwanderungsgeneration zeigen sich im Vergleich zu Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund die größten Unterschiede. Für die zweite Zuwanderungsgeneration fallen diese Nachteile hingegen nur etwa halb so groß aus wie die der ersten Generation.
Im Trend haben sich die Kompetenzunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Zuwanderungshintergrund in Deutschland insgesamt sowie in Niedersachsen zwischen den Jahren 2018 und 2024 nicht signifikant verändert.
Das Kompetenzniveau im Fach Mathematik sowie im Bereich Fachwissen in den Fächern Biologie und Chemie hat sich in Niedersachsen seit 2018 nur in der Gruppe der Schülerinnen und Schüler ohne Zuwanderungshintergrund signifikant verringert. Im Bereich Fachwissen Physik hingegen sind die Kompetenzrückgänge seit 2018 sowohl bei niedersächsischen Jugendlichen ohne als auch mit Zuwanderungshintergrund signifikant.

Quelle
Stanat, P., Schipolowski, S., Gentrup, S., Sachse, K. A., Weirich, S. & Henschel, S. (Hrsg.) (2025). IQB-Bildungstrend 2024. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Münster: Waxmann. Abzurufen unter: https://www.iqb.hu-berlin.de/media/documents/IQB_Bildungstrend2024_Berichtsband-6.pdf
Links
Weitere Informationen zum IQB-Bildungstrend 2024 finden Sie hier.