Einordnung: Neue nationale Koordination von ICILS in Deutschland
Seit dem Frühjahr 2026 liegt die Verantwortung für die Durchführung der internationalen Vergleichsstudie ICILS (International Computer and Information Literacy Study) in Deutschland beim DIPF (Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation) in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Die wissenschaftliche Leitung übernehmen Prof. Dr. Frank Goldhammer (DIPF) und Prof. Dr. Carolin Hahnel (RUB).
Zuvor wurde die deutsche Beteiligung an ICILS über mehrere Erhebungszyklen maßgeblich von der Universität Paderborn verantwortet. Insbesondere die Studien ICILS 2013, ICILS 2018 und ICILS 2023 wurden dort wissenschaftlich koordiniert und weiterentwickelt. Nun erfolgt ein institutioneller Wechsel der nationalen Studienleitung.
Damit ist die nationale Koordination der Studie neu ausgerichtet worden. Die Durchführung erfolgt nun in einem institutionellen Rahmen, der durch eine enge Verbindung von empirischer Bildungsforschung, internationaler Vernetzung und forschungsbasierter Infrastrukturentwicklung geprägt ist. Die neue Projektphase bezieht sich auf den kommenden Erhebungszyklus ICILS 2028, dessen Ergebnisse im Jahr 2029 erwartet werden.
ICILS ist Bestandteil der internationalen Bildungsberichterstattung und wird von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) koordiniert. Damit gehört die Studie zu den zentralen internationalen Leistungsvergleichen im Bildungsbereich.
Bedeutung der ICILS-Studie
Die ICILS-Studie wird seit 2013 im Fünfjahresrhythmus durchgeführt und untersucht die digitalen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich.
Im Zentrum steht dabei die Frage, in welchem Maße Jugendliche über jene Kompetenzen verfügen, die für eine selbstbestimmte Teilhabe an einer digitalisierten Gesellschaft erforderlich sind. Konkret werden zwei zentrale Kompetenzbereiche erfasst: Zum einen die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen, die etwa die Fähigkeit umfassen, Informationen im Internet zu recherchieren, kritisch zu bewerten und angemessen zu nutzen. Zum anderen werden Kompetenzen im Bereich des Computational Thinking untersucht, Fähigkeiten des algorithmischen Denkens und Problemlösens.
Darüber hinaus erhebt die Studie umfangreiche Kontextinformationen, etwa zur technischen Ausstattung von Schulen, zur Nutzung digitaler Medien im Unterricht sowie zu Einstellungen und Überzeugungen von Lehrkräften und Lernenden.
Für die Bildungspolitik liefert sie eine empirische Grundlage zur Weiterentwicklung digitaler Strategien und Maßnahmen. Für Schulen bietet sie wichtige Hinweise für die Gestaltung von Medienkonzepten und schulischen Entwicklungsprozessen. Auf der Ebene des Unterrichts ermöglicht sie Rückschlüsse darauf, wie digitale Kompetenzen gezielt gefördert werden können.
Zugleich erlaubt die Studie internationale Vergleiche sowie die Analyse von Entwicklungen über die Zeit hinweg. Sie trägt damit wesentlich dazu bei, Stärken, Schwächen und insbesondere soziale Disparitäten im Bereich digitaler Kompetenzen sichtbar zu machen.
Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung von Gesellschaft und Arbeitswelt kommt der Förderung digitaler Kompetenzen eine zentrale Bedeutung zu. ICILS stellt hierfür eine wichtige empirische Grundlage bereit.
Zentrale Weiterentwicklungen von ICILS 2028
Mit dem neuen Erhebungszyklus sind auch inhaltliche Weiterentwicklungen verbunden. So wird der Einfluss aktueller technologischer Entwicklungen stärker berücksichtigt, insbesondere durch die Integration von Aufgaben, die sich auf den Umgang mit künstlicher Intelligenz beziehen. Zudem wird erstmals das Thema „digitales Wohlbefinden“ systematisch in die Studie integriert.
Darüber hinaus werden sowohl die Testinstrumente als auch die Kontextbefragungen weiterentwickelt, um den sich verändernden Anforderungen digitaler Bildung gerecht zu werden. Damit erweitert ICILS seine Perspektive und trägt den dynamischen Entwicklungen der digitalen Transformation Rechnung.
Quellen
Deutscher Bildungsserver (2025). International Computer and Information Literacy Study (ICILS). Abrufbar unter: https://www.bildungsserver.de/bildungswesen-allgemein/international-computer-and-information-literacy-study-icils-11270-de.html (Zugriff: 18.06.2026)
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (2026). Digitale Kompetenzen: ICILS-Studie nimmt in Deutschland unter neuer Leitung die Arbeit auf. Pressemitteilung vom 09.04.2026. Abrufbar unter: https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/pressemitteilungen/digitale-kompetenzen-icils-studie-nimmt-in-deutschland-unter-neuer-leitung-die-arbeit-auf (Zugriff: 18.06.2026)
Ruhr-Universität Bochum (2026). ICILS-Studie nimmt in Deutschland unter neuer Leitung die Arbeit auf. Presseinformation vom 09.04.2026. Abrufbar unter: https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2026-04-09-digitale-kompetenzen-icils-studie-nimmt-deutschland-unter-neuer-leitung-die-arbeit-auf (Zugriff: 18.06.2026)
