Seit 2006 erscheint alle zwei Jahre der nationale Bildungsbericht und gibt nunmehr zum elften Mal einen umfassenden Einblick über den Stand und die Entwicklung aller Bildungsbereiche des deutschen Bildungssystems. Dieser Beitrag stellt Befunde aus dem Kapitel zum allgemeinbildenden Schulsystem vor. Als zentrale Kernthemen des Kapitels werden dabei die Übergänge in die Sekundarstufe I und II, Abgänge ohne Abschluss sowie die Ganztagsbetreuung und die Personalsituation an den Schulen für Niedersachsen im Vergleich zum Bundesgebiet aufgegriffen.
Im Schuljahr 2024/25 sind in Niedersachsen rund 75.000 Kinder in die fünfte Klasse gewechselt. Davon gingen knapp 45 % an ein Gymnasium über, was in etwa dem Bundesdurchschnitt von 44 % entspricht. 16,7 % der niedersächsischen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler besuchten 2024/25 eine Schule mit drei Bildungsgängen, 22,8 % eine Schule mit zwei Bildungsgängen. Der Anteil an Realschulen liegt bei 13 %. Hauptschulen spielen mit 3 % eine geringere Rolle. Die Werte blieben gegenüber den Vorjahren weitgehend stabil. Größere Abweichungen vom Bundesdurchschnitt zeigen Bremen mit einer Übergangsquote ans Gymnasium von 21,7 % und Hessen mit 58,2 %. Hier ist in Rechnung zu stellen, dass sich die Schulstrukturen der föderalen Bundesländer zum Teil deutlich unterscheiden.
Von den insgesamt etwas mehr als 156.000 Personen, die im Schuljahr 2024/25 in Niedersachsen in den Sekundarbereich II wechselten, hat rund ein Drittel (34,6 %) einen Bildungsgang zum Erwerb der allgemeinen oder Fach-Hochschulreife begonnen, davon insgesamt 40,4 % an einer beruflichen Schule. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 32 % zeigt sich hier für Niedersachsen eine überdurchschnittlich hohe Bedeutung der beruflichen Schulen auf dem Weg zur Hochschulreife. Nur in Baden-Württemberg ist der Anteil mit 45,4 % noch einmal fünf Prozentpunkte höher als in Niedersachsen.
Der Anteil von 65,4 % der Personen, die in Niedersachsen in einen der drei Sektoren des beruflichen Ausbildungssystems übergegangen sind, liegt geringfügig unter dem Bundesdurchschnitt (66,9 %). Eine deutliche Abweichung ist hier nur für das Land Brandenburg mit 54,1 % zu erkennen.
Wie in fast allen Bundesländern ist der Anteil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Abschluss auch in Niedersachsen seit 2022 leicht gestiegen und liegt aktuell bei 8 %. Als mögliche Hauptursache für den bundesweit beobachteten Anstieg benennt der Bildungsbericht, dass vor allem geflüchtete Kinder die allgemeinbildende Schule potentiell häufiger ohne Abschluss verlassen. Ein Zusammenhang zu den Spätfolgen der Coronapandemie ist weder auszuschließen, noch lässt sich dieser auf Basis der verfügbaren Daten sicher bestätigen.
Den Darstellungen des Bildungsberichts zufolge nehmen 59 % aller Grundschulkinder in Niedersachsen im Schuljahr 2024/25 an ganztägigen Angeboten teil. Dies entspricht dem Durchschnitt für das gesamte Bundesgebiet. Da Ganztagsbetreuung in Ostdeutschland traditionell stärker wahrgenommen wird, lohnt sich hier der vergleichende Blick mit den westlichen Bundesländern: Hier zeigt sich, dass der Anteil für Niedersachsen rund 6 Prozentpunkte höher als beim westdeutschen Durchschnitt liegt.
Ganztagsangebote werden auch in Niedersachsen kontinuierlich ausgebaut. Die Zahl hat sich in Niedersachsen wie in Deutschland insgesamt seit 2014 um den Faktor 1,4 erhöht. In den nächsten Jahren ist aufgrund geänderter gesetzlicher Bestimmungen mit einem weiteren Ausbau der Ganztagsangebote zu rechnen.
Die Altersstruktur hauptberuflicher Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen zeigt eine anhaltende Verschiebung hin zu mehr jüngeren Lehrkräften. Zwar ist der Anteil der unter 30-jährigen Lehrkräfte seit 2016/17 leicht rückläufig, liegt mit knapp 7 % aber immer noch über dem Wert von 2004/2005. Dafür ist der Anteil der 30- bis unter 40-Jährigen Lehrkräfte seit dem Schuljahr 2004/05 von 19,8 % auf rund 29 % im Schuljahr 2024/25 gestiegen. Demgegenüber ist der Anteil der 50- bis unter 60-Jährigen im selben Zeitraum von fast 44 % auf 25,1 % zurückgegangen. Der Anteil der Lehrkräfte, die 60 Jahre oder älter sind, liegt im Schuljahr 2024/25 bei 8 %.

Quelle
Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2026). Bildung in Deutschland 2026. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft. Bielefeld: wbv Publikation.
Link
Weitere Informationen zum nationalen Bildungsbericht Bildung in Deutschland 2026 finden Sie hier.
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