Zwischen Mensch und Papier

Alltag auf der Neurologischen Frührehabilitation
Es herrscht ein akuter Fachkräftemangel in der Pflege in Deutschland, das ist vielen bekannt. Doch was ist eigentlich der Alltag auf einer Krankenhausstation und warum entscheiden sich Menschen für diesen Beruf?
Die Station
Die Neurologische Frührehabilitation des St. Elisabeth Krankenhauses in Damme existiert seit elf Jahren und umfasst elf Zimmer mit neunzehn Betten. Das Pflegepersonal besteht aus 20 Mitarbeiter*innen, die entweder in Voll- oder Teilzeit arbeiten. Zudem arbeiten auf der Stationen noch verschiedene Ärzt*innen und Therapeut*innen, Logopäd*innen und Neuropsychologen, sowie eine Sekretärin und eine Stationshilfe.
Behandelt werden auf der Station unter anderem Patienten, die einen schweren Schlagunfall hatten oder eine Operation am Nervensystem. Diese Patienten sind im Schnitt zwischen 50- 70 Jahre alt, jedoch gibt es auch deutlich jüngere oder ältere.
Der Stationsalltag
Die Arbeitszeiten auf der Station sind in Früh-, Spät-und Nachtschicht aufgeteilt. Früh-und Spätschicht dauern jeweils siebeneinhalb Stunden mit einer halben Stunde Pause, während die Nachtschicht zehn Stunden dauert und eine Dreiviertel Stunde Pause beinhaltet.
Während der Früh- und Spätschicht stehen für die Patienten Untersuchungen und Therapiesitzungen an. Zudem werden sie je nach Möglichkeit von den Pflegekräften zu den Mahlzeiten gebracht und werden von ihnen mit Medikamenten versorgt. Auch helfen die Pflegekräfte den Patienten dabei, sich zu waschen oder sie begleiten sie zur nächsten Untersuchung. Außerdem erfüllt das Pflegepersonal Aufträge der Ärzte und bereitet die Medikamente für die nächste Zeit vor. Wenn neue Medikamentenlieferungen kommen, müssen diese zudem vom Personal einsortiert werden.
Der Spätdienst hilft den Patienten zudem auch bei der Abendroutine helfen, dazu gehört zum Beispiel das Zähnebürsten.
In der Nachtschicht helfen die Pfleger*innen den Patienten mit Problemen, die während der Nacht auftreten, wie zum Beispiel der Toilettengang. Für solche Fälle haben die Patienten eine Klingel in ihrem Zimmer, die sie drücken können, wenn sie Hilfe brauchen. Die Klingel kann auch während der Tagdienste benutzt werden. In der Nachtschicht wird zudem viel Papierkram erledigt und alle paar Stunden findet ein Kontrollgang durch die Zimmer statt.
Am Ende jeder Schicht stehen Aufräum- und Reinigungsarbeiten an, sowie das Schreiben von Kurven, welche den Verlauf der Krankheit der Patienten und die Wirkung der Behandlung zeigen. Danach steht noch die Übergabe an, hier informiert eine Schicht die nächste über alles Wichtige, was während ihrer Schicht passiert ist. Neben diesem Alltäglichen steht  jede Woche eine Therapiesitzung an, in der über die Fortschritte der Patienten geredet wird und beschlossen wird, ob die Patienten noch länger auf der Station bleiben müssen oder ob sie zum Beispiel verlegt werden oder nach Hause können.
Persönliches
Um etwas Nähe zu diesem Beruf zu gewinnen, habe ich einige Mitarbeiter auf dieser Station befragt. Die meisten von ihnen haben sich für den Beruf entschieden, weil sie schon früh in Kontakt mit pflegebedürftigen Personen oder anderen Menschen in diesem Beruf waren und ihnen früh klar war in den sozialen Bereich zu gehen. So meint eine zum Beispiel: „Ich wollte schon immer Menschen helfen und in schweren Zeiten für Betroffene da sein.“
Auch wenn alle meiner Befragten ihren Beruf gerne ausüben, gibt es auch Dinge, die sie stören und Sachen, die sie verbessern wollen. Eine von ihnen meint so zum Beispiel: „Was nicht schön ist, ist das der Pflegenotstand zu vielen Überstunden führt.“
Sie sind sich auch alle einig, dass es inzwischen viel zu viel Bürokratie in ihrem Beruf gebe und somit immer weniger Zeit für die Patienten selbst vorhanden sei. Verbesserungsvorschläge von ihnen sind unter anderem die Abschaffung von dem teils überflüssigen Papierkram oder die Abschaffung des zwei Klassen-Systems. Eine Aussage dazu lautet so: „Jeder hat das gleiche Anrecht auf eine gute medizinische und pflegerische Versorgung.“ Eine Befragte war zudem der Meinung, dass Angehörige der Patienten mehr mit dem Pflegepersonal zusammenarbeiten sollte, statt ihnen häufig zu Last zu fallen oder unmögliche Anforderungen und Erwartungen zu stellen.
Jedoch verbinden alle auch besondere und teils positive, aber auch traurige Erfahrungen mit dem Beruf. Sie alle finden es schön, wenn ein Patient Fortschritte macht, von dem man dachte, er würde es nicht schaffen. Der Kontakt zu Sterbenden gehört auch zum Beruf dazu, was nicht nur immer traurig ist, sondern auch besonders sein kann. So zögern manche Patienten ihren Tod hinaus, auch wenn sie nicht mehr ansprechbar sind, bis eine bestimmte Person eingetroffen ist.
Zudem sei es eine schönes Gefühl zu wissen, dass ein Patient nicht alleine gestorben sei und man ihn auf seinem letzten Weg begleiten durfte. Eine weitere schöne Erfahrung, die man immer mal wieder in diesem Beruf erlebe, sei die Dankbarkeit vieler Patienten.
Von Emma I.

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3 Antworten zu Zwischen Mensch und Papier

  1. Milan sagt:

    Ich finde, dass der Zeitungskommentar sehr gut und informativ gestaltet ist. Dazu ist die Unterteilung sehr übersichtlich und ich finde gut, dass auch eigene Erfahrungen von Mitarbeitern zu sehen sind. Insgesamt ist der Artikel durch gute Formulierungen einfach und interessant zu lesen.

  2. Mathilda sagt:

    Ich finde die Einblicke in die Neurologischen Frührehabilitation sehr interessant, weil viel ins Detail gegangen wurde . Es ist auch ein Thema, über das man normalerweise nichts erfährt.

  3. Lara sagt:

    Ich finde es schön, dass du Einblicke gibt, und auch ,,persöhnliche“ dinge berichtest.
    Du berichtest auch über viele Details und es ist übersichtlich gestaltet worden

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