Pride-Flaggen im Müll der KGS Neustadt (Quelle: SV).
Als Zeichen von Toleranz und Unterstützung für „LGBTQ+“*-Schüler*innen und -Lehrkräfte unserer Schule verteilte die Schülervertretung (SV) im Monat Juni in der ganzen Schule etliche Pride-Flaggen. Innerhalb der ersten Woche des derzeitigen „Pride-Monats“ wurden allerdings viele Flaggen von Schüler*innen abgerissen, zerstört oder landeten sogar im Müll. Dabei ist der „Pride-Month“ für die „LGBTQ+“-Community eine wichtige Zeit: Besonders in diesem Monat weist die Community auf Missstände gegen die „LGBTQ+“-Gemeinschaft auf der ganzen Welt hin. Solche Missstände zeigten sich unter anderem auch in Form der beschädigten oder heruntergerissenen Flaggen an unserer Schule.
Warum so etwas Trauriges noch immer passiert, ist für uns unerklärlich und zeigt aus unserer Sicht nichts als Hass und Ignoranz. Wir vermuten eine Bildungslücke bezüglich der Akzeptanz gegenüber anderen Menschen. Was man auch als ,,Mangel an Aufklärung“ bezeichnen kann, ist also leider auch an der KGS immer noch ein bestehendes Problem, das wir als Schule jedoch keineswegs hinnehmen dürfen und werden. Vorerst müssen jedoch die ,,idiotenfreien“ Orte der Schule ausreichen, damit die Flaggen jetzt nicht mehr so leicht abgerissen werden können.
von der SV der KGS Neustadt, in gekürzter und veränderter Fassung durch die Leine-Redaktion veröffentlicht
*LGBTQ*:
L lesbian (lesbisch) G gay (schwul, im deutschen wird auch der Buchstabe „S“ verwendet) B bisexual (bisexuell) T transgender T (transsexuell) I (intersexuell) Q queer (wortwörtlich: komisch) + pan/omni und viele mehr
Ein perfektes Foto, nein, sogar vier perfekte Fotos. Die Haare und das Make-Up sitzen, das Bein wird gestreckt und die Haare werden geschwungen. Und nicht zu vergessen: das wunderschöne Lächeln der jungen Frau, die sich auf der „Kebema-Panoramabrücke“ in Österreich ins rechte Licht für das perfekte Licht rückt. Gefunden habe ich das Foto auf Instagram, wo auch sonst, wenn man nach den schönsten Selfies im Internet sucht. Doch die atemberaubenden, schneebedeckten Berge, der himmelblaue Fluss und die Wolken im Hintergrund rücken im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund. Der Fokus liegt nicht nur bei diesen Fotos, sondern bei unzähligen anderen auf der Person im Vordergrund. Selfies verändern den Blick auf unsere Welt. Und die „Generation Selfie“ wächst beständig.
Selfies entwerten den Ort und das eigentliche Geschehen. Man selbst präsentiert sich im Vordergrund und postet diese Fotos dann auf Instagram und Co. Der Look von Instagram prägt unseren eigenen Blick auf die Welt: Alles muss perfekt sein. Der Fotospot muss passend zum Outfit sein, die Haare müssen sitzen und selbst das Restaurant und das Essen müssen virtuos sein. Dafür schalten unsere Sinne ab. Geräusche und Gerüche, aber auch andere Menschen sind Nebensache. Wir selbst und das Makellossein überschattet das echte und reale Leben. Aber warum sind Selfies so beliebt?
Ein Klick und das Selfie ist im Kasten und mindestens genauso schnell wird es auch auf Instagram und anderen sozialen Medien hochgeladen. Außerdem kann man sich so darstellen, wie man es gerne hätte. Das Zauberwort lautet hier: Kontrolle! Die Kontrolle über die Selbstdarstellung. Das Argument, dass tolle Momente festgehalten und geteilt werden sollen, ist ja durchaus überzeugend. Tolle Reisen und Erlebnisse oder sogar das Erklimmen des Mount Everests müssen festgehalten werden. Denn wenn es kein Foto davon gibt, ist es dann vielleicht gar nicht passiert? Für wen macht man denn überhaupt ein Foto, für sich selbst oder für die Aufmerksamkeit und Anerkennung anderer, die man durch so ein spektakuläres Foto erhält?
In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung stand erst kürzlich, dass zwei Bergsteiger aus Indien auf der Liste der erfolgreichsten Bergsteiger stünden, aber nicht wegen des Erklimmens, sondern wegen des Verfälschens. Sie waren nie auf dem Mount Everest. Da muss man sich doch fragen, warum?
Klar, so ein tolles Foto erzeugt sicher viel Interesse und soziale Bestätigung noch dazu. Viele Likes und nette Kommentare geben einem Selbstvergewisserung und sind Balsam für das Ego. Das, was ich tue, ist toll und andere finden das auch! Man will ein authentisches Bild von sich schaffen und die anderen User sollen einen mögen und gut finden. Das große ABER ist jedoch: Kein Mensch will schlechte Seiten von sich zeigen, das ist ganz normal, meint auch die Soziologin Bernadette Kneidinger in einer Zeitung. Es wird also nur die Schokoladenseite gezeigt und es wird getrickst und das ganz schön häufig! Die Augenringe und die Pickel kommen weg, das Gesicht wird schmaler gemacht, die Augen sollen glänzen, noch etwas Retusche und zum Schluss noch ein paar schöne Filter. Da muss man sich doch fragen: Was ist da überhaupt noch echt?
Die sozialen Medien und Plattformen, wie Instagram oder YouTube vermitteln so eine mustergültige Welt und die „Generation Selfie“ eifert dieser Scheinwelt nach. Influencer*innen werden so zu Vorbildern. Vermutlich sind auch Namen wie Pamela Reif, BibisBeautyPalace, aber auch Fußballer wie Toni Kroos oder Marco Reus vielen ein Begriff. Viele von uns bestätigen, dass Influencer*innen Inspiration und Anregung schaffen. Doch durch ihre starke, einflussreiche Präsenz in den sozialen Medien werden sie zu Meinungsführern. Diese große Reichweite von Influencern*innen kann viele Fans also auch für ein Produkt begeistern. Influencer*innen werden längst als Marketinginstrument eingesetzt. Wer also heutzutage Instagram hat, kennt bestimmt auch Produkte von Marken wie ocensapart, hellobody oder purelei. Hier wird mit tollen Rabattaktionen und Cods zum Kaufen angereizt und wenn der oder die Influencer*in das hat, dann ist es bestimmt auch ein super Produkt!
Doch die Scheinwelt bringt auch Gefahren mit sich. So strebt schon die junge Generation nach Perfektion, wie sie im Internet dargestellt wird. Es entsteht eine unrealistische Selbstwahrnehmung und es wird Jugendlichen in jungen Jahren ein Ideal vorgesetzt, welches völlig unrealistisch ist. Die Erwartungen an sich selbst steigen und wenn mal nicht alles perfekt läuft, weil das Leben nun mal nicht so perfekt ist, entsteht ein vermindertes Selbstwertgefühl. Warum ist das bei denen so, aber bei mir nicht? Und warum haben alle auf Instagram und Co. so eine reine Haut, nur ich nicht?
Außerdem muss alles dokumentiert werden. Das Essen wird erst gegessen, wenn auch das Foto gemacht wurde. Doch, was einmal gepostet wurde, ist nicht mehr entfernbar. Zwar kann man Fotos und Videos schnell wieder löschen, doch richtig weg sind sie wohl nie!
Ein bisschen im Internet rumsurfen, was ist da schon dabei, denken vielleicht manche. Das stimmt zwar, aber das Blatt kann sich schnell wenden. Spätestens, wenn die Schule oder selbst Familie, Freunde und geliebte Hobbys vernachlässigt werden, kann man von einer Sucht sprechen. Ein für mich erschreckendes Beispiel ist aus einer Dokumentation namens „Generation Instagram – Alles tun für Likes und Follower“. Der 19-jährige Alex geht sechs Mal in der Woche ins Fitnessstudio und trainiert für einen perfekten Körper, den er dann im Internet präsentiert. Likes machen ihn, wie er sagt, glücklich und „pushen“ ihn. Außerdem stärken Follower sein Selbstbewusstsein. Doch viel Zeit für Treffen mit Freunden oder eine Beziehung bleibt ihm da nicht. Doch egal, wie spektakulär oder perfekt das Foto oder Selfie ist, der Fokus ist immer der gleiche – die Umgebung wird zur Nebensache, diese schreit: ICH! Und die Welt rückt in den Hintergrund. Doch wo soll das hinführen?
Wir verlieren den Blick auf unsere wunderschöne Erde und unsere Natur! Mein Apell an die „Generation Selfie“ ist daher: Lasst das Handy zu Hause, löscht Apps, wie Instagram und Co., wenn auch nur für ein paar Tage, dreht der Welt nicht den Rücken zu und schreit ICH, sondern umarmt die Welt und nehmt sie wahr mit allen Sinnen. Seht das Leben als Geschenk und entdeckt dieses wunderbare Universum mit all seinen Facetten und all den unterschiedlichen Menschen. Jede*r von uns ist anders und nicht immer gut drauf, denn das Leben ist nicht perfekt. Und das ist die eigentliche Challenge.
von Johanna Rasch, 10. Jahrgang
Quellen:
Titelbild von Lars Nissen auf Pixabay [13.06.2021].
In der Woche vor den Osterferien feierten die Abiturienten der KGS Neustadt die traditionelle „Mottowoche“. Als Helden ihrer Kindheit, als Figuren aus Horror-Filmen oder als historische Persönlichkeiten machten die Prüflinge aus dieser Woche eine farbenfrohe Kostümparty. Einen Einblick, wie die Abiturienten traditionell ihre letzten Tage in der Schule feiern, bietet die nachstehende Bildergalerie.
Tag 1: Die Woche begann mit dem Motto „Serien und Filme“. Gerade der erste Tag war für alle sehr aufregend. Man hat so manche „Teenie-Mutter“, aber auch so manchen „Bachelor“ gesehen. Die Lehrer wurden am Parkplatz von einem lieben, jedoch etwas kostspieligen Parkservice begrüßt.
Tag 2: Das Motto am darauffolgenden Tag: „Lehrer und Schüler“. Neue Schulkinder sowie aufreizende Schulmädchen waren zu sehen. Auch sind einige Lehrer-Doppelgänger in der Schule unterwegs gewesen. Ein als Schüler verkleideter Duden fiel ebenso auf. Höhepunkt war die Wanderung durch die Schule, um die wenigen, mit Schülerinnen und Schülern besetzten Räume zu „besuchen“.
Tag 3: Am dritten Tag wurde es unheimlich. Mit dem Motto „Horror“ wurden sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler von einer vermummten Schule überrascht. Bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass die Abiturienten die Schule in Zeitungspapier eingewickelt hatten. Die unzähligen „Purger“ und die Trump-Wähler verschreckten darüber hinaus sowohl Schüler- als auch Lehrerschaft.
Tag 4: Beim Motto „Timetravel“ durften die 80er Jahre auf gar keinen Fall fehlen. Mit Rollschuhen und Sportbändern durchquerte ein Teil der Schülerinnen und Schüler die Schule. Daneben sah man einige Persönlichkeiten aus der Renaissance und Abiturienten, die als Neandertaler verkleidet die Schule und den Unterricht auf den Kopf stellten.
Tag 5: Die Kostüm-Woche wurde mit dem Motto „Kindheitshelden“ abgeschlossen. Mario Kart, Pippi Langstrumpf, der Sandmann und viele weitere Helden waren in diesem Zusammenhang in der Schule anzutreffen. Ein Highlight dieses Tages war das Bobby-Car-Rennen zwischen Mario, Yoshi und Co. Viel Freude, aber auch ein paar Tränen begleiteten die Abiturienten an ihrem letzten Schultag.
To-Go-Verpackungen, Pizzakartons, Kaffeebecher – mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr: Durch die massenhafte Verwendung von Einwegverpackungen, insbesondere seit Corona, steigt auch die Menge an Verpackungsmüll durchgehend an und führt häufig zu überfüllten Mülleimern in innerstädtischen Grünanlagen, z.B. in Parks. Der für Hersteller und Verbraucher meist sehr praktische Pizzakarton sei dabei „zu einem Symbol für den Anstieg beim Müllaufkommen in der Corona-Zeit geworden“, teilte die Stadt Nürnberg mit. Die Beseitigung dieses Mülls kostet die Kommunen in Deutschland jährlich mehrere hundertmillionen Euro und die Möglichkeiten des Recyclings für die Hersteller sind beschränkt. Inzwischen wurde auf kommunaler Ebene unter anderem die Forderung nach einer Pfandpflicht für Pizzakartons und andere To-Go-Verpackungen laut. Doch welche Bedeutung und welche Vor- und Nachteile hat der Pizzakarton für die Hersteller und Verbraucher?
Seit 1952 wird der allseits bekannte Pizzakarton in Deutschland verwendet und erweist sich dabei immer wieder als praktische Transportmöglichkeit: Durch seine Stabilität sorgt er dafür, dass die Pizza bei uns unbeschädigt ankommt. Die stabilen und faltbaren Voll- oder Wellpappen, aus denen der Karton besteht, halten unsere Pizza warm. Durch Lüftungslöcher wird eine Durchfeuchtung verhindert. Den Karton kann man beim Verzehr der Speise ebenfalls als Tellerersatz benutzen. Aufgrund der Essensreste gehört der Karton übrigens nach dem Verzehr in den Restmüll. Den Pizzakarton gibt es in vielen unterschiedlichen Formen, Größen und Höhen. Durch Hilfsmittel wie dem „Pizza-Saver“, einem Abstandshalter in der Mitte des Kartondeckels, können diese Funktionen außerdem verstärkt werden. Auf der Außenoberfläche des Kartons findet sich ausreichend Platz für Werbung.
All diese praktischen Aspekte der Transportmöglichkeit führten dazu, dass inzwischen jährlich mehr als eine Milliarde Pizzen in Kartons geliefert werden. Verständlicherweise sind die Pizzakartons damit für Hersteller nicht wegzudenken, zumal dessen Alternativen entweder zu kostenaufwendig oder weniger praktisch sind. So wurden in den USA bereits umweltfreundlichere Kartons aus Polystyrol entwickelt, die allerdings teurer und schlechter belüftbar sind. Allerdings wurde das Problem des hohen Platzbedürfnisses der Kartons beispielsweise in den USA durch ein Rücknahme-Stellsystem oder in Deutschland durch spezielle Pizzakarton-Behälter, in denen sich die Kartons leichter stapeln lassen, gelöst.
Doch auch diese Lösungen lassen das Umweltproblem dieser nicht verschwinden: Jährlich müssen Kommunen in Deutschland alleine für die Entsorgung von Einwegplastik 355 Mio. Euro aufwenden. Die bereits erwähnte Pfandpflicht des Verbandes kommunaler Unternehmen stößt beim Umweltministerium, aber auch bei den Gastronomen, auf Kritik. „Es ist weniger appetitlich, da es ja doch immer Essensrückstände in den Kartons gibt“, erklärt Antonio Furnari, Betreiber einer Pizzeria in Greven, Nordrhein-Westfalen. Andere Vorschläge kommen von vielen Seiten: Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine verbindliche Mehrwegquote, das Bundesministerium für Umwelt befürwortet auch die Mehrweg-Alternative. Dafür wurden auch schon Produkte entwickelt, z.B. ein biologisch abbaubarer Karton. Dieser ist allerdings zu teuer für die Gastronomen. Es ist also offensichtlich, dass der Weg zu einer umweltfreundlichen Lösung dieses Problems lang und schwierig sein wird.
Bild von planet_fox auf Pixabay.
Ein weiterer Nachteil der Verwendung von Pizzakartons findet sich im Material: Stoffe wie Mineralöle oder andere chemische Verbindungen, die oft in der Pappe der Kartons enthalten sind, können gesundheitliche Schäden hervorrufen. Wenn die Pizza also leicht durchweicht, können diese Stoffe auch in die Pizza gelangen und verzehrt werden. Für dieses Problem gibt es durch die Verwendung von Decklagen auf der Innenseite des Kartons bereits eine Lösung.
Zusammenfassend ist also erkennbar, dass der Pizzakarton einerseits ein fester und bedeutender Bestandteil von Lieferservices geworden ist und dafür sorgt, dass wir unsere Pizza gut genießen können. Andererseits weist er aber auch nach der Verwendung eine problematische und schwer lösbare Umweltverschmutzung auf, was insbesondere während der Corona-Pandemie erkennbar ist. In diesen Zeiten macht der Pizzakarton also sehr auf sich aufmerksam und ist somit Anlass zu einer ausführlichen Diskussion, bei dessen Lösung es aber auch auf uns Verbraucher ankommt.
Dass die Verkaufszahlen der klassischen Zeitung seit 1991 kontinuierlich sinken und das Internet eben nicht ein Neuland ist, sondern gerade für die jetzigen und kommenden Generationen ein natürliches Habitat ist, sollte keine Neuigkeit sein. Ob damit auch ein Exitus des klassischen Journalismus einhergeht, darüber gibt es gerade einen Diskurs.
Ein Essay von JEREMY BEN ZIMMERMANN, 13. Jahrgang
Zwei Medienwissenschaftler stehen besonders im Fokus: Dr. Bernhard Pörksen und Dr. Jochen Hörisch. In seinem „Zeit“-Kommentar von 2018 erklärt Pörksen, dass die Autorität des klassischen Journalismus gesunken sei. Jeder sei praktisch zum Sender geworden, da er über die digitalen Netzwerke wie Twitter, Facebook etc. seine Meldungen verbreiten kann. Um den Autoritätsverlust aufzuwiegen, schlägt er vor, dass man die Normen und Prinzipien des klassischen Journalismus in allgemeingültige, von der Gesellschaft angenommene, Werte überträgt. Zu diesen Prinzipien gehört unter anderem recherchieren, analysieren, vorurteilsfrei sein, skeptisch sein und die beiden antiken Lehren „credo auditur et altera pars“ (ich glaube, man höre auch den anderen Teil) und „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten).
Darüber hinaus fordert Pörksen Reformen im Bildungswesen, im Medienbetrieb und im Plattformvertrieb. Eine Forderung in der Schule ist beispielsweise ein Fach namens „angewandte Irrtumswissenschaften“, in diesem Fach würde man dann das Erkennen von Fälschungen und Fehleinschätzungen unterrichten. Auch solle man vermehrt Rhetorik in den Fokus der Lehre rücken, um so besser vor Desinformation, Propaganda und Manipulation gewappnet zu sein. Im Medientbetrieb fordert er zudem eine grundsätzliche Vermittlung der Qualität einer Quelle und immer eine Anregung zum Dialoge. Bei den Plattformen möchte Pörksen verschiedene Ombudsgremien und unter anderem einen Plattformrat (quasi mit ähnlicher Zusammensetzung und Befugnisse wie der Presserat) einführen. Juristische Mittel sollten Pörksens Ansicht nur die ultima ratio sein.
Bild 1: Der Autor plädiert für ein neues Schulfach.
Ich stimme zu, ein neues Schulfach namens „angewandte Irrtumswissenschaften“ und mehr Rhetorik könnte durchaus nützliches Wissen für die Schüler vermitteln. Doch wäre es erstmal sinnvoll, die Lehrer im Umgang mit digitalen Medien zu unterrichten und ein elementares Wissen über die Funktionen und Prozesse des Internets an die Schüler durch pflichtgebundenen Informatikunterricht bundesweit (nebst Deutsch, Mathematik, Englisch) weiterzugeben. Denn ohne dieses elementare Wissen sind fortgeschrittene Themen wie digitale Propaganda, Filterblasen und viel mehr schwer nachzuvollziehen. Des Weiteren wäre es begrüßenswert, wenn Medienhäuser die Qualität ihrer Quellen offenlegten, einen transparenten journalistischen Prozess anböten und zum Dialog anregten; dadurch könnte man in Teilen das Misstrauen senken.
Doch zur Realität gehört auch, dass es immer unnachgiebige Querulanten geben wird. Man nehme da nur die „Bild“, welche leider neben „The Sun“ oder der „Kronen Zeitung“ kein nationaler Einzelfall ist. Und selbst trotz akribischer wissenschaftlicher Arbeit und klarer Quellenlage existieren bis heute unter anderem Horoskope, Wahrsagerei und Homöopathie.
Beim Plattformrat kann man leider nur starke Zweifel daran haben, ob er funktionieren würde. Denn laut Deutschem Presserat ist die „Bild“ mit 219 Rügen seit 1986 die Zeitung mit den meisten Verstößen gegen den Pressekodex. Zum Vergleich, die „Berliner Zeitung“ ist mit 21 Rügen im gleichen Zeitraum die Zeitung mit den zweitmeisten Verstößen gegen den Pressekodex. Und dennoch: Bis heute ist die „Bild“ trotz aller Verstöße die auflagenstärkste Zeitung. Ein Instrument wie ein Plattformrat wäre also nur ein weiterer krallenloser Tiger.
Kommen wir nun zu Dr. Hörisch. In einem Artikel in der Frankfurter Rundschau aus dem Jahr 2017 beschreibt er, Journalisten müssten sich heute mehr als „Barkeeper“ denn als „Gatekeeper“ verstehen. Gemeint ist, dass die journalistischen Medien nicht mehr die primäre Aufgabe haben, zu sortieren, was wichtig ist und was nicht (Torwächter bzw. Gatekeeper), sondern eine personalisierte Nachrichten-Bereitstellung an den Rezipienten leisten müssen (ähnlich eines Barkeepers). Diese personalisierte Leistung bezeichnet Hörisch treffenderweise als „hochwertigen Nachrichten-Cocktail“, der im Kontrast zum „Gift der Internet-Trolle“ stehe. Diese Leistung solle sich (eine Parallele zu Pörksen) an den professionellen Prinzipien des Journalismus, insbesondere der Recherche, orientieren. Er sieht daher keine Gefahr für den Journalismus, besonders, da es fast immer einen „Pendel-Effekt“ gegeben hätte. Als Beispiel führt er die Rückkehr zu Schallplatte trotz CD an.
Bild 2: Ist das Phänomen der „Rückkehr zur Schallplatte“ auch auf Zeitungen anwendbar?
Dabei bemerkt Hörisch selbst, dass dieser „Pendel-Effekt“ nur durch eine kleine Gruppe an Konsumenten verursacht wurde. Und darin liegt genau das Problem. Pörksen hat es fast richtig gesagt, jedoch verlieren Journalisten nicht an Autorität, sie verlieren an Macht. Als das Automobil das Pferd ablöste, verschwand es auch nicht vollkommen aus der Welt, bis heute ist es im Sport oder als Hobby für privilegierte Menschen zu finden. Doch wird es noch zum Transport genutzt? Zieht es heute unseren Wagen voll mit Gütern? Reiten wir heute auf ihm in die Schlacht? So wird es auch mit den Zeitungen geschehen: Aus den machtgefüllten Bereichen Wirtschaft und Politik werden sie verschwinden, sie werden ein nettes Hobby für privilegierte Menschen sein. Selbstverständlich könne man argumentieren, dass Bücher ja auch noch existieren. Noch existieren sie. Im Buchjahr 2017 sind exakt 82636 Titel erschienen. Vor einem Jahrzehnt lag die Zahl bei rund 95000. (1) Außerdem hat der Buchmarkt zwischen 2013 und 2017 rund 6,4 Millionen Käufer verloren. (2) Man kann also erkennen, der klassische Journalismus wird sich minimieren, wohl aber nicht ganz verschwinden.
Die Frage bleibt aber, was machen wir als Gesellschaft gegen Hassrede und Desinformation? Die Ansätze von Pörksen im Bildungswesen wären hilfreich, sofern man das elementare Wissen über das Internet vermittelt hat. Alles andere, wie ein Plattformrat oder Journalisten als „Barkeeper“, ist Wunschdenken. Pörksen sieht die Justiz als letztes Mittel, doch genau das ist kritisch. Die Legislative hat jetzt noch die Möglichkeit Gesetze gegen mehr Hassrede und Desinformation zu verabschieden. Des Weiteren müsste auch die Exekutive mehr tun, um das Strafrecht in der digitalen Welt durchzusetzen, einfach nur die Kommentare etc. löschen ohne juristische Konsequenzen bringt nichts. Wir haben die Tatbestände der Volksverhetzung, der üblen Nachrede und der Verleumdung, und man sollte sie nicht nur in der analogen Welt verfolgen.
(1) Deutsche Welle, Zwischen Krise und Hoffen: Der deutsche Buchmarkt, in https://www.dw.com/de/zwischen-krise-und-hoffen-der-deutsche-buchmarkt, Zugriff am 22.11.2020.
Liest Du Zeitungen, oder suchst Du lieber schnell im Internet nach Informationen? Und prüfst Du auch die Quellen, oder nimmst Du alle Informationen einfach hin und auf? Gerade zu einer Zeit, in der man nicht einmal dem Präsidenten eines der einflussreichsten Länder der Welt glauben kann, in einer Zeit, in der „Querdenker“ das Internet erobern und Verschwörungstheoretiker von Wahlbetrug, Chip-Impfungen und einem erfundenen Virus reden, was sie alles mit angeblichen Fakten und dubiosen Quellen belegen können, gerade in so einer Zeit ist es doch wichtig, dass man auf einen Journalismus zurückgreifen kann, dem man vertraut. Woher sollte man sonst wahre Informationen erhalten?
Ein Essay von CARA-SOFIE OTHMER, 13. Jahrgang
Verändert sich nicht alles irgendwann? Irgendwann passt sich doch alles dem schnelllebigem Internetzeitalter von heute an, oder? Auf jeden Fall sollte es das, um den Wandel der Zeit zu überstehen. Betrachten wir beispielsweise den „klassischen Journalismus“: Dieser muss sich den Veränderungen des Internetzeitalters stellen, damit uns diese Qualität in seinen Grundzügen erhalten bleibt.
Ob das Internetzeitalter den klassischen Journalismus wirklich beendet, was genau damit eigentlich gemeint ist und warum das für uns alleine ein Verlust wäre, will ich euch erklären. Und was könnte man eigentlich dagegen tun?
Bild 1: Jeder wird heute zum Sender – dank digitaler Technologien.
Was ist also der „klassische Journalismus“, und inwiefern könnte dieser im Wettkampf mit den neuen sozialen Medien stehen? Der Professor für Medienwissenschaften, Dr. Bernhard Pörksen, äußerte sich 2018 zu der Problematik und erkannte das Problem, dass sich durch das Internet das gesamte Kommunikationsklima in der Gesellschaft ändern würde. Im klassischen Falle hat man Zeitungen gelesen, Radio gehört oder seine Informationen durch Sendungen wie die ,,Tagesschau“ erhalten. Dieser klassische Journalismus unterliegt dem Pressekodex und vielen Grundsätzen, die Pörksen auch anführt. Darunter zählen die zuverlässige Recherche, die Quellenanalyse, das Verlassen der Vorurteilsblase, das Aufklären über Missstände, die Wahrung der Persönlichkeitsrechte, Debatten sowie das Betrachten der anderen Seite und Argumente. All das kann bei den neuen Formen den Journalismus ausgesetzt werden, da jeder zum ,,Sender“ von Nachrichten werden kann, unabhängig davon, ob diese stimmen. User im Internet haben eigene Werte und Ziele, die sie vertreten, welche oft nicht ausschließlich der wirklichkeitsgetreuen und abwägenden Berichterstattung dienen, wie es der ,klassische Journalismus‘ als Ziel verfolgt. Pörksen betont folgende Probleme im Internet: Die Inhalte würden schneller verbreitet werden, jeder könnte schreiben, was und wann er will, und ,,Fake News“, also falsche Nachrichten, könnten im Internet ohne Probleme geteilt werden, da die User keinem Kodex unterliegen.
Dr. Jochen Hörisch äußerte sich als Lehrer der Literatur- und Medienwissenschaften auch zu dem Thema. Für ihn sei es wichtig zu verstehen, dass nicht jeder die Gabe eines Journalisten besäße. Im klassischem Journalismus studieren die Journalisten ihr Fach, im Internet kann man alles ungefiltert lesen. Wenn der neue Journalismus dem klassischem Journalismus nun so qualitativ unterliegt, warum ist dieser dann gefährdet, und ist er das überhaupt?
Bild 2: Vorsicht! Alternative Medien sind Quellen, die sich hinsichtlich Inhalt, Produktion und Verbreitung von etablierten Medien unterscheiden.
Wir befinden uns nun mal im Zeitalter des Internets. Es ist einfach, schnell, und größtenteils umsonst, dort an Informationen zu gelangen. Es ist schlichtweg bequemer als sich eine Zeitung zu kaufen und diese zu lesen. Zumal man im Internet ja auch gute Artikel finden kann, man muss nur wissen wo, damit man nicht auf Fake News hereinfällt oder nur die gekürzten Artikel liest. Und das ist der Grund, warum der klassische Journalismus nicht verloren gehen darf. Wir brauchen zuverlässigen und tiefgehenden Journalismus, auf den wir uns verlassen können, nicht die Falschaussagen mancher „Möchtegern“-Journalisten. Aber: Auch Claas Relotius fälschte seine Reportagen umfänglich – ohne dass es den etablierten Medien zunächst aufgefallen ist. So schrieb er unter anderem für „Die Zeit“, den „Cicero“ oder den „Spiegel“. Da ,,Der Spiegel“ aber zu den etablierten Medien gehört, und sich an den Pressekodex hält, wurden Relotius′ Zeilen geprüft und die inhaltlich falschen Artikel richtig gestellt. Die Leserinnen und Leser wurden so über die Wahrheit aufgeklärt. So etwas passiert bei den „alternativen Medien“ nicht. An diesen Beispielen sieht man, dass der klassische Journalismus für unsere demokratische Gesellschaft wichtig und bedeutsam ist!
Jetzt wisst Ihr, warum der neue Journalismus mit Vorsicht zu genießen sein sollte, und dass der klassische Journalismus diesem überlegen ist, da er viel sachlicher, ausgereifter und abwägender ist. Es wäre ein Verlust, diese journalistische Qualität zu verlieren, aber besteht diese Gefahr in der Praxis tatsächlich?
Leider ja, JIM-Studien von 2018 belegen, dass die Onlinenutzung insgesamt über die letzten Jahre deutlich zugenommen hat und nun stagniert. Zudem sinken die Druckauflagen für Zeitungen, wodurch auch ihre Werbeeinnahmen sinken. Eine weitere Gefahr für Zeitungen ist das große Angebot an Informationsquellen im Internet, welche umsonst oder günstiger sind, weswegen die Bereitschaft sinkt, sich tatsächlich Zeitungen zu kaufen. Auch ist das Internet oft schneller und veröffentlicht auch nachts wichtige Artikel, jedoch zeigt das auch, dass sich für diese weniger Zeit genommen wurde.
Bild 3: Etablierte Medien genießen wieder mehr Vertrauen.
Das alles klingt wenig hoffnungsvoll für die Zeitungen und den klassischen Journalismus. Er wird quasi überflüssig und ist durch andere Angebote ersetzbar, wenn auch mit schlechterer Qualität. Wir sollten ihn aber dennoch noch nicht aufgeben! Die JIM-Studie belegt nämlich auch, dass das Vertrauen in den klassischen Journalismus und in Zeitungen immer noch höher ist als in digitale Medien. Das bedeutet, es besteht noch Hoffnung für den Erhalt. Auch das Versagen des Internets könnte die klassischen Medien retten, da die Falschnachrichten das Vertrauen in dieses immer mehr senken, wodurch Printmedien wieder mehr Vertrauen genießen. Diesen Ansatz stellt die angehende Journalistin Franca Quecke hervor. Der klassische Journalismus erhält also noch Zuspruch, weswegen er noch nicht ganz verloren scheint.
Die Antwort ist also ,,JA“, das Internetzeitalter verdrängt den klassischen Journalismus immer mehr und könnte in der Zukunft das Ende für diesen bedeuten, wenn dieser sich der neuen Zeit nicht anpasst. Und das sollte er definitiv tun, da das Ende des klassischen Journalismus ein Verlust für jeden Einzelnen von uns wäre. Auch für die Demokratie wäre dies kontraproduktiv, da radikale Meinungen durch ,,Filterblasen“ bestärkt werden könnten und eine Manipulation nicht offengelegt werden würde.
Wie kann man das Problem jetzt aber lösen? Der klassische Journalismus muss sich definitiv anpassen, damit seine Grundsätze und die Qualität erhalten bleiben, welche sehr wichtig sind. Wenn man den klassischen Journalismus in anderen Formen wiederfinden würde, wäre das genauso gut, solange die Bürger eine vertrauenswürdige Quelle haben, die den Pressekodex beachtet, also Aspekte wie den Schutz der Persönlichkeit und der Ehre.
So wie Hörisch es bereits 2017 vorschlug, gibt es heute bereits Zeitungsabos und Flatrates, sowie den Verkauf von Zeitungen mit Theaterkarten. Jedoch ist unklar, ob das in der Zukunft reicht. Zeitungen und der klassische Journalismus könnten durch mehr Werbung mehr Geld bekommen, wodurch der Erhalt gesichert werden könnte. Auch könnten stärkere Werbekampagnen für die Zeitung an sich mit guten Sonderangeboten mehr Kunden anlocken, die dann durch den einst erfahrenen qualitativen Journalismus eventuell Kunde bleiben. Man könnte auch probieren, durch aufdeckende Kolumnen das Vertrauen in das Internet noch mehr zu senken, um den klassischen Journalismus zu bewahren, und gleichzeitig die Bürger aufzuklären. Wie man es auch macht, der klassische Journalismus darf nicht verloren gehen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der klassische Journalismus durch das Internetzeitalter verdrängt wird, wenn dieser sich nicht reformiert. Das Internet bietet zu viele Möglichkeiten und wirkt auf viele somit attraktiver, auch wenn es eine geringere Qualität durch fehlende Richtlinien für Online-User hat, oder diese Artikel dort schneller und teilweise oberflächlicher produziert werden. Da man ohne diese Qualität aber etwas für die Gesellschaft und Demokratie wichtiges verliert, muss dafür gesorgt werden, dass der klassische Journalismus bestehen bleibt. Das kann nur passieren, wenn er sich der Zeit anpasst. Es muss eine passende Reformidee formuliert werden und eine Reform muss stattfinden. Ohne diese Maßnahmen würden zum Beispiel Zeitungen aussterben. Noch genießen sie Vertrauen, aber wie lange hält dieses noch? Wie lange haben die klassischen Medien Zeit sich zu verändern, bevor es zu spät ist?
Mein Apell: Genießt Zeitungen, wie wir sie kennen, solange sie noch da sind, und wertschätzt den Journalismus. Denkt beim nächsten Mal darüber nach, ob ihr dem Internet wirklich alles glaubt und kauft euch zu wichtigen Themen mal eine gute Zeitung. Ihr werdet es nicht bereuen. Sich die Zeit zu nehmen und etwas Wahres über die Welt zu erfahren, vielleicht bei einem Kaffee am Morgen, ist auch ein entspannendes Ritual für einen selbst, während man sich bildet. Und zudem noch viel gesünder, als immer nur auf ein Display zu gucken. Wenn ihr im Internet das nächste Mal also von einem erfundenen Virus oder anderen Verschwörungstheorien lest, gibt es mit Sicherheit glaubwürdige Artikel in Zeitungen von Ärzten, die klare Studien anbringen, um euch die Wahrheit zu vermitteln. Und: Wer will schon gerne sein Wissen auf Fehlinformationen aufbauen?
Sinkende Verkaufspreise, steigende Produktionskosten. Für den klassischen Journalismus wird es immer schwieriger, sich über Wasser zu halten, denn die digitalen Angebote sind enorm und wachsen stätig. Doch bedeutet die Digitalisierung wirklich das Ende für den klassischen Journalismus? Nein, nicht unbedingt, denn wir brauchen den Journalismus, vielleicht in veränderter Form und anders vermarktet, aber wir brauchen ihn!
Ein Essay von LETICIA NAJDA, 13. Jahrgang
Die Zeitung. Früher hat sie jeder gelesen und aus ihr bekam man die Informationen. Aber was ist heute? Durch die digitalen Angebote bekommt man Informationen von überall. Da fragt man sich natürlich: Wieso sollte ich noch die Zeitung kaufen? Aber genau darin liegt das Problem: Jeder kann verbreiten, teilen und lesen, was er möchte. Im Internet gibt es keine Kontrolle und auch keine Transparenz. Für eine neutrale Berichterstattung ist guter Journalismus essenziell und wichtig. Es erfordert ein Umdenken in der Gesellschaft und eine Umstrukturierung in der Medienbranche, damit klassischer Journalismus weiter existieren kann.
Bild 1: Pörksen schlägt „Medienwissenschaft“ als Schulfach vor.
Durch das Internet wird jeder zum Sender und zum Empfänger. Dies stellt auch der Medienwissenschaftler Pörksen fest. Also kann jeder teilen, was er möchte, ohne dass diese Informationen in irgendeiner Hinsicht kontrolliert werden. Diese Möglichkeit macht es fast unmöglich die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden. Außerdem gibt es wenig Regelungen und Vorschriften, wodurch teilweise auch unangebrachte Informationen oder Bilder geteilt werden. Und genau das stellt ein riesiges Problem dar: Menschen nehmen Informationen auf, ohne zu wissen, ob diese der Wahrheit entsprechen oder nicht. Zusätzlich werden immer mehr „Fake News“ verbreitet, allein für die Klicks. Der Fokus steht nicht mehr auf qualitativer und neutraler Berichterstattung, sondern viel mehr darauf, möglichst viel Aufmerksamkeit durch die Informationen, die man teilt, zu bekommen. Aber was dagegen tun? Nur „das“ glauben, was man für die Wahrheit und richtig hält? Wohl nicht! Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen guten Journalismus erkennen und so von schlechtem abgrenzen können. Die Menschen sollten die Prinzipien von gutem Journalismus kennen und sie sollten die Grundsätze des Journalismus verstehen, anwenden und umsetzten können. Die Vorstellung einer „redaktionellen Gesellschaft“ hat der Medienwissenschaftler Pörksen in seinem Kommentar „Alle müssen Journalisten sein“ bereits aufgegriffen. Dieser schlägt „Medienwissenschaft“ als Schulfach vor, damit die Grundsätze und Prinzipien des Journalismus ein Teil der Allgemeinbildung werden. Dadurch würde man es schaffen, dass die Menschen bewusster mit den digitalen Medienangeboten umgehen und dadurch auch neutrale und gute Berichterstattung erkennen können. Wenn „Medienwissenschaft“ ein Teil der Allgemeinbildung wäre, dann hätten „Fake News“ viel weniger Macht als jetzt und generell würden sie weniger Aufmerksamkeit bekommen.
Natürlich wird es schwer diese Vorstellung umzusetzen, da auch die älteren Generationen, die nicht mehr zur Schule gehen, Initiative zeigen und sich eigenständig mit dem Thema befassen müssten. Allerdings wäre es eine Möglichkeit Workshops und Weiterbildungskurse anzubieten, wie wir es beispielsweise von Erste-Hilfe-Kursen oder Sprachkursen kennen. Dennoch sollte jeder Bürger daran interessiert sein, gut informiert zu werden, da dies dazu beiträgt, dass unsere Demokratie funktioniert. Denn nur, wenn man informiert ist, kann man Vorgänge verstehen, mitreden und sich eine eigene Meinung bilden, die dann vielleicht sogar Lösungsvorschläge hervorbringt.
Bild 2: Verschlafen die etablierten Medien?
Dass die Mediennutzung in den letzten Jahren stark zugenommen hat, ist kaum zu leugnen und wird deutlich am Beispiel eines jeden selbst. Denn z. B. nutzen wir das Handy heute viel mehr als früher. Das liegt daran, dass vielen Branchen eine Digitalisierung vorangetrieben haben und es weiterhin tun. Früher kaufte man CDs, heute hört man Spotify. Früher kaufte man DVDs, heute schaut man Netflix. Früher las man Zeitung, heute liest man auf Soical Media. Aber ist die Digitalisierung schlecht? Nein! Viele Branchen haben sich auf diesen Umbruch eingestellt und begannen ihre Produkte anders zu verkaufen. Das beste Beispiel dafür sind die Musik- und die Filmbranche. Anstatt zuzuschauen, wie die Verkaufszahlen immer weiter sinken, haben diese Branchen digitale Alternativen entwickelt. Dieses stellt auch der Medien- und Literaturwissenschaftler Hörisch in seinem Kommentar „Heute sind Journalisten als Barkeeper gefragt“ fest. Und warum passiert das Gleiche nicht mit dem Journalismus? Journalismus ist ebenfalls eine Branche, die alle Altersgruppen nutzen und auch auf die alle angewiesen sind. Denn auch Jugendliche informieren sich und vertrauen dabei meist nur den öffentlich-rechtlichen und traditionellen Medien. Dies stellt die JIM-Studie fest, die sich mit der Mediennutzung von Jugendlichen beschäftigt hat. Außerdem zeigt sie, dass auch die Mediennutzung allgemein bei den Jugendlichen steigt. All diese Argumente sprechen für eine Digitalisierung der Medienbranche. Aber wo liegt das Problem? Digitalisierung bedeutet ja nicht das Ende des traditionellen Journalismus, ganz im Gegenteil. Dadurch öffnen sich viele neue Möglichkeiten. Aber die traditionelle Medienbranche ist dabei zu verschlafen. Die Digitalisierung passierte nicht über Nacht. Aber es ist ein Umbruch, der schon seit langem bekannt ist. Viele Studien zeigen, dass der Trend immer weiter steigt. Diese Entwicklung stellt auch der Medienwissenschaftler Dengler fest. Es ist also höchste Zeit für Veränderungen. Um dieses umzusetzen sollte nicht allzu schwer sein, denn schließlich gibt es, wie bereits genannt, Vorreiter und Beispiele aus anderen Branchen. Es ist für die traditionellen Medien einfach wichtig, ihre Produkte in „veränderter Form anderes zu vermarkten“, so Hörisch, also digitale Angebote zu schaffen, sich auf den Umbruch einzustellen. Dann kann auch der traditionelle Journalismus weiter existieren. Denn trotz der Digitalisierung sollten die Grundsätze des traditionellen Journalismus weiterhin beachtet und angewandt werden, denn nur so wäre eine Umgestaltung der Branche auch effektiv und nützlich. Schließlich sollte die gute Arbeit erhalten bleiben und nur das Produkt sollte man verändern. Denn egal ob digital oder traditionell, Journalismus sollte qualitativ gut sein, um die Funktionen der Medien zu erfüllen und die Leser/-innen zufrieden stellen und neutral zu informieren.
Die Qualität sollte gleichbleiben. Also sollten auch die Grundsätze der traditionellen Arbeit erhalten werden. Doch das ganze 1:1 umzusetzen wird schwer. Denn die Digitalisierung fordert in gewisser Weise auch einer Veränderung der Arbeit. Dieser Aspekt betrifft aber nicht nur den Journalismus, sondern auch viele andere Berufe. Denn durch die Digitalisierung verändern sich viele Arbeitsplätze. Aber damit muss man lernen umzugehen, sich z. B. weiterbilden oder umschulen. Die Veränderung der Arbeit bedeutet aber nicht, dass man das einmal gelernte „Alte“ nicht mehr braucht. Nein, im Gegenteil. Die Kombination macht es. Schaut man sich beispielsweise die Fließbandarbeiter an: Ihre Arbeit wird immer mehr von Robotern übernommen. Um diese aber zu programmieren und zu konstruieren, nutzte man die Erfahrungen der Arbeiter, um den Vorgang zu optimieren. Die Roboter ersetzten zwar Arbeiter, aber durch sie entstehen auch neue Arbeitsplätze. Um diese auszuüben, muss man allerdings bereit sein sich umzuschulen und weiterzuentwickeln. Ein Prozess, vor dem viele Angst haben, verständlicherweise. Aber er ist unausweichlich.
Fast genauso kann man diese Entwicklung auch auf die Medienbranche beziehen. Damit traditioneller Journalismus weiter existieren kann, muss die Arbeitsweise verändert werden. Der Medienwissenschaftler Hörisch beschreibt dieses in seinem Kommentar „Heute sind Journalisten als Barkeeper gefragt“. Er macht deutlich, dass früher die Journalisten die „Gatekeeper“ waren. Also darüber bestimmten, welche Informationen wann und wie verwendet und veröffentlicht werden. Heute übernehmen wir alle diese Funktion durch das Internet. Die Veränderung des Berufes liegt darin, aus den bereits bestehenden Informationen einen gut recherchierten und neutralen Bericht zu erfassen, der es dem Leser ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Hörisch beschreibt die neue Funktion der Journalisten als „Barkeeper“. Also aus den vorhandenen Mitteln etwas Gutes und qualitativ Hochwertiges zu mischen.
Die Digitalisierung zwingt also zu neuen Arbeitsweisen. Aber nicht nur das. Denn der Journalismus wurde durch die Digitalisierung immer mehr kritisiert. In einem Geschwirr von „Fake News“ und Social Media verliert man schnell den Überblick. Man weiß nicht mehr, was man glauben soll, und wird immer skeptischer und kritischer. Viele Menschen verlieren dadurch das Vertrauen. Ein Fall, wie der von Relotius, untermauert das Misstrauen gegenüber den traditionellen Medien zusätzlich. Deshalb ist es sehr wichtig für Journalisten zu zeigen, dass die Leser ihnen vertrauen können. Dies gelingt vor allem durch mehr Transparenz. Auch der Journalist und Medienwissenschaftler Haller appelliert, den Fokus mehr auf die Funktionen von Medien zu setzten und sich an Richtlinien wie den Pressekodex zu halten. Er schlägt vor, dass die Medienbranche unabhängiger und differenzierter werden sollte. Zusätzlich kritisiert er die Konfliktangst mancher Journalisten. Eine Erkenntnis, die wichtig ist und zeigt, wie es Journalisten gelingt das Vertrauen der Leser zurück zu gewinnen. Denn es steht außer Frage, dass die Medienbranche das Vertrauen der Leser braucht, um weiterhin zu überleben. Die Qualität sollte wieder in den Vordergrund gestellt werden. Ein positives Beispiel dafür ist die „New York Times“. Dies macht auch Bundespräsident Steinmeier in seiner Rede für die Verleihung des Marion Dönhoff Preises, deutlich. Über die Jahre hinweg war sie eine Zeitung, der die Leser vertrauten. Die sich durch Qualität und besonders gute Recherche auszeichnete und die heute von ihrer Arbeit profitiert. Ohne das Vertrauen der Leser nutzen alle anderen Bemühungen nichts. Denn wenn man keine treuen Leser hat, braucht man auch keine Umstrukturierung oder Ähnliches. Denn schließlich lebt der Journalismus davon, gelesen zu werden.
Die Digitalisierung erweitert die Möglichkeiten von uns allen. Uns wird in einer immer schnelllebigen Zeit, mit einer immer größeren Auswahl, mehr geboten. Allgemein kann man sagen, dass die Digitalisierung eine Bereicherung für unsere Leben ist. Aber trotzdem sollte man ihr nicht blind vertrauen. Das beste Beispiel ist, wie durch den Text klargeworden, der Journalismus. Es erfordert eine klare Differenzierung von „echtem“ Journalismus zu dem „Möchtegern“-Journalismus im Internet. Dass die Digitalisierung der Medienbranche noch nicht so umgesetzt wurde wie in anderen Branchen, ist ein Problem, welches uns alle betrifft. Denn wenn dieses nicht in Zukunft geschieht und der traditionelle Journalismus verschwindet, weil die Konkurrenz im Internet überwiegt, dann müssen wir selbst die Aufgabe der Journalisten übernehmen. Vielleicht erkennt man die Wichtigkeit erst, wenn der Journalismus verschwindet, aber so weit darf es nicht kommen. Es gilt also für jeden von uns den traditionellen Journalismus zu unterstützen, aber gleichzeitig auch darauf aufmerksam zu machen, wie dringend eine Umstrukturierung ist. Es wäre wünschenswert z. B. über die Medien diese Forderungen zu verbreiten, damit allen bewusst wird, wie wichtig der Erhalt und die Digitalisierung dieser Branche ist. Denn sonst können wir uns in Zukunft nicht darauf verlassen, dass die Informationen, die wir lesen, die Aufgaben der Medien erfüllen, Richtlinien einhalten oder überhaupt stimmen. Es wird eine Herausforderung für die Journalismus-Branche. Aber dieser Prozess ist unausweichlich und essentiell. Für uns und die Journalisten.
Früher war es für einen Großteil der Bevölkerung in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, Gang und Gebe regelmäßig die Zeitung zu konsumieren. Doch mit der zunehmenden Digitalisierung sinkt heute die Bereitschaft eine gedruckte Zeitung zu lesen. Es ist also fraglich, ob die Zeitung, wie unsere Eltern und Großeltern sie kennen, in Zukunft noch als solche existieren wird und welchen Platz diese in unserer Gesellschaft einnehmen wird.
Ein Essay von AMELIE SATTLER, 13. Jahrgang
Die Zeitung soll Aufgaben erfüllen. Aufgaben, welche Journalisten jedoch nur noch sehr selten als Basis für eine Arbeitsweise nehmen, wie sie von vielen Bürgern gefordert wird. Sie soll ihnen helfen, sich eine Meinung bilden zu können. Sie soll ein Mittler sein zwischen Politik und Volk. Einen demokratischen Grundsatz bestärken: die Pressefreiheit. Darüber hinaus soll sie gleichzeitig ein Kontrollapparat sein, um politische Abläufe zu prüfen.
Bild 1: Falschmeldungen werden als „Fake News“ bezeichnet. Sie werden häufig über das Internet verbreitet.
Das Problem an alledem? Heutzutage übernimmt ein anderer Bereich diese Aufgaben und zwar das Internet. Vor allem für die Jugendlichen bietet sich somit eine Möglichkeit, sich schnell und kostenlos über die News auf der ganzen Welt zu informieren. Die Onlinenutzung von Jugendlichen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, wie die JIM- Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, welche die Mediennutzung von Jugendlichen untersucht. Diese stellt einen enormen Konkurrenten zu der klassischen Zeitung dar, denn sie bietet eine immer größere Reichweite und auch die Möglichkeit, kostenlos Dinge zu veröffentlichen. Der immense Vorteil dabei? Es ist jeder einzelnen Person mit einem digitalen Endgerät möglich, selbst Artikel und News zu veröffentlichen. Doch was zunächst nach einer Zusammenarbeit der ganzen Bevölkerung klingt, mit der sich wichtige Informationen über die aktuellsten Ereignisse noch schneller verbreiten können als zuvor, stellt sich laut einigen Medienwissenschaftlern als Problem heraus. So kritisiert Prof. Dr. Bernhard Pörksen, dass durch die Chance etwas zu veröffentlichen und Inhalte an ein vielfältiges Publikum zu kommunizieren auch die Gefahr bestünde, dass immer häufiger Fake News verbreitet werden, da die Inhalte selten oder gar nicht geprüft werden. Eben diese Fake News sind es dann, die auf den klassischen Journalismus zurückfallen und nicht nur in gedruckten Zeitungen, sondern auch auf deren Internetplattformen für ein schlechtes Licht sorgen. Dadurch steigt der Vertrauensverlust, denn sobald diese eigentlich meist seriösen Zeitungen nun wieder etwas veröffentlichen, wird dies sofort kritisch beäugt und es wird nach Fehlern gesucht, wie nach der Nadel im Heuhaufen. Es folgt also eine Generalisierung des Eindrucks, den man möglicherweise auf eine Zeitung oder einen Artikel hat, auf alle anderen Quellen. Die Autorität des klassischen Journalismus schwinde, die Lügenpresse-Vorwürfe würden lauter, so Pörksen. Ein Grund für den Vertrauensverlust in den Journalismus stellt also vor allem die steigende Nutzung des Internets als eine Erweiterung der Informationsverbreitung dar.
Bild 2: Wikipedia – eine seriöse Quelle?
Doch bei diesen Ursachen bleibt es nicht. In meinem Jahrgang haben wir uns ebenfalls mit dieser Thematik befasst. Zusätzlich zu dem bereits genannten Grund für einen zunehmenden Vertrauensverlust in die Medien fanden wir gemeinsam Ursachen in den folgenden Bereichen: Neben dem Fakt, dass im Internet jeder veröffentlichen kann, was er will, bleibt es für den Leser häufig undurchsichtig, wer der Autor von den Informationen ist. Somit bleibt es dem Leser verwehrt, eventuell Rückschlüsse auf die Qualifikationen des Autors für das Schreiben des jeweiligen Artikels ziehen zu können. Recht gleich sieht es auch mit der Transparenz über Quellen aus. Auch darüber erhält man als Leser nur kaum bis nie Aufschluss. Doch diese Transparenz wird gefordert und zwar nicht nur von einem kleinen, unbedeutenden Bürger, sondern von der ganzen Leserschaft. Auch das sogenannte Fact-Checking, welches ebenfalls in größeren Zeitungsverlagen durchgeführt werden sollte, um Fehler zu verhindern, wird nur selten durchgeführt. Darüber hinaus zeigt sich allerdings ebenfalls, dass die Rolle des Elternhauses, sowie die soziale Umgebung einer Person eine wichtige Bedeutung für das Vertrauen in ein Medium hat. Uns ist dabei zum Beispiel aufgefallen, dass, wenn man früher häufig in der Schule gesagt bekommen hat, Wikipedia sei eine eher unseriöse Seite, dieser Blick auf die Quelle meist bestehen geblieben ist. Das Argument vieler Lehrer dabei: „Da kann doch im Grunde jeder reinschreiben, was er möchte.“ Stimmt. Aber wer hier reinschreibt, muss sich an bestimmte Regeln halten. Zudem erkennen wir gute Artikel zum Beispiel an der Versionsgeschichte, in der alle Veränderungen des Textes dargestellt sind. Greta Friedrich, Autorin bei MADS.de, betont aber, dass wir dennoch nicht daraus zitieren sollten, da die Seite nur eine Sammlung von Informationen und Zitaten aus unterschiedlichen Quellen sei. Die Seite könne aber helfen, Primärquellen zu finden, um aus ihnen später zu zitieren. Es ist demnach auch nicht zwingend notwendig selbst schlechte Erfahrungen mit bestimmten Medien gemacht zu haben, da häufig äußere Einflüsse das Vertrauen bedingen. Ich bin mir sicher, dass auch ihr, liebe Leserinnen und Leser, bei ein wenig Nachdenken zu weiteren Gründen kommen könnt. Diese Ursachen sind aber nicht nur auf gedruckte Zeitungen, sondern auch auf digitale Medien anzuwenden. Es zeigt sich also ein nicht nur sinkendes Vertrauen in gedruckte Zeitungen, sondern auch in Internetplattformen wie Instagram, Facebook und Twitter.
Wie also kommt man trotzdem zu dem Schluss, dass die modernen Medien heutzutage den klassischen Journalismus erweitern oder gar ganz ersetzen könnten? Dazu müssen wir zurück zum Anfang und zu den Funktionen des Journalismus. Wir leben in einer Demokratie und das bedeutet, dass wir mitentscheiden können. Genau das ist in Deutschland eines unserer höchsten Güter und dieses findet sich in der Umsetzung auch im Journalismus wieder. Wir haben Pressefreiheit. Jeder darf somit, zumindest in der Theorie, erstmal über alles schreiben, wobei man eingrenzen muss, dass sich Journalisten an den Pressekodex halten müssen. Mit diesem soll es möglich werden, Beschwerden bei einem Artikel beispielsweise in Bezug auf Achtung der Menschenwürde, Sorgfalt und Diskriminierung besser einordnen zu können. Die 16 sogenannten „Ziffern“ des Pressekodexes können also schon dabei helfen, mögliche Verstöße in der journalistischen Arbeit zu unterbinden. Journalisten sollen informieren, um zu gewährleisten, dass die Bevölkerung sich eine eigene Meinung bilden kann. Hierzu ist es allerdings äußerst wichtig, dass nicht nur aus einer Perspektive berichtet wird, sondern auch die unschönen Nachrichten Gehör finden können. An dieser Stelle greift auch die Kritik des Medienwissenschaftlers Michael Haller. Er fordert auch „unbequeme Nachrichten, Gegenpositionen und abweichende Auffassungen“ im Journalismus abzubilden und er zeigt auf, dass dafür eine intensivere Recherche notwendig sei. Man solle nicht reden, stattdessen vielmehr recherchieren, hinter den Vorhang der parlamentarischen Gesellschaft schauen, so Haller. Eine beinahe detektivische Arbeit wird gefordert, um die Funktionen des Journalismus auch erfüllen zu können. Denn was nützt uns Bürgern eine scheinschöne Politik, die so aber gar nicht existiert? Um sich in der Gesellschaft und in der Politik engagieren zu können, muss man über alles informiert werden. Alles, ohne Ausnahmen, ohne Fake News und ohne Mitklang des Selfie-Journalismus, der ja scheinbar aktuell sehr im Trend ist. Journalisten stellen sich nämlich laut Haller zunehmend in den Fokus ihrer eigenen Artikel und sorgen somit auch für eine Minimierung der Informationsfunktion. Aber sinkt denn das Vertrauen in die etablierten Medien wirklich so stark? Im Prinzip kann man diese Frage mit „Nein“ beantworten, denn neben der JIM-Studie zeigt auch eine Umfrage des Instituts für Publizistik an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, dass das Vertrauen in Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und deren Sendern sowi Tageszeitungen am größten ist. Im Gegensatz dazu steht das Internet. Hier zeigt sich nur wenig Vertrauen, auch wenn es die Seiten der etablierten Medien auf Facebook sind. Der Studienautor der Uni in Mainz, Marc Ziegele, meint hierzu, dass der Ruf der sozialen Medien auf die etablierten Medien in den sozialen Netzwerken abfärbe. Menschen suchen Qualitätsjournalismus, das ist verständlich. Medienwissenschaftler wie Michael Haller, Bernhard Pörksen und Jochen Hörisch sind überzeugt, dass neben Transparenz, Objektivität und Sachlichkeit auch gründliche Recherche eines Sachverhaltes sowie kritisches Hinterfragen essentiell ist, um die Qualität des Journalismus zu erhalten. Diese Qualität kann es im Prinzip sowohl im Internet als auch in Zeitungen, im Fernsehen und im Radio geben. Trotzdem scheint das größere Vertrauen, selbst bei seriösen Seiten immer zugunsten der klassischen gedruckten Medien auszufallen.
Für Bürger, die in einer Demokratie leben, ist es von höchster Bedeutung, sich bilden zu können. Dazu ist eine umfassende Informationssuche ein fundamentaler Bestandteil oder sogar die Grundvoraussetzung. Es scheint deshalb empfehlenswert, sich nicht nur ausschließlich auf eine einzelne Quelle zu fokussieren. Man sollte hingegen versuchen, sobald man die Push-Nachrichten über die aktuellsten News am Handy gelesen hat, oder zumindest die Überschrift, sich genauer mit dem Thema zu beschäftigen. Ein einfaches Weiterklicken ist heutzutage nicht mehr genug. Ein kritisches Hinterfragen andererseits scheint jedoch unsere einzige Chance, sich heute noch durch die Welt der Fake News, Lügen, Halbwahrheiten und Einseitigkeiten, in dem dicht vernetzten Dschungel unserer digitalisierten Welt hindurchzuwinden. Die journalistische Bildung ist nun wichtiger denn je. So wird von Journalisten wie Franca Quecke verlangt, dass es künftig Aufklärungskampagnen geben solle, um so der Bevölkerung das Handwerk der Journalisten näher zu bringen und somit das Vertrauen in die Medien wieder zu kräftigen. Quecke steht mit diesem Wunsch nicht alleine da, auch Pörksen träumt von der Utopie einer redaktionellen Gesellschaft, um die Kommunikation zwischen Autoren und Lesern zu ermöglichen, aber auch um Transparenz zu schaffen und um den Umgang mit Medien heutzutage besser zu erlernen. Doch egal ob Utopie oder nicht, ein Urvertrauen in die etablierten Medien bleibt und so kann sich ein großer Teil der Deutschen kaum vorstellen, ohne die Tageszeitung, Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder Sendern im Fernsehen zu leben.
Die Mischung machts. Das glauben viele und so lässt sich vermuten, dass der klassische Journalismus wohl nie ganz aus der Mode kommt, auch wenn mit der Digitalisierung die sozialen Medien einen immer höheren Wert in der Gesellschaft haben werden. Wenn man bedenkt, seit wann es Zeitungen gibt, so erkennt man, dass die Möglichkeit, sich über die sozialen Netzwerke seine Informationen zu beschaffen, noch fast in der Kinderwiege liegt, denn diese neuen Medien entstanden erst vor ca. 20 Jahren. Vielleicht ist das Vertrauen in die Welt der sozialen Netzwerke in einigen Jahrzehnten genauso hoch wie heute das Vertrauen in den klassischen Journalismus. Wer weiß das schon? Aber Vertrauen ist nicht einfach da. Es muss entstehen aus dem guten Willen, wächst mit guten Beiträgen und bleibt mit der Stetigkeit der Qualität. Das Wissen der Welt ist nicht mehr länger nur aus den Zeitungen zu filtern und darüber können wir uns glücklich schätzen.
Wir haben nicht mehr nur noch eine Quelle, sondern weitaus mehr. Dabei ist die Chance jeden Artikels ein qualitativ hochwertiger zu sein abhängig vom Fleiß der Journalisten und nicht, ob er im Internet steht oder in der gedruckten Zeitung. Jeder Journalist ist wichtig, wenn er sich an seine Aufgaben, Regeln und Funktionen hält und die Arbeit eines Zeitungsjournalisten ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, sondern eine Grundlage unserer Demokratie, die Pressefreiheit.
Weihnachten steht vor der Türe und die Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier sind in vielen Familien bereits im vollen Gange: Es wird gebastelt, eingepackt, geschmückt und gekocht – alles für ein fröhliches und besinnliches Fest. Selbst, wenn in diesem Jahr nicht alles so laufen wird, wie wir es kennen, ist doch Weihnachten für viele eine große Freude und die schönste Zeit im Jahr. Gerade in dieser Zeit zeigen sich bestimmte Traditionen oder gar ganz einzigartige, familiäre Bräuche. Wir sind uns sicher, dass auch ihr eigene, ganz bestimmte Bräuche in euren Familien pflegt. Viele dieser Bräuche müssen jedoch in diesem Jahr ausfallen, dennoch bleibt die Vorfreude bestehen. Und ist nicht die Vorfreude die schönste Freude? So beschreibt es zumindest ein deutsches Adventslied. Dabei beginnt jede Strophe mit den Worten „Vorfreude, schönste Freude, Freude im Advent!“.
Der Advent ist für viele Menschen die schönste Zeit im Jahr. Der erste Advent fällt dabei immer auf das Wochenende nach dem 26. November. Die Adventszeit dauert somit 22 bis 28 Tage und hat immer vier Sonntage. Wie wir alle wissen, endet diese Zeit an Heiligabend. Hier dürfen wir auch unser letztes Türchen vom Adventskalender öffnen.
Die Kerzen des Kranzes werden im Laufe der Adventszeit nacheinander entzündet.
Außerdem beginnt mit dem ersten Lichtlein am ersten Advent in den Kirchen das neue Kirchenjahr. Aus dem Lateinischem übersetzt bedeutet Advent nämlich „Ankunft“, was sich wiederum auf die Ankunft des Christuskindes bezieht. Die meisten Familien feiern den Advent mit einem Adventskranz, der festlich mit vier Kerzen geschmückt wird. An jedem Sonntag wird eine Kerze angezündet, sodass am Ende alle vier gleichzeitig angezündet sind. Übrigens: Der Adventskranz soll ein Symbol für den Kampf der Christen gegen das Dunkle im Leben sein.
Aber zurück zu unserem Lied: Das Lied thematisiert eigentlich, was Kinder in der Vorweihnachtszeit so alles erleben können: Das Basteln und die Gemütlichkeit in den eigenen vier Wänden, den Duft des Adventskranzes oder die Heimlichkeiten in der Küche. Vielleicht erlebt auch ihr diese schönen, manchmal sogar wilden oder lustigen Momente trotz der aktuellen Lage in diesem Jahr. Das – und überhaupt ein wunderschönes Fest im allerengsten Kreise und einen guten Rutsch ins neue Jahr – wünscht euch eure Schülerzeitungsredaktion.
Die Vorbehalte gegenüber der Zeitung, egal ob analog oder digital, sind auf den ersten Blick verständlich. Wenn wir es jedoch richtig angehen, wird die Zeitung als seriöses Informations- und Unterhaltungsmedium keinesfalls ihre Rolle einbüßen. Ein Plädoyer für eine Zeitung, die den zukünftigen Herausforderungen in einer demokratischen Mediengesellschaft gerecht wird.
Ein Essay von VERONIKA DUDZIK, 13. Jahrgang
Obwohl der klassische Journalismus in Form von Printmedien zunächst dem Onlinejournalismus zutiefst ähnelt, hat das Einhalten der Grundprinzipien der informativen Branche und deren Absichten, eine heftige Veränderung durchlebt. Das Blatt hat sich gewendet und so sind es nicht mehr die Kunden, die sich um das Blatt, die Zeitung schlagen, sondern vielmehr die Journalisten, die kontinuierlich darum kämpfen müssen, die Aufmerksamkeit jedes einzelnen Bürgers zu gewinnen. Da der Versuch des Vertrauensaufbaus in einer informationsüberfluteten Welt, in der die Menschen sensationsgesteuert funktionieren, nicht mehr ausreicht, um das Interesse eines breiten Spektrums der Gesellschaft zu erlangen, wird also oftmals auf andere Methoden umgerüstet.
Statt seriöser, objektiver Nachrichten, die dem Bürger zu mehr Demokratie verhelfen, indem sie ihm einen freien Spielraum zur Meinungsbildung bieten, werden überspitzte Informationen wiedergegeben. Spektakuläre Titel erscheinen in dramatischer Größe auf den Titelseiten und es wird über weltberühmte Persönlichkeiten diskutiert, wobei das Wesentliche, das, was das Leben des Bürgers im Hier und Jetzt ausmacht, leider zu wenig Sensation enthält. Dass aber die Wahrung des klassischen Journalismus derweil in Zukunft nötiger als je zuvor ist, bleibt dabei außer Frage. Was man währenddessen jedoch bezweifeln kann, ist, ob der erblindete Mensch diese Notwendigkeit wahrnimmt. Ob er weiter auf eine gleichgültige Haltung bezüglich des klassischen Journalismus zusteuert und somit sein Ende einleitet, oder aber, ob sich in letzter Minute seine Augen öffnet. Dies lässt sich lediglich vermuten.
Um sich jedoch der in der Medienbranche „Zeitung“ entstandenen Problematik zu widmen, muss man sich zunächst auf die Wurzeln des Journalismus beziehen und die damit aufkommenden Grundgedanken zur Idee und Funktion des Mediums „Zeitung“ beleuchten. Wie entstand sie? Und was war ihre Funktion, als die Menschen noch keine Zeit hatten, sich von jeder Sensation zu ernähren, da die Arbeit, die Finanzierung der Familie, der Kampf um das Überleben einen solchen Gedanken beim besten Willen nicht entstanden ließen?
Man glaubt es wohl kaum, aber der klassische Journalismus, dessen Verbildlichung sehr wahrscheinlich die alte, gelbstichige Zeitung mit geschnörkelter Schrift ist, entstand in Deutschland zunächst mit der Idee als objektives, informatives und meinungsbildendes Mittel für die Gesellschaft zu fungieren. Nicht nur das. In Deutschland, als die Zeitung nach Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Anfang nahm, verfolgte sie das Ziel des Demokratieaufbaus. Erstaunlich, wo doch das sachliche Informieren in den Medien heutzutage oftmals eher die Minderheit der vorgeführten Informationen ausmacht.
Es kommt jedoch noch besser: Im späteren Verlauf der Geschichte der Zeitung entstand nämlich sogar ein Leitfaden, um die Funktionen der entstandenen Kommunikationsinstanz nicht zu verfehlen, sondern zu wahren und zu schützen. Demnach lauten die Funktionen des Mediums Zeitung nicht nur auf sachlicher Basis zu informieren, sondern auch zu vermitteln. Hierbei soll die Vermittlung zwischen Politikern und Regierung sowie den Bürgern zu Stande kommen. Die Vermittlung des Willens des Volkes an die regierenden Instanzen wird hierbei als Artikulations- und die umgekehrte als Mitteilungsfunktion bezeichnet. Zuletzt gibt es noch die Kritik- und Kontrollfunktion, die Missstände und korrupte Vorgänge auf wirtschaftlicher, politischer sowie sozialer Ebene aufdecken soll und über Skandale informiert.
Warum ich diese Funktionsräume betone? Das liegt wohl daran, dass die Medienbranche, wie bereits erwähnt, eine Entwicklung durchlebt hat, in der es fraglich ist, ob diese Funktionen überhaupt noch berücksichtigt werden. Man kann in dem Zusammenhang also durchaus die Frage im Hinterkopf behalten, ob die Zeitung noch immer ihren Basis-Grundsatz verfolgt, oder vielleicht doch eine Entfremdung des Zwecks vorgefallen ist. Und obwohl die sich optimierende und vervielfältigende Presse sich zunächst in vollem Erfolg zu entwickeln schien, gab es einen Zeitpunkt, einen Schnittpunkt, an dem womöglich alles begann, langsam den Bach runterzugehen.
Bild 1: Das Smartphone als Symbol des digitalen Fortschritts.
Gemeint ist der Zeitpunkt der Digitalisierung. Und nein, damit meine ich nicht ihren Beginn in den 1930er Jahren, sondern den Zeitpunkt, an dem sie womöglich den größten Durchbruch erlebt hat: Die Geburt des Smartphones. Diesen Moment betone ich im besonderen Sinne, da dieses moderne Endgerät, welches sich schnell unter den Bürgern aus aller Welt verbreitete und die Nutzung des Internets in Windeseile ermöglichte, für die Mehrheit der Bürger zu einem greifbaren Symbol des Fortschritts wurde.
Und so ging es weiter: Es entstanden die ersten Plattformen, die als „Social Media“ bekannt wurden. Jeder konnte im Internet eigene Informationen preisgeben, jeder konnte auch nach immer mehr Informationen suchen. Parallel dazu die Entwicklung anderer fortschrittlicher Systeme, wie zum Beispiel des Fernsehens, bei dem es immer mehr Sender gab. Überall immer mehr bunte Reklametafeln, Werbung. Und die Menschen begannen darauf einzugehen – das tun sie auch heute noch. Der Wohlstand stieg. Es ging nicht mehr darum was man brauchte, sondern vielmehr darum, was man sich zu erlauben vermochte.
Somit entstand ein friedlich scheinender Kampf. Ein Kampf um die Aufmerksamkeit, der parallel eine Flut an Informationen auf den Menschen ausübte. Das Gehirn währenddessen war überfordert, begann immer mehr auf Sensationen, auf das, was am Interessantesten schien, zu reagieren. In der Zwischenzeit ging die traditionelle Informationsquelle „Zeitung“ langsam unter. Wie ein sinkendes Schiff. Zu schlicht war sie, zu trocken. In einer informationsüberfluteten Welt, in der wir in Bruchteilen von Sekunden jede Information bekommen können, reagiert das Gehirn nun mal zuerst auf Sensationen. Dieses Verhalten steuert auf keine Änderung zu, denke ich, denn, wie es auch die JIM-Studie besagt, steigt der Medienkonsum der jungen Gesellschaft mit stetiger Geschwindigkeit an. Dies geschieht vor allem im Bereich der sozialen Medien, während das mobile Endgerät, welches ursprünglich der Information dienen sollte, kaum noch zu Informationszwecken genutzt wird.
Ein daraus entstehender Teufelskreis ist wahrscheinlich die Reaktion einiger „heldenhafter“ Journalisten, die in all dem Trubel und Tumult versuchen doch noch die Aufmerksamkeit der Rezipienten zu erlangen. Dies tun sie, indem sie besonders kreativ, aber auch besonders unseriös handeln. Sie beginnen, immer wildere Titel zu verfassen, vermitteln Fake News, werden zu Hochstaplern, wie wir es aus dem Fall Relotius kennen. Stellt sich nur noch die Frage, ob sie dies tun, da sie die Aufmerksamkeit des Publikums gegenüber der Presse, oder doch lieber ihr eigenes Aufsehen erlangen wollen.
Eins kann ich sagen, beide Optionen scheinen nicht optimal, eher fatal. In der heutigen Zeit, wo wir ständig mit Idealen konfrontiert werden, wollen Menschen Ansehen erlangen, etwas erreichen und der Journalist, dessen Texte am aufregendsten sind, nicht am sachlichsten und demokratischsten, erlangt Erfolg. Hierbei kann man abermals auf den von allen Seiten bewunderten Claas Relotius eingehen, der im Sinne seines eigenen Erfolges agierte. Diese Anpassungen an die moderne Gesellschaft und der Versuch, die Aufmerksamkeit der Leser zu fangen, wirken sich negativ auf die Branche der Zeitung aus. Es ist klar, dass es in Fällen solcher Verstöße, und weiterer auftretender Faktoren zum Vertrauensverlust der Menschen kommt. Die Mühe nach Aufmerksamkeit wirkt sich also gegensätzlich aus, der umgekehrte Effekt wird erzielt. Somit lässt sich als Wirkungsfeld zur Rettung der Medienbranche, nur noch auf den Vertrauensaufbau der Journalisten bezüglich ihres Publikums hoffen. Wie lässt sich das schaffen?
Bild 2: Das Vertrauen in die etablierten Medien ist eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren einer Demokratie.
Bernhard Pörksen, ein deutscher Medienwissenschaftler, schlägt die „redaktionelle Gesellschaft“ vor. So müssen in einer redaktionellen Gesellschaft die grundlegenden Prinzipien eines ideal gedachten Journalismus zum Bestandteil der Allgemeinbildung werden. Jochen Hörisch, Germanist und ebenfalls Medienwissenschaftler, appelliert an die Journalisten, ihre Arbeit zu optimieren, um das Vertrauen der Leser wiederzugewinnen. Beide Ansätze sind durchaus umsetzbar, so könnte beispielsweise das Fach „Medien“ Eingang in den schulischen Kanon finden. Aber reicht das? Für mich stellt sich die Frage, ob in der heutigen Gesellschaft der Rückgewinn des Vertrauens in die klassischen Medien ausreicht. Man muss nämlich beachten, dass selbst der Rückgewinn des Vertrauens der Rezipienten die Zeitung eher nicht zum Leben erwecken wird. Dies gilt insbesondere für Jugendliche. So demonstiert die JIM-Studie auch, dass der Zeitunterschied während der Nutzung des Internets zu seriösen und nicht-seriösen Zwecken extrem variiert. Demnach verbringen Jugendliche wesentlich mehr Zeit in den Bereichen „Social Media“ und „Spiele“, also dort, wo besonders die Unterhaltung im Vordergrund steht – und nicht die Information.
Um diesen Gedankengang etwas genauer auszuführen, möchte ich zur näheren Erläuterung auf eine Bemerkung aus meinem persönlichen Leben eingehen. Das Problem der Medienkrise ähnelt in jenem Zusammenhang stark dem einer Vertrauensperson. Oftmals lässt sich bemerken, dass nachdenklichere Menschen, die in ihrem Leben eher in der Masse untergehen, da sie sich auf ernste Gedanken und Situationen fokussieren und in manch einer Hinsicht nur einen geringen prozentualen Anteil ihres Lebens an lockere Gedanken und Aktivitäten verschwenden, als Vertrauenspersonen eingestuft werden. Ihnen wird Vertrauen geschenkt, in Situationen, in denen man es schwer hat. Sie verfügen durch ihre gründlichen Auseinandersetzungen mit dem Ernsten, den Gedankengängen über die Existenz des Menschen und die Funktion seiner Psyche, über ein außerordentliches Menschenverständnis und können in dramatischen Situationen für etwas mehr Sicherheitsgefühl sorgen. Genau diese Menschen sind oftmals aber auch die, die sich von lustigen, vielleicht zum Teil rebellischen oder nicht-systemkonformen Unternehmungen distanzieren. Sie werden stattdessen als Mittel zum Zweck genutzt. Während man in Problemsituationen sehr auf ihre Hilfe und die gebotene Sicherheit angewiesen ist, befinden sie sich im Alltag, wenn es gut läuft und der Mensch andere Bekanntschaften nutzen kann, um Spaß zu haben, zu feiern und zu trinken, ein sorgenfreies, unbedachtes Leben zu genießen und Adrenalin zu spüren, im Hintergrund. Sie werden allein gelassen.
Dieses gesellschaftliche Phänomen, denke ich, lässt sich schrittweise auch auf die Medienproblematik der Zeitung, sei es nun digital oder klassisch, übertragen. Die Zeitung befasst sich, und dass sollte sie auch, in ihrem Alltag mit seriösen Dingen. Sie ist nicht auf die erhofften Adrenalin-Kicks aus. Wenn die Menschen sich also von einem Problem eingeschüchtert fühlen, so erhalten sie die Informationen, die ihnen Ruhe und Klarheit und Sicherheit bringen, von den klassischen und etablierten Medien. So war es beispielsweise auch zu Beginn der Corona-Pandemie der Fall. Die Menschheit war plötzlich einem ganz neuem, unbekanntem und für viele auch furchteinflößendem Geschehen ausgesetzt. Im Alltag, wenn man ein Problem geklärt hat, kehrt der Faktor „Unterhaltung“ an die erste Stelle zurück. Instagram wird dann doch zum Favorit, den man wählt, wenn man zwischen dieser Plattform und beispielsweise der Tagesschau- App entscheidet.
Genau aus diesem Phänomen, welches aus den Änderungen gesellschaftlicher Strukturen und Umstände sowie den Reaktionsweisen auf Informationen resultiert, ist abzuleiten, dass die Zeitung, egal ob digital oder nicht, eher unwahrscheinlich an einem Interessenzuwachs gewinnen wird. Dies bedeutet nicht, dass sie vollständig untergehen wird. Sie wird für den Menschen trotzdem von notwendiger Bedeutung sein, jedoch nur sporadisch, wenn der Interessent sich persönlich durch eine Situation gefährdet fühlt, oder ein spezifisches Anliegen hat, nicht jedoch tagtäglich. Die Zeitung als vielseitiges Medium nimmt somit ihre Rolle als unentbehrliches, aber letztes Mittel zum Zweck ein, wenn Probleme drohen und Anliegen bestehen. Das Ergebnis davon ist somit, dass die Zeitung nur einen minimalen Teil im Leben des Menschen einnimmt. Ob dieses Verhalten nun als kompletter Untergang oder aber als Weiterleben des Mediums am Existenzminimum bezeichnet werden sollte, ist unklar. Ein Untergang im Sinne des Relevanz-Verlustes ist jedoch klar und deutlich zu erkennen. Diese Veränderung wird zudem auch in der Zukunft Folgen haben. Man sollte hierbei vor allem die Auswirkungen auf die Demokratie Deutschlands im Blick behalten. Was wird mit dieser passieren? Ich möchte es mir nicht vorstellen.
Die Welt steht still: Flugzeuge bleiben am Boden, Schiffe befinden sich im Hafen, Werke werden geschlossen und die Industrieproduktion wird insgesamt gedrosselt – eine Entwicklung, die sich Greta Thunberg und ihre Anhänger sicher gewünscht hätten. Sichtbar werden nun glasklare Hafenbecken, Himmel ohne Kondensstreifen, Städte ohne Dunstglocken – durch „Homeoffice“ und Ladenschließungen sind schließlich viele Menschen zu Hause geblieben und haben ihr Auto stehen gelassen. Das Klimaziel der Bundesregierung für 2020 könnte vielleicht erreicht werden. Vielleicht.
Durch den „Corona-Stillstand“ der vergangenen Monate erhält unsere Atmosphäre eine Erholungspause. Der CO2-Ausstoß könnte sogar ca. 11 Prozent niedriger ausfallen. Doch im Gegenzug bedeutet dieser „Lockdown“ einen Absturz der deutschen Wirtschaft, tausende Firmen kämpfen um das Überleben, Millionen Menschen haben Angst um ihre Arbeit. Erinnerungen an Crashs, wie die weltweite Finanzkrise ab 2008, die eine schwere Eurokrise zur Folge hatte, oder an das Jahr 1929, als die „Große Depression“ Millionen Menschen ins Elend gestürzt hat, tauchen plötzlich wieder auf. Schnell vergessen sind da die zu warmen Winter, die neuen Temperaturrekorde, die Insektenplagen oder das Insektensterben oder gar die Pole, die ebenso zu schwitzen haben wie so mancher Unternehmensboss.
Doch der Wachstumsmotor unserer Wirtschaft soll nach Corona so schnell wie möglich wieder zum Laufen gebracht werden. Die Messlatte dafür ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die einfache Summe aller produzierten Dienstleistungen und Waren, egal wie und unter welchen Bedingungen diese hergestellt werden. Das BIP ist neutral – auch gegenüber dem Klimaschutz! Es gibt keine Folgekosten für Fabrikschlote, Plastiktüten oder durch Überdüngung kontaminiertes Grundwasser! Wir dürfen nicht einfach wieder in die „alte“ Normalität zurück, da Corona ein Beweis dafür ist, wie anfällig Volkswirtschaften sind. Wir sollten weg vom Wachstum, das die Folgekosten von Klimawandel einfach ausblendet!
Bestes Beispiel ist China, nachdem der „Motor“ hier wieder angesprungen ist, steigt die CO2-Kurve erneut an. Kommt es bei uns, aufgrund des Nachholbedarfes, eventuell auch zu erhöhten Emissionen, wenn wir wieder zu Normalität zurückkehren? Unsere Bundesregierung entscheidet darüber, welche Kriterien angelegt werden, wenn sie Milliardenhilfen und Kredite verteilt. Sie entscheidet darüber, ob die Wirtschaft nach Corona etwas grüner oder noch CO2-intensiver sein wird.
Klar ist, dass der von Menschen Hand gemachte Klimawandel nicht zu leugnen ist. Auch wenn das andere gern behaupten. Die Folgen des Klimawandels sind allgegenwärtig: Im Jahr 2019 konnte kein einziger Winzer den sogenannten Eiswein in Deutschland herstellen, die Mindesttemperatur von -7 Grad Celsius wurde nicht erreicht. Gemüse hingegen, wie beispielsweise Spargel, kann aufgrund des milden Winterwetters früher als sonst gestochen werden. Der gefährlichste Schädling des Waldes, der Borkenkäfer, kann sich aufgrund des milden Wetters ungehindert vermehren und richtet an den durch Dürre und Hitze geschwächten Wald erhebliche Schäden an. Blutroter Schnee in der Antarktis, ausgelöst durch eine auf Schnee wachsende Alge, ist ein durch den Klimawandel ausgelöstes Phänomen. Hitzewellen in der Antarktis bringen zudem große Schneemassen zum Schmelzen. Die schützende Ozonschicht über dem Nordpol schrumpft aufgrund des Klimawandels. Regenwälder speichern weniger CO2, da die Regenwälder seit dem Klimawandel häufiger Dürren ausgesetzt sind. Aufgrund von Starkregen und Überschwemmungen profitieren bestimmte Insekten von günstigen Brutbedingungen. Die Folge: Ein Heuschreckenschwarm von mittlerer Größe vertilgte erst kürzlich die gleiche Menge an Lebensmitteln wie die ganze Bevölkerung Kenias.
Aber: Die Hoffnung besteht, dass wir nach dieser Krise eine Veränderung für uns mitnehmen, denn wir konnten sehen, was passiert, wenn nichts passiert. Die Welt wurde sauberer. Doch werden wir nach der Krise auf ungebremsten Konsum verzichten und plötzlich alle zum Klimaschützer werden? Ein Vorstoß in die richtige Richtung ist zumindest der „Green Deal“. Der European Green Deal ist ein von der Europäischen Kommission erarbeitetes Konzept mit dem Ziel, bis 2050 in der Europäischen Union die Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren. Wichtig ist aber auch eine Hilfe für ärmere Länder, schließlich machen die Folgen des Klimawandels nicht vor Ländergrenzen halt. Es ist wichtig, dass jeder und jedes Land seinen Beitrag leistet, damit wir weiterhin auf unserer Welt glücklich und zufrieden leben können. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir, dass die Energie der Zukunft CO2-frei, sicher und bezahlbar wird, dass Fliegen mittels alternativer Antriebsstoffe möglich sein wird, dass ein Verzicht auf Plastik endlich realisierbar ist, dass es keine Verschwendung von wertvollen Lebensmitteln gibt und dass die Massentierhaltung ein Ende hat – dass wir nun noch das produzieren, was wir wirklich benötigen. All das muss natürlich im Einklang mit den Menschen, der Politik und der Wirtschaft erfolgen. Schließlich verursachen diese Visionen neue Entwicklungen und Kosten, welche von allen getragen werden müssen, um ein gesundes Klima und eine funktionierende Wirtschaft zu erzielen.
Ich hoffe, dass diese Krise vielen Menschen endlich deutlich gemacht hat, dass nur ein bewusster Umgang mit unserer Welt den Klimawandel und seine Folgen abmildern kann. Die Zeit ist reif, denn ansonsten ist die Gefahr groß, dass eine Krise durch eine weitere massive Krise, die Klimakrise, abgelöst wird!
Egal, ob online oder nicht! Das Einkaufen und Verbrauchen von Konsumgütern spielt besonders heutzutage eine große Rolle. Man spricht daher auch von einer „Konsumgesellschaft“, die zwar für die Wirtschaft hervorragend zu sein scheint, uns gegenüber aber einige Nachteile und Probleme mit sich bringt. Aber was das alles genau bedeutet und wie wir beim Einkaufen manipuliert werden, ist hier für Euch zusammengefasst!
Mit „Konsum“ bezeichnet man zunächst einmal alles, was wir Menschen alltäglich verbrauchen, nutzen und auch verzehren. Dazu gehören Kleidung und Lebensmittel, aber auch Handys, Kinobesuche und noch vieles mehr. Wenn man also etwas konsumiert, gibt man automatisch Geld aus, was der Wirtschaft natürlich zugute kommt. Schließlich macht sie so mehr Gewinn! Das Konsumieren gibt es übrigens schon seit es die Menschheit gibt, da der Mensch schon immer versuchte, Dinge zu erwerben, die man im Grunde gar nicht zum Überleben braucht, sondern die vielmehr den Zweck erfüllen, das Leben glücklicher zu machen. So wollten, im 18. und 19. Jahrhundert, viele Menschen beispielsweise hochwertige Stoffe und Gewürze haben, die meistens von weit her transportiert wurden. Mal davon abgesehen, dass der Transport mühsam und umweltbelastend ist, entwickelte sich ein Bedarf zu einem Wunsch. Die Menschen fingen also an, sich allmählich Luxusgüter anzuschaffen. Im Laufe der Zeit wurde so das Kaufen zum wichtigen Bestandteil unseres Lebens. Es brachte aber auch Neid zum Vorschein.
Materielle Sachen bekamen immer mehr Wichtigkeit und führten daher auch zu Ungerechtigkeiten. So bleiben ärmere Menschen immer im Nachteil, denn das, was reichere haben, können sie sich gar nicht leisten. Dies führt zwangsläufig zur Ausgrenzung. Auch in Schulen kann dieses Phänomen beobachtet werden. Kinder, die zum Beispiel kein Handy haben, fühlen sich so schnell ausgeschlossen, da andere in der Pause über Themen reden, wie beispielsweise über neue YouTube-Videos, über die sie gar nicht sprechen können.
Gerade heute schauen viele Menschen darauf, was angesagt ist und was nicht. So gelten Luxusgüter für viele Leute als erstrebenswert, um ihren Status auszudrücken, sich abzugrenzen und an Prestige (= Ansehen) zu gewinnen, was natürlich Firmen ausnutzen. Unternehmen machen sich dieses Konsumverhalten zunehmend zu nutze, indem sie psychologische Tricks und manipulative Methoden anwenden, die uns zum Kaufen ermutigen. So kommt es zu vielen Schulden, da viele den Umgang mit Geld gar nicht beherrschen. Übermäßiger Konsum kann zudem auch süchtig machen. Die Sucht, immer mehr zu kaufen und zu konsumieren, endet meistens in einem riesigen Schuldenberg. Und: Der Besitz steht meist nicht mehr im Vordergrund. Vielmehr erfreut sich die Person einzig und allein am Kauf eines ganz beliebigen Gegenstandes. Diese Freude ist jedoch, nach dem Kauf, schnell verblasst.
Auch Werbung beeinflusst, was wir kaufen. Produktplatzierungen, oder auch „Werbeintegration“ genannt, ist eine gezielte Darstellung und Erscheinung von Markenprodukten auf bestimmten Plattformen: Das ist in Film- und Fernsehproduktionen, Videospielen, Videoclips, Zeitschriften und anderen Medien möglich. Die Platzierung soll uns insofern beeinflussen, dass wir das Produkt bestenfalls kaufen. Ohne unseren Konsum würden nämlich viele Unternehmen pleite gehen. Damit genau das nicht passiert, sorgen sie mithilfe von Werbung dafür, dass wir die Produkte kaufen.
Auch sogenannte „Influencer“ spielen dabei eine große Rolle. Als „Influencer“ werden Menschen bezeichnet, die aufgrund ihrer starken Präsenz in den sozialen Netzwerken als Träger für Werbung dienen (= Influencer-Marketing). „Bibi“, alias Bianca Claßen, gehört beispielweise zu den sogenannten „Influencern“. Sie betreibt den YouTube-Kanal „BibisBeautyPalace“, auf dem sie Videos zu Themen wie Kosmetik und Kleidung veröffentlicht. Auch Bibi sorgt dafür, dass wir die Lust am Kaufen nicht verlieren. Wenn Bibi sich in ihrem Video schminkt, dann lobt sie die Marke des Lippenstifts. Dabei wird ein Satz eingeblendet: „Unterstützt durch Produktplatzierungen.“ Das bedeutet, dass sie von der Lippenstift-Firma Geld dafür bekommt. Wie viel sie für diese Art von Werbung bekommt, weiß man nicht. Über Geld spricht Bibi nämlich nicht. Vielmehr erscheint sie als gute Freundin im Internet. Eine Freundin, die dir ein nettes Produkt empfiehlt.
Unser Umfeld und unsere Wahrnehmung spielen beim Kaufen also eine wichtige Rolle und beeinflussen uns sehr. Unsere Geldquellen und die unserer Erziehungsberechtigten, sprich unserer Eltern, sind dabei aber ebenso wichtig und entscheiden grundlegend darüber, was wir uns leisten können und was nicht. Denkt beim nächsten Einkauf als nicht nur an „Bibis Freundschaftsdienste“, sondern auch an euren Geldbeutel.
Der Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980 ist der bis heute am besten beobachtete und untersuchte explosive Ausbruch.
Am 18.05.1980 brach der Vulkan Mount St. Helens im Süden des US-Bundesstaates Washington aus. Der Ausbruch kündigte sich bereits wenige Wochen zuvor an. Schon im März gab es eine Reihe kleinerer Erdbeben in der Gegend um den Vulkan. Darauf folgten der Austritt von Wasserdampf und Asche. Schließlich beulte durch aufsteigendes Magma die Nordflanke des Vulkans derartig aus, dass es am 18.05.1980 gegen 08.32 Uhr zum Vulkanausbruch kam. Infolgedessen kam es zu einem Abrutschen der Nordflanke und zum Austritt heißer Aschewolken. Die Gegend um den Mount St. Helens wurde verwüstet. Dabei kamen insgesamt 62 Menschen um. Der Ausbruch des Mount St. Helens vom 18. Mai 1980 ist der bis heute am besten beobachtete und untersuchte plinianische* Ausbruch.
* Plinianische Ausbrüche (= Eruptionen) sind außerordentlich explosive Ausbrüche, die mit gewaltigen Aschewolken verbunden sind. Plinianische Eruptionen verdanken ihren Namen Plinius dem Jüngeren, der den Ausbruch des Vesuvs und den Untergang Pompejis im Jahr 79 n. Chr. in zwei Briefen an den römischen Geschichtsschreiber Cornelius Tacitus beschrieb.
Frank Wedekind (1864–1918) ist ein deutscher Schriftsteller der Moderne, der insbesondere mit seinen Theaterstücken scharfe Gesellschaftskritik ausübte. Obwohl viele seiner Texte zeitweise zensiert wurden, gehören seine Dramen zu den am häufigsten gespielten vor und nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918).
Frank Wedekind
Am 24. Juli 1864 wird Benjamin Franklin Wedekind in Hannover als eines von sechs Kindern des Arztes Friedrich Wilhelm Wedekind und dessen Frau Emilie geboren. In der Schweiz besucht Wedekind 1871 die Lanzburger Gemeindeschule, bekommt jedoch ab dem Jahr 1881 Privatunterricht, da er schulische Probleme hat. Nach seinem Abitur studiert Wedekind in Lausanne deutsche und französische Literatur, bricht dies aber auf Wunsch seines Vaters ab und studiert daraufhin Jura in München. Das Jurastudium bricht Wedekind dann aber auch ab und arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, in der Werbeagentur von „Maggie“. 1888 setzt Wedekind dann doch sein Jurastudium fort, welches er kurz darauf, nach dem Tod seines Vaters Friedrich, nochmals abbricht, da er sich wegen der großen Erbschaft des Vaters ein Leben als freier Schriftsteller ermöglichen kann.
Benjamin Franklin Wedekind hat insgesamt vier Kinder, eines davon hat er aus der Beziehung mit Frida Strindberg, ein weiteres mit seinem Hausmädchen und die anderen beiden Kinder aus der Ehe mit der Schauspielerin Tilly News. Allgemein reist Wedekind viel und gerne. So ist er in Städten wie Zürich, München, London, Paris, Darmstadt oder auch Dresden unterwegs. Wedekind wird außerdem von der Polizei verfolgt und wegen „Majestätsbeleidigung“ verhaftet, da er ein satirisches Gedicht veröffentlicht hat. Im Ersten Weltkrieg werden zahlreiche Stücke des Schriftstellers verboten. Insgesamt schrieb Wedekind um die 30 Werke, darunter Gedichte und Erzählungen, aber auch viele Dramen wie z.B. „Frühlings Erwachen“.
Melchior Gabor mit seinem „kopflosen“ besten Freund Moritz Stiefel auf der Bühne.
1891 stellt Wedekind das Drama „Frühlings Erwachen“ in Zürich fertig. In dem Drama, welches häufig in Schulen gelesen wird, geht es um enormen schulischen Druck, die im Kaiserreich herrschende Sexualmoral, fehlende Aufklärung sowie Suizide in dieser Zeit. Die Lehrer in diesem Stück heißen „Sonnenstich“, „Affenschmalz“, „Knüppeldick“, „Knochenbruch“ und „Hungergurt“. Die Namen sind Programm – und dieses ist nicht unbedingt lustig gemeint. Besonders Moritz Stiefel hat Probleme in der Schule. Wegen der Kritik, die Wedekind durch das Drama „Frühlings Erwachen“ auf die Gesellschaft ausübt, wird das Drama nach seiner Uraufführung 1906 bis 1912 verboten. Außerdem wird im gleichen Jahr die Buchausgabe des Verlags wegen Unzüchtigkeiten verboten. Dennoch ist das Drama „Frühlings Erwachen“ sehr aktuell, da Jugendliche auch heutzutage solche Sorgen haben. Trotz Aufklärung und Internet, spielt auch heute bei Jugendlichen der Schuldruck, die Liebe und die Auseinandersetzung mit den Eltern eine sehr große Rolle.
Am 9. März 1918 verstarb der Dichter und Lyriker Frank Wedekind im Alter von 54 Jahren. Er wurde in München bestattet. Seine gesellschaftskritischen Theaterstücke gehören zu den am häufigsten gespielten vor und nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918), dabei sorgte insbesondere das Stück „Frühlings Erwachen“ immer wieder für großes Aufsehen. Und heute, nach mehr als 100 Jahren, können wir uns immer noch auf dieses Werk, dank seiner Zeitlosigkeit, besinnen.