Reihe „Medien in der Krise“: Der „klassische Journalismus“ muss erhalten bleiben! Aber wie?

Liest Du Zeitungen, oder suchst Du lieber schnell im Internet nach Informationen? Und prüfst Du auch die Quellen, oder nimmst Du alle Informationen einfach hin und auf? Gerade zu einer Zeit, in der man nicht einmal dem Präsidenten eines der einflussreichsten Länder der Welt glauben kann, in einer Zeit, in der „Querdenker“ das Internet erobern und Verschwörungstheoretiker von Wahlbetrug, Chip-Impfungen und einem erfundenen Virus reden, was sie alles mit angeblichen Fakten und dubiosen Quellen belegen können, gerade in so einer Zeit ist es doch wichtig, dass man auf einen Journalismus zurückgreifen kann, dem man vertraut. Woher sollte man sonst wahre Informationen erhalten?

Ein Essay von CARA-SOFIE OTHMER, 13. Jahrgang

Verändert sich nicht alles irgendwann? Irgendwann passt sich doch alles dem schnelllebigem Internetzeitalter von heute an, oder? Auf jeden Fall sollte es das, um den Wandel der Zeit zu überstehen. Betrachten wir beispielsweise den „klassischen Journalismus“: Dieser muss sich den Veränderungen des Internetzeitalters stellen, damit uns diese Qualität in seinen Grundzügen erhalten bleibt.

Ob das Internetzeitalter den klassischen Journalismus wirklich beendet, was genau damit eigentlich gemeint ist und warum das für uns alleine ein Verlust wäre, will ich euch erklären. Und was könnte man eigentlich dagegen tun?

Bild 1: Jeder wird heute zum Sender – dank digitaler Technologien.

Was ist also der „klassische Journalismus“, und inwiefern könnte dieser im Wettkampf mit den neuen sozialen Medien stehen? Der Professor für Medienwissenschaften, Dr. Bernhard Pörksen, äußerte sich 2018 zu der Problematik und erkannte das Problem, dass sich durch das Internet das gesamte Kommunikationsklima in der Gesellschaft ändern würde. Im klassischen Falle hat man Zeitungen gelesen, Radio gehört oder seine Informationen durch Sendungen wie die ,,Tagesschau“ erhalten. Dieser klassische Journalismus unterliegt dem Pressekodex und vielen Grundsätzen, die Pörksen auch anführt. Darunter zählen die zuverlässige Recherche, die Quellenanalyse, das Verlassen der Vorurteilsblase, das Aufklären über Missstände, die Wahrung der Persönlichkeitsrechte, Debatten sowie das Betrachten der anderen Seite und Argumente. All das kann bei den neuen Formen den Journalismus ausgesetzt werden, da jeder zum ,,Sender“ von Nachrichten werden kann, unabhängig davon, ob diese stimmen. User im Internet haben eigene Werte und Ziele, die sie vertreten, welche oft nicht ausschließlich der wirklichkeitsgetreuen und abwägenden Berichterstattung dienen, wie es der ,klassische Journalismus‘ als Ziel verfolgt. Pörksen betont folgende Probleme im Internet: Die Inhalte würden schneller verbreitet werden, jeder könnte schreiben, was und wann er will, und ,,Fake News“, also falsche Nachrichten, könnten im Internet ohne Probleme geteilt werden, da die User keinem Kodex unterliegen.

Dr. Jochen Hörisch äußerte sich als Lehrer der Literatur- und Medienwissenschaften auch zu dem Thema. Für ihn sei es wichtig zu verstehen, dass nicht jeder die Gabe eines Journalisten besäße. Im klassischem Journalismus studieren die Journalisten ihr Fach, im Internet kann man alles ungefiltert lesen. Wenn der neue Journalismus dem klassischem Journalismus nun so qualitativ unterliegt, warum ist dieser dann gefährdet, und ist er das überhaupt?

Bild 2: Vorsicht! Alternative Medien sind Quellen, die sich hinsichtlich Inhalt, Produktion und Verbreitung von etablierten Medien unterscheiden.

Wir befinden uns nun mal im Zeitalter des Internets. Es ist einfach, schnell, und größtenteils umsonst, dort an Informationen zu gelangen. Es ist schlichtweg bequemer als sich eine Zeitung zu kaufen und diese zu lesen. Zumal man im Internet ja auch gute Artikel finden kann, man muss nur wissen wo, damit man nicht auf Fake News hereinfällt oder nur die gekürzten Artikel liest. Und das ist der Grund, warum der klassische Journalismus nicht verloren gehen darf. Wir brauchen zuverlässigen und tiefgehenden Journalismus, auf den wir uns verlassen können, nicht die Falschaussagen mancher „Möchtegern“-Journalisten. Aber: Auch Claas Relotius fälschte seine Reportagen umfänglich – ohne dass es den etablierten Medien zunächst aufgefallen ist. So schrieb er unter anderem für „Die Zeit“, den „Cicero“ oder den „Spiegel“. Da ,,Der Spiegel“ aber zu den etablierten Medien gehört, und sich an den Pressekodex hält, wurden Relotius′ Zeilen geprüft und die inhaltlich falschen Artikel richtig gestellt. Die Leserinnen und Leser wurden so über die Wahrheit aufgeklärt. So etwas passiert bei den „alternativen Medien“ nicht. An diesen Beispielen sieht man, dass der klassische Journalismus für unsere demokratische Gesellschaft wichtig und bedeutsam ist!

Jetzt wisst Ihr, warum der neue Journalismus mit Vorsicht zu genießen sein sollte, und dass der klassische Journalismus diesem überlegen ist, da er viel sachlicher, ausgereifter und abwägender ist. Es wäre ein Verlust, diese journalistische Qualität zu verlieren, aber besteht diese Gefahr in der Praxis tatsächlich?

Leider ja, JIM-Studien von 2018 belegen, dass die Onlinenutzung insgesamt über die letzten Jahre deutlich zugenommen hat und nun stagniert. Zudem sinken die Druckauflagen für Zeitungen, wodurch auch ihre Werbeeinnahmen sinken. Eine weitere Gefahr für Zeitungen ist das große Angebot an Informationsquellen im Internet, welche umsonst oder günstiger sind, weswegen die Bereitschaft sinkt, sich tatsächlich Zeitungen zu kaufen. Auch ist das Internet oft schneller und veröffentlicht auch nachts wichtige Artikel, jedoch zeigt das auch, dass sich für diese weniger Zeit genommen wurde.

Bild 3: Etablierte Medien genießen wieder mehr Vertrauen.

Das alles klingt wenig hoffnungsvoll für die Zeitungen und den klassischen Journalismus. Er wird quasi überflüssig und ist durch andere Angebote ersetzbar, wenn auch mit schlechterer Qualität. Wir sollten ihn aber dennoch noch nicht aufgeben! Die JIM-Studie belegt nämlich auch, dass das Vertrauen in den klassischen Journalismus und in Zeitungen immer noch höher ist als in digitale Medien. Das bedeutet, es besteht noch Hoffnung für den Erhalt. Auch das Versagen des Internets könnte die klassischen Medien retten, da die Falschnachrichten das Vertrauen in dieses immer mehr senken, wodurch Printmedien wieder mehr Vertrauen genießen. Diesen Ansatz stellt die angehende Journalistin Franca Quecke hervor. Der klassische Journalismus erhält also noch Zuspruch, weswegen er noch nicht ganz verloren scheint.

Die Antwort ist also ,,JA“, das Internetzeitalter verdrängt den klassischen Journalismus immer mehr und könnte in der Zukunft das Ende für diesen bedeuten, wenn dieser sich der neuen Zeit nicht anpasst. Und das sollte er definitiv tun, da das Ende des klassischen Journalismus ein Verlust für jeden Einzelnen von uns wäre. Auch für die Demokratie wäre dies kontraproduktiv, da radikale Meinungen durch ,,Filterblasen“ bestärkt werden könnten und eine Manipulation nicht offengelegt werden würde.

Wie kann man das Problem jetzt aber lösen? Der klassische Journalismus muss sich definitiv anpassen, damit seine Grundsätze und die Qualität erhalten bleiben, welche sehr wichtig sind. Wenn man den klassischen Journalismus in anderen Formen wiederfinden würde, wäre das genauso gut, solange die Bürger eine vertrauenswürdige Quelle haben, die den Pressekodex beachtet, also Aspekte wie den Schutz der Persönlichkeit und der Ehre.

So wie Hörisch es bereits 2017 vorschlug, gibt es heute bereits Zeitungsabos und Flatrates, sowie den Verkauf von Zeitungen mit Theaterkarten. Jedoch ist unklar, ob das in der Zukunft reicht. Zeitungen und der klassische Journalismus könnten durch mehr Werbung mehr Geld bekommen, wodurch der Erhalt gesichert werden könnte. Auch könnten stärkere Werbekampagnen für die Zeitung an sich mit guten Sonderangeboten mehr Kunden anlocken, die dann durch den einst erfahrenen qualitativen Journalismus eventuell Kunde bleiben. Man könnte auch probieren, durch aufdeckende Kolumnen das Vertrauen in das Internet noch mehr zu senken, um den klassischen Journalismus zu bewahren, und gleichzeitig die Bürger aufzuklären. Wie man es auch macht, der klassische Journalismus darf nicht verloren gehen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der klassische Journalismus durch das Internetzeitalter verdrängt wird, wenn dieser sich nicht reformiert. Das Internet bietet zu viele Möglichkeiten und wirkt auf viele somit attraktiver, auch wenn es eine geringere Qualität durch fehlende Richtlinien für Online-User hat, oder diese Artikel dort schneller und teilweise oberflächlicher produziert werden. Da man ohne diese Qualität aber etwas für die Gesellschaft und Demokratie wichtiges verliert, muss dafür gesorgt werden, dass der klassische Journalismus bestehen bleibt. Das kann nur passieren, wenn er sich der Zeit anpasst. Es muss eine passende Reformidee formuliert werden und eine Reform muss stattfinden. Ohne diese Maßnahmen würden zum Beispiel Zeitungen aussterben. Noch genießen sie Vertrauen, aber wie lange hält dieses noch? Wie lange haben die klassischen Medien Zeit sich zu verändern, bevor es zu spät ist?

Mein Apell: Genießt Zeitungen, wie wir sie kennen, solange sie noch da sind, und wertschätzt den Journalismus. Denkt beim nächsten Mal darüber nach, ob ihr dem Internet wirklich alles glaubt und kauft euch zu wichtigen Themen mal eine gute Zeitung. Ihr werdet es nicht bereuen. Sich die Zeit zu nehmen und etwas Wahres über die Welt zu erfahren, vielleicht bei einem Kaffee am Morgen, ist auch ein entspannendes Ritual für einen selbst, während man sich bildet. Und zudem noch viel gesünder, als immer nur auf ein Display zu gucken. Wenn ihr im Internet das nächste Mal also von einem erfundenen Virus oder anderen Verschwörungstheorien lest, gibt es mit Sicherheit glaubwürdige Artikel in Zeitungen von Ärzten, die klare Studien anbringen, um euch die Wahrheit zu vermitteln. Und: Wer will schon gerne sein Wissen auf Fehlinformationen aufbauen?

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