Wenn das coronabedingte Pizza-Picknick im Freien zum Problem wird

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To-Go-Verpackungen, Pizzakartons, Kaffeebecher – mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr: Durch die massenhafte Verwendung von Einwegverpackungen, insbesondere seit Corona, steigt auch die Menge an Verpackungsmüll durchgehend an und führt häufig zu überfüllten Mülleimern in innerstädtischen Grünanlagen, z.B. in Parks. Der für Hersteller und Verbraucher meist sehr praktische Pizzakarton sei dabei „zu einem Symbol für den Anstieg beim Müllaufkommen in der Corona-Zeit geworden“, teilte die Stadt Nürnberg mit. Die Beseitigung dieses Mülls kostet die Kommunen in Deutschland jährlich mehrere hundertmillionen Euro und die Möglichkeiten des Recyclings für die Hersteller sind beschränkt. Inzwischen wurde auf kommunaler Ebene unter anderem die Forderung nach einer Pfandpflicht für Pizzakartons und andere To-Go-Verpackungen laut. Doch welche Bedeutung und welche Vor- und Nachteile hat der Pizzakarton für die Hersteller und Verbraucher?

Seit 1952 wird der allseits bekannte Pizzakarton in Deutschland verwendet und erweist sich dabei immer wieder als praktische Transportmöglichkeit: Durch seine Stabilität sorgt er dafür, dass die Pizza bei uns unbeschädigt ankommt. Die stabilen und faltbaren Voll- oder Wellpappen, aus denen der Karton besteht, halten unsere Pizza warm. Durch Lüftungslöcher wird eine Durchfeuchtung verhindert. Den Karton kann man beim Verzehr der Speise ebenfalls als Tellerersatz benutzen. Aufgrund der Essensreste gehört der Karton übrigens nach dem Verzehr in den Restmüll. Den Pizzakarton gibt es in vielen unterschiedlichen Formen, Größen und Höhen. Durch Hilfsmittel wie dem „Pizza-Saver“, einem Abstandshalter in der Mitte des Kartondeckels, können diese Funktionen außerdem verstärkt werden. Auf der Außenoberfläche des Kartons findet sich ausreichend Platz für Werbung.

All diese praktischen Aspekte der Transportmöglichkeit führten dazu, dass inzwischen jährlich mehr als eine Milliarde Pizzen in Kartons geliefert werden. Verständlicherweise sind die Pizzakartons damit für Hersteller nicht wegzudenken, zumal dessen Alternativen entweder zu kostenaufwendig oder weniger praktisch sind. So wurden in den USA bereits umweltfreundlichere Kartons aus Polystyrol entwickelt, die allerdings teurer und schlechter belüftbar sind. Allerdings wurde das Problem des hohen Platzbedürfnisses der Kartons beispielsweise in den USA durch ein Rücknahme-Stellsystem oder in Deutschland durch spezielle Pizzakarton-Behälter, in denen sich die Kartons leichter stapeln lassen, gelöst.

Doch auch diese Lösungen lassen das Umweltproblem dieser nicht verschwinden: Jährlich müssen Kommunen in Deutschland alleine für die Entsorgung von Einwegplastik 355 Mio. Euro aufwenden. Die bereits erwähnte Pfandpflicht des Verbandes kommunaler Unternehmen stößt beim Umweltministerium, aber auch bei den Gastronomen, auf Kritik. „Es ist weniger appetitlich, da es ja doch immer Essensrückstände in den Kartons gibt“, erklärt Antonio Furnari, Betreiber einer Pizzeria in Greven, Nordrhein-Westfalen. Andere Vorschläge kommen von vielen Seiten: Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine verbindliche Mehrwegquote, das Bundesministerium für Umwelt befürwortet auch die Mehrweg-Alternative. Dafür wurden auch schon Produkte entwickelt, z.B. ein biologisch abbaubarer Karton. Dieser ist allerdings zu teuer für die Gastronomen. Es ist also offensichtlich, dass der Weg zu einer umweltfreundlichen Lösung dieses Problems lang und schwierig sein wird.

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Ein weiterer Nachteil der Verwendung von Pizzakartons findet sich im Material: Stoffe wie Mineralöle oder andere chemische Verbindungen, die oft in der Pappe der Kartons enthalten sind, können gesundheitliche Schäden hervorrufen. Wenn die Pizza also leicht durchweicht, können diese Stoffe auch in die Pizza gelangen und verzehrt werden. Für dieses Problem gibt es durch die Verwendung von Decklagen auf der Innenseite des Kartons bereits eine Lösung.

Zusammenfassend ist also erkennbar, dass der Pizzakarton einerseits ein fester und bedeutender Bestandteil von Lieferservices geworden ist und dafür sorgt, dass wir unsere Pizza gut genießen können. Andererseits weist er aber auch nach der Verwendung eine problematische und schwer lösbare Umweltverschmutzung auf, was insbesondere während der Corona-Pandemie erkennbar ist. In diesen Zeiten macht der Pizzakarton also sehr auf sich aufmerksam und ist somit Anlass zu einer ausführlichen Diskussion, bei dessen Lösung es aber auch auf uns Verbraucher ankommt.

von Silas Müller, 10. Jahrgang

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