Mit PISA 2025 wurde erstmals die innovative Domäne „Lernen in der digitalen Welt“ untersucht. Im Mittelpunkt steht dabei die modellbasierte Problemlösekompetenz, also die Fähigkeit, digitale Werkzeuge, Modelle und Simulationen zur Bearbeitung komplexer Problemstellungen zu nutzen. Dabei geht es nicht primär um technische Kenntnisse, sondern Denk- und Arbeitsweisen wie das Strukturieren von Problemen, das Auswerten von Daten, das Erkennen von Zusammenhängen sowie die Entwicklung und Überprüfung von Modellen. Die Ergebnisse zeigen für Deutschland ein Kompetenzniveau im OECD-Durchschnitt, machen zugleich aber deutliche Unterschiede zwischen leistungsstarken und leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern sichtbar.
Wie wurde die Kompetenz in PISA 2025 erfasst?
Die Erfassung erfolgte in computergestützten, interaktiven Lernumgebungen. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiteten Aufgaben eigenständig am Computer und mussten dabei Informationen aus Texten, Diagrammen und Simulationen nutzen, um Modelle zu entwickeln oder blockbasierte Programmcodes zu erstellen. Blockbasiert bedeutet, dass man den Programmcode aus einzelnen Bausteinen (den sogenannten Blöcken) zusammensetzt. In der PISA-Testung sollten die Schülerinnen und Schüler demnach ein Programm entwickeln, indem sie konkrete Anweisungen und Bausteine mittels Drag-and-Drop sinnvoll zusammensetzen mussten.
Deutschland im internationalen Vergleich
Deutschland erreicht im modellbasierten Problemlösen 498 Punkte und liegt damit im Bereich des OECD-Durchschnitts von 500 Punkten.

Eine vertiefende Analyse zeigt außerdem, dass die Leistungen Deutschlands im modellbasierten Problemlösen leicht unter dem Niveau liegen, das aufgrund der Ergebnisse in den PISA-Kerndomänen Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik zu erwarten wäre. Staaten wie Estland und Kanada erzielen hier günstigere Ergebnisse und fördern diese Kompetenz offenbar besonders erfolgreich.
Große Leistungsunterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern
Die Ergebnisse zeigen deutliche Leistungsunterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern. 24 % der getesteten Jugendlichen erreichen die Kompetenzstufe II nicht und verfügen damit nicht über die grundlegenden Kompetenzen, die für das Lernen und Problemlösen in digitalen Umgebungen erforderlich sind. Gleichzeitig erreichen 25 % die höchsten Kompetenzstufen V und VI. Diese Jugendlichen sind in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, Modelle gezielt einzusetzen und anspruchsvolle digitale Problemlöseaufgaben erfolgreich zu bearbeiten.
Auffällig ist damit eine breite Kompetenzverteilung: Während ein Viertel der Schülerinnen und Schüler über sehr hohe Kompetenzen verfügt, erreicht gleichzeitig etwa ein Viertel nicht die für eine erfolgreiche Nutzung digitaler Werkzeuge notwendigen Grundlagen. Im Vergleich zu Österreich und der Schweiz fällt der Anteil leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler in Deutschland höher aus.
Bedeutung für Schule und Unterricht
Die Untersuchung verdeutlicht die zunehmende Bedeutung digitaler Problemlösekompetenzen für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass die Förderung entsprechender Kompetenzen eine wichtige Aufgabe von Schule und Unterricht bleibt. Neben der fachübergreifenden Nutzung digitaler Werkzeuge rücken dabei auch Aspekte der informatischen Grundbildung, etwa das Arbeiten mit Daten, Modellen und Algorithmen, in den Fokus.
Quelle
Greiff, S., Diedrich, J., Kastorff, T., Goldhammer, F. & Köller, O. (Hrsg.) (2026). PISA 2025. Bildung im Spannungsfeld von Innovation und Transformation. Waxmann. https://doi.org/10.31244/9783818852009
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