Unterrichts- und Lernbedingungen unterscheiden sich stärker als oft angenommen

Welche schulischen und außerschulischen Kontexte gehen mit günstigen Kompetenzprofilen einher?

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 zeigen, dass Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern nicht unabhängig von ihren Lernumgebungen betrachtet werden können. Neben den erreichten Leistungen untersucht die Studie daher auch schulische und außerschulische Rahmenbedingungen des Lernens. Im Mittelpunkt stehen Unterschiede zwischen Schularten, Merkmale von Schule und Unterricht, digitale Lernbedingungen sowie die häusliche Lernumgebung.

Schulart als zentraler Kontextfaktor

Es finden sich große  Kompetenzunterschiede zwischen Gymnasien und nicht-gymnasialen Schularten. In den Naturwissenschaften erreichen Schülerinnen und Schüler an Gymnasien durchschnittlich 574 Punkte, während Jugendliche an nicht-gymnasialen Schularten 446 Punkte erzielen. Die Differenz beträgt 128 Punkte. Ähnliche Unterschiede zeigen sich im Lesen mit 552 gegenüber 427 Punkten, in Mathematik mit 540 gegenüber 430 Punkten sowie im modellbasierten Problemlösen mit 560 gegenüber 470 Punkten.

Die Unterschiede zeigen sich auch bei den Anteilen kompetenzschwacher Schülerinnen und Schüler. An nicht-gymnasialen Schularten erreichen 37 Prozent der Jugendlichen in den Naturwissenschaften, 43 Prozent im Lesen und 47 Prozent in Mathematik nicht Kompetenzstufe II und damit nicht das Niveau grundlegender Basiskompetenzen.

Neben den Kompetenzunterschieden zeigen sich Unterschiede im Schulschwänzen als schulbezogenem Merkmal. Während 15 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten von Schulschwänzen berichten, liegt der Anteil an nicht-gymnasialen Schularten bei 26 Prozent. Schulschwänzen steht in allen untersuchten Kompetenzbereichen mit niedrigeren Leistungen in Zusammenhang.

Unterrichtsqualität und Kompetenzen

Die Unterrichtsqualität wird in PISA 2025 anhand der Dimensionen Klassenführung, konstruktive Unterstützung und kognitive Aktivierung untersucht. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der Stärke der Zusammenhänge mit den Kompetenzen.

Klassenführung

Die Klassenführung weist den stärksten Zusammenhang mit der naturwissenschaftlichen Kompetenz auf. Eine Standardabweichung bessere Klassenführung geht mit 13 zusätzlichen Kompetenzpunkten einher. Deutschland erreicht einen Mittelwert von 0,04 und liegt damit unter dem OECD-Durchschnitt von 0,14 sowie dem EU-Durchschnitt von 0,09. Zusätzlich berichten 29 Prozent der Schülerinnen und Schüler, dass Lehrkräfte häufig lange auf Ruhe im Unterricht warten müssen.

Konstruktive Unterstützung

Auch die wahrgenommene Unterstützung durch Lehrkräfte steht positiv mit den Kompetenzen in Zusammenhang. Eine Standardabweichung höhere konstruktive Unterstützung geht mit drei zusätzlichen Kompetenzpunkten einher. Deutschland liegt mit einem Mittelwert von −0,28 unter dem OECD-Durchschnitt von 0,03 und dem EU-Durchschnitt von −0,08.

Kognitive Aktivierung

Für die kognitive Aktivierung ergibt sich ein anderes Bild. Deutschland erreicht einen Mittelwert von 0,02 und liegt damit nahe am OECD-Durchschnitt von 0,00 sowie über dem EU-Durchschnitt von −0,06. Im kontrollierten Modell zeigt sich jedoch kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit der naturwissenschaftlichen Kompetenz.

Digitale Lernbedingungen

Die Ergebnisse zur Digitalisierung zeigen, dass die Nutzung digitaler Medien nicht automatisch mit höheren Kompetenzen verbunden ist. Vielmehr kommt der Qualität der digitalen Lernbedingungen eine zentrale Bedeutung zu.

Zwischen der Häufigkeit der Nutzung digitaler Medien und den naturwissenschaftlichen Kompetenzen besteht kein signifikanter direkter Zusammenhang.

Bedeutsamer ist die Qualität des digitalen Zugangs. Diese umfasst die Verfügbarkeit digitaler Enderäte, deren technische Funktionsfähigkeit, die Qualität der Infrastruktur sowie technische Unterstützung. Deutschland liegt bei diesem Merkmal unter dem OECD- und EU-Durchschnitt. Während Deutschland einen Wert von -0,30 erreicht, liegen der OECD-Durchschnitt bei 0,02 und der EU-Durchschnitt bei -0,04. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass Schülerinnen und Schüler mit besseren digitalen Lernbedingungen im Durchschnitt etwas höhere naturwissenschaftliche Kompetenzen erreichen. Ein hochwertiger digitaler Zugang geht mit rund vier Kompetenzpunkten mehr einher.

Außerdem zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität und Zugangsqualität. Häufige Nutzung digitaler Medien geht nur dann mit höheren Kompetenzen einher, wenn zugleich eine hohe Qualität des Zugangs zu digitalen Medien vorliegt. Bei niedriger oder mittlerer Zugangsqualität zeigt sich dieser Zusammenhang nicht.

Erstmals untersucht PISA 2025 auch die Nutzung künstlicher Intelligenz für schulische Aufgaben. Deutschland weist hier höhere Nutzungswerte auf als der OECD- und EU-Durchschnitt. Deutschland erreicht einen Wert von 0,10, während der EU-Durchschnitt mit 0,02 nur knapp über dem OECD-Durchschnitt liegt.

Bezogen auf die Nutzung von KI für schulische Aufgaben zeigt sich ein negativer Zusammenhang mit der naturwissenschaftlichen Kompetenz: Schülerinnen und Schüler, die angeben KI häufiger für schulische Aufgaben zu nutzen, erreichen im Durchschnitt rund 13 Kompetenzpunkte weniger in den Naturwissenschaften.

Häusliche Lernumgebung

Neben schulischen Lernbedingungen untersucht PISA 2025 auch die Bedeutung der häuslichen Lernumgebung. Im Mittelpunkt stehen die wahrgenommene familiäre Unterstützung sowie die Bildungsaspirationen der Eltern.

Familiäre Unterstützung

53 Prozent der Schülerinnen und Schüler berichten, dass Eltern oder andere Familienangehörige mindestens einmal pro Woche bis nahezu täglich mit ihnen darüber sprechen, wie gut sie in der Schule zurechtkommen. Die familiäre Unterstützung liegt in Deutschland mit einem Mittelwert von −0,27 unter dem OECD-Durchschnitt (−0,19) und dem EU-Durchschnitt (−0,15).

Bildungsaspirationen der Eltern

Die Bildungsaspirationen der Eltern zeigen die stärksten Zusammenhänge innerhalb der häuslichen Lernumgebung. Während im OECD-Durchschnitt 51 Prozent der Schülerinnen und Schüler berichten, dass ihre Eltern einen Hochschulabschluss erwarten, liegt dieser Anteil in Deutschland bei lediglich 11 Prozent. Dagegen berichten 35 Prozent von einer elterlichen Erwartung eines Abschlusses der Sekundarstufe I und 54 Prozent von einer Erwartung auf dem Niveau der Sekundarstufe II beziehungsweise einer kurzen tertiären Bildung.

Jugendliche, deren Eltern einen Abschluss der Sekundarstufe II oder eine kurze tertiäre Bildung erwarten, erreichen durchschnittlich 23 Kompetenzpunkte mehr als Jugendliche mit einer Erwartung auf dem Niveau der Sekundarstufe I. Wird ein Hochschulabschluss oder höher erwartet, beträgt der Unterschied 39 Kompetenzpunkte.

Die Befunde der PISA-Studie 2025 zeigen deutliche Unterschiede zwischen schulischen und außerschulischen Lernkontexten. Die größten Kompetenzunterschiede finden sich zwischen Gymnasien und nicht-gymnasialen Schularten. Unter den Merkmalen der Unterrichtsqualität weist die Klassenführung den stärksten Zusammenhang mit den naturwissenschaftlichen Kompetenzen auf. Im Bereich der Digitalisierung erweist sich die Qualität der digitalen Lernbedingungen als bedeutsamer als die reine Nutzungsintensität digitaler Medien. Innerhalb der häuslichen Lernumgebung zeigen die Bildungsaspirationen der Eltern die stärksten Zusammenhänge mit den Kompetenzen der Jugendlichen.

Quelle

Greiff, S., Diedrich, J., Kastorff, T., Goldhammer, F. & Köller, O. (Hrsg.) (2026). PISA 2025. Bildung im Spannungsfeld von Innovation und Transformation. Münster: Waxmann.

Links

Weitere Informationen zu PISA 2025 finden Sie hier:

Website der Technischen Universität München zu PISA 2025

Website der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) zu PISA 2025 (Deutschland)