Zahlreiche empirische Befunde zeigen, dass sozial-emotionale Merkmale mit schulischem Erfolg, kognitiven Kompetenzen und Wohlbefinden zusammenhängen[1]; daher nimmt auch PISA neben fachlichen Kompetenzen das Erleben von Schule und Lernen sowie die Selbstwahrnehmung der Schülerinnen und Schüler stärker in den Blick.
PISA 2025 fokussiert dabei insbesondere sozial-emotionale Merkmale und die naturwissenschaftliche Identität.
Die sozial-emotionalen Merkmale umfassen hierbei
- die allgemeine Lebenszufriedenheit,
- das schulische Zugehörigkeitsgefühl,
- das Hilfesuchverhalten bei schulischen Herausforderungen
- sowie Erfahrungen mit Mobbing.
Die naturwissenschaftliche Identität beschreibt,
- inwieweit Schülerinnen und Schüler sich mit Naturwissenschaften verbunden fühlen
- und sich in diesem Bereich als kompetent, interessiert und handlungsfähig wahrnehmen (vgl. OECD, 2021, 2026).
Damit verfolgt PISA 2025 ein erweitertes Verständnis naturwissenschaftlicher Bildung, das kognitive Kompetenz mit motivationalen, affektiven und selbstbezogenen Dimensionen verknüpft. Im Fokus steht insgesamt die Frage, wie diese Merkmale mit der naturwissenschaftlichen Kompetenz von Schülerinnen und Schülern zusammenhängen.
Sozial-emotionale Merkmale werden in PISA als kontextspezifische Selbsteinschätzungen der Schülerinnen und Schüler erfasst und über standardisierte Fragebögen erhoben. Im Mittelpunkt stehen dabei schulbezogene Wahrnehmungen und Erfahrungen, die das Lernen begleiten und beeinflussen, etwa das Erleben von Zugehörigkeit, der Umgang mit Lernschwierigkeiten oder Mobbingerfahrungen. Für Deutschland zeigt sich in PISA 2025 ein differenziertes Bild.
- Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit liegt mit 6,83 signifikant unter dem OECD-Durchschnitt (M= 7,22) und dem EU-Durchschnitt (M= 7,24).
- Demgegenüber ist das schulische Zugehörigkeitsgefühl mit einem Mittelwert von 0,24 signifikant höher als im OECD-Durchschnitt (M= 0,10) und im EU-Durchschnitt (M= 0,09). So geben 74 Prozent der Schülerinnen und Schüler beispielsweise an, das Gefühl zu haben, zu ihrer Schule zu gehören.
- Beim aktiven Hilfesuchen liegt Deutschland mit einem Mittelwert von −0,09 signifikant unter dem OECD-Durchschnitt (M= 0,00), unterscheidet sich jedoch nicht signifikant vom EU-Durchschnitt (M= −0,08). Rund 64 Prozent der 15-Jährigen stimmen beispielsweise zu, dass sie bei Lernschwierigkeiten um Hilfe bitten.
- Gleichzeitig berichten Schülerinnen und Schüler in Deutschland mit einem Mittelwert von 0,18 signifikant häufiger von Bullyingerfahrungen als im OECD- und EU-Durchschnitt (jeweils M= −0,07). Auch im Vergleich zu ausgewählten Vergleichsstaaten zeigt sich damit ein insgesamt hohes Niveau an Bullyingerfahrungen.
Weiterführende Analysen zeigen die Zusammenhänge zwischen sozial-emotionalen Merkmalen und naturwissenschaftlicher Kompetenz auf.
Ein leicht positiver und signifikanter Zusammenhang zeigt sich beispielsweise zwischen dem aktiven Hilfesuchen und der naturwissenschaftlichen Kompetenz, demnach erzielen Schülerinnen und Schüler mit höheren Werten beim Hilfesuchen tendenziell etwas höhere Kompetenzwerte. Die PISA-Ergebnisse weisen auf einen starken Zusammenhang zwischen Mobbingerfahrung und den Kompetenzen in Naturwissenschaften hin. Schülerinnen und Schüler, die häufiger von Bullying betroffen sind, erreichen im Durchschnitt niedrigere Kompetenzstufen.
Die Entwicklung der sozial-emotionalen Merkmale zeigt für Deutschland unterschiedliche Verläufe. Die Lebenszufriedenheit der Schülerinnen und Schüler ist seit 2015 insgesamt deutlich zurückgegangen. Nach einem Mittelwert von 7,35 im Jahr 2015 sank sie 2018 auf 7,02 und erreichte 2022 mit einem Mittelwert von 6,51 während der COVID-19-Pandemie ihren niedrigsten Stand. Bis 2025 stieg die Lebenszufriedenheit wieder leicht auf einen Mittelwert von 6,83 an, erreicht jedoch nicht das Vor-Corona-Niveau. Ein vergleichbarer Verlauf zeigt sich auch im OECD- und EU-Durchschnitt sowie in den ausgewählten Vergleichsstaaten.
Demgegenüber weist das schulische Zugehörigkeitsgefühl in Deutschland über den betrachteten Zeitraum ein vergleichsweise hohes Niveau auf. Sowohl 2015 als auch 2025 lag es signifikant über dem OECD-Durchschnitt, wobei sich der Abstand des Mittelwertes von 0,29 im Jahr 2015 auf 0,14 im Jahr 2025 verringerte. Während die Lebenszufriedenheit nach 2015 einen Abwärtstrend aufzeigte, war das schulische Zugehörigkeitsgefühl in Deutschland über den gesamten Zeitraum überdurchschnittlich hoch.
PISA 2025 erfasst drei zentrale naturwissenschaftsbezogene Merkmale:
- Selbstwirksamkeitserwartungen,
- Freude und Interesse an Naturwissenschaften
- sowie epistemische Überzeugungen.
Die naturwissenschaftlichen Selbstwirksamkeitserwartungen sind insgesamt eher positiv ausgeprägt. Beispielsweise trauen sich 73 Prozent der Schülerinnen und Schüler zu, die bessere von zwei Erklärungen zu den Ursachen des Klimawandels „einfach“ oder „mit ein bisschen Mühe“ zu erkennen. Mit einem Mittelwert von −0,05 liegt Deutschland jedoch signifikant unter dem OECD-Durchschnitt (M= 0,00), unterscheidet sich aber nicht signifikant vom EU-Durchschnitt (M= −0,01).
Auch Freude und Interesse an Naturwissenschaften sind positiv ausgeprägt, da rund 60 Prozent der Befragten angeben, sich gerne mit naturwissenschaftlichen Themen zu beschäftigen und 61 Prozent sich dafür interessieren, Neues zu lernen. Deutschland erreicht mit einem Mittelwert von 0,00 den OECD-Durchschnitt und liegt signifikant über dem EU-Durchschnitt (M= −0,06).
Die epistemischen Überzeugungen, also Vorstellungen darüber, wie wissenschaftliches Wissen entsteht und begründet wird, sind ebenfalls überwiegend positiv. So stimmen 83 Prozent der Bedeutung von Experimenten für die Gewinnung naturwissenschaftlichen Wissens zu. Mit einem Mittelwert von 0,04 liegt Deutschland nahe am OECD-Durchschnitt (M= 0,00) und über dem EU-Durchschnitt (M= −0,04).
Insgesamt zeigen die Ergebnisse eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber Naturwissenschaften. Während die Selbstwirksamkeitserwartungen leicht unter dem OECD-Niveau liegen, entsprechen Freude und Interesse sowie epistemische Überzeugungen weitgehend dem internationalen Durchschnitt. Weiterführende Analysen zeigen, dass alle drei Merkmale positiv mit der naturwissenschaftlichen Kompetenz zusammenhängen. Sowohl bei den naturwissenschaftsbezogenen Selbstwirksamkeitserwartungen als auch bei Freude und Interesse an Naturwissenschaften geht eine höhere Ausprägung jeweils mit durchschnittlich 7 Punkten mehr in der naturwissenschaftlichen Kompetenz einher. Der stärkste Zusammenhang zeigt sich bei den epistemischen Überzeugungen (s. Abb. 1).

Die naturwissenschaftlichen Selbstwirksamkeitserwartungen wurden 2015 und 2025 unterschiedlich erfasst und skaliert, sodass die Werte der beiden Erhebungsjahre nicht direkt miteinander verglichen werden können. Deutschland lag in beiden Jahren leicht unter dem jeweiligen OECD-Durchschnitt; zugleich hat sich der Abstand zum OECD-Durchschnitt im Zeitverlauf verringert, demnach deutet sich für Deutschland ein leicht positiver Trend an.
Quelle
Greiff, S., Diedrich, J., Kastorff, T., Goldhammer, F. & Köller, O. (Hrsg.) (2026). PISA 2025. Bildung im Spannungsfeld von Innovation und Transformation. Münster: Waxmann, S. 148-174
[1] U.a. Durlak et al. (2011); Quílez-Robres et al. (2021); OECD (2017, 2026)
