Berufsorientierung

Ausgangslage

Immer mehr Jugendliche haben Schwierigkeiten, ihren Berufseinstieg zu bewältigen. Bei vielen zeigt sich eine große Orientierungs- und Hilflosigkeit, wenn es darum geht, den Berufseinstieg konkret anzugehen. Kommen z. T. persönliche Schwierigkeiten oder erste Misserfolge bei der Ausbildungsplatzsuche hinzu, finden viele junge Menschen keine konkreten Ansatzpunkte für ihr weiteres Vorgehen und beginnen frühzeitig zu resignieren.

Potenzielle Ausbildungsbetriebe beklagen in diesem Zusammenhang das Fehlen von so genannten Schlüsselqualifikationen wie Ausdauer, Engagement und Selbstständigkeit unter den Jugendlichen als Voraussetzung dafür, eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

Die Erziehungsberechtigten sind aufgrund der sich immer rasanter entwickelnden Anforderungen in der Arbeitswelt und der zunehmenden Komplexität des Themas oftmals überfordert. Erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass ein hoher Anteil der Jugendlichen aus schwierigen Familienverhältnissen stammt.

Besonders junge Spätaussiedler und Ausländer haben zu geringe Kenntnisse im Bezug auf das Berufswahlspektrum und die Anforderungen der Berufsbilder sowie des Ausbildungsmarktes. Erschwerend kommt oftmals auch noch eine unrealistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten hinzu.

Für eine selbst bestimmte und bewusste Berufswahl ist aber neben der Kenntnis der aktuellen Berufsbilder auch das Kennen lernen und Wahrnehmen der eigenen Wünsche, Stärken und Möglichkeiten ungemein wichtig.

Damit die Jugendlichen den Weg zur richtigen Berufsentscheidung einschlagen können, wird ihnen durch Maßnahmen zur Berufsorientierung ein möglichst früher Kontakt mit der Arbeitswelt und ihren Anforderungen angeboten. 

Rechtliche Grundlagen der Berufsorientierung und des Unterrichtsfaches Wirtschaft

Die Grundlage der Berufsorientierung an der Oberschule Lastrup bildet zum einen das Kerncurriculum für das Fach Wirtschaft an Oberschulen, in dem es heißt: „Das Fach Wirtschaft in der Oberschule leistet in besonderer Weise einen Beitrag zur beruflichen Orientierung der Schülerinnen und Schüler, indem hier der konkrete Einblick in die Berufswelt ermöglicht und ein direkter Bezug zur Ausbildungssituation in der Region hergestellt wird.“ (S.6, Bildungsbeitrag des Faches)

Die verschiedenen Kompetenzbereiche sind zudem „… für die persönliche Bildung und für die weitere schulische und berufliche Ausbildung von Bedeutung und ermöglichen anschlussfähiges Lernen.“ (S.7, Kompetenzorientierter Unterricht)

Zum anderen bezieht sich die Schule auf den Erlass der Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen vom 01.12.2011, in dem es heißt: “ Allgemein bildende Schulen haben die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler zur Aufnahme einer Berufstätigkeit zu befähigen und sie auf eine gegründete Berufswahlentscheidung vorzubereiten. (…) „Die einzelnen Schulformen führen berufsorientierende und berufsbildende Maßnahmen auf der Grundlage der schulformspezifischen Zielsetzungen durch und berücksichtigen regionale Gegebenheiten. Sie arbeiten dabei entsprechend den schulformbezogenen Erfordernissen mit Betrieben, berufsbildenden Schulen, der Berufsberatung der Arbeitsagenturen, Kammern, Wirtschaftsverbänden und anderen geeigneten Einrichtungen zusammen.“ (S.1, 1. Allgemeines)

Bei der Zielsetzung der Oberschule heißt es im Erlass: „Die Oberschule bietet einen berufspraktischen Schwerpunkt mit Maßnahmen zur Berufsorientierung und Berufsbildung mit Kooperationspartnern wie berufsbildende Schulen, der Berufsberatung der Arbeitsagentur, den Kammern, insbesondere ausbildenden Betrieben und anderen Einrichtungen ….. .“ (S. 3,  2.3 Oberschule)

„Zur Unterstützung der Schülerinnen und Schüler für eine zielgerichtete individuelle Entwicklung und Berufsorientierung wird ein Kompetenzsfeststellungsverfahren durchgeführt. Es dient der Ermittlung der persönlichen Stärken und Entwicklungspotentiale von Jugendlichen … .“ (S. 5, Erlass zur Berufsorientierung, Abs. 4.1)

Ziele der Berufsorientierung an der OBS Lastrup

Die Schülerinnen und Schüler werden befähigt, mehr Eigeninitiative und Sicherheit im Umgang mit der Berufsplanung zu erlangen. Die intensive Berufsvorbereitung und -orientierung trägt zu einem erfolgreichen Ausbildungseinstieg und -verlauf bei und wirkt möglichen Ausbildungsabbrüchen präventiv entgegen.

Des Weiteren erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre individuellen Fähigkeiten, Vorlieben, Stärken aber auch Schwächen herauszufinden, um eine Verbesserung des Entscheidungsverhaltens hinsichtlich der Berufswahl zu erreichen. Die Ermittlung eines entsprechenden Teilnehmerprofils (Eignungsfeststellung) wird den konkreten Anforderungen passender Berufsbilder gegenübergestellt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein Aufzeigen und Einbeziehen von beruflichen Alternativen.

Ziel ist weiterhin, das häufig eingeschränkte Berufswahlspektrum der Jugendlichen (typisch „weibliche und männliche Berufe“) deutlich zu erweitern sowie berufs-/ betriebskundige Erfahrungen zu sammeln. Dazu werden auch die Möglichkeiten der weitergehenden Schulen und alternative Wege der beruflichen Lebensplanung aufgezeigt. Dieses auch unter Einbezug der Erziehungsberechtigten.

Ein Weiterer Aspekt der Berufsorientierungsmaßnahmen ist, den Jugendlichen Möglichkeiten zu geben, ortsansässige Betriebe kennen zu lernen. Hierbei  sammeln die Jugendlichen mittels Interessenerkundungen, aber auch durch gezielte Internetrecherche, Informationen über die Anforderungen sowie über die Rahmenbedingungen von Ausbildungsberufen und Berufsfeldern und werten diese aus. Zudem wird bestehenden Vorurteilen gegenüber bestimmten Berufsbildern entgegengewirkt.

Gleichfalls wird den Schülern die Bedeutung von „Mobilität“ dargestellt.

Umsetzung der berufsorientieren Maßnahmen

„Berufsorientierende Maßnahmen werden als Praxistage zur beruflichen Orientierung und beruflichen Bildung durchgeführt. Sie tragen zu einer Verzahnung des Fachunterrichts mit dem praktischen Lernen bei.“ (S. 5, Erlass zur Berufsorientierung , Abs. 4)

Betriebspraktika

Alle Schülerinnen und Schüler absolvieren mehrere Praktika, die mit der Fachlehrkraft „Wirtschaft“ vor- und nachbereitet werden. Außerdem werden die Schülerinnen und Schüler während eines Praktikums mehrmals von der Fachlehrkraft besucht. Währenddessen macht sie sich zum einen ein Bild über den Praktikanten im Betrieb und zum anderen fungiert sie als Ansprechpartnerin für den Praktikanten, aber auch für den Betrieb.

Die Schülerinnen und Schüler absolvieren die Praktika wie folgt:

Jahrgang 8 14 Tage vor den Herbstferien
Jahrgang 9 14 Tage vor den Osterferien
Jahrgang 10 7-14 Tage vor den Herbstferien (je nach Länge des Schuljahres)


Zukunftstag für Mädchen und Jungen

Im Rahmen des bundesweiten Aktionsprogramms wir jährlich der Zukunftstag für die Jahrgänge 5 und 6 durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler können Angebote von Betrieben und Institutionen wahrnehmen oder Mitglieder ihrer Familie oder ihres Bekanntenkreises an deren Arbeitsplatz begleiten. Sie sollen Einblicke in verschiedene Berufe bekommen, „…die geeignet sind, das traditionelle, geschlechtsspezifisch geprägte Spektrum möglicher Berufe für Mädchen und Jungen zu erweitern.“

Für die Klassen 7 bis 10 werden gruppenweise Betriebserkundungen bei ortsansässigen Betrieben und in der näheren Umgebung durchgeführt. Bei der Einteilung wird verstärkt auf die Präsentation von geschlechtsunspezifischen Berufen geachtet. Der Zukunftstag wird im Unterricht vor- und nachbereitet. Dazu gehören sowohl organisatorische Maßnahmen, methodische Vorbereitung als auch die Ergebnissicherung. 

Berufswahlbörse der OBS Lastrup

Alle zwei Jahre findet an der Oberschule Lastrup eine Berufswahlbörse statt. Die Veranstaltung gibt den Schülerinnen und Schülern der Abschluss- und Vorabschlussklassen die Möglichkeit, mit Vertretern von Betrieben Fragen zur Ausbildung und Berufswahl zu besprechen und eventuell erste Kontakte für Praktikum und Ausbildung zu knüpfen.

Die Berufswahlbörse wird in Form einer Messe durchgeführt. Hierzu werden den Betrieben je nach Bedarf Standplätze sowohl in als auch außerhalb der Schule angeboten.

Es nehmen sowohl Vertreter des Handwerks, des sozialen Bereichs, der Landwirtschaft als auch der Verwaltung an der Veranstaltung teil. Ergänzt wird das Angebot durch die Agentur für Arbeit und durch das „Zentrum für Nachwuchsgewinnung“ der Bundeswehr.

Betriebserkundungen

  • Betriebserkundungen der regionalen Betriebe
  • Besuch der Marine in Wilhelmshaven

Kooperation mit berufsbildenden Schulen  

  • Praxistage des 9. Jahrgangs

Bewerbungstrainings

In den Abschlussklassen wird im November ein Bewerbungstraining eines externen Partners angeboten. Während eines vierstündigen Trainings werden Vorstellungsgespräche und Telefongespräche simuliert, die perfekte Bewerbung in Kleingruppen erarbeitet und eine Schulung in Benimmregeln durchgeführt.

Angebote der Berufsberatung der Arbeitsagentur

Berufsfindungsmessen

  • Besuch der regionalen Jobmessen
  • Besuch der Pflegemesse im Krankenhaus Quakenbrück
  • Ideenexpo Hannover

Ausbildungsplatzbörsen

  • Berufswahlbörse der Oberschule Lastrup

Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft

  • Werkstatttage

Kompetenzfeststellungsverfahren

Im Jahrgang 8 führt die Kreishandwerkerschaft Cloppenburg mit den Schülerinnen und Schüler eine Potentialanalyse über drei Tage durch. Nach dieser Potentialanalyse nehmen alle Schülerinnen und Schüler an den sogenannten Werkstatttagen der Kreishandwerkerschaft über 10 Tage teil.

Berufswahlpass

Mit dem Berufswahlpass werden Materialien und Informationen sinnvoll geordnet, dokumentiert und in eine Struktur gebracht. Die Schülerinnen und Schüler beginnen im siebten Schuljahr damit, indem sie zunächst Unterlagen sammeln, die dann in den folgenden Jahren gegliedert und thematisch zugeordnet werden. Wenn die Schülerinnen und Schüler frühzeitig lernen, mit diesem Instrument zu arbeiten, werden sie die Berufswahl als Prozess verstehen, der sich über mehrere Jahre hinzieht. Außerdem leitet er die Schülerinnen und Schüler zum selbständigen Arbeiten an.

Möglichkeit zum Erwerb von beruflichen Kompetenzen

Schuleigener Kiosk 

Seit 1999 existiert an der Oberschule Lastrup ein Schulkiosk. Dieser bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, einen Betriebsablauf kennen zu lernen. Hierbei werden Aufgaben wie die Warenbeschaffung bis hin zum Verkauf von Produkten von den Schülerinnen und Schülern übernommen. Unterstützt werden sie dabei von Lehrkräften. Von dem erwirtschafteten Gewinn werden Anschaffungen zum Wohle der Schülerschaft getätigt, welches eine Identifikation mit der eigenen Leistung schafft.

Mofa AG

Im Rahmen der Ganztagsschule wird die Mofa-AG angeboten. Ein Ziel ist die Erhöhung der Mobilität der Schülerinnen und Schüler. Lastrup ist ländlich gelegen und Betriebe sind nicht in der unmittelbaren Umgebung. Die Erhöhung der Mobilität dient der Erweiterung der Ausbildungsmöglichkeiten.

PC Kurse – Prepaired4Future

Der Umgang mit dem PC, insbesondere der sichere Umgang mit den Office-Programmen, ist für Unternehmen ein wichtiger Faktor bei der Auswahl ihrer Auszubildenden. Die Oberschule Lastrup gibt den Schülerinnen und Schülern mit dem Kurs Prepaired4Future die Möglichkeit, den Europäischen Computerführerschein, der die PC-Kompetenzen attestiert, zu erwerben. Die Module sind im Ganztagsbereich angesiedelt und können ab der 9. Klasse besucht werden.

Theater AG

Im Rahmen der Ganztagsschule wird eine Theater AG angeboten. Als übergeordnetes Ziel dient diese Schülerinnen und Schülern dazu, sich selbst darzustellen, was der Eigenpräsentation bei einem Vorstellungsgespräch von großem Nutzen ist.

Externe Partner zur Umsetzung der Berufsorientierung

Neben Betrieben, Eltern, Berufsbildenden Schulen und Kreishandwerkerschaft, die in den o. g. Projekten genannt wurden, gibt es übergeordnete Partner für die Umsetzung des Berufsorientierungskonzeptes an der Oberschule Lastrup

 

Berufsberatung der Agentur für Arbeit

Die Kooperation der Schule mit der Berufsberatung der Arbeitsagentur hat das Ziel, allen Schülerinnen und Schülern einen erfolgreichen Übergang in Ausbildung oder weiterführende Bildungsgänge zu ermöglichen. Unsere Schule kooperiert mit dem für uns zuständigen Berufsberater der Arbeitsagentur. Er stellt sich zu Beginn eines jeden Schuljahres den Klassen  9 und 10 vor. Die Schülerinnen und Schüler vereinbaren nach Bedarf Termine mit dem Berufsberater, der dann in die Schule kommt, um mit den Schülerinnen und Schülern und deren Erziehungsberechtigen Beratungsgespräche zu führen.

Zudem führt die Schule in die Informationssysteme der Berufsberatung ein und ermöglicht den Besuch des Berufsinformationszentrums (BIZ).