Daniel Giese (46) ist Koch in unserer Schulmensa. Foto: Florian S.
Daniel Giese (46) ist unser Schulkoch und bereits seit 8 Jahren jeden Tag für uns da. Im Interview erzählt er uns, warum er seine Arbeit als Koch so mag und wie er immer wieder für Abwechslung im Speiseplan der Mensa sorgt.
Ein Gastbeitrag von Florian S. aus dem WPK Journalismus, 8. Jahrgang
Was ist für Sie das Wichtigste an Ihrem Job?
Das Wichtigste an meinem Job ist natürlich, dass alle Kinder zufrieden sind, das ist wirklich das Hauptkriterium. Also, dass ich allen gerecht werde und dass alle hier satt werden. Man kann natürlich nicht immer jedem Geschmack gerecht werden. Es soll auch Berichte davon geben, dass Schüler etwas gar nicht mögen. Aber dann können sich die Schüler immer noch am großen Salat-Buffet austoben. Wenn die Kinder zufrieden sind, geht es mir gut.
Welches Gericht kommt denn am besten an?
Als ich angefangen habe, waren es tatsächlich die Schinkennudeln mit Tomatensoße. Ich muss sagen, wir hatten sonst nur ein bis zwei Supergerichte, die die Kinder mochten. Mittlerweile sind es drei bis fünf Gerichte, die besonders gut ankommen, darunter Pommes mit Currywurst, Hamburger und Hotdogs. Auch die Schinkennudeln sind immer noch sehr beliebt.
Wir möchten gerne wissen, wie Sie den Speiseplan erstellen?
Die Gerichte in unserer Schulmensa dürfen sich maximal alle sechs Wochen wiederholen, das heißt, es muss in diesen sechs Wochen wirklich unterschiedliches Essen geben. Ich muss ehrlich sein, ich habe da auch kein System. Ich mache das einfach so „frei Schnauze“. Ich berücksichtige allerdings immer, wie die Schüler so drauf sind, damit ich auch immer genau den Punkt treffe. Dann setze ich mich mit meiner Kollegin und meiner Stellvertretung zusammen und dann schreiben wir den Speiseplan, sodass sich nichts wiederholt.
Unter uns: Was ist das Schlimmste, was zu Ihrer Zeit in der Mensa passiert ist?
Ich muss sagen, dass Schlimmste, was in der Mensa je passiert ist, war Corona, kein Essen. Das war für uns das Schlimmste, aber sonst ist hier eigentlich noch nie etwas Schlimmes passiert und ich hoffe, dass das auch weiter so bleibt und alle gut gelaunt sind. Ich finde, die Mensa sollte immer ein Ort für gemeinsames Essen und Gemeinschaft sein. Das wird heute viel zu wenig geschätzt.
Was sind denn Ihre Hobbys abseits der Küche?
Meine Hobbys sind meine Kinder. Ich verbringe viel Zeit mit der Familie. Ich habe außerdem einen belgischen Schäferhund und ich boxe zwei Mal in der Woche.
Uns interessiert abschließend, welches Gericht Sie am liebsten privat kochen?
Die Gerichte, die ich am allerliebsten koche, essen die Kinder natürlich nicht so gerne. Ich komme ja aus der ehemaligen DDR, also koche ich gerne die „Ost-„Gerichte wie Königsberger Klopse und Senfeier. Das sind natürlich Gerichte, die die Kinder überhaupt nicht mögen. Aber ich koche sie eben gerne und esse sie auch selber gerne. Aber ich koche eigentlich alles mit Liebe, weil ich alles gerne esse. Hühnerfrikassee, Senfeier und Königsberger Klopse sind aber meine Lieblingsgerichte!
Vielen Dank für das angenehme Interview. Wir wünsche Ihnen alles Gute.
Marlo Flegel ist bereits mit 14 Jahren der Einstieg in die Schiedsrichter-Karriere gelungen. (Bild: Helena)
Marlo Flegel ist 14 Jahre alt und als Schiedsrichter in der Bezirksliga für Jugendliche und als Assistent in der Regionalliga tätig. Er geht auf unsere Schule und hat hier viele Fans. Das liegt auch an den regelmäßig erscheinenden Videos auf seinem TikTok-Kanal (https://www.tiktok.com/@sr_marlo) mit fast 700 Followern. In den Videos spricht er über seine Fußballerfahrungen und sein Hobby als Schiedsrichter.
Ein Gastbeitrag von Helena und Janina, 8. Jahrgang
Wie hast du es geschafft so viele Fans auf der KGS zu haben?
Ich habe mit TikTok angefangen, um Leute für mein Hobby als Schiedsrichter zu begeistern und da mich schon viele von der KGS kannten, haben sie mich auch auf Tik Tok schnell erkannt. Mein TikTok-Kanal hat sich dann unter Freunden auch relativ zügig herumgesprochen, deswegen kannte nach kurzer Zeit fast die ganze Schule meinen Account.
Wie bist du auf die Idee gekommen Schiedsrichter zu werden?
Mich hat das Schiedsrichter sein schon seit längerer Zeit als Fußballspieler begeistert. Ich habe nach den Spielen schon immer mit den Schiedsrichtern gesprochen, dadurch hat sich mehr und mehr das Interesse dafür entwickelt. Am Anfang erlitt ich allerdings einen Rückschlag, weil mein früherer Trainer gesagt hat, dass das Schiedsrichtern nichts für mich sei und das ich dafür einfach nicht gemacht sei. Das war überhaupt nicht schön, aber jetzt bin ich froh, dass ich trotzdem Schiedsrichter geworden bin.
Marlo Flegel in der Freilufthalle der KGS. (Bild: Helena)
Unter uns: Wer sind deine Fußballvorbilder?
Mein Vorbild ist der Fußballer Pablo Martín Páez Gavira, bekannt als „Gavi“ (FC Barcelona ), da ich ihn sehr interessant finde. Mein Schiedsrichteridol ist QualleXD, weil ich seine TikTok-Videos sehr mag und sie mich inspirieren.
Welchen Content willst du als nächstes veröffentlichen bzw. arbeitest du an neuen Projekten?
Ich habe schon auf TikTok angekündigt, dass ich meinen Content umstellen möchte, weil ich nicht mehr Fragen beantworten möchte, da das eher weniger Leute interressiert. Stattdessen würde ich gerne Vlogs, die auf meinen Schiedsrichteralltag eingehen, oder auch Fußballchallenges posten. Außerdem plane ich schon seit längerer Zeit mit dem TikToker QualleXD ein Projekt, bei dem er mich bei einem meiner Spiele als Schiedsrichter begleiten wird.
Hast du Ziele, die du erreichen möchtest?
Ich möchte gerne Schiedsrichter in der Stadtmeisterschaft von Neustadt sein. Ein größeres Ziel von mir ist es in der Herren-Regionalliga zu pfeifen und in der 1. Bundesliga Assistent des Schiedsrichters zu werden, das ist aber eher unwahrscheinlich.
Manfred Tietz ist 81 Jahre alt und wohnt in Diepholz. Er ist während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) mit nur vier Jahren aus Ostpreußen geflüchtet. Im Interview erzählt er uns von seiner schwierigen Flucht.
Herr Tietz, wieso sind Sie damals geflüchtet?
Ostpreußen war die ehemalige Heimat von Manfred Tietz. Heute gehört dieser Teil zu Litauen und Polen.
Die Russen hatten bereits den Landkreis Tilsit in Ostpreußen bombardiert und zerstört. Meine Oma hat dadurch ihr ganzes Hab und Gut verloren und ist mit dem Handgepäck, das sie mit in den Schutzbunker nehmen durfte, zu uns, also ihrer Tochter, meiner Schwester und mir, geflüchtet. Ich kann mich erinnern, dass die Straßenfront in der Kreisstadt Tilsit nur noch Schutt und Asche war. Währenddessen wurde bereits Königsberg bombardiert. Die Bomber der Roten Armee kamen über die Ostsee direkt über unseren Ort geflogen und bombardierten Königsberg Tag und Nacht. Daraufhin sind wir geflüchtet.
Mit wem genau sind Sie damals geflüchtet?
Ich bin mit meiner Oma, meiner Mutter und meiner Schwester Rosmarie geflüchtet.
Wann sind Sie damals geflüchtet?
Am 23.01.1945 sind wir aufgebrochen. Es war Winter und überall lag Schnee. Wir hatten einen Schlitten mit dem ganzen Gepäck gepackt. Auf diesen wurde ich oben drauf gesetzt und durch den tiefen Schnee gezogen. Für mich als kleinen Jungen waren es riesengroße Schneehügel.
Gibt es Bilder von Ihrer Flucht?
Nein, uns wurde alles weggenommen.
Wie genau sind Sie geflüchtet? Wie sah Ihre Fluchtroute aus?
Das Flüchtlingsschiff Gotland.
Wir sind von Groß-Kuhren in Ostpreußen mit dem bepackten Schlitten zu Fuß durch den tiefen Schnee zum Bahnhof. Von dort sind wir mit der Bahn nach Pillau gefahren. Dort wurden wir auf die „Gotland“, das letzte Flüchtlingsschiff, gebracht. Die „Gustlow“, ein Marine-Ausbildungsschiff für Sanitäter, hatte auch Flüchtlinge an Bord. Dieses Begleitschiff wartete bereits auf offener See auf uns. In der darauffolgenden Nacht wurde die Gustlow von einem russischen U-Boot mit Torpedos beschossen und versenkt. Es gab kaum Überlebende. Wir kamen mit unserem Schiff in Warnemünde an. Mit dem Zug ging es weiter nach Malchin und dann Richtung Waren/Müritz. Dort ging es schließlich auf einen Gutshof mit Stallungen und Nebengebäude.
Was war das schlimmste Ereignis auf Ihrer Flucht?
Wir haben von der „Gotland“ mit ansehen können, wie das Schiff „Gustlow“, mit meinem Onkel und meiner Tante darauf, untergegangen ist. Auch als russische Soldaten unsere Schutz-Unterstände beschossen haben. Wir wurden zusammengetrieben und geplündert. Außerdem mussten wir alle mit ansehen, wie hauptsächlich junge Frauen gequält wurden.
Und was war das schlimmste, was Sie zurücklassen mussten?
Mein damaliges Zuhause, meinen Vater. Und meine Kuscheltiere.
Haben Sie jemals überlegt zurück nach Ostpreußen zu ziehen?
Nein! Wir waren im Jahr 1992 einmal zu Besuch dort. Doch als wir ankamen, war alles kaputt und es gab kein Haus, keinen Hof mehr. Alles war platt und voll mit Wildwuchs.
Wie war der Beginn in der neuen Heimat?
Wir waren nicht willkommen, aber wir wurden von vielen für Hilfstätigkeiten ausgenutzt.
Vielen Dank für das interessante Interview.
Interview von Ben T., 8. Jahrgang, WPK Journalismus
Rainer Schönberger ist ein Rentner aus Mandelsloh, der 1954 in Hessen geboren wurde und 25 Jahre bei der Jugendhilfe als Hausmeister gearbeitet hat.
Wo stammen Sie genau her?
Ich komme aus dem schönen Hessen und bin 1972/73 hier nach Hannover gekommen, wo ich dann meine erste Frau kennengelernt habe. Aus der Ehe sind zwei Kinder hervorgegangen und wir waren 27 Jahre verheiratet. Dann haben wir uns getrennt und anschließend habe ich meine jetzige Frau, Kerstin, kennengelernt. Wir haben wiederum zwei Kinder bekommen, einen Sohn, der heißt Lennart und eine Tochter, die heißt Lilly. Wir leben in Mandelsloh, uns geht es recht gut und wir haben ein Haus.
Sind Sie froh, Rentner zu sein?
Rentner zu sein bedeutet, dass man ein Stück weit soziale Kontakte verliert und hier in Deutschland, als Rentner, sehr schnell in die Armutsfalle reintappen kann. Mir ist es so ergangen, dass ich irgendwann aufgrund meiner Gesundheit nicht mehr arbeiten konnte. Dies wurde auch vom Amt bestätigt, sodass ich dann 100% erwerbsunfähig wurde. Dann kam für mich ein Schock, da ich aufgrund dessen nicht mehr arbeiten konnte, damals war ich knapp 60 Jahre alt. Mir wurde mitgeteilt, dass 11% meiner Rente abgezogen werden, weil ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann. Dazu kommt noch, dass die von mir eingezahlte Rente auch noch versteuert wird und das finde ich ist eigentlich ungerechtfertigt. Trotzdem bin ich irgendwie auch froh Rentner zu sein, weil sich die Arbeitswelt dermaßen verändert hat. Das Miteinander am Arbeitsplatz wird in den Hintergrund gerückt und die soziale Komponente verschwindet immer mehr. Viele arbeiten nur noch des Geldes wegen, Spaß bzw. Gefallen an der Arbeit ist kein richtiger Faktor mehr, dies haben mir auch Leute aus meinem Umfeld bestätigen können. Deshalb bin ich auch froh, Rentner zu sein.
Wo haben Sie denn gearbeitet?
Ich habe zunächst eine Ausbildung zum Tischler gemacht, aber angefangen habe ich eigentlich im Verkauf. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit Menschen Kontakt zu haben. Ich war dort freiberuflicher Mitarbeiter, bin dann aber in den Baumarktbereich als Fachberater für Holz und Bauelemente übergegangen, woran ich sehr viel Spaß hatte. Nachdem die Firma die Pforten geschlossen hat, bin ich in den sozialen Bereich gewechselt. Ich bin dann in einem Jugendheim gelandet, als Hausmeister bzw. Facility Manager, wie man das heutzutage nennt. Dort bin ich 25 Jahre tätig gewesen und das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht mit den Jugendlichen zu arbeiten und auch mit den Menschen, die für die Bewohner da waren. Das alles war ein ganz tolles Miteinander, mit den ganzen Wohngruppen, wenn man dort hingekommen ist, das war jedes Mal ein Erlebnis. Manchmal negativ, aber überwiegend positiv. Das war oft wie eine zweite Familie für mich.
Und was haben Sie alles bei der Jugendhilfe gemacht?
Also ich war eigentlich als Hausmeister eingestellt, das war der Ursprung. Das war für ein einziges Kinderheim, was sich aber im Nachhinein ausgeweitet hat. Auch mit Zivildienstleistenden habe ich hausmeisterliche Tätigkeiten, wie Reparaturen an Gebäuden, den Garten und eben alles, was zum Facility Management dazugehört, durchgeführt. Des Weiteren habe ich auch noch vier Außenwohngruppen betreut und die jeweiligen Büros kamen auch noch dazu, ebenso etwa 25 Wohnungen für Jugendliche, die dort in Betreuung waren. Diese Wohnungen und die Autos der Wohngruppen hatte ich auch noch zu betreuen. Falls es mal eng geworden ist mit dem Personal, durch Urlaub oder Krankheit, bin ich auch mal als Erzieher eingesprungen. Das hat sich alles so weiter entwickelt, dass ich mit den Jugendlichen auch noch Projekte gemacht habe, um ihnen zu zeigen, dass sie wertvoll sind, das sie auch etwas können und das man ihnen nicht alles abspricht, sondern das man ihnen sagt: „Guck mal, das habt ihr gemacht und das ist echt toll geworden.“ Das gibt ihnen Selbstvertrauen und ein Selbstwertgefühl.
Viele ältere Menschen sagen, „damals war alles besser“. Sehen Sie das auch so?
Besser? Nein. Besser würde ich so nicht stehen lassen, es war nicht besser, es war anders. Es war der Zeit entsprechend. Ein einfaches Beispiel wären Autos. Wenn man sich damals ein Auto gekauft hätte, das 1960 auf den Markt gekommen ist und man sich heute ein Auto anschaut, was Sicherheit und Komfort anbelangt, dann sind die Autos auch nicht teurer, sondern besser und sicherer, insofern war es früher nicht schlechter, es war anders und heute ist es eben auch anders als früher, weil es die Zeit mit sich bringt, dass man auch Veränderungen annehmen und sich mit diesen arrangieren muss. Also besser oder schlechter möchte ich so gar nicht formulieren, es war anders. Es war alles eben der Zeit angepasst.
Zum Abschluss: Haben Sie noch irgendwelche „Weisheiten“ für die heutige Jugend?
Ich würde der Jugend mit auf den Weg geben, einen Weg zu gehen, der ihnen gefällt und sich nichts aufzwingen zulassen, aber auf jeden Fall sollten sie erst eine ordentliche Ausbildung machen und dann können sie so lange studieren wie sie möchten, weil es ist nicht so unwahrscheinlich, dass man das Studium abbricht und dann mit leeren Händen da steht, deshalb sollte man erst eine Ausbildung machen. Ganz wichtig ist auch noch, dass man seinen Körper nicht für die Arbeit kaputt macht. Man hat nur einen Körper und den sollte man nicht für die Arbeit aufopfern. Meine Erfahrung, die ich für mich selber gemacht habe, ist, dass ich „Raubbau“ mit meinem Körper betrieben habe und das würde ich niemandem empfehlen.
Vielen Dank für das angenehme Gespräch und den Einblick, den Sie uns in Ihr Leben gegeben haben. Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.
Interview von Lennart S., 8. Jahrgang, WPK Journalismus
Rebecca Schamber ist Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD), sie ist 46 Jahre alt und wohnt in Borstel. Im Interview erzählt Sie aus ihrem Leben als Berufspolitikerin.
Was sind Ihre Aufgaben als Berufspolitikerin?
Meine Aufgaben in meinem Beruf sind natürlich in erste Linie mit den Menschen zu sprechen, was sie bewegt in meinem Wahlkreis und was gesellschaftspolitisch gerade aktuell ist. Und dann müssen wir Mittel und Wege finden, wie wir unsere Gesellschaft gut gestalten, wie wir unsere Umwelt gut gestalten und entsprechend dann auch die Gesetze auf den Weg bringen.
Würden Sie behaupten, dass es Ihr Traumberuf ist? Könnten Sie sich auch etwas anderes vorstellen?
Ja, ich würde schon sagen, dass das mein Traumberuf ist, also, ich bin ja jetzt aktuell Berufspolitikerin, das ist ja auch kein Beruf, den man erlernen kann, man kann zwar Politikwissenschaft studieren, dann macht man nicht zwingend das, was ich tue, also Mitglied des Deutschen Bundestages zu sein. Man kann aber ganz unterschiedliche Berufe erlernt haben. Ich bin eigentlich Juristin, also ich habe Jura studiert, ich habe aber auch viel in der Gastronomie gearbeitet, wir hatten einen Gastronomiebetrieb. Da habe ich viel gearbeitet und teilweise habe ich den auch geleitet. Und früher habe ich auch ganz viel ehrenamtlich Politik gemacht, praktisch so wie andere Volleyball spielen war das eben mein Hobby. Politik hat mich einfach schon immer interessiert.
Ist der Weg zur Politikerin mit vielen Hürden verbunden?
Also einfach ist es sicherlich nicht, man spricht auch in der Politik von der sogenannten Ochsentour, die man durchmachen muss. Ich bin seit über 10 Jahren politisch aktiv, ehrenamtlich. Meine Familie kennt das ja auch und weiß daher auch genau, dass ich oft nicht da bin. Ich habe vorher in der Wedemark gewohnt, da war ich auch stellvertretende Gemeindebürgermeisterin. Das heißt, ich war in der Woche bestimmt drei Abende unterwegs, und natürlich auch oft am Wochenende. Also, es ist schon viel und wenn man Berufspolitikerin werden will, muss man das erst innerhalb der eigenen Partei machen und man muss sich natürlich durchsetzen gegen die anderen Parteien. Um den Prozess zur Berufspolitikerin zu gewinnen, müssen die anderen dich erst einmal wählen und das war für mich nicht ganz einfach, die anderen von mir zu überzeugen.
Frau Schamber, würden Sie sagen, dass der Job für jeden etwas ist?
Theoretisch ja, ich habe ja schon gesagt, man muss keine bestimmte Berufsausbildung dafür haben. Also ich bin Juristin und das ist schon ein einigermaßen klassischer Beruf. Wir haben sehr viele Juristen im Deutschen Bundestag sitzen, das schadet auch nicht wegen der Gesetzgebungsprozesse, die dort ablaufen. Jurist zu sein ist aber auch nicht zwingend erforderlich. Einer meiner liebsten Kolleginnen kommt auch aus Niedersachsen, die ist Kindertagespflegerin und vorher Taxi gefahren und hat bei Aldi an der Kasse gearbeitet. Sie hat also auch Brüche in ihrer Biografie. Sie ist jetzt aber in der Politik absolut richtig und macht das auch gerne. Was eben wichtig ist, ist eine tolle Empathie für die Menschen. Und das man bereit ist, darum zu kämpfen, was man umsetzen möchte. Was man auch tun sollte, ist natürlich mitzudenken, Menschen zu sprechen und vor den Menschen zu sprechen, und dann auch Kompromisse eingehen zu können. Man bekommt nicht immer hunderprozentig das, was man möchte. Aber: Das sind alles Dinge, die man erlernen kann. Von daher möchte ich gerne jeden ermutigen in die Politik zu gehen.
Unter uns: Ist es nicht manchmal schwierig so oft unterwegs zu sein?
Ja, es gibt ein schönes Buch, das heißt „Einsamer kann man gar nicht sein“. Dieser Job, gerade als Bundestagsabgeordnete, beinhaltet sehr viel. Hier im Wahlkreis bin ich zumindest abends bei meiner Familie. Tagsüber und am Wochenende bin ich meist unterwegs und arbeite viel mit den Menschen aus meinem Wahlkreis zusammen. Und in Berlin ist es wirklich so, dass es von morgens bis abends geht, manchmal gehen die Termine schon um 7.30 Uhr los und vor 22.00 Uhr bin ich nicht zu Hause. In Berlin habe ich auch meine Zweitwohnung. Aber die Familie ist nicht da, das ist schon manchmal schwierig. Und für die Familie ist es auch eine Umstellung, ich habe das Glück, dass meine Kinder damit groß geworden sind, die kennen das, die wissen, dass Politik sehr wichtig ist. Aber die ersten Wochen in Berlin war es schon schwierig, weil es eine Umstellung war in der Woche nicht da zu sein. Aber ich denke, wir haben das jetzt ganz gut gelöst. Wir unternehmen dann auch viel und genießen intensiv die Zeit und reden dann auch über sämtliche Dinge.
Vielen Dank für das angenehme Gespräch. Wir wünschen Ihnen alls Gute für die Zukunft.
Interview von Mira S., 8. Jahrgang, WPK Journalismus
Nicole Schaper ist als Realschulzweigleiterin an der KGS Neustadt a. Rbge. tätig. Sie ist 1973 geboren und wohnt in Neustadt a. Rbge. Im Interview gibt Sie einen Einblick in diese vielseitige und spannende Tätigkeit.
Wie sind Sie denn überhaupt nach Neustadt gekommen?
Ich bin nach Neustadt aufgrund meiner Stelle bei der KGS Neustadt gekommen. Ich habe erst in Hildesheim gewohnt und nach Abschluss des Studiums und des Referendariates dann eine Stelle gesucht. Im Prinzip war Neustadt die am ehesten passendste. Ich kannte Neustadt vorher nicht und bin dann hergefahren, habe mir die Schule angeschaut und habe die Stelle dann bekommen. Ich bin das erste halbe Jahr von Hildesheim gefahren, das war aber ein bisschen weit und zu anstrengend. Deshalb bin ich mit meinem damaligen Lebensgefährten hierher gezogen.
Wo haben Sie denn studiert?
In Osnabrück. Ich bin aber nach dem Studium für das Referendariat nach Hildesheim gegangen.
Was haben Sie denn studiert?
Realschullehramt hieß das damals, für die Fächer Biologie und Französisch sowie Physik.
Das heißt, dies sind auch die Fächer, die Sie unterrichten oder unterrichten Sie auch weitere Fächer?
Das sind die Fächer, die ich unterrichte. Im Laufe der Jahre ist noch Gesundheit und Soziales dazugekommen. Dazu gibt es keinen Studiengang. Ich habe eine zusätzliche mehrtägige Fortbildung gemacht. Außerdem unterrichte ich Hauswirtschaft und habe früher Chemie und Deutsch unterrichtet.
Sie sind aber auch als Realschulzweigleitung tätig. Was sind denn hier Ihre Aufgaben?
Ja, seit einigen Jahren bin ich in der Schulleitung als Realschulzweigleiterin tätig. Da geht es natürlich auch darum, den Realschulzweig zu organisieren, das heißt, die neuen Fünftklässler zu informieren, einzuteilen, in Empfang zu nehmen und auch die Abschlussprüfung im 10. Jahrgang zu organisieren. Außerdem geht es darum, dass es passende Klassenlehrkräfte und andere Lehrkräfte in den Klassen gibt. Auch wenn es Probleme mit der Einhaltung der Schulregeln gibt, werde ich häufig aktiv. Ebenfalls bin ich für die Klassenfahrten bei uns an der KGS zuständig. Das heißt, wenn Kollegen und Kolleginnen überlegen auf Klassenfahrt zu fahren, sprechen sie das mit mir ab oder besprechen die Formalitäten. Für Schüleraustauschprogramme bin ich ebenfalls zuständig. Als Französischlehrerin versuche ich natürlich die Realschüler von dieser zweiten Fremdsprache zu begeistern und unterrichte auch fleißig. Ich betreue außerdem die außerschulischen Sprachprüfungen, Delf genannt, die jetzt auch demnächst anstehen. In der Realschule gibt es auch noch die Profile. Auch auf diese habe ich natürlich einen Blick, wobei da auch ein anderer Kollege tatkräftig organisiert.
Sie betonten bereits, Sie seien für Klassenfahrten zuständig. Es heißt, es gab durch Corona durchaus viel Stress und Probleme. Haben Sie das auch mitbekommen?
Ja, also gerade Klassenfahrten sind insofern stressbelastet gewesen, da wir ja vor Corona bereits Fahrten gebucht hatten. Die Klassenlehrkräfte und die Klassen haben sich auf Klassenfahrten gefreut, die dann natürlich Lockdown bedingt abgesagt werden mussten. Wir haben versucht die Fahrten zu verschieben und dann gab es auch von der Schulbehörde die Ansage, dass man die Klassenfahrten stornieren muss. Da waren natürlich viele Briefwechsel und Gespräche nötig, um die ganzen Klassenfahrten unserer großen Schule wieder abzusagen oder zu verschieben.
Vielen Dank für das angenehme Interview. Wir freuen uns, dass Sie uns einen Einblick in Ihre Tätigkeiten gegeben haben und wünsche Ihnen alles Gute.
Interview von Laurin S., 8. Jahrgang, WPK Journalismus
Henning Zedler ist 46 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Er führt einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchvieh und 90 Hektar Futteranbau. Im Gespräch verrät er uns, warum die Landwirtschaft in schwierigen Zeiten steckt.
Herr Zedler, was fanden Sie an der Landwirtschaft so interessant?
Zum einen, dass man immer in der Natur ist und mit den Tieren arbeiten kann. Zum anderen kommen auch bei den Pflanzen immer mehr Züchtungen hinzu und das finde ich ziemlich interessant.
Wie lange führen Sie den Betrieb jetzt schon?
Ich habe den Betrieb im Jahr 2005 von meinen Eltern übernommen, also dieses Jahr werden es 17 Jahre.
Was für Pflanzen bauen Sie auf Ihren Feldern an?
Wintergerste, Winterroggen, Triticale, das ist eine Kreuzung aus Roggen und Weizen sowie Silomais. Außerdem sowohl Grünland als auch Futterfläche für unsere Kühe.
Sie benötigen demnach auch viel Saatgut. Wie wirkt sich eigentlich der Ukraine-Krieg auf die Preise von Saatgut aus?
Saatgut ist von den Preisen gleich geblieben, jedoch kostet Dünger zurzeit ungefähr das Vierfache wie früher und die Energiekosten sind ca. 75% bis 80% angestiegen.
Gibt es noch weitere Folgen für Sie durch den Ukraine-Krieg?
Die Beschaffung von Futtermitteln ist extrem schwierig und teuer geworden, denn die Ukraine produziert viel Mais, welches für Kraftfutter benötigt wird, sowie Sojaschrot und somit sind die Futtermittelkosten in etwa um 60% angestiegen.
Ich habe auf einer Internetseite gesehen, dass Sie auch Lehrlinge ausbilden. Wie läuft dies ab?
Am 01.08. beginnt immer das Ausbildungsjahr und junge Leute, die später auch Landwirte werden wollen, können sich die Betriebe vorher im Internet anschauen. Wenn diese Interesse haben, ihre Ausbildung hier zu machen, schickt der potentielle Auszubildende im Voraus eine Bewerbung ab, dann wird ein Vorstellungsgespräch vereinbart, sodass der Auszubildende sich den Betrieb auch anschauen kann, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Wenn das Gespräch positiv verlaufen ist, wird ein Probearbeiten vereinbart, danach wird ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen.
Braucht man dafür eine bestimmte Ausbildung, oder kann jeder Landwirt Lehrlinge ausbilden?
Dafür muss man entweder die Meisterschule besucht haben, oder eine zweijährige Fachschule nach der landwirtschaftlichen Ausbildung gemacht haben.
Vielen Dank für den spannenden Einblick in die Landwirtschaft.
Interview von Leonie Z., 8. Jahrgang, WPK Journalismus
Die Frage, ob an der KGS gegendert werden sollte oder nicht, wirft schnell eine große Diskussion auf. Es gibt geteilte Meinungen, ob es die Sprache nur unnötig komplizierter mache oder dringend umgesetzt werden müsse. Und auch wenn man definitiv noch Kritik an der gendergerechten Sprache, wie sie jetzt verbreitet ist, ausüben kann, wäre Gendern in der Schule ein Anfang, um inkludierender gegenüber anderen Geschlechtern, abgesehen von Männern, zu sein.
Ein Kommentar von Nele Kilian
Bevor man sich eine Meinung darüber bilden kann, ob gegendert werden sollte, muss man erstmal klarstellen, was „gendern“ überhaupt bedeutet und erreichen möchte. Als „gendern“ oder „gendergerechte Sprache“ bezeichnet man die Anpassung einiger Wörter, um alle Geschlechter einzubeziehen und sichtbar zu machen, da das vorherrschende Maskulinum bei Wörtern wie zum Beispiel „Schüler“ oder „Professor“ eben nur den männlichen Part der Gesellschaft repräsentiert und viele Menschen anderer Geschlechter, vor allem Frauen, sich von diesen Formen nicht angesprochen und sogar eher benachteiligt fühlen.
Um dieses Problem zu lösen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die aktuell verbreitetste ist das „Gendersternchen“, hier wird ein Stern zwischen die maskuline und feminine Form gesetzt, also Schüler*innen. Der Stern soll die anderen Geschlechtsidentitäten, abgesehen von männlich und weiblich, symbolisieren, er wird, so wie alle anderen gender-Sonderzeichen, als eine kurze Sprechpause gelesen.
Abgesehen vom Stern gibt es noch die Gender-Gap (Schüler_innen), das Binnen-I (SchülerInnen), substantivierende Partizipien (Studierende) oder den Doppelpunkt (Schüler:innen), dieser hat den Vorteil, dass er das einzige Sonderzeichen ist, bei welchem Computer beim Vorlesen von Texten die vorgesehene Sprechpause machen.
Letztendlich versuchen diese verschiedenen Formen des Genderns aber alle dasselbe, und zwar die Sprache gerechter zu machen und jede Geschlechtsidentität zu repräsentieren. Da es allerdings so viele verschiedene Möglichkeiten der gendergerechten Sprache gibt, müsste man sich zuerst auf eine einheitliche Form einigen, bevor man das Gendern komplett einführen kann. Abgesehen davon, dass es noch keine kontinuierliche Form gibt, die verwendet wird, ist Gendern allerdings ein Versuch, um einen großen Teil der Gesellschaft besser und eingeschlossener fühlen zu lassen, denn nicht nur weibliche, sondern auch Menschen anderer Geschlechtsidentitäten, wie zum Beispiel nicht-binäre Personen, fühlen sich durch das vorherrschende Maskulinum nicht angesprochen. Und das ist eigentlich das größte Argument für das Gendern in der Schule, da sich viele Schüler*innen angesprochener fühlen, wenn sie E-Mails oder Elternbriefe lesen, in denen eine Form verwendet wird, die alle Geschlechtsidentitäten ansprechen möchte und dadurch merken, dass zumindest versucht wird, ALLE gleich zu behandeln.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Gendern noch weiter ausgebaut und zumindest eine einheitliche Form festgelegt werden müsste, bevor man es auf die Schule übertragen kann, aber dass es letztendlich eine gute Maßnahme wäre, um einigen Leuten ein besseres Gefühl zu geben. Natürlich kann man niemanden zwingen zu gendern, aber so lange es sich nur auf Schriftverkehr und offizielle Veranstaltungen bezieht, gibt es mehr positive als negative Faktoren für Schüler*innen der KGS und sollte deswegen ohne Probleme umgesetzt werden können.
Sie begegnet uns immer häufiger, die „Gendersprache“. Ob in der Zeitung, auf Social Media, oder sogar in der Tagesschau, überall wird wie verrückt gegendert. Auch in der KGS Neustadt? Wie sinnvoll ist das Gendern überhaupt und sollte die KGS auch davon Gebrauch machen?
Ein Kommentar von Jesse H.
Dass durchs Gendern die deutsche Sprache komplizierter wird, kann niemand abstreiten. Die direkte Folge davon ist aber, dass es für Menschen, die sich in Deutschland integrieren wollen, noch schwieriger wird als es ohnehin schon ist. Man schafft quasi eine neue Barriere und das kann man nicht anders bezeichnen als Diskriminierung. Und dies trifft nicht nur auf Menschen mit Migrationshintergrund zu, denn sogar in einem Land wie Deutschland können mehr als 12 Prozent aller Erwachsenen auch einfache Texte nicht richtig lesen und schreiben, wie der Rat für deutsche Rechtschreibung erklärt, welcher im Übrigen Gendersprache nicht empfiehlt. Man stelle sich vor, dass Menschen benachteiligt werden, weil sie nicht richtig gendern können. Damit muss man rechnen, wenn das Gendern allgemein vorgeschrieben wird, wie es die Stadt Hannover bezüglich des städtischen Schriftverkehrs im Jahre 2019 tat.
Schon jetzt existieren die wildesten Gender-Variationen. Das Gendersternchen, das Gendergap oder der Genderdoppelpunkt sind nur einige von vielen Möglichkeiten. Wie sollte man nun das Gendern umsetzen, wolle man es allgemein einführen? Wirklich lächerlich wird es, wenn eine „Möchtegern- Revolutionärs-Sprachwissenschaftlerin“ den Vorschlag macht, das Wort „ens‘“ als geschlechtsneutrales Possessivpronomen einzuführen, wie es Lann Hornscheidt am 9. Juni 2021 in den Tagesthemen vorschlug. Hierdurch würde die Sprache nicht nur viel komplizierter, sondern auch unverständlich, da man nicht wüsste, ob es nun beispielsweise mein, dein oder sein Einkaufskorb ist.
Selbstverständlich gibt es auch Menschen, die konstruktive Vorschläge machen und versuchen dieses Problem, welches sicherlich vorhanden ist, zu beheben, man muss aber auch irgendwann einen Schlussstrich ziehen, wenn man merkt, dass es diese eine tolle Lösung eben nicht gibt. Andernfalls macht man es nur schlimmer und Beiträge wie der obige entstehen. Die Lösung der Problematik liegt eben nicht darin die Sprache zu ändern, sondern darin, dass man das Verständnis ändert. Wenn man sich unter einer Gruppe von Balletttänzern die gleichen Personen wie bei einer Gruppe von Fußballern vorstellt, dann gibt es kein Problem. Wenn man nach der festgelegten Grammatik geht, dann meint beispielsweise das Wort Schüler im Plural genauso Schülerinnen wie Schüler und alles, was dazwischen liegt. Wenn sich eben nicht die Sprache, sondern das Verständnis ändert, dann kann man problemlos gendergerecht reden und schreiben, was man eigentlich sowieso ganz ohne das Gendern tut, dann würde sich aber niemand beschweren.
Das Thema Gendern sollte in Zukunft also nicht mehr Inhalt von öffentlichen Debatten sein, wirklich nicht JETZT, wirklich nicht im Jahre 2022, wirklich nicht in einem Jahr, in dem die ganze Welt mit einer Pandemie und den Folgen dieser zu kämpfen hat. Wie wärs denn mal damit, mehr darüber zu reden, wie man Impfstoff in die armen Länder bekommt? Oder wie man Menschen in Afghanistan helfen kann, ohne die Taliban zu stärken? Oder wie man die innerdeutsche Sicherheit und die Demokratie an sich, angesichts zunehmend immer gewaltbereiterer Querdenkern, sichert? Oder wie man effektiv die Gleichberechtigung und Vielfalt unserer Gesellschaft stärkt?
Das Thema Gendern kann man abhaken, da es schlicht und ergreifend sinnlos ist, die Sprache zu ändern, um der Gleichberechtigung zuzusteuern. Abschließend ist es wichtig zu erwähnen, dass Gleichberechtigung und Vielfalt essenziell für unsere Gesellschaft ist, dass Gendern aber keine sinnvolle Maßnahme ist, um diese Ziele zu erreichen. Es gibt wesentlich effektivere Maßnahmen, wie zum Beispiel Geschlechterklischees abzubauen, die Kinderbetreuung auszubauen oder Frauenquoten einzuführen. Letztendlich kann jeder, der gerne gendern möchte, dies machen und tut das auch sicherlich mit den besten Absichten. In offiziellen Einrichtungen, auch in der Zeitung oder eben in Briefen der KGS sollte man davon aber absehen, da beim Gendern eben nicht der Nutzen, sondern die daraus resultierenden neuen Probleme überwiegen.
Ich bin der Auffassung, dass an der KGS die gendergerechte Sprache angewendet werden sollte, auch wenn es im Allgemeinen sehr schwer ist diese durchzusetzen. Warum ich dieser Meinung bin, werde ich in den nächsten Zeilen erläutern. Aber zunächst möchte ich, dass verstanden wird, warum viele Menschen der Ansicht sind, die Sprache gendergerecht gestalten zu müssen.
Ein Kommentar von Milla Delaminsky
„Gender“ (= Geschlecht) meint in diesem Kontext nicht nur das biologische Geschlecht „weiblich“ und „männlich“, sondern auch das soziale Geschlecht, mit dem sich ein Individuum identifiziert. Eine biologische weibliche Person kann sich also trotz ihres biologischen Geschlechtes als „männlich“ identifizieren. Genauso wie eine weibliche Person sich auch als „nicht binär“ identifizieren kann, das heißt, dass soziale Geschlecht befindet sich weder im Spektrum „männlich“, noch im Spektrum „weiblich“, sondern zwischen diesen beiden. Die Gendersprache soll daher alle Geschlechter miteinschließen und ansprechen, die nicht männlich sind.
Die ersten Diskussionen zur gendergerechten Sprache kamen durch die Feminist/innen*-Bewegung in den 1960er-Jahren auf, um Frauen in der Sprache sichtbar zu machen. Sie nutzten anfangs den Schrägstrich. Aus ,,Handwerker‘‘ wurde ,,Handwerker/innen‘‘, da das generische Maskulinum nicht mehr akzeptiert wurde. In den letzten Jahrzehnten kamen immer mehr Schreibweisen hinzu. Das Binnen-I, der Doppelpunkt und das Gendersternchen. Das Gendersternchen wird aktuell am häufigsten genutzt. Es soll alle Menschen ansprechen, die sich nicht in dem Spektrum der beiden Geschlechter „weiblich“ und „männlich“ befinden.
Ich bin der Meinung, dass sich die Sprache durch das Gendern ins Positive verändert und wir dadurch ein großes Stück der Gleichberechtigung gewinnen. Die Sprache bildet Realität ab. Es gibt viele Geschlechter und alle sollten gleichberechtigt sein, deswegen ist es so wichtig, dass wir die Realität auf die Sprache übertragen. Durch unsere patriarchalische Gesellschaft wurden Frauen seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar seit Jahrtausenden, systematisch unterdrückt und ihnen wurde in der Vergangenheit kein einziges Recht auf Selbstbestimmung gewährt. Diese Unterdrückung hallt bis in dieses Jahrhundert immer noch nach und wenn man bedenkt, dass das Grundrecht zu wählen noch nicht vor allzu langer Zeit nur für Männer galt, wird für viele Frauen sowie auch für mich das Thema Gendern auch zu einem sehr emotionalen Anliegen.
In unserer heutigen Gesellschaft sind Frauen immer noch im Nachteil, egal ob es das Gender Pay Gab (= geschlechtsspezifische Lohnlücke, also der Unterschied zwischen dem Lohn von Frauen und Männern) ist oder nicht-Geschlechter-spezifische Medizin. Es gibt noch viele Baustellen bis hin zum Weg in eine Welt, in der Männer und Frauen gleichgestellt sind und es keine Diskriminierung mehr gibt – und eine Baustelle, mag es für viele auch eine kleine sein, ist das Gendern.
„Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, so heißt es jedenfalls. Doch dabei kommt die Frage auf, in welchem Maße Courage angewandt wird. Beispielsweise bei dem heutzutage sehr umstrittenen Thema des Genderns.
Ein Kommentar von Emma Lili Blume
Bei diesem heiklen Thema geht es nicht darum, ob es „Tomatenmark“ oder „Tomatenmarie“ heißt, sondern darum, wie Schüler*innen von Lehrer*innen und Schulkräften schriftlich, sowie via Durchsage oder persönlich angesprochen werden. An der KGS gibt es viele Supporter der LGBTIQ* Community, welche man vor allem zur Zeit des Pride-Month beobachten konnte. In der Schule selber wurden LGBTIQ*-Fahnen aufgehangen, die aber von Schüler*innen zerstört wurden, was auf fehlende Aufklärung dieser hinweist. Warum dann nicht mit gendergerechter Sprache dagegenwirken und alle Personen der Schule, sowie Besucher*innen bei beispielsweise öffentlichen Veranstaltungen, ansprechen und integrieren? Macht es denn wirklich vom Umfang, von der Verständlichkeit und von der Schwierigkeit des Sprechens oder eben des Schreibens einen Unterschied?
Das gendergerechte Schreiben und Sprechen hat etwas mit Respekt, Integration und Courage zutun, was für einige Menschen anscheinend nicht begreifbar ist. Es geht nicht darum, Sprache nach Regeln oder Vorgaben zu sprechen, sondern darum, allen Menschen den eben nötigen Respekt zu erweisen. Es bedeutet nicht, dass man die LGBTIQ*-Community direkt unterstützen muss, sondern einfach, dass man sie, die Menschen, akzeptiert und ebenso normal mit ihnen umgeht wie mit allen anderen auch. Schließlich besteht ja auch keinen Grund es nicht zutun. Doch dann gibt es trotzdem noch Personen, die behaupten, dass es nur zwei Geschlechter gäbe und das Geschlecht davon abhänge, „was man zwischen den Beinen hat“. Was hast du denn dann zwischen den Beinen? Einen Mann?
Um also alles fair und offen zu gestalten, haben wir alle noch einen langen Weg vor uns, bei welchem es sehr hilfreich ist, alle möglichen Gelegenheiten zu nutzen, um auf gendergerechte Sprache hinzuweisen, sie zu benutzen und dafür laut und deutlich zu plädieren, also auch im Schulalltag oder bei öffentlichen Veranstaltungen.
Den Dilettantismus mancher Menschen, eine Person aufgrund von Geschlecht oder Sexualität zu verurteilen, ist moralisch nicht vertretbar und vor allem nicht plausibel begründbar. So sehen das auch viele Menschen in den sozialen Medien wie beispielsweise bei TikTok oder bei Instagram. Auf diesen Plattformen werden Homophobe sowie Rassist*innen und Sexist*innen häufig durch die App selber gebannt; und doch schleichen sich aufgrund des Algorithmus manchmal Videos durch, die vor allem für die LGBTIQ*-Community-Mitglieder schwer anzusehen sind. Zu beobachten sind dann meist glücklicherweise aber andere User*innen, die kritisierend Stellung zu beispielsweise homophoben oder rassistischen Aussagen nehmen, sich darüber lustig machen und sich unterstützend zu der LGBTIQ*-Community bekennen.
Auffallend ist, dass sich viele Menschen neuerdings über das Internet outen, sich also zu ihrer Sexualität oder ihrem Geschlecht bekennen, obwohl dies kein Muss ist, da man offensichtlich immer noch dieselbe Person bleibt und es nicht davon abhängig ist, wie man sich identifiziert. Tatsächlich ist es aber sehr zu bewundern und gutzuheißen, dass sich so viele Menschen outen, denn hierdurch machen sie anderen Mut und zeigen der Welt, dass sie keine Angst haben und niemand Angst haben sollte, offen darüber zu reden. Da sich aber eben nicht jeder Mensch outet, weil es ja der Person selber überlassen ist, sollte man die gendergerechte Sprache verwenden, um Rücksicht auf alle nehmen zu können, ohne dass sich jemand benachteiligt fühlen muss.
Bereits seit einigen Jahren herrschen in Deutschland Debatten über die Verwendung gendergerechter Sprache. Seit dem letzten Jahr hat sich das sogenannte Gendern in vielen Bereichen stärker durchgesetzt, unter anderem auch in Schulen. Doch entsteht diese Veränderung allein durch die ernstgemeinten Sorgen für Schüler der LGBTQ+ Community, oder doch nur durch den gesellschaftlichen Druck?
Ein Kommentar von Alejna Ibisi
Das Gendern an Schulen ist ein riesiger Fortschritt für Feminist:innen, Mitglieder:innen und Unterstützer:innen der LQBTQ+ Community. Die KGS Neustadt tut zusätzlich noch andere Dinge, um Unterstützung und Toleranz gegenüber allen Minderheiten an der Schule zu symbolisieren wie z.B. das Anbringen von Pride-Flaggen zum Pride-Monat.
Aus der Perspektive eines Außenstehenden hört sich das nach einer perfekten, modernen und fortschrittlichen Schule an, versetzt man sich aber in die Position eines queeren Schülers, merkt man schnell, dass der Schein trügt. Trotz der Bemühungen zu gendern und nach außen hin einen toleranten Eindruck zu machen, mangelt es in unserem Schulsystem enorm an guter und sinnvoller Aufklärung zu den Themen LQBTQ+, Gendern, nicht binäre Menschen, Feminismus etc. Diese mangelnde Aufklärung führt dann zu dem eigentlichen Problem: Homophobie. Für betroffene Schüler haben viele dieser Dinge also keinen wirklichen Effekt, es ist performativer Aktivismus, eine nette Geste, aber ohne wirklichen Mehrwert. Eine queere Person muss sich also an einer Schule zurecht finden, in welcher man von Schüler:innen als auch teilweise von Lehrer:innen diskriminiert wird und das nur, weil es ja wichtigere Themen gibt, die gelehrt werden müssen, wie z.B. den Satz des Pythagoras, welcher einen im späteren Leben und im allgemeinen Umgang mit Menschen natürlich viel eher weiterhilft als aktuelle und für einige Menschen lebensverändernde Zustände.
Das Gendern kann und sollte auch weiterhin von Schulen verwendet werden, aber da genau Schulen die Zukunft und auch die Denkweise der Schüler formen, sollte man sich primär auf vernünftige Aufklärung fokussieren, diese würde eher zu der Durchsetzung von geschlechtergerechter Sprache führen und außerdem Vorfälle von Mobbing und Hassverbrechen mit homophoben Motiv verringern.
Die Art und Weise wie gegendert wird, sei es mit Doppelpunkt oder dem „Gendersternchen“, ist egal, selbst der Duden hat sich noch nicht auf eine einheitliche Form geeinigt, immerhin verfügt die deutsche Sprache über eine Vielfalt an Möglichkeiten alle Geschlechter in die Sprache miteinzubeziehen. Wichtig ist dabei nur die Sprache barrierefrei für Menschen mit Migrationshintergrund zu gestalten, um nicht für eine andere Form von Diskriminierung zu sorgen, während man versucht sie in einem anderen Bereich abzuschaffen. Man merkt, eine so minimal wirkende Veränderung zieht viele Problematiken mit sich. Dies beweist den Punkt, dass Aufklärung der Weg zum Ziel ist.
Zu erwarten, dass diese Veränderung von jetzt auf gleich passieren kann und in allen Bereichen konsequent durchgesetzt werden muss, ist eine Zumutung privilegierter Menschen, dessen Muttersprache Deutsch ist. Auch wenn die Sensibilisierung der Sprache wichtig ist und eine große Rolle in der Inklusivität von Menschen verschiedener Geschlechter spielt, sollte das Thema nicht überdramatisiert werden. In Hinsicht auf die steigende Homo- und auch Transphobie und deren Auswirkung auf Menschen der unterschiedlichen Geschlechter ist ein fehlendes Gendersternchen das geringste Problem. Zudem sollte auch beachtet werden, dass durch ein Aufzwingen von bestimmten sprachlichen Veränderungen die Meinungsfreiheit in gewisser Weise eingeschränkt wird. Laut einer Studie des Institutes für Demoskopie aus Allensbach empfinden nur noch 45 Prozent der Befragten, dass man seine Meinung frei äußern könne.
Generell sollte in Deutschland für bessere Aufklärung gesorgt werden und es sollte von beiden Seiten, ob Gender-Befürworter oder Gender-Gegner, Einsicht geben. Befürwortet man diese Bewegung, sollte man auch verstehen, dass dieser Prozess Zeit braucht, insbesondere für Menschen mit Migrationshintergrund ist solch eine Umstellung schwer. Als Gegner sollte man sich bewusst machen, dass es eine Welt gibt, in welcher Menschen tagtäglich diskriminiert werden, diese freuen sich auch über ein wenig Inklusion, z.B. durch gendergerechte Sprache. Schrittweise und mit Geduld kann in Deutschland für einen Kompromiss gesorgt werden, welcher alle Menschen respektiert und verstanden und selbstverständlich frei fühlen lässt.
Dass die Verkaufszahlen der klassischen Zeitung seit 1991 kontinuierlich sinken und das Internet eben nicht ein Neuland ist, sondern gerade für die jetzigen und kommenden Generationen ein natürliches Habitat ist, sollte keine Neuigkeit sein. Ob damit auch ein Exitus des klassischen Journalismus einhergeht, darüber gibt es gerade einen Diskurs.
Ein Essay von JEREMY BEN ZIMMERMANN, 13. Jahrgang
Zwei Medienwissenschaftler stehen besonders im Fokus: Dr. Bernhard Pörksen und Dr. Jochen Hörisch. In seinem „Zeit“-Kommentar von 2018 erklärt Pörksen, dass die Autorität des klassischen Journalismus gesunken sei. Jeder sei praktisch zum Sender geworden, da er über die digitalen Netzwerke wie Twitter, Facebook etc. seine Meldungen verbreiten kann. Um den Autoritätsverlust aufzuwiegen, schlägt er vor, dass man die Normen und Prinzipien des klassischen Journalismus in allgemeingültige, von der Gesellschaft angenommene, Werte überträgt. Zu diesen Prinzipien gehört unter anderem recherchieren, analysieren, vorurteilsfrei sein, skeptisch sein und die beiden antiken Lehren „credo auditur et altera pars“ (ich glaube, man höre auch den anderen Teil) und „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten).
Darüber hinaus fordert Pörksen Reformen im Bildungswesen, im Medienbetrieb und im Plattformvertrieb. Eine Forderung in der Schule ist beispielsweise ein Fach namens „angewandte Irrtumswissenschaften“, in diesem Fach würde man dann das Erkennen von Fälschungen und Fehleinschätzungen unterrichten. Auch solle man vermehrt Rhetorik in den Fokus der Lehre rücken, um so besser vor Desinformation, Propaganda und Manipulation gewappnet zu sein. Im Medientbetrieb fordert er zudem eine grundsätzliche Vermittlung der Qualität einer Quelle und immer eine Anregung zum Dialoge. Bei den Plattformen möchte Pörksen verschiedene Ombudsgremien und unter anderem einen Plattformrat (quasi mit ähnlicher Zusammensetzung und Befugnisse wie der Presserat) einführen. Juristische Mittel sollten Pörksens Ansicht nur die ultima ratio sein.
Bild 1: Der Autor plädiert für ein neues Schulfach.
Ich stimme zu, ein neues Schulfach namens „angewandte Irrtumswissenschaften“ und mehr Rhetorik könnte durchaus nützliches Wissen für die Schüler vermitteln. Doch wäre es erstmal sinnvoll, die Lehrer im Umgang mit digitalen Medien zu unterrichten und ein elementares Wissen über die Funktionen und Prozesse des Internets an die Schüler durch pflichtgebundenen Informatikunterricht bundesweit (nebst Deutsch, Mathematik, Englisch) weiterzugeben. Denn ohne dieses elementare Wissen sind fortgeschrittene Themen wie digitale Propaganda, Filterblasen und viel mehr schwer nachzuvollziehen. Des Weiteren wäre es begrüßenswert, wenn Medienhäuser die Qualität ihrer Quellen offenlegten, einen transparenten journalistischen Prozess anböten und zum Dialog anregten; dadurch könnte man in Teilen das Misstrauen senken.
Doch zur Realität gehört auch, dass es immer unnachgiebige Querulanten geben wird. Man nehme da nur die „Bild“, welche leider neben „The Sun“ oder der „Kronen Zeitung“ kein nationaler Einzelfall ist. Und selbst trotz akribischer wissenschaftlicher Arbeit und klarer Quellenlage existieren bis heute unter anderem Horoskope, Wahrsagerei und Homöopathie.
Beim Plattformrat kann man leider nur starke Zweifel daran haben, ob er funktionieren würde. Denn laut Deutschem Presserat ist die „Bild“ mit 219 Rügen seit 1986 die Zeitung mit den meisten Verstößen gegen den Pressekodex. Zum Vergleich, die „Berliner Zeitung“ ist mit 21 Rügen im gleichen Zeitraum die Zeitung mit den zweitmeisten Verstößen gegen den Pressekodex. Und dennoch: Bis heute ist die „Bild“ trotz aller Verstöße die auflagenstärkste Zeitung. Ein Instrument wie ein Plattformrat wäre also nur ein weiterer krallenloser Tiger.
Kommen wir nun zu Dr. Hörisch. In einem Artikel in der Frankfurter Rundschau aus dem Jahr 2017 beschreibt er, Journalisten müssten sich heute mehr als „Barkeeper“ denn als „Gatekeeper“ verstehen. Gemeint ist, dass die journalistischen Medien nicht mehr die primäre Aufgabe haben, zu sortieren, was wichtig ist und was nicht (Torwächter bzw. Gatekeeper), sondern eine personalisierte Nachrichten-Bereitstellung an den Rezipienten leisten müssen (ähnlich eines Barkeepers). Diese personalisierte Leistung bezeichnet Hörisch treffenderweise als „hochwertigen Nachrichten-Cocktail“, der im Kontrast zum „Gift der Internet-Trolle“ stehe. Diese Leistung solle sich (eine Parallele zu Pörksen) an den professionellen Prinzipien des Journalismus, insbesondere der Recherche, orientieren. Er sieht daher keine Gefahr für den Journalismus, besonders, da es fast immer einen „Pendel-Effekt“ gegeben hätte. Als Beispiel führt er die Rückkehr zu Schallplatte trotz CD an.
Bild 2: Ist das Phänomen der „Rückkehr zur Schallplatte“ auch auf Zeitungen anwendbar?
Dabei bemerkt Hörisch selbst, dass dieser „Pendel-Effekt“ nur durch eine kleine Gruppe an Konsumenten verursacht wurde. Und darin liegt genau das Problem. Pörksen hat es fast richtig gesagt, jedoch verlieren Journalisten nicht an Autorität, sie verlieren an Macht. Als das Automobil das Pferd ablöste, verschwand es auch nicht vollkommen aus der Welt, bis heute ist es im Sport oder als Hobby für privilegierte Menschen zu finden. Doch wird es noch zum Transport genutzt? Zieht es heute unseren Wagen voll mit Gütern? Reiten wir heute auf ihm in die Schlacht? So wird es auch mit den Zeitungen geschehen: Aus den machtgefüllten Bereichen Wirtschaft und Politik werden sie verschwinden, sie werden ein nettes Hobby für privilegierte Menschen sein. Selbstverständlich könne man argumentieren, dass Bücher ja auch noch existieren. Noch existieren sie. Im Buchjahr 2017 sind exakt 82636 Titel erschienen. Vor einem Jahrzehnt lag die Zahl bei rund 95000. (1) Außerdem hat der Buchmarkt zwischen 2013 und 2017 rund 6,4 Millionen Käufer verloren. (2) Man kann also erkennen, der klassische Journalismus wird sich minimieren, wohl aber nicht ganz verschwinden.
Die Frage bleibt aber, was machen wir als Gesellschaft gegen Hassrede und Desinformation? Die Ansätze von Pörksen im Bildungswesen wären hilfreich, sofern man das elementare Wissen über das Internet vermittelt hat. Alles andere, wie ein Plattformrat oder Journalisten als „Barkeeper“, ist Wunschdenken. Pörksen sieht die Justiz als letztes Mittel, doch genau das ist kritisch. Die Legislative hat jetzt noch die Möglichkeit Gesetze gegen mehr Hassrede und Desinformation zu verabschieden. Des Weiteren müsste auch die Exekutive mehr tun, um das Strafrecht in der digitalen Welt durchzusetzen, einfach nur die Kommentare etc. löschen ohne juristische Konsequenzen bringt nichts. Wir haben die Tatbestände der Volksverhetzung, der üblen Nachrede und der Verleumdung, und man sollte sie nicht nur in der analogen Welt verfolgen.
(1) Deutsche Welle, Zwischen Krise und Hoffen: Der deutsche Buchmarkt, in https://www.dw.com/de/zwischen-krise-und-hoffen-der-deutsche-buchmarkt, Zugriff am 22.11.2020.
Liest Du Zeitungen, oder suchst Du lieber schnell im Internet nach Informationen? Und prüfst Du auch die Quellen, oder nimmst Du alle Informationen einfach hin und auf? Gerade zu einer Zeit, in der man nicht einmal dem Präsidenten eines der einflussreichsten Länder der Welt glauben kann, in einer Zeit, in der „Querdenker“ das Internet erobern und Verschwörungstheoretiker von Wahlbetrug, Chip-Impfungen und einem erfundenen Virus reden, was sie alles mit angeblichen Fakten und dubiosen Quellen belegen können, gerade in so einer Zeit ist es doch wichtig, dass man auf einen Journalismus zurückgreifen kann, dem man vertraut. Woher sollte man sonst wahre Informationen erhalten?
Ein Essay von CARA-SOFIE OTHMER, 13. Jahrgang
Verändert sich nicht alles irgendwann? Irgendwann passt sich doch alles dem schnelllebigem Internetzeitalter von heute an, oder? Auf jeden Fall sollte es das, um den Wandel der Zeit zu überstehen. Betrachten wir beispielsweise den „klassischen Journalismus“: Dieser muss sich den Veränderungen des Internetzeitalters stellen, damit uns diese Qualität in seinen Grundzügen erhalten bleibt.
Ob das Internetzeitalter den klassischen Journalismus wirklich beendet, was genau damit eigentlich gemeint ist und warum das für uns alleine ein Verlust wäre, will ich euch erklären. Und was könnte man eigentlich dagegen tun?
Bild 1: Jeder wird heute zum Sender – dank digitaler Technologien.
Was ist also der „klassische Journalismus“, und inwiefern könnte dieser im Wettkampf mit den neuen sozialen Medien stehen? Der Professor für Medienwissenschaften, Dr. Bernhard Pörksen, äußerte sich 2018 zu der Problematik und erkannte das Problem, dass sich durch das Internet das gesamte Kommunikationsklima in der Gesellschaft ändern würde. Im klassischen Falle hat man Zeitungen gelesen, Radio gehört oder seine Informationen durch Sendungen wie die ,,Tagesschau“ erhalten. Dieser klassische Journalismus unterliegt dem Pressekodex und vielen Grundsätzen, die Pörksen auch anführt. Darunter zählen die zuverlässige Recherche, die Quellenanalyse, das Verlassen der Vorurteilsblase, das Aufklären über Missstände, die Wahrung der Persönlichkeitsrechte, Debatten sowie das Betrachten der anderen Seite und Argumente. All das kann bei den neuen Formen den Journalismus ausgesetzt werden, da jeder zum ,,Sender“ von Nachrichten werden kann, unabhängig davon, ob diese stimmen. User im Internet haben eigene Werte und Ziele, die sie vertreten, welche oft nicht ausschließlich der wirklichkeitsgetreuen und abwägenden Berichterstattung dienen, wie es der ,klassische Journalismus‘ als Ziel verfolgt. Pörksen betont folgende Probleme im Internet: Die Inhalte würden schneller verbreitet werden, jeder könnte schreiben, was und wann er will, und ,,Fake News“, also falsche Nachrichten, könnten im Internet ohne Probleme geteilt werden, da die User keinem Kodex unterliegen.
Dr. Jochen Hörisch äußerte sich als Lehrer der Literatur- und Medienwissenschaften auch zu dem Thema. Für ihn sei es wichtig zu verstehen, dass nicht jeder die Gabe eines Journalisten besäße. Im klassischem Journalismus studieren die Journalisten ihr Fach, im Internet kann man alles ungefiltert lesen. Wenn der neue Journalismus dem klassischem Journalismus nun so qualitativ unterliegt, warum ist dieser dann gefährdet, und ist er das überhaupt?
Bild 2: Vorsicht! Alternative Medien sind Quellen, die sich hinsichtlich Inhalt, Produktion und Verbreitung von etablierten Medien unterscheiden.
Wir befinden uns nun mal im Zeitalter des Internets. Es ist einfach, schnell, und größtenteils umsonst, dort an Informationen zu gelangen. Es ist schlichtweg bequemer als sich eine Zeitung zu kaufen und diese zu lesen. Zumal man im Internet ja auch gute Artikel finden kann, man muss nur wissen wo, damit man nicht auf Fake News hereinfällt oder nur die gekürzten Artikel liest. Und das ist der Grund, warum der klassische Journalismus nicht verloren gehen darf. Wir brauchen zuverlässigen und tiefgehenden Journalismus, auf den wir uns verlassen können, nicht die Falschaussagen mancher „Möchtegern“-Journalisten. Aber: Auch Claas Relotius fälschte seine Reportagen umfänglich – ohne dass es den etablierten Medien zunächst aufgefallen ist. So schrieb er unter anderem für „Die Zeit“, den „Cicero“ oder den „Spiegel“. Da ,,Der Spiegel“ aber zu den etablierten Medien gehört, und sich an den Pressekodex hält, wurden Relotius′ Zeilen geprüft und die inhaltlich falschen Artikel richtig gestellt. Die Leserinnen und Leser wurden so über die Wahrheit aufgeklärt. So etwas passiert bei den „alternativen Medien“ nicht. An diesen Beispielen sieht man, dass der klassische Journalismus für unsere demokratische Gesellschaft wichtig und bedeutsam ist!
Jetzt wisst Ihr, warum der neue Journalismus mit Vorsicht zu genießen sein sollte, und dass der klassische Journalismus diesem überlegen ist, da er viel sachlicher, ausgereifter und abwägender ist. Es wäre ein Verlust, diese journalistische Qualität zu verlieren, aber besteht diese Gefahr in der Praxis tatsächlich?
Leider ja, JIM-Studien von 2018 belegen, dass die Onlinenutzung insgesamt über die letzten Jahre deutlich zugenommen hat und nun stagniert. Zudem sinken die Druckauflagen für Zeitungen, wodurch auch ihre Werbeeinnahmen sinken. Eine weitere Gefahr für Zeitungen ist das große Angebot an Informationsquellen im Internet, welche umsonst oder günstiger sind, weswegen die Bereitschaft sinkt, sich tatsächlich Zeitungen zu kaufen. Auch ist das Internet oft schneller und veröffentlicht auch nachts wichtige Artikel, jedoch zeigt das auch, dass sich für diese weniger Zeit genommen wurde.
Bild 3: Etablierte Medien genießen wieder mehr Vertrauen.
Das alles klingt wenig hoffnungsvoll für die Zeitungen und den klassischen Journalismus. Er wird quasi überflüssig und ist durch andere Angebote ersetzbar, wenn auch mit schlechterer Qualität. Wir sollten ihn aber dennoch noch nicht aufgeben! Die JIM-Studie belegt nämlich auch, dass das Vertrauen in den klassischen Journalismus und in Zeitungen immer noch höher ist als in digitale Medien. Das bedeutet, es besteht noch Hoffnung für den Erhalt. Auch das Versagen des Internets könnte die klassischen Medien retten, da die Falschnachrichten das Vertrauen in dieses immer mehr senken, wodurch Printmedien wieder mehr Vertrauen genießen. Diesen Ansatz stellt die angehende Journalistin Franca Quecke hervor. Der klassische Journalismus erhält also noch Zuspruch, weswegen er noch nicht ganz verloren scheint.
Die Antwort ist also ,,JA“, das Internetzeitalter verdrängt den klassischen Journalismus immer mehr und könnte in der Zukunft das Ende für diesen bedeuten, wenn dieser sich der neuen Zeit nicht anpasst. Und das sollte er definitiv tun, da das Ende des klassischen Journalismus ein Verlust für jeden Einzelnen von uns wäre. Auch für die Demokratie wäre dies kontraproduktiv, da radikale Meinungen durch ,,Filterblasen“ bestärkt werden könnten und eine Manipulation nicht offengelegt werden würde.
Wie kann man das Problem jetzt aber lösen? Der klassische Journalismus muss sich definitiv anpassen, damit seine Grundsätze und die Qualität erhalten bleiben, welche sehr wichtig sind. Wenn man den klassischen Journalismus in anderen Formen wiederfinden würde, wäre das genauso gut, solange die Bürger eine vertrauenswürdige Quelle haben, die den Pressekodex beachtet, also Aspekte wie den Schutz der Persönlichkeit und der Ehre.
So wie Hörisch es bereits 2017 vorschlug, gibt es heute bereits Zeitungsabos und Flatrates, sowie den Verkauf von Zeitungen mit Theaterkarten. Jedoch ist unklar, ob das in der Zukunft reicht. Zeitungen und der klassische Journalismus könnten durch mehr Werbung mehr Geld bekommen, wodurch der Erhalt gesichert werden könnte. Auch könnten stärkere Werbekampagnen für die Zeitung an sich mit guten Sonderangeboten mehr Kunden anlocken, die dann durch den einst erfahrenen qualitativen Journalismus eventuell Kunde bleiben. Man könnte auch probieren, durch aufdeckende Kolumnen das Vertrauen in das Internet noch mehr zu senken, um den klassischen Journalismus zu bewahren, und gleichzeitig die Bürger aufzuklären. Wie man es auch macht, der klassische Journalismus darf nicht verloren gehen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der klassische Journalismus durch das Internetzeitalter verdrängt wird, wenn dieser sich nicht reformiert. Das Internet bietet zu viele Möglichkeiten und wirkt auf viele somit attraktiver, auch wenn es eine geringere Qualität durch fehlende Richtlinien für Online-User hat, oder diese Artikel dort schneller und teilweise oberflächlicher produziert werden. Da man ohne diese Qualität aber etwas für die Gesellschaft und Demokratie wichtiges verliert, muss dafür gesorgt werden, dass der klassische Journalismus bestehen bleibt. Das kann nur passieren, wenn er sich der Zeit anpasst. Es muss eine passende Reformidee formuliert werden und eine Reform muss stattfinden. Ohne diese Maßnahmen würden zum Beispiel Zeitungen aussterben. Noch genießen sie Vertrauen, aber wie lange hält dieses noch? Wie lange haben die klassischen Medien Zeit sich zu verändern, bevor es zu spät ist?
Mein Apell: Genießt Zeitungen, wie wir sie kennen, solange sie noch da sind, und wertschätzt den Journalismus. Denkt beim nächsten Mal darüber nach, ob ihr dem Internet wirklich alles glaubt und kauft euch zu wichtigen Themen mal eine gute Zeitung. Ihr werdet es nicht bereuen. Sich die Zeit zu nehmen und etwas Wahres über die Welt zu erfahren, vielleicht bei einem Kaffee am Morgen, ist auch ein entspannendes Ritual für einen selbst, während man sich bildet. Und zudem noch viel gesünder, als immer nur auf ein Display zu gucken. Wenn ihr im Internet das nächste Mal also von einem erfundenen Virus oder anderen Verschwörungstheorien lest, gibt es mit Sicherheit glaubwürdige Artikel in Zeitungen von Ärzten, die klare Studien anbringen, um euch die Wahrheit zu vermitteln. Und: Wer will schon gerne sein Wissen auf Fehlinformationen aufbauen?