Learn to study: Der Weg zum erfolgreichen Lernen

Die meisten werden es kennen: Stundenlang gelernt, aber nicht die gewünschte Note erreicht. Daraufhin folgt Verzweiflung und Demotivation. Dabei ist Lernen eine Wissenschaft und kann erlernt werden. Es ist im jetzigen Schulsystem durchaus möglich gute Noten durch das Erlernen von Prinzipien und Methoden für den schulischen Erfolg zu erzielen. Diese Artikelserie soll euch nicht nur helfen, euer Lernverhalten zu verbessern. Vielmehr sollt ihr auch verstehen, wie unser Gehirn funktioniert und wie wir es zu unserem Nutzen beeinflussen können.

Ein Beitrag von Milena H., 10. Jahrgang

Das Aneignen und Erlernen von Informationen und Konzepten lässt sich in drei Hauptbausteine unterteilen: Verstehen, Lernen, Anwenden. Der Prozess des Verstehens beginnt bereits im Klassenraum und geht Zuhause beim Anschauen von Erklärvideos, dem Stellen von Fragen, dem Erledigen von Hausaufgaben etc. weiter, bis der erwünschte „Ah-hah-Moment“ erreicht wurde. Dieser Schritt ist ausschlaggebend für die zwei weiteren, denn das alleinige Erinnern an Informationen reicht nicht aus. Um das Verstandene anwenden zu können, ist es von wichtiger Bedeutung sich dem zweiten Schritt zu widmen.

Viele Schülerinnen und Schüler finden den Schritt des Lernens am schwierigsten bzw. überspringen ihn oft. Immerhin lesen wir das Schulbuch, verstehen weitestgehend den Inhalt. Aber im Nachhinein ist es oft schwierig sich an die Informationen zu erinnern. Daher muss das Wissen (auswendig-)gelernt werden. Durch wiederholendes Lesen, durch selbsterstellte Zusammenfassungen oder durch das Vortragen vor Publikum gelingt das häufig etwas besser. Aber: Wie genau das geht, wird euch in einem weiteren Beitrag näher erläutert.

Der letzte Baustein Anwenden prüft, ob die ersten beiden richtig ausgeführt worden sind. Er ist auch derjenige, der darüber entscheiden wird, wie dein Test bzw. deine Klassenarbeit verlaufen wird. Hier wird dein Wissen abgeprüft. Es ist etwas anderes die Information zu wissen, als sie anzuwenden. Dieser Teil ist mithilfe von verschiedenen Schulhilfsmitteln (wie z.B. Aufgaben aus dem Buch) oder weiterführenden Übungsklausuren einfach zu üben.

Jetzt, wo wir verstehen, wie das Lernen aufgebaut ist, geht es um unser eigenes Denk- und Erinnerungsvermögen und wie wir dieses trainieren können. Hermann Ebbinghaus (1850-1909) wird auch „Vater der Erinnerung“ genannt, er befasste sich größtenteils mit kognitiv- psychologischer Forschung. Für Ebbinghaus war klar: Es ist nicht möglich, verstandenen Stoff direkt anwenden zu können. Daran anknüpfend betrieb er Gehirnforschung und entdeckte die sogenannte „Vergessenskurve“ (Abb. 1).

Abb. 1: Vergessenskurve. Nach: https://blog.neuronation.com/de/die-vergessenskurve-nach-dr-ebbinghaus/ [07.11.2022].

Wie das Diagramm zeigt, vergisst das Gehirn bereits nach einem Tag ungefähr 60 Prozent von dem, was es wusste. Daran ist festzulegen, dass das menschliche Gehirn Wiederholung und Lernen braucht. Ein anderes Diagramm zeigt, wie sich das Gedächtnis, jedes mal, wenn die Information wiederholt wird, wieder zu 100 Prozent an die Information erinnert. (Abb.2)

Abb. 2: Neu erlerntes Wissen. Nach: https://wildfirecomms-images.co.uk/img/ebbinghaus-diagram-1-1479295300.png [07.11.2022]

Wichtig hierbei ist nicht zu vergessen, dass das Gehirn nicht wie ein Roboter funktioniert. Faktoren wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, Sprache, Denkvermögen, Orientierung und emotionale Intelligenz können das Lernverhalten massiv beeinflussen. Wie bereits angedeutet, ist eine gute Wiederholung der Schlüssel für langanhaltende Erinnerung. Effizientes Arbeiten ist für das Lernen also erforderlich. Ausschlaggebend dafür ist also Motivation und Disziplin. Gute Planungen und regelmäßige Pausen bekräftigen gesundes Lernen. Dazu kommt noch ein gesunder Lebensstil (z.B. genug Schlaf, Sport, soziale Interaktion, gesunde Ernährung), der sich äußerst positiv auf das Lernverhalten ausprägen kann.

Die Studytuberin Jade Bowler entwickelte im Laufe ihres Schullebens die sogenannte „SAAD- technique“. Jeder Buchstabe steht für einen Baustein, der umgesetzt wird, um die Wiederholungstechnik sinnvoll zu nutzen.

Spaced Repetition:

(deutsch: Wiederholung mit Abstand)

Dieser Schritt ist in Abb. 2 stark veranschaulicht. Die Idee besteht darin, dass der Stoff wiederholt wird, wenn er eigentlich vergessen werden sollte. Darum empfiehlt es sich möglichst früh mit dem Lernen zu beginnen. Sich den Stoff jeden Tag für 15 Minuten anzuschauen, erspart dann am Tag vor der Klassenarbeit mehrere Stunden am Schreibtisch zu sitzen. Wichtig hier ist also: Work smarter, not harder!

Active Recall:

(deutsch: aktives Erinnern)

Stephen Kosslyn (Psychologe und Forscher zur menschlichen Kognition) hat das menschliche Lernen in zwei Maxime unterteilt: „Think it through“ und „Make and use association“. „Think it through“ meint konkret: Desto öfter das Gehirn dazu gezwungen wird, sich an etwas zu erinnern, desto eher wird es sich langfristig an die Information erinnern. Muss sich das Gehirn mühsam an etwas Bestimmtes erinnern, werden die synaptischen Verbindungen im Gehirn gestärkt, die die Lücken zwischen den Neuronen bilden und die Übertragung von Informationen im Gehirn ermöglichen. Kurz gesagt: Wenn wir etwas vergessen haben, dann sollten wir nicht direkt zum Buch greifen (bzw. zu Google), sondern unser Gehirn zwingen, sich Schritt für Schritt und grob zu erinnern. Make and use association bedeutet hingegen das Bauen von Brücken – im übertragenen Sinn. Manchmal ist Schulstoff sehr trocken und es fällt uns einfach schwer sich an alles zu erinnern. Daher brauchen wir etwas, womit wir uns die Information leichter einprägen können. Suchen wir dafür nach Assoziationen, Vergleichen, übertragbaren Geschichten, Eselsbrücken usw. fällt uns das Einprägen etwas einfacher. Oder: 753 – Rom schlüpft aus dem Ei. Ein wichtiger Grundsatz der Wiederholungstechniken ist die Verknüpfung des Gelernten mit dem vorhandenen Wissen. Das „Grundlagenmaterial“ ist das Rückgrat der zusätzlichen Informationen, denn es ermöglicht, im Laufe der Zeit über eine organisierte geistige Struktur zu verfügen.

Desirable Difficulty:

(deutsch: erwünschte Schwierigkeit)

Lade dich sich selbst ein, die Herausforderung zu suchen. Um besser zu werden, muss man nicht wiederholen, was man schon weiß. Bei diesem Punkt geht es um die schwierigen Aufgaben. Hierbei fragst du dich, ob du dein Gehirn wirklich anstrengst und „active recall“ und „association“ nutzt. Desto mehr das Gehirn trainiert wird, sich schwierigen Aufgaben zu widmen, desto leichter fallen in Zukunft schwierigere Aufgaben.

Diese innere Checkliste ermöglicht es, das Verstandene zu lernen und es nicht zu vergessen! Benjamin Britten sagte schließlich: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“ Und damit hatte er Recht. Auch wenn es schwierig ist, sollten wir nicht aufhören zu lernen 🙂 🙂 🙂

Also, was denkt ihr? Was bereitet euch beim Lernen Schwierigkeiten? Was würdet ihr noch gerne wissen? Schreibt es gerne in die Kommentare.

 

Quellen:

  • https://blog.neuronation.com/de/die-vergessenskurve-nach-dr-ebbinghaus/ [07.11.2022].

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.