Ostfriesland

In Norden und Umgebung gibt es viele schöne Traditionen. Wir als Schule wollen diese Traditionen pflegen und an unsere Schüler weitergeben.

Teezeremonie – Teetied

In Ostfriesland wird viel Tee getrunken.
Der lose Ostfriesentee wird mit kochendem Wasser übergossen und muss dann in der Teekanne auf dem Stövchen einige Minuten ziehen. In die kleine Teetasse kommt zuerst ein Kluntje, der dann mit dem heißen Tee übergossen wird. Das knistert so schön. Am Ende wird das „Wulkje“, die „Sahnewolke“, vorsichtig auf den Tee gegeben.
Aber Achtung, auch wenn es einen Teelöffel gibt – zum Umrühren wird der Löffel nicht benutzt! Der Löffel in der leeren Tasse zeigt nur an, dass man keine weitere Tasse Tee trinken möchte.

Die Kinder im Ganztag haben die ostfriesische Teezeremonie kennen gelernt und sind mittlerweile kleine Profis in der Teezubereitung.

Bogen machen – Boog maken

Es findet sich immer einen Grund, um zu feiern. Zu runden Geburtstagen oder Hochzeiten sieht man in den Vorgärten und an den Türen häufig einen „Bogen“.

Anlässe zum Feiern gibt es auch in der Schule. Und wenn kein Feiertag in Sicht ist, dann erfinden wir uns einfach einen, z.B. die Einschulung, der 100. Schultag, …

Ein traditioneller Bogen besteht aus einem Holzgestell, das mit Tannengrün und Rosen, aus Servietten oder Krepp-Papier, geschmückt wird. Wir sind da flexibel und nehmen auch eine Pappe oder eine Styropor-Platte als Unterlage – was eben gerade so zur Verfügung steht.

100 Tage in der Schule!

Maibaum – Maiboom

Der Tanz in den Mai findet traditionell am Abend des 30. April statt. Dann wird der bunt geschmückte Maibaum aufgestellt. Aber Vorsicht – Maibaumklau gehört auch zur ostfriesischen Tradition. Der Maibaum muss also die ganze Nacht bewacht werden, der Maibaumdieb braucht nur drei Spatenstiche, dann gehört der Baum ihm.
Eine Regel, die es unbedingt zu beachten gilt: Einen Maibaum klauen darf man nur dann, wenn man selber auch einen aufgestellt hat.

Wir stellen den Maibaum auf unserem Schulhof natürlich nicht am Abend auf. Und natürlich sind wir auch hier kreativ: wo normalerweise ein Kranz aus Tannenzweigen ist, hängt bei uns ein HulaHopp-Reifen. Aber die Hauptsache ist doch, das der Baum schön bunt geschmückt ist.

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus (…)

Brautpfade legen – Bruudpadd legen

Brautpfade sind Bilder, die aus Wildblumenblüten gelegt werden.
Das Brautpfade legen findet immer am Himmelfahrtstag statt.

Obwohl das ein Feiertag – also ein schulfreier Tag – ist, finden sich immer viele Schülerinnen und Schüler morgens ab 8.00 Uhr vor unserer Schule ein, um diese Blumenbilder zu legen.

Die Geschichte, die mit den Brautpfaden verbunden ist, ist ganz schön traurig.
Es wird erzählt, dass die Tochter eines ostfriesischen Fürsten am Hochzeitstag die Nachricht vom Tode ihres Bräutigams bekam. Aus Kummer und Verzweiflung starb auch sie. So wurde an dem Tag keine Hochzeit gefeiert. Die Blumen, mit denen die Straßen geschmückt waren, verwelkten und wurden mit in die Gräber des Brautpaares gelegt.

Ein Blütenkunstwerk vor unserer Schule

Martini laufen – Sünnermarten

Am 10. November ziehen die Kinder singend und mit Laternen in der Hand von Haus zu Haus. Die Martini-Lieder erinnern an Martin Luther oder beschreiben das schöne Gefühl, mit einer Laterne durch die Dunkelheit zu wandern, z.B. Mien lüttje Lateern.

Mit unseren Erstklässlern basteln wir auch regelmäßig Laternen und gehen auf einen Spaziergang durch unser Einzugsgebiet. Die Bläserklasse hat in den vergangenen Jahren die traditionellen Martini-Lieder auch immer im Altenwohnheim der AWO gespielt. Sehr zur Freude der Bewohner, die äußerst textsicher alle Lieder mitsingen können.

In Kooperation mit dem Norder Heimatverein waren wir auch schon bei der Westgaster Mühle und haben Laternen aus Runkelrüben geschnitzt. Diese „Kippkappkögel“ zaubern ein ganz besonders feines Licht, wenn man eine echte Kerzen hineinstellt.

Gruselig?

Plattdeutsche Lieder zu Martini

Mien lüttje Lateern (Greta Schoon)

Mien lüttje Lateern, ik hebb di so geern.
Du danzt dör de Straten, du kannst dat neet laten,
ik mutt mit di lopen, mutt singen un ropen:
Mien lüttje Lateern, ik hebb di so geern.

Mien lüttje Lateern, ik hebb di so geern.
Du, Wind, lat dat Susen! Krup achter de Husen,
krup achter de Dieken, vandag mußt du wieken.
Mien lüttje Lateern, ik hebb di so geern

Mien lüttje Lateern, du gleihst as en Steern.
Dor tinkelt kein Maandje, dor kreiht uns kein Hahntje.
Danz wieder, danz wieder! Ik sing immer blieder:
Mien lüttje Lateern, ik hebb di so geern

Mit Kipp-Kapp-Kögels

Mit Kip-Kapp-Kögels kommen wi an
elk singt wat he man singen kann.
Sünnermartens Avend, dat is en Tied,
daar worden ji en heel bült Appels quiet.

Singen wie neet Düütsk, so singen wie platt,
so good als geiht, elk kann sachts watt.
Ok Luther sung dat ’t düchtig klung,
als he noch in de Schoole gung.


Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.