Lesung mit Dirk Reinhardt

„Train Kids“: Junge Flüchtlinge auf einer der gefährlichsten Reisen der Welt – Lesung mit Jugendbuchautor Dirk Reinhard in der Oberschule Hilter

Dirk Reinhard während der Lesung

Warum sich Jugendliche täglich zu Tausenden auf die gefährliche Route durch Mexiko in die USA begeben und welchen Gefahren sie dabei unterwegs ausgesetzt sind, schilderte der Münsteraner Autor Dirk Reinhardt während einer Lesung in der Oberschule Hilter vor Schülern des achten bis zehnten Jahrgangs.

„Train Kids“ ist der Titel seines Buches, das 2015 erschien und für das er bereits zahlreiche Auszeichnungen und Nominierungen erhielt. Es erzählt die abenteuerlichen Erfahrungen einer Gruppe von fünf Jugendlichen aus Honduras , Guatemala und El Salvador, die sich über Mexiko in die USA versuchen durchzuschlagen.

„Während wir hier gerade sitzen, sind nach Schätzungen von amnesty international zwischen 50 000 und 100 000 junge Menschen auf dem Weg“, so der Autor. Diese jungen Menschen hofften auf ein besseres Leben und oft auch auf ein Wiedersehen mit ihren Müttern. Geleitet von der irrigen Vorstellung, ihre Kinder nach kurzer Zeit nachholen zu können, ließen diese Frauen ihre Familie in der Heimat zurück, um in den USA eine Arbeit zu finden. Ein Teufelskreis aus Armut, Hoffnungslosigkeit und persönlicher Not treibe diese verlassenen Jugendlichen dazu, sich auf die riskante Reise durch ein wildes Land voller Gefahren, durch Dschungel, Hochgebirge und Wüste bis hin zur stark bewachten Grenze zu den USA zu begeben. Illegal unterwegs könnten sie auch nicht auf die Hilfe der mexikanischen Polizei hoffen. Ganz im Gegenteil: Diese nehme ihnen oft das bisschen Geld weg, das sie dabei hätten – als „Belohnung“ dafür, sie nicht zu verraten.

Obwohl dieser Roman eine fiktive Geschichte erzählt, basiert er doch auf realen Erfahrungen und Begegnungen des Autors während seiner eigenen Recherche in Mexiko. Im ersten Teil der Veranstaltung schilderte Dirk Reinhardt seine Arbeit denn auch besonders anschaulich und beeindruckend anhand von eigenen Fotos und Schilderungen seiner Begegnungen mit jugendlichen Flüchtlingen in Mexiko während seiner Recherchereise 2013.

In der sich anschließenden Lesung nahm der Autor die Schüler in drei Episoden seines Buches mit: Wie schaffen es die jungen Flüchtlinge auf einen fahrenden Zug zu springen? Was geschieht während einer Razzia, in der die Jugendlichen erfahren müssen, dass sie als Illegale statt Hilfe allenfalls Schläge erwarten können? Und wie gelingt es der Gruppe, sich einer drohenden Verhaftung zu entziehen, indem sie in eine zufällig voll besetzte Kirche flieht? Äußerst spannend vorgelesen, gelingt es dem Autor, die Schüler in diese Abenteuer mitzunehmen und dabei beinahe körperlich die Strapazen erfahrbar zu machen. Ob es die Jugendlichen schaffen, das „gelobte Land“ zu erreichen, das ließ der Autor am Ende ganz bewusst offen.

Dass die Schüler diesem Vortrag bisher sehr interessiert zugehört hatten, zeigte sich in der abschließenden Gesprächsrunde. Zahlreiche Fragen der Schüler waren noch nicht beantwortet, als sich der Schulschluss bereits ankündigte. Viele beschäftigten sich mit dem Inhalt des Buches und den Recherchen des Autors, wie z.B. Fragen nach dem persönlichen Kontakt zu den Flüchtlingen, den Risiken und Schwierigkeiten, denen der Autor sich bei seiner Recherche ausgesetzt sah, dem Vergleich zwischen den realen Flüchtlingen und den fiktiven Jugendlichen des Romans, zu den gezeigten Fotos, aber auch Fragen, die sich mit der Arbeit des Autors und dem Entstehen eines Romans beschäftigten.

Schülervertreter Tom Köhne, Schulleiterin Ute Haehnel und Klara Meyer-Notbohm als Fachleiterin bedankten sich abschließend unter großem Applaus für diese besonders interessanten und spannenden 90 Schulminuten bei dem Autor.