Deutsch – Unterrichtsergebnisse

Ergebnisse aus der Dichterwerkstatt

Meine Mutter akzeptiert meine Sexualität nicht

Isabel ist ein 17-jähriges Mädchen aus Berlin. Sie geht gerade in die 12.Klasse.

Doch seit Monaten kann sie nicht mehr schlafen. Eigentlich war Isabel bis vor ca. einem Jahr noch mit ihrem Freund zusammen, mit ihm ist es jedoch vorbei. Aber als sie Laura kennenlernt, ändern sich ihre ganzen Gefühle schlagartig.

An einem Freitag, als sie sich mit ihren Freundinnen trifft, versucht Isabel über ihre Probleme zu reden. Ihre Freundinnen aber interessieren sich kaum für sie, da sie damit beschäftigt sind, ihre neuen Gelnägel auf Instagram zu posten.

Sie merken nicht mal, dass Isabel einfach gegangen ist. Am Abend kommen ihre Eltern ins Zimmer, was normalerweise nicht der Fall ist. Isabel wischt schnell ihre Tränen vom Gesicht und setzt sich aufrecht hin.

Manuel, ihr Vater, fragt sie, ob alles okay sei, denn es macht für ihn den Anschein, als ob seine Tochter nicht glücklich sei und auch ihre Mutter hat den Verdacht. Normalerweise ist ihre Tochter fröhlich und immer gut drauf, dass Isabel nicht immer glücklich sein kann, ist ihr aber auch bewusst.

Isabel antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Alles Gut“! Dann bittet sie ihre Eltern aus dem Zimmer zu gehen. Das Problem ist, nicht mal Laura weiß etwas von den Gefühlen, die Isabel für sie empfindet. Weitere Wochen vergehen, auch Isabels Schulleistungen leiden sehr unter Isabels Verzweiflung. Als sie an einem Mittwochabend nach Hause kommt, wird ihr bewusst, dass es so keinen Sinn mehr macht. Sie nimmt ihren Mut zusammen und plant, Laura daraufhin einen ,,altmodischen Brief“ zu schreiben.

Der Gedanke erleichtert! Jedoch nicht wirklich zu wissen, ob Laura den Kontakt möchte und ob Laura überhaupt lesbisch ist, erzeugt bei Isabel erneuten Zweifel. In Isabels Kopf ist nur ein Gedanke: „Soll ich es ihr direkt sagen oder soll ich es herauszögern?“ In der Not und Panik, die um Isabel immer größer wird, schreibt sie mit nassen Händen nun doch eine schnelle Mail: „Ich glaube, ich hab mich in dich verliebt.“ Dann schaltet sie ganz schnell ihr Handy aus und flüstert vor sich hin: ,, Nein, das hab ich jetzt nicht wirklich gemacht, oder?“ 

Nach ca. 20 Minuten kommt eine Nachricht von Laura: „Ich hätte nie gedacht, dass du so etwas jemals für mich empfinden wirst, aber wenn ich ehrlich bin, empfinde ich dasselbe für dich. Wollen wir uns morgen nach der Schule treffen?“ Isabel antwortet sofort mit einem: „Ja, gerne!“ In der Schule können es beide kaum erwarten und konzentrieren sich erst recht nicht. Als sie sich nun endlich am Nachmittag treffen, sind beide auf Wolke 7.

Sie kommen sich immer näher und küssen sich schließlich. Am Abend erzählt sie alles ihren Eltern, ihre Mutter ist wütend. Sie findet es abstoßend, denn sie ist der Meinung, Gott habe Mann und Frau geschaffen, dass sie zusammen sind und nicht, Mann und Mann oder Frau und Frau.

Sie ist angeekelt: ,,Unmenschlich!“, sagt sie. Sie möchte so etwas nicht und fragt, ob das ein Scherz ist. Isabels Vater ist aber ganz anderer Meinung. Er findet es weder ekelig, abstoßend oder unmenschlich. Er freut sich für seine Tochter.

Isabels Augen füllen sich langsam mit Tränen, schnell läuft sie ins Badezimmer. In der Zwischenzeit versucht ihr Vater, mit seiner Frau zu reden. Auch Isabel versucht sich zu beruhigen. Dann klopft es an der Badezimmer Tür und ihre Mutter sagt: „Mäuschen, es tut mir so leid wegen eben. Ich war einfach geschockt und habe überreagiert. Es tut mir so leid! Ich stehe natürlich hinter dir und akzeptiere es, wenn du mit einem Mädchen zusammen bist. Du bist und bleibst mein ganzer Stolz. Ich liebe dich!“ Isabel macht die Tür auf und rennt ihrer Mutter in die Arme. Sie ist einfach nur glücklich, dass der Streit vorbei ist und sie glücklich mit Laura zusammen sein kann.

verfasst von Lara, Klasse 7a (Sj. 2018/19)

Anders zu sein, ist normal!

Hallo, mein Name ist Nico. Ich wurde als Junge geboren, doch ich wollte schon immer ein Mädchen sein. Deswegen habe ich mit sechs Jahren eine Transgender-Operation machen lassen. Ich war so glücklich, dass ich jetzt ein Mädchen bin, aber nachdem meine Familie und ich umgezogen sind und ich jetzt auf einer anderen Schule bin, bereue ich es, dass ich diese Operation gemacht habe. Nicht, weil ich kein Mädchen mehr sein will, sondern, weil mich die anderen Schüler blöd anstarren. Ich wurde auch schon mehrmals von den anderen Schülern gemobbt und einmal wurde ich sogar verprügelt. 

Aber es ging nicht nur mir so, sondern jeder, der oder die „anders“ ist, wurde gemobbt. Dazu gehörten Schüler, die Transgender sind, Homosexuelle, Schüler mit einer asiatischen, afrikanischen oder arabischen Herkunft. Jeder, der oder die „anders“ ist, wurde nicht akzeptiert. Ich jedoch verstehe nicht, was daran so schlimm ist. Doch jetzt verstehe ich, dass wir „Anderen“ uns wehren müssen. Deswegen gründete ich eine Gruppe mit meiner besten Freundin Nadine. Sie war auch „anders“, weil sie homosexuell und von afrikanischer Herkunft ist. Das heißt, die „Normalen“ hatten sogar zwei Gründe sie auszuschließen. Für die gegründete Gruppe machten wir viel Werbung, was am Anfang gut lief. Wir hatten schon nach einer Woche 20 Mitglieder und es wurden immer mehr. Schon nach einem Monat waren wir 100 Mitglieder. Endlich waren wir genug, um uns gegen „die Normalen“ zu wehren. Immer, wenn jemand von uns gemobbt wurde, sind alle 100 Mitglieder um den Gemobbten herumgegangen, um ihn zu beschützen. Dabei riefen wir: „Anders zu sein, ist normal!“ Das haben „die Normalen“ nach einer Zeit auch endlich verstanden und fingen an, uns zu akzeptieren.

Ab diesem Zeitpunkt gab es nicht mehr „die Anderen“ und „die Normalen“, sondern wir sind alle nur noch Menschen.

                                   Eine Geschichte von Hassan 7a (Sj. 2018/19)