Historie

Schule gestern

Die Tellkampfschule ist eine traditionsreiche Schule. Sie wurde 1835 gegründet und ist damit – nach dem Ratsgymnasium – das zweitälteste Gymnasium Hannovers. Die folgenden Abschnitte werden die Geschichte der Schule näher beleuchtet und beschreiben.

Lernatmosphäre gestern

Natürlich war die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern 1836 anders als heute. Einige Auszüge aus den „Schulgesetzen für die höhere Bürgerschule von 1836“ sollen die Unterschiede verdeutlichen:

„Schulgesetzen für die höhere Bürgerschule von 1836“

Jeder Angemeldete hat sich
…einer Aufnahmeprüfung zu unterwerfen, von deren Ergebnis es abhängt, ob er überhaupt zur Aufnahme befähigt und zu welcher Classe er in diesem Fall geeignet ist.
Der Unterricht beginnt im Sommer um 7 Uhr Morgens, Nachmittags aber durchgängig um 2 Uhr, und zwar volle 10 Minuten nach dem Schlage…
Ein zu frühes, wie ein zu spätes Kommen werden auf gleiche Weise nicht geduldet.  
Zu gleichem unbedingtem Gehorsam ist er (der Schüler) aber gegen sämtliche Lehrer der Anstalt verpflichtet.
Damit der Schüler sich überhaupt an Sitte und Ordnung gewöhne, wird beim Unterrichte nicht nur auf äußere Ruhe, sondern auch auf eine sorgfältige und reinliche Ausführung aller Schularbeiten, wie deren pünktliche Ablieferung streng geachtet,
Unsauberkeit, Unordnung und Nachlässigkeit aber auf keine Weise geduldet werden. So ist namentlich das Liegenlassen von Büchern oder Schularbeiten im Classenzimmer untersagt und durch längeren Verschluß derselben zu bestrafen.
Vorzugsweise in Hinsicht auf Schüler der oberen Klassen wird der Besuch städtische Kaffeehäuser, Billards und Conditoreien untersagt…
Eine gleiche Aufmerksamkeit wird in Beziehung auf störende Versammlungen von Schüler zumal in der Wohnung eines auswärtigen Schülers, empfohlen und um sofortige Anzeige davon ersucht da dergleichen Versammlungen, als unverträglich mit dem Zwecke der Schule, von derselben nicht geduldet werden können. 
Mit der Anforderung an sämmtliche Schüler sich auch außerhalb der Schule überhaupt eines sittlichen, tadellosen Betragens zu befleißligen, verbindet die Anstalt namentlich die Erinnerung an einen regelmäßigen Besuch der öffentlichen Gottesdienst an den Sonn? und Festtagen…
Nachlässigkeit in den häuslichen Arbeiten wird außerdem mit Classenarrest und Strafarbeit, jedes bedeutendere Vergehen aber durch Hinuntersetzen oder Carcerhaft bestraft.
Wiederholte Versäumniß oder Vergehen, welche auf Böswilligkeit oder einer Rohheit der Sitten zeugen, welche das Wohl der Anstalt gefährden würde, trifft die höchste aller Schulstrafen, die öffentliche Verweisung, welche in jedem Falle vom Magistrate förmlich zu bestätigen sein wird…
wenn ein Schüler ungeachtet wiederholter Anmahnung das vierteljährig vorauszubezahlende Schulgeld nach vollen 6 Wochen noch nicht entrichtet hat.

Schulgründer

tellkIm Jahre 1798 wurde Adolf Tellkampf in der Stadt Hannover geboren. Ein Jahr später starb seine Mutter und sein Vater heiratete die Tochter eines Försters. Aus dieser Ehe entstanden sieben Kinder, die Halbgeschwister Tellkampfs. Im Jahre 1804 musste die Familie nach Bückeburg umsiedeln.

Nach der Schlacht von Leipzig trat Adolf Tellkampf in ein Freiwilligenbataillon ein. Kurz nach der Waterlooschlacht 1815 lernte er viele treffliche Menschen kennen und erhielt auf diese Weise eine sehr umfangreiche Bildung.

Aufgrund des Wunsches einen akademischen Lebensweg einzuschlagen bezog Adolf Tellkampf im Jahre 1819 seine Räume in der Universität Göttingen.

Im Sommer des übernächsten Jahres wurde bei ihm eine Tuberkuloseerkrankung festgestellt, worauf er den gesamten Teil des Sommers auf dem Land verbringen musste. Währenddessen wurde ihm für seine gelungenen Doktorarbeit ein Preis verliehen.

Am 20. März 1822 bestand er sein Examen. Daraufhin publizierte der Hahnsche Verlag Tellkampfs Buch zur geographischen Mathematik. In den Ostertagen des Jahres 1824 trat er nach Genesung sein neues Lehramt an.

Zwei Jahre später heiratete er. Im März 1827 wurde Emilie seine erste Tochter unter schweren Umständen geboren.

Nach dem Osterfest 1835 wurde Tellkampf vor die Wahl gestellt: Er konnte sich entscheiden zwischen den Ämtern eines Direktors in einer neu zu errichtenden Realschule in Siegen oder Hannover. Er entschied sich selbstredend für seine Heimatstadt. Nach 11 Jahren Dienstzeit fiel ihm der Abschied beim Umsiedeln dorthin sehr schwer.

Im September und Oktober des gleichen Jahres entschied Adolf Tellkampf, einen Antrag bei der Schulbehörde zu stellen, dass eine gesonderte Handelsschule errichtet werden sollte. Aufgrund dieser Forderung wurde am 9. Oktober 1835 diese Handelsschule eröffnet und Adolf Tellkampf wurde Leiter dieser Einrichtung. Am Einschulungstag „Michaelis“ 1837 wurde die Realschule unter der Leitung Tellkampfs den übrigen norddeutschen schule1Schulen gleichberechtigt zur Seite gestellt. Am 3. Mai 1854 fand die Einweihungsfeier des Gebäudes in der Georgstraße statt. Nach langer Arbeit erhielt Adolf Tellkampf im Jahre 1867 die Ehre, dass seine Schule als Realschule erster Ordnung von Preußen anerkannt wurde.

Adolf Tellkampf, der erste Leiter des Direktoriats, starb am 9. März 1869 nach Vollendung seines Lebenswerkes und Verbuchung vieler Erfolge an Altersschwäche.

Schulgründung

Es sollten Schulformen entstehen, deren Besuch sich auch einfache Bürger leisten konnten. Für Tellkampf war klar, daß zwei neue Schulformen entstehen mußten: eine, die auf dem neuesten Stand der Technik war: das naturwissenschaftlich orientierte Realgymnasium und eine andere die wirtschaftlich orientiert war: die Handelsschule. Beides konnte er im I. Realgymnasium zu Hannover verwirklichen.

Gebäude

schule1Die Tellkampfschule befand sich bisher in drei Gebäuden. Am Anfang 1835, bekam die „höhere Bürgerschule“ ein Bürgerhaus am Aegidientorplatz zugewiesen. Wegen Platzmangel konnte sie dann 1854 zusammen mit de Ratsgymnasium schule5in ein neu errichtetes Haus, wieder am Aegi, umziehen. Mit dem großen Bombenangriff auf Hanover 1943 ging auch die Tellkampfschule in Schutt und Asche.
schule8
Ihr drittes und jetziges Gebäude am Maschsee wurde 1956 errichtet. Es steht heute unter Denkmalschutz!

 

Die Tellkampfschule in der Nazizeit

1936 begannen die Veränderungen damit daß die Schulpflicht an den Oberschulen von 9 auf 8 Jahre reduziert wurde. Der Schulunterricht wurde dafür genutzt propagandistische Arbeiten (Herstellung von Plakaten usw.) von Schülern anfertigen zu lassen. Auf diese Art und Weise wurde unter anderem der Aufstieg des Nationalsozialismus gefördert.

Die Schüler lernten nicht mehr viel und lagen mit ihrem Wissen sehr weit zurück, da sowohl Lehrer wie Schüler als Mitglieder verschiedenster Parteiorganisationen (Hitlerjugend, SS, SA) an Ausmärschen, Zeltlagern, Geländeübungen teilnehmen mußten. Bei Schulungslagern für Lehrer wurden Themen wie Rassen-, Vererbungs- ,Politische, und Judenprobleme, wie auch die Aufgabe der nationalsozialistischen Nationalökonomie behandelt.

Die Folgen dieser Maßnahmen waren, daß die Schule nicht mehr so ernst genommen wurde und ihr Wert sank. Pädagogen beschwerten sich über die mangelnde Disziplin, die zunehmende Aggressivität und den Leistungsabfall der Schüler.

Realgymnasium

Adolf Tellkampf war als Naturwissenschaftler überzeugt,. daß mit dem Beginn der Industrialisierung in der ersten Hälfte des 19. Jh. eine Schulform entstehen mußte, die näher an den Realien, näher an den Anforderungen der sich ändernden Wirtschaft lag, als die bis dahin verbreiteten altsprachlichen Gymnasien.
Altsprachliche Gymnasien sollten hauptsächlich auf das Studium der Rechtswissenschaft, der Medizin und der Theologie vorbereiteten. Der Besuch dieser altprachlichen Gymnasien war teuer und war daher nur von einer kleinen Oberschicht von reichen Bürgern bezahlbar.

Schulleitung

In den Jahresberichten der Höheren Bürgerschule, die in den Jahren 1840 bis 1868 von Adolf Tellkampf verfaßt wurden, erfahren wir mehr über den Gründer der heutigen Tellkampfschule. Dort schrieb er z. B. 1842, dass es die Aufgabe des Lehrers sei, dem Schüler durch sein Vorbild eine sittliche und geistige Erhöhung zu ermöglichen.
Auch die einfachen Probleme des Schulalltags beschäftigten Adolf Tellkampf. So schrieb er am 16. Juni 1858 eine Eingabe an den Magistrat der Stadt Hannover und bat um die Genehmigung einer Hitzefreiverordnung für den Nachmittagsunterricht.